Stefan Andres
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Stefan Paul Andres (* 26. Juni 1906 in der Breitwiesmühle bei Dhrönchen (Gemeinde Trittenheim) an der Mosel; † 29. Juni 1970 in Rom), Mitglied im Bamberger Dichterkreis, war in den 1950er Jahren einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Sein bekanntestes Werk ist die 1951 erschienene Novelle „Wir sind Utopia“.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
Andres war das neunte Kind eines Müllers. 1910 zog die Müller-Familie von Dhrönchen/Trittenheim nach Schweich, weil sie wegen des Baus der Dhrontalsperre ihre Mühle aufgeben und nach Schweich ziehen musste. Andres besuchte die Jesuitenschule und das zum Orden der Redemptoristen gehörende Gymnasium Collegium Josephinum, vor dem Ersten Weltkrieg noch in Vaals.
Andres wurde Novize im Orden der Kapuziner und arbeitete als Krankenpfleger in Klöstern. Später brach er seine Priesterausbildung ab und begann ein Germanistikstudium. Er studierte an der Universität zu Köln]], der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Humboldt-Universität zu Berlin. Nachdem „Bruder Lucifer“ erschienen und mit einem Stipendium der Abraham-Lincoln-Stiftung belohnt worden war, verwirklichte sich Andres 1932 seinen Traum einer Italienreise und verzichtete auf einen akademischen Abschluss.
Ab 1933 widmete er sich ganz der Schriftstellerei, wobei seine frühen Romane vorwiegend in seiner Heimat spielen. In vielen seiner Werke spiegelt sich sein christlich-humanistisch geprägtes Weltbild wider. 1937 emigrierte er mit seiner jüdischen Ehefrau Dorothee nach Italien, wo er bis 1949 in Positano am Golf von Neapel wohnte und arbeitete. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland lebte er von 1950 bis 1961 in Unkel am Rhein.
In dieser Zeit galt er als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Gegenwartsschriftsteller. Verlegt wurden seine Werke ab 1949 im Piper Verlag, mit Verleger Klaus Piper verband ihn eine enge Freundschaft. In den Nachkriegsjahren nahm Andres zu einer Reihe zeitgeschichtlicher und politischer Fragen öffentlich Stellung. So beteiligte er sich an Ostermärschen gegen die Stationierung von US-Raketen in Deutschland und war ein Befürworter der Wiedervereinigung.
1961 übersiedelte Andres anlässlich des Zweiten Vatikanischen Konzils nach Rom, wo er am 29. Juni 1970 im Alter von 64 Jahren starb und auf dem deutschen Friedhof im Vatikan Campo Santo Teutonico seine letzte Ruhestätte fand.
Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Seit 1986 wird alle drei Jahre der Stefan-Andres-Preis der Stadt Schweich verliehen.
-
- Andres vertritt in seinen Werken eine Form christlichen Existentialismus, in der er sich mit der Lebensgestaltung des Menschen zwischen Freiheit und Schuld auseinandersetzt. Seine Werke zeigen eine Entwicklung, in der er sich zunehmend Stoffen antiker und mythologischer Herkunft widmet, um mittels ihnen die zeitübergreifenden Themen des Menschen literarisch darzustellen. Dabei ist sein Werk nie zeitvergessen, sondern vermittelte kritische Zeitgenossenschaft. Andres' Christlichkeit in der Suche nach Gott und Wahrheit ist geprägt von einer humanistischen, zuletzt neuplatonisch geformten und undogmatischen Auslegung des Glaubens.[1]
[Bearbeiten] Auszeichnungen und Ehrungen
- 1952: Literaturpreis von Rheinland-Pfalz
- 1954: Großer Kunstpreis von Nordrhein-Westfalen
- 1957: Komturkreuz der Republik Italien
- 1957: Dramatikerpreis der Stadt Oldenburg
- 1958: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
[Bearbeiten] Werke
- Bruder Lucifer, Roman, 1932
- Eberhard im Kontrapunkt, Roman, 1933
- Die Löwenkanzel, Gedichte, Köln 1933
- Die unsichtbare Mauer, Roman, 1934
- Vom heiligen Pfäfflein Domenico, Erzählungen, 1936
- Utz, der Nachfahr, 1936
- El Greco malt den Großinquisitor, Novelle, 1936
- Moselländische Novellen, 1937
- Der Mann von Asteri, 1939 (neu 1949)
- Das Grab des Neides, Novellen, 1940
