Staudinger-Reaktion

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Die Staudinger-Reaktion ist eine chemische Reaktion, die der Synthese von primären Aminen aus Aziden dient. Sie ist nach ihrem Entwickler Hermann Staudinger benannt.[1]

Die Staudinger-Reaktion ist eine milde Alternative zu anderen Aminsynthesen. Die benötigten Azide sind meist gut durch Substitution aus den entsprechenden Halogenalkanen zugänglich.

Reaktionsmechanismus[Bearbeiten]

Die Staudinger-Reaktion beginnt mit dem nukleophilen Angriff von Triphenylphosphan am eingesetzten Azid. Das entstandene Phosphazid cyclisiert nun zu einer Vierringstruktur, die unter Abspaltung molekularen Stickstoffs zu einem Phosphazen reagiert. Durch wässrige Aufarbeitung wird das Phosphazen in ein Amin überführt und Triphenylphosphinoxid abgespalten.

Reaktionsmechanismus der Staudinger-Reaktion

Staudinger Ligation[Bearbeiten]

Eine im Jahr 2000 entdeckte Weiterentwicklung zur Peptid- bzw. Proteinligation ist als Staudinger-Ligation bekannt.[2][3]

Kritik[Bearbeiten]

Die Atomökonomie der Staudinger-Reaktion ist schlecht, da bei der Synthese stöchiometrische Mengen Triphenylphosphinoxid anfallen. Deshalb ist die Reaktion vorwiegend als Laborverfahren und weniger als technisches Verfahren von Interesse.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. Staudinger, J. Meyer: Über neue organische Phosphorverbindungen III. Phosphinmethylenderivate und Phosphinimine. In: Helv. Chim. Acta 1919, 2, 635; doi:10.1002/hlca.19190020164.
  2. Eliana Saxon, Carolyn R. Bertozzi: Cell Surface Engineering by a Modified Staudinger Reaction In: Science 2000, 287, 2007-2010; doi:10.1126/science.287.5460.2007.
  3. B. L. Nilsson, L. L. Kiessling, R. T. Raines, Org. Lett. 2000, 2, 1939–1941; doi: 10.1021/ol0060174.