Starthilfe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter Starthilfe versteht man das Starten eines Verbrennungsmotors bei Versagen der eigenen Starterbatterie.

Im Allgemeinen wird „Starthilfe“ reduziert auf das Anlassen von Motoren in Kraftfahrzeugen, aber auch bei Boots- und Flugmotoren, bei Schienenfahrzeugen, bei mobilen und stationären Anlagen mit Motorantrieben sowie im Modellbau wird Starthilfe angewandt.

Starthilfe per Starthilfekabel[Bearbeiten]

Liefert die Starterbatterie nicht mehr genügend Strom, um einen Verbrennungsmotor mit einem elektrischen Anlasser mit ausreichender Drehzahl zu starten, dann kann eine externe Stromquelle genutzt werden, sofern sie dieselbe Nennspannung besitzt und ausreichend Leistung bereitstellen kann. Das Anlassproblem sollte auch tatsächlich (nur) durch den zu niedrigen Ladestand der Batterie begründet sein, da andere Fehlerquellen auch nach dem Start bestehen bleiben und evtl. zu Motorschäden oder kritischen Situationen im Straßenverkehr führen können.

Starthilfekabel[Bearbeiten]

Die externe Stromquelle (i.A. ein helfendes anderes KFZ) wird mit Hilfe eines Starthilfekabels (auch „Starterkabel“ oder „Überleitungskabel“ genannt) zwecks weiterleiten des Stroms mit dem Empfängerfahrzeug verbunden.

Ein Starthilfekabel besteht aus zwei isolierten elektrischen Leitungen, die auf beiden Seiten mit einer großen Polzange abschließen.

Zur deutlichen Unterscheidung sind die Leitungen verschiedenfarbig in rot und schwarz ausgeführt. Üblicherweise ist die rote Leitung für den Pluspol, die schwarze für den Minuspol vorgesehen und manchmal auf den Polzangen gekennzeichnet. Vertauschen bleibt dann unschädlich, solange es auf beiden Seiten geschieht.

Sonderformen sind möglich (z. B. beim Militär) mit Stecker-/Buchse-System und zusammengefassten Leitungen. Es dürfen nur Kabel mit ausreichendem Querschnitt (mindestens 16 mm² Kupfer oder 25 mm² Aluminium) verwendet werden.

Der Kabelquerschnitt richtet sich grob nach der Größe des Hubraums, genauer nach dem erforderlichen Kaltstartstrom (in Ampere) des Anlassers. Als Richtgröße kann der auf der erschöpften Batterie genannte Wert herangezogen werden.

Kabel mit größerem Querschnitt sind grundsätzlich auch für schwächere Motoren geeignet.

Für Motoren ab ca. 2.000 cm³ Hubraum sowie für Dieselmotoren (der Motor muss hier zusätzlich mit im Verhältnis zum Anlasstrom kleinen Strömen vorgeglüht werden) empfehlen sich Kabel mit einem Querschnitt von 25 mm² Kupfer oder 40 mm² Aluminium. Ein besonders großer Hubraum oder Dieselmotoren mit mehr als 3.000 cm³ Hubraum erfordern Kabel mit 35 mm² Kupfer oder 55 mm² Aluminium.

Insbesondere bei grobem Missverhältnis der externen Energiequelle zu der Empfängerbatterie, oder zu schwachem Starthilfekabel, empfiehlt sich das etwa 15 bis 30 minütige Vorladen der erschöpften Batterie. Erfolgt die Spende aus einem Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor, empfiehlt sich das Laufenlassen im Leerlauf, damit die Lichtmaschine die erschöpfte Batterie mitladen kann.

Je länger das Kabel ist, desto größer muss – wegen des elektrischen Widerstandes – der Querschnitt sein. Ein großer Kabelquerschnitt verringert zudem die Überhitzungsgefahr.

Für Starthilfekabel gelten die DIN 72553 (Ausgabe: 1994–04, Starthilfekabel für Straßenfahrzeuge mit Verbrennungsmotor – Maße, Anforderungen, Prüfung) und die ISO 6722 (Ausgabe: 2006–08, Straßenfahrzeuge – 60 V und 600 V einadrige Verbindungsleitungen – Abmessungen, Prüfmethoden und Anforderungen).

Starthilfe durch Spenderfahrzeug[Bearbeiten]

In der Beschreibung gilt die folgende Terminologie:

  • Empfänger: nicht startfähiges Fahrzeug mit entladener Starterbatterie.
  • Spenderfahrzeug: startfähiges Fahrzeug mit geladener Batterie.