- Der gefrorene Dionysos, Erzählung, 1942 (später Die Liebesschaukel, 1951)
- Wir sind Utopia, Novelle, 1942 (Dramatisierung Gottes Utopia, 1950)
- Der gefrorene Dionysos, Roman, 1943 (später Die Liebesschaukel, 1951)
- Wirtshaus zur weiten Welt, Novellen, 1943
- Ein Herz wie man braucht, Drama, 1946
- Die Söhne Platons, Komödie, 1946
- Die Hochzeit der Feinde, Roman, 1947
- An Freund und Feind, Briefe, 1947
- Ritter der Gerechtigkeit, Roman, 1948
- Tanz durchs Labyrinth, Drama, 1948
- Die Sintflut, Roman-Trilogie (Das Tier aus der Tiefe, 1949; Die Arche, 1952; Der graue Regenbogen, 1959)
- Der Granatapfel, Gedichte, 1950
- Der Knabe im Brunnen, autobiographischer Roman, 1953
- Die Rache der Schmetterlinge, Novelle, 1953
- Die Reise nach Portiuncula, Roman, 1954
- Positano, Geschichten aus einer Stadt am Meer, 1957
- Die großen Weine Deutschlands, 1961
- Der Mann im Fisch, 1963
- Die biblische Geschichte, 1965
- Der Taubenturm, Roman, 1966
- Ägyptisches Tagebuch, Reisejournal, 1967
- Noah und seine Kinder, 1968
- Die Dumme, Roman, 1969
- Die Versuchung des Synesios, Roman, 1970
[Bearbeiten] Literatur
- Clément André: Dichtung im Dritten Reich. Stefan Andres „Die Arche“. Bouvier, Bonn 1960. (= Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft; 10)
- Stefan Andres. Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts, hrsg. v. Michael Braun. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1999. (= Trierer Studien zur Literatur; 32) ISBN 3-631-34626-3
- Edgar Baum: Sprach- und Stilstudien zum dichterischen Prosawerk von Stefan Andres. Univ. Diss., Bonn 1959.
- Sieghild von Blumenthal: Christentum und Antike im Werk von Stefan Andres. Kovac, Hamburg 1999. (= Schriftenreihe Poetica; 37) ISBN 3-86064-894-2
- Karl Bongardt: Stefan Andres. Union-Verl., Berlin 1990. (= Reihe Christ in der Welt; 72) ISBN 3-372-00354-3
- Michael Braun: Stefan Andres. Leben und Werk. Bouvier-Verlag, Bonn 1997. ISBN 3-416-02692-6
- Eric Sigurd Gabe: Macht und Religion. Analogie zum Dritten Reich in Stefan Andres' Trilogie „Die Sintflut“. Lang, Bern u. a. 2000. ISBN 3-906765-47-4
- Hans Henneke: Stefan Andres. Eine Einführung in sein Werk. Piper, München 1962.
- John Klapper: Stefan Andres. Der christliche Humanist als Kritiker seiner Zeit. Lang, Bern 1998. ISBN 3-906759-73-3
- Uwe Klein: Stefan Andres. Innere Emigration in Deutschland und im „Exil“. Univ. Diss., Mainz 1990.
- Utopia und Welterfahrung. Stefan Andres und sein Werk im Gedächtnis seiner Freunde. Piper, München 1972. ISBN 3-492-01935-8
- Hans Wagener: Stefan Andres. Colloquium-Verlag, Berlin 1974. (= Köpfe des 20. Jahrhunderts; 77) ISBN 3-7678-0366-6
- Karl Günter Werber: Das Verhältnis von Persönlichkeitsentfaltung und Zeiterlebnis im Werk von Stefan Andres. Univ. Diss., Bonn 1959.
- Gerettet und zugleich von Scham verschlungen - Neue Annäherungen an die Literatur der „Inneren Emigration“: Herausgegeben für die Stefan-Andres-Gesellschaft, Werner Bergengruen-Gesellschaft, Elisabeth Langgässer-Gesellschaft, Gertrud von le Fort-Gesellschaft von Michael Braun und Georg Guntermann unter Mitarbeit von Christiane Gandner - Internationales Symposium anlässlich des 100. Geburtstages von Stefan Andres im Deutschen Literaturarchiv Marbach am Neckar, 30. Juni - 1. Juli 2006. Frankfurt am Main 2007 (Trierer Studien zur Literatur 48). ISBN 3-631-56740-5
[Bearbeiten] Einzelnachweise
[Bearbeiten] Weblinks
- Kurzbiografie zu Stefan Andres mit Auswahl einzelner Werke
- Christoph Schmitt: Stefan Andres. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Bd. 18, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 64–70.
- Stefan-Andres-Gesellschaft
- Seite der Gemeinde Trittenheim über Stefan Andres
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Andres, Stefan |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 26. Juni 1906 |
| GEBURTSORT | Breitwiesmühle bei Dhrönchen über Trittenheim an der Mosel, Deutschland |
| STERBEDATUM | 29. Juni 1970 |
| STERBEORT | Rom, Italien |

