Statusinkonsistenz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Statusinkonsistenz, Statusinkongruenz oder Statusdiskrepanz (Gegenteil: Statuskonsistenz oder Statuskongruenz) liegt vor, wenn eine Person bezüglich ihres sozialen Status auf verschiedenen Rangdimensionen einen unterschiedlich hohen Rangplatz einnimmt.

Gerhard Lenski wählte zur Messung vier unterschiedliche Rangdimensionen (vertikale Hierarchien) aus, einerseits aufgrund der Bedeutung für das nationale Schichtungssystem, andererseits wegen der Datenzugänglichkeit: Einkommen, Beruf, Bildungsniveau, ethnische Abstammung.

Es wird von der These ausgegangen, dass der Mensch seine Bedürfnisse maximal zu befriedigen strebt, auch wenn dies auf Kosten seiner Mitmenschen geht.[1] Ein Mensch mit inkonsistenten Statusrangplätzen wird es daher in einer dafür relevanten Handlungssituation vorziehen, im Zweifelsfall seinem höheren Status gemäß aufzutreten. Seine Interaktionspartner hingegen werden es vorziehen, ihn seinem niedrigeren Rangplatz gemäß zu behandeln. Es ist dann leicht vorauszusehen, dass eine solche Situation zu wechselseitiger Frustration und Stress führen wird.

Der Versuch der Replizierbarkeit der Ergebnisse von Lenski führte zu zahlreichen Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen. 1990 wurde von Pamela Kerscheke-Risch eine Untersuchung durchgeführt, in der sie die widersprüchlichen Ergebnisse der Statusinkonsistenztheorie mit Zahlen des ALLBUS von 1980 und 1986 zu erklären versuchte. In diesem Zusammenhang unterschied sie beschreibend, nicht bewertend zwischen positiver und negativer Statusinkonsistenz nach der Richtung der Abweichung. Mit ihrer Studie wies sie nach, dass nur negative Statusinkonsistenz zu liberal/progressivem Wahlverhalten führt und das pauschale Urteil, dass Statusinkonsistenz generell zu Stress und darüber zu progressiv/liberalem Wahlverhalten führt, unzutreffend ist. Aber auch bei denjenigen mit negativer Statusinkonsistenz fanden sich zwei entgegengesetzte Verhaltenstendenzen. Einerseits die Neigung zu politischem Protest, andererseits die Neigung zu Desinteresse und Apathie. Die genannten Auswirkungen zeigten sich unabhängig davon, ob die Personen ihre objektive Statusinkonsistenz subjektiv wahrnahmen oder nicht. [2]

Andrzej Malewski richtet sein Augenmerk beim Feststellen von "Statuskongruenz" auf die Diskrepanz zwischen den von einer Person präsentierten Statusfaktoren und den normativen Erwartungen, die sein soziales Umfeld diesbezüglich hegt.[3]

In einer Gesellschaft, die es zur Norm macht, dass man dem anderen immer eine Nase voraus zu sein hat, wird Statusinkonsistenz den davon Betroffenen die Interaktion außerhalb der eigenen Primärgruppen verleiden. Eine Hypothese lautet, dass sie vermehrt dazu tendieren, das betreffende Schichtungssystem und die dieses legitimierende politische Ordnung in Frage zu stellen.

Wenn die Anzahl der von Statusinkonsistenz betroffenen Personen innerhalb der Gesellschaft auch nur eine Minderheit darstellen mag, so kann dadurch doch zu erklären gesucht werden, warum sich Individuen, die eigentlich aufgrund bestimmter Statusmerkmale zur gesellschaftlichen Elite gezählt werden könnten, sich unter Umständen politisch eher mit statusniedrigen Schichten solidarisieren.

Literatur[Bearbeiten]

  • George C. Homans: Status among Clerical Workers. Human Organization, 12 (1953), S. 5-10
  • Gerhard Lenski: Status Crystallization: A Non-vertical Dimension of Social Status. American Sociological Review 19 (1954), S. 405-413
  • Gerhard Lenski: Social Participation and Status Crystallization. American Sociological Review 21 (1956), S. 458-464
  • Irwin W. Goffman: Status Consistency and Preference for Change in Power Distribution. American Sociological Review, 22 (1957), S. 275-281
  • A. Zaleznik et al.: The Motivation, Productivity, and Satisfaction of Workers. Cambridge, Mass. : Harvard University Press, 1958
  • Elton Jackson: Status Consistency and Symptoms of Stress. American Sociological Review 27 (1962) S. 469-480
  • Elton Jackson, Peter Burke: Status and Symptoms of Stress: Additive and Interaction Effects. American Sociological Review, 30 (1965), S. 556-564

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Gerhard E. Lenski: Power and Privilege. A Theory of Social Stratification. McGraw-Hill New York London Sydney 1966. S. 86 ff.
  2. Pamela Kerschke-Risch: Statusinkonsistenz; Stuttgart: F.Enke Verlag, Zeitschrift für Soziologie, Jg.19, Heft 3, Juni 1990, s.195-202
  3. Andrzej Malewski: The Degree of Status Incongruence and its Effects. In: In: Reinhard Bendix, Seymour Martin Lipset, (Hrg.): Class, Status, and Power. Social Stratification in Comparative Perspective. Routledge Kegan Paul Ltd. London, 2. Aufl. 1966. ISBN 0-7100-1073-7. S. 304. (Nachdruck aus: The Polish Sociological Bulletin, No. 1 (7)) 1963.)