Steckenpferd

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Dieser Artikel behandelt das Steckenpferd als Kinderspielzeug, zu weitere Bedeutungen siehe Steckenpferd (Begriffsklärung).
Kind mit Steckenpferd (Holzschnitt von 1542)

Das Steckenpferd ist ein aus einem Stecken (Stiel) und einem Pferdekopf bestehendes Kinderspielzeug. In übertragenem Sinne bedeutet es so viel wie Liebhaberei. Im Englischen wird es als hobby horse oder kurz hobby bezeichnet, woher sich sowohl letztere Bedeutung als auch das eingedeutschte „Hobby“ herleitet.

Geschichte[Bearbeiten]

Als Kinderspielzeug ist das Steckenpferd bereits im Mittelalter gebräuchlich: Das älteste plastische Steckenpferd beispielsweise des St.-Annen-Museums in Lübeck befindet sich in einer Kindergruppe auf dem Altar der Gertrudenbrüderschaft der Träger, entstanden um 1509 im Umkreis des Bildschnitzers Henning von der Heyde. Das Steckenpferd als „Lieblingsbeschäftigung“ wurde dagegen erst seit 1763 durch die Romanübersetzung des „Tristram Shandy“ von Laurence Sterne gebräuchlich.

Gebrauch[Bearbeiten]

Krünitz schreibt in seiner 242-bändigen Enzyklopädie (1773–1858) zum Gebrauch dieses Spielzeugs:

Spielzeug... auf dem kleine Kinder zu reiten pflegen, indem sie den Stab zwischen die Schenkel nehmen, den Zaum am Kopfe ergreifen, und so mit ihren eigenen Füßen, in der Einbildung, auf einem Pferde zu sitzen, mit dem Stabe oder Pferde herumgalloppiren...[1]

In Osnabrück findet seit 1953 in jedem Jahr zum 25. Oktober das Steckenpferdreiten für Kinder statt. Mit dem Fest wird an den 1648 in Osnabrück und Münster geschlossenen Westfälischen Frieden zur Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs erinnert. Erstmals wurde das Steckenpferdreiten in Osnabrück 1948 veranstaltet.

Beim Neuburger Schlossfestes in Neuburg an der Donau werden Steckenpferde im sogenannten Steckenreitertanz verwendet, ein Schauspiel zur Erinnerung an die Hochzeit von Pfalzgraf Ottheinrich und Prinzessin Susanna von Bayern am 16. Oktober 1529. Auf dem Stadtwappen von Neuburg an der Donau sind zwei Steckreiterkinder – die beiden Prinzen und späteren Fürsten Ottheinrich und Philipp - zu sehen.

Musik[Bearbeiten]

Der Komponist Robert Schumann (1810-1856) komponierte ein Klavierstück, das er „Ritter vom Steckenpferd“ nannte. Es gehört zu seinem Zyklus Kinderszenen op. 15 (1838), über deren Arbeit er an seine Verlobte Clara scherzhaft schrieb „[…] es war mir ordentlich wie im Flügelkleide“.[2] Die kleine Klavierkomposition ahmt lautmalerisch das kindliche Hüpfen mit dem Steckenpferd nach, indem der 3/4 Takt von der rechten Hand durchgehend gegen den natürlichen Taktschlag auf der 3. Zählzeit betont wird. An Stelle des normalen Schwerpunktes auf Eins steht eine Achtelpause, gefolgt von einem melodischen, durch das ganze Stück rhythmisch unverändert wiederholten, punktierten Dreitonmotiv. Als Vortragsbezeichnung schrieb Schumann „Mit Humor“.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Steckenpferd – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Steckenpferde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.kruenitz1.uni-trier.de/xxx/s/ks22613.htm
  2. Schumann Kinderszenen Op. 15. Wiener Urtext Edition, Schott/Universal Edition, 1996, ISMN M-50057-140-7, Vorwort S. 5 und S. 29, Nr. 9.