Hier sind die Betriebsanleitungen von Spender und Empfänger zu beachten und die Anweisungen zu beachten, da manche Fahrzeuge im Motorraum eigene Anschlüsse für die Starthilfe haben, die Batterie sich aber zum Beispiel im Kofferraum befindet.

Bei älteren Fahrzeugen konnte die Batterie des helfenden Fahrzeuges sofort nach erfolgreichem Start abgeklemmt werden. Bei neueren Fahrzeugen sollte man die Batterie jedoch noch einige Zeit (10–15 min) angeklemmt lassen. Dies ist vor allem bei tiefentladenen Akkus wichtig. Diese nehmen anfangs nur wenig elektrischen Strom auf und haben einen hohen Innenwiderstand. Dadurch kann es durch den Laderegler der Lichtmaschine zu Überspannung kommen, die jetzt nur durch die Batterie des helfenden Fahrzeuges gedämpft werden kann. Speziell die Motorsteuerung ist empfindlich gegen Überspannung und könnte beschädigt werden. Entsprechend sollte ein starker Verbraucher eingeschaltet werden, um Spannungsspitzen zu vermeiden.

Die Reihenfolge, dass erst das rote Kabel (plus) und dann das schwarze Kabel (minus) verlegt wird, ist sicherheitsrelevant. Würde zuerst das schwarze Kabel gelegt, wären sämtliche Metallteile von Spenderfahrzeug und Empfänger miteinander leitend verbunden. Berührt das rote Kabel nun versehentlich ein Metallteil, während es bereits mit einer Batterie auf einer Seite verbunden ist, entsteht ein elektrischer Kurzschluss. Ist das schwarze Kabel noch nicht verlegt, kann dies nicht geschehen. Beide Batterien müssen in den jeweiligen Fahrzeugen/Anlagen elektrisch angeschlossen bleiben: ein Unterbrechen kann zum Zerstören der Lichtmaschinengleichrichter führen.

Eine weitere Möglichkeit der Starthilfe stellen spezielle Kabel zur Verbindung der Fahrzeuge über die Zigarettenanzünder-Buchsen dar. Da hierbei der Strom durch die relativ dünnen Kabelquerschnitte und Sicherungen der Zigarettenanzünder begrenzt ist (in der Regel 10 bis 20 A), kann das Empfängerfahrzeug dadurch allerdings nicht direkt gestartet werden. Nach etwa zehn Minuten soll die Empfängerbatterie allerdings ausreichend aufgeladen worden sein, um den Motor selbst wieder starten zu können. Je nach Ladezustand der Empfängerbatterie kann dieser Vorgang jedoch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Diese Art der Batterieladung funktioniert nur dann, wenn beim Empfängerfahrzeug der Zigarettenanzünder auch bei abgeschalteter Zündung zum Stromkreis durchgeschleift ist.

Alternative elektrische Starthilfe[Bearbeiten]

  • Es gibt auch Ladegeräte, die eine Starterbatterie enthalten, oftmals als „Power Pack“ bezeichnet. Diese können ebenfalls zur Starthilfe genutzt werden. Dazu müssen sie aber ständig am Stromnetz betrieben werden, bis sie zum Einsatz kommen.
  • Insbesondere für Fahrzeuge, die in unbewohntem oder gefährlichem Gebiet operieren, gibt es fest eingebaute Sekundärbatterien mit spezieller Ladeschaltung. Letztere sorgt dafür, dass sich die Sekundärbatterie nur bei laufendem Motor auflädt und hierfür nicht die Primärbatterie belastet. Ferner kann sie zu keinem anderen Zweck benutzt werden, als bei entladener Primärbatterie das Fahrzeug zu starten.
  • Werkstätten oder Servicebetriebe arbeiten oft auch mit großen Starterbatterien, teilweise auch mehreren parallel geschalteten, die mehr oder minder mobil zum Empfänger gebracht werden, um dort Starthilfe zu geben. Diese Batterien müssen bei Nichtgebrauch ebenfalls ständig an einem Ladegerät betrieben werden.
  • bei Fahrzeugen mit Zweitbatterie werden zwecks Trennung der Anschlüsse Batterietrennrelais eingesetzt. Einige elektronische Batterietrennrelais haben eine „Eigen-Starthilfe“-Funktion.

