Staufen AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Staufenf zu vermeiden.
Staufen
Wappen von Staufen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Lenzburgw
BFS-Nr.: 4210i1f3f4
Postleitzahl: 5603
Koordinaten: 654976 / 24831147.3833348.166671421Koordinaten: 47° 23′ 0″ N, 8° 10′ 0″ O; CH1903: 654976 / 248311
Höhe: 421 m ü. M.
Fläche: 3.58 km²
Einwohner: 2605 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 728 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 14,4 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.staufen.ch
Staufen und Rebberg, vom Staufberg aus gesehen

Staufen und Rebberg, vom Staufberg aus gesehen

Karte
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Über dieses Bild
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Staufen (schweizerdeutsch: ˈʃtɑufːə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Lenzburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt unmittelbar westlich des Bezirkshauptorts im Seetal.

Geographie[Bearbeiten]

Das Gebiet zwischen dem Seetal und der Aare wird durch den 516 Meter hohen Staufberg geprägt. Dieser Molassehügel ist zwar lediglich 550 Meter lang und 450 Meter breit, überragt aber die ansonsten völlig flache Schotterebene um rund hundert Meter. Die Bebauung des Dorfes Staufen umschliesst den grösstenteils bewaldeten Staufberg auf drei Seiten. Die östliche Gemeindegrenze reicht bis auf wenige Meter an den Aabach heran. Im Nordwesten besitzt die Gemeinde einen schmalen Landstreifen im Länzertwald, im Süden liegt der Buchwald. Die Gemeinden Staufen, Niederlenz und Lenzburg sind zu einer zusammenhängenden Agglomeration mit rund 15'000 Einwohnern zusammengewachsen, die Grenzen zwischen den drei Orten sind kaum mehr erkennbar.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 358 Hektaren, davon sind 113 Hektaren bewaldet und 95 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 517 Metern auf dem Gipfel des Staufbergs, der tiefste auf 393 Metern im Länzertwald.

Nachbargemeinden sind Lenzburg im Norden und Osten, Seon im Süden, Schafisheim im Westen sowie Rupperswil im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältesten Siedlungsspuren reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Die erste urkundliche Erwähnung von Stouffen erfolgte im Jahr 1036 im Nekrolog des Stiftes Beromünster. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen stouf und bezeichnet eine kegelförmige Erhebung.[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Von 1244 bis mindestens 1278 waren die Herren von Staufen als Besitzer der niederen Gerichtsbarkeit erwähnt, doch zu Beginn des 14. Jahrhunderts verschwanden diese spurlos. Das Stift Beromünster verkaufte 1362 alle Rechte an das Kloster Königsfelden, das nun alleiniger Besitzer des Dorfes war.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Staufen gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Im Zuge der Reformation im Jahr 1528 hob Bern das Kloster Königsfelden auf, brachte sämtliche Rechte in seinen Besitz und teilte das Dorf dem Gerichtsbezirk Rupperswil im Amt Lenzburg zu. Der Staufberg diente bis 1880 als Hochwacht. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Staufen gehört seither zum Kanton Aargau.

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Staufen stark landwirtschaftlich geprägt, der Ackerbau und die Viehzucht dominierten. Mit dem Aufstieg der Industrie im benachbarten Lenzburg wandelte sich Staufen immer mehr zu einer attraktiven Wohngemeinde. Der Weinbau am Staufberg, der um 1700 noch die Haupteinnahmequelle gewesen war, kam um 1900 wegen der Reblaus-Epidemie gänzlich zum Erliegen. Seit 1990 werden wieder Reben gepflanzt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wahrzeichen des Dorfes ist die Staufbergkirche, die sich auf dem höchsten Punkt des Staufbergs befindet. Schon in vorchristlicher Zeit soll sich hier eine Kultstätte befunden haben. Die Ursprünge der Kirche reichen mindestens bis ins 10. Jahrhundert zurück. Ein Blitzschlag verursachte 1419 einen Brand, der den Turm und den grössten Teil des Chors einäscherte. 1420 wurde die Kirche in einem romanisch-gotischen Übergangsstil wieder aufgebaut. Der denkmalgeschützte Kirchenbezirk mit Kirche, Pfarrhaus, Sodbrunnen, Sigristenhaus und Friedhof weist wegen seiner exponierten Lage beinahe eine burgähnliche Form auf; es fehlt lediglich eine Burgmauer. Tatsächlich wird auf dem höchsten Punkt des Hügels eine Burgstall vermutet.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot drei gelbe Becher (Staufe).» Die Becher nehmen Bezug auf den Staufberg, der einem umgedrehten Kelch ähnelt. Die Kelche weisen auch auf den Weinbau hin. Das althochdeutsche Wort Stouf bedeutet ebenfalls Kelch. Lange Zeit wurden die Kelche auf blauem Grund dargestellt, wodurch das Wappen jenem von Staufen im Breisgau ähnelte.[6]

Brauchtum[Bearbeiten]

Bekanntester Brauch ist das Silvesterfeuer. Auf dem Staufberg errichten in der Altjahreswoche die Jugendlichen, die die letzte Klasse der Volksschule besuchen, ein hohes Holzgerüst. Am Morgen des 31. Dezembers sammeln die Schulkinder im Dorf die dürren Weihnachtsbäume, Reiswellen und Strohballen ein. Das Material wird den Berg hinaufgeschafft und auf dem Gerüst aufgeschichtet. Punkt Mitternacht wird mit den Glockenschlägen der Staufbergkirche das Feuer vor vielen Schaulustigen entzündet.

Siehe auch: Seetaler Winterbräuche

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 276 758 818 976 1325 1880 2056 2102 2226 2213 2590

Am 31. Dezember 2013 lebten 2605 Menschen in Staufen, der Ausländeranteil betrug 14,4 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 54,9 % reformiert, 27,2 % römisch-katholisch, 3,1 % moslemisch und 1,4 % christlich-orthodox; 0,8 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 89,4 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,9 % Italienisch, 1,2 % Portugiesisch, 1,0 % Albanisch, 0,8 % Serbokroatisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Staufen gehört zum Friedensrichterkreis Schafisheim.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Staufen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 550 Arbeitsplätze, davon 4 % in der Landwirtschaft, 34 % in der Industrie und 62 % im Dienstleistungsbereich.[10] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten vor allem im benachbarten Lenzburg oder in den grösseren Gemeinden der näheren Umgebung. Am Südosthang des Staufbergs wird auf einer Fläche von 23,47 Aren Weinbau betrieben.[11]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Durchgangsverkehr wird zwar an Staufen vorbeigeführt, die Gemeinde ist aber dennoch äusserst verkehrsgünstig gelegen. In unmittelbarer Nähe kreuzen sich die Hauptstrasse 1 (ZürichBern) und die Hauptstrasse 26 (BruggLuzern). Der Anschluss Aarau-Ost der Autobahn A1 ist drei Kilometer entfernt, von dort aus führt eine vierspurige Schnellstrasse nach Aarau. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch zwei Buslinien der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg, die vom Bahnhof Lenzburg aus nach Rupperswil und Bettwil verkehren.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Lenzburg besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Weblinks[Bearbeiten]

Panorama von Lenzburg (rechts), Staufen (Mitte) und Schafisheim (links); vom Esterliturm aus gesehen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 407–408.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089 und 1090, Swisstopo
  5.  Jürg Bossardt, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kirche Staufberg. Schweizerische Kunstführer, Band 840, Bern 2008, ISBN 978-3-85782-840-9.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 281.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  11. Weinbau am Staufberg, abgerufen am 21. Oktober 2010