Steatopygie

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Steatopygie (gr. στέαρ stéar ‚Fett‘ und πυγή pygē ‚Gesäß‘) oder Fettsteiß ist eine Fettablagerung am Steiß bzw. Gesäß.[1][2]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Frau und Mann der Khoi Khoi. (Illustration aus der Encycklopedia Powszechna von Samuel Orgelbrand 1900).

In der deutschen Sprache wurde der Begriff in der Zeit des Kolonialismus geprägt, so definierte das Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon 1911:

„Steatopygīe (grch.), Fettsteiß, übermäßige Fettanhäufung am Gesäß der Hottentottinnen und Buschweiber.“

Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 756.[3]

sowie Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909:

„Steatopygīe (griech.), übermäßige Fettanhäufung am Gesäß bei verschiedenen Rassen, namentlich den weiblichen Hottentotten [...], soll nach Piette auch den vorgeschichtlichen Bewohnern Frankreichs (Solutrézeit) eigentümlich gewesen sein. [...]“

Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 880.[4]

Otto Dornblüth definierte Steatopygie in seinem klinischen Wörterbuch 1927 als:

„die bei Frauen ohnehin schon vorhandene Neigung zu Fettansatz an dieser Stelle findet sich bei manchen wilden Stämmen (Hottentotten- und Buschweibern) ganz bes. entwickelt. Aber auch an e. Elfenbeinfigürchen der Urmenschen von Moustiers (alt. Steinzeit), genannt Venus von Moustiers.“

Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch, 13./14. Auflage, 1927[5]

Eine größere Berühmtheit erhielt Sarah Baartman, die als „Hottentot Venus“ in Europa zur Schau gestellt sowie nach ihrem Tode medizinisch seziert wurde.[6] Heute wird der Begriff im Zusammenhang der „Rassentheorien“ sowie der kolonialen Schilderungen insbesondere der sogenannten „Hottentotten“ als sexistisch-rassistisch abgelehnt.[7][8][9][10]

Siehe auch: Venusfigurinen

Medizin und Zoologie[Bearbeiten]

Das medizinische Lexikon Roche definiert Steatomerie als „zonale Fettsucht, Adipositas“; im engeren Sinne auch als „der Fettsteiß (= Steatopygie)“ und „die femorale Adipositas (= Steatotrochanterie)“.[11] In der Pathologie nennt man eine Fettvermehrung (Fettsteiß) in der Sakralregion auch Pygopegie[12], in der Zoologie wird im Fettsteiß auch das isolierende Unterhautfett als Höcker oder in einzelnen Körperregionen konzentriert. [13]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steatopygie, die, duden.de, abgerufen am 17. Dezember 2013
  2. Hüter-Becker A.: Physikalische Therapie, Massage, Elektrotherapie und Lymphdrainage, Georg Thieme Verlag, 2006, S.301, ISBN 3131368713, hier online
  3. online in zeno.org, abgerufen am 17. Dezember 2013
  4. online in zeno.org, abgerufen am 17. Dezember 2013
  5. online in textlog.de, abgerufen am 21. Dezember 2013
  6. Wie ein wildes Tier begafft: Das Schicksal der Sarah Baartman, FAZ.net vom 31. Januar 2006
  7. Harald Haarmann: Schwarz, eine kleine Kulturgeschichte Lang, Peter Frankfurt 2005, S.88 online in Google Bücher
  8. Eckhard Rohrmann: Mythen und Realitäten des Anders-Seins Springer 2007, S. 90, online in Google Bücher
  9. Ingo Warnke: Deutsche Sprache und Kolonialismus: Aspekte Der Nationalen Kommunikation 1884 und 1919 Walter de Gruyter, 2009. S. 179, online in Google Bücher
  10. Brigitte Fuchs: »Rasse«, »Volk«, Geschlecht: Anthropologische Diskurse in Österreich 1850-1960, Campus Verlag 2003, S. 44, online in Google Bücher
  11. Steatomerie, Roche Lexikon Medizin 5. Aufl., Urban & Fischer 2003, abgerufen am 22. Dezember 2013
  12. Hans Bankl: Arbeitsbuch Pathologie, Bd.2, Allgemeine Pathologie, Facultas 2002, S. 65
  13. Lothar Dittrich: Tiere in menschlicher Obhut: Grundlagen Zootierhaltung. 2007