Andere Techniken bei Kraftfahrzeugen[Bearbeiten]

Starthilfe durch Anschieben[Bearbeiten]

Hauptartikel Anschieben

Anschieben ist in der Regel nur möglich, wenn das liegengebliebene Auto ein Schaltgetriebe oder ein automatisiertes Schaltgetriebe hat. Fahrzeuge mit Automatikgetriebe lassen sich nur dann anschieben oder anschleppen, wenn das Getriebe über eine Sekundärölpumpe verfügt. Voraussetzung für einen Erfolg des Anschiebens oder Anschleppens ist, dass die Batterie noch wenigstens den Zündstrom liefern kann und die Zündung und Spritversorgung in Ordnung ist. Auch bei Dieselmotoren muss die Batterie in der Lage sein, das Kraftstoffventil zu öffnen.

Der Zündschlüssel wird auf Zündposition gebracht und das Lenkradschloss ausgerastet. Eine oder mehrere Personen bringen den Wagen in Schwung. Bei ungefähr doppelter Schrittgeschwindigkeit wird im zweiten oder dritten Gang kurz eingekuppelt, etwas Gas gegeben und sofort wieder ausgekuppelt. Sodann den Motor auf mittlerer Drehzahl am Gas halten, zum Nachladen der Batterie über Motor und Lichtmaschine. Fahrzeuge mit Katalysator dürfen nur dann angeschoben werden, wenn der Katalysator kalt ist. Ansonsten kann unverbrannter Kraftstoff in den heißen Fahrzeugkatalysator gelangen und ihn beschädigen.

Motorräder mit größerem Hubraum müssen im dritten Gang angeschoben werden, da sonst das Hinterrad zu stark gebremst wird und blockiert. Vor dem Anschieben wird das Motorrad eingekuppelt und mit eingelegtem Gang kurz rückwärts geschoben um alle Spiele aus dem Antriebsstrang zu entfernen. Dann erst auskuppeln und anschieben. So baut sich die Last im Antriebsstrang langsam auf und geht nicht gleich „auf Block“; kurz vor dem Loslassen des Kupplungshebels ist es ferner notwendig, den Lenker zu entlasten, damit ein größeres Gewicht auf das Hinterrad drückt.

Starthilfe durch Anschleppen[Bearbeiten]

Hierzu werden das schleppende Fahrzeug und das anzuschleppende Fahrzeug mit einem Seil oder einer Abschleppstange verbunden. Die Zündung des anzuschleppenden Fahrzeuges wird eingeschaltet. Nun wird vorsichtig möglichst ohne Ruck (des Seiles) angeschleppt. Dazu ist der zweite – oder bei Lastkraftwagen dritte – Gang zu benutzen, kurz einkuppeln, bei Start auskuppeln, Gas geben und gegebenenfalls bremsen und dem Fahrer des schleppenden Wagens kurz per Hupe signalisieren, dass der Startversuch glückte. Diese Methode funktioniert auch bei völlig entladener Batterie, wenn der Wagen bei mittlerem Tempo (ca. 30 km/h) eine kurze Strecke im zweiten Gang geschleppt wird, weil die Lichtmaschine des geschleppten Wagens dann nachlädt und Zündspannung liefern kann. Hierzu muss die Zündung eingeschaltet sein.

Kraftfahrzeuge mit Federspeicherbremse (z. B. Lkw) können nur angeschleppt werden, wenn noch Druck im Luftdruck-Bremssystem ist, um die Feststellbremse zu lösen. Meist gibt es bei Lastkraftwagen allerdings die Möglichkeit, die Bremsanlage des anzuschleppenden Fahrzeuges vom anschleppenden Fahrzeug mitversorgen zu lassen (verbinden der roten Kupplungen mittels passenden Schlauches). Beim Anschleppen gilt ebenso wie beim Anschieben, dass Fahrzeuge mit Katalysator nur dann angeschleppt werden dürfen, wenn der Motor nur durch eine entladene Batterie nicht anspringt, das heißt die Zündanlage muss voll funktionsfähig sein. Ansonsten kann unverbrannter Kraftstoff in den Katalysator gelangen und ihn beschädigen.

Starthilfe durch chemische Hilfsmittel[Bearbeiten]

Durch Einsprühen von Startpilot in den Ansaugtrakt kann man einen startunwilligen Benzinmotor zum Laufen bringen, vorausgesetzt, dass der Anlasser funktioniert. Am wirkungsvollsten ist eine Applikation hinter dem Luftfilter. Auch Bremsenreiniger wird so verwendet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Hüppen, Dieter Korp: Autoelektrik alle Typen. Motorbuchverlag, Stuttgart, 1968, ISBN 3-87943-059-4
  • Dieter K. Franke: V.A.G Handbuch, Do it yourself, Gebrauchtwagenkauf-Zubehöreinbau-Pflege. 1. Auflage, ADAC Verlag GmbH, München, 1984, ISBN 3-87003-227-8

Siehe auch[Bearbeiten]