Stefan Uroš II. Milutin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stifterporträt, Gračanica um 1320
Königin Simonida, Fresko in Gračanica
Sieg Milutins über die Tataren um 1272, Stich von 1852

Stefan Uroš II. Milutin (* 1253; † 29. Oktober 1321) war der jüngere Sohn von Stefan Uroš I. und dessen Frau Hélène von Anjou, und König von Raszien, der Küstenländer und aller Serben von 1282 bis 1321.

Leben[Bearbeiten]

Nachdem sein älterer Bruder Stefan Dragutin von der serbischen Reichsversammlung als König abgesetzt wurde, wurde Milutin 1282 inthronisiert. Damals nahm Milutin auch den Namen seines Vaters Uroš an. Unter seiner Herrschaft wurde Raszien zur dominierenden Macht auf dem Balkan. Milutin herrschte beinahe über das ganze heutige Serbien (außer Belgrad und der Vojvodina), Montenegro, Herzegowina, Süddalmatien und Nordalbanien. Er eroberte von Byzanz weite Teile Mazedoniens und Albaniens.

Als das bulgarische Fürstentum von Widin (das spätere Königreich Widin) einen Feldzug gegen Milutin begann, besiegte Milutin dieses und eroberte mit seinem Bruder Dragutin, der um Belgrad eine eigene Herrschaft hatte, das an der heutigen serbischen Donau östlich von Belgrad gelegene und von Widin abhängige Fürstentum von Braničevo. Das Fürstentum Widin musste die Oberhoheit Milutins anerkennen. Mit der Eroberung von Braničevo bekam der mittelalterliche serbische Staat erstmals eine feste Grenze an der Donau.

Milutin ist bekannt als einer der bedeutendsten serbischen Kunstmäzene und Kirchenstifter. So erbaute er an die 40 Kirchen und Klöster, darunter ein Hospital in Konstantinopel, das später Patriarchensitz werden sollte, wie auch Kirchen in Thessaloniki oder Bari in Italien und bei Jerusalem. Seine bedeutendsten Stiftungen waren das Kloster Gračanica im Kosovo und die Erneuerung von Hilandar auf dem Berg Athos.

Auch war Milutin bekannt und berüchtigt für seine zahlreichen Ehen. Er heiratete viermal. In dritter Ehe war er mit der bulgarischen Prinzessin Anna von Terter verheiratet. Mit ihr hatte er einen Sohn, Stefan Uroš III. Dečanski, und eine Tochter, Anna Neda.

Seine letzte Ehe schloss Milutin 1299 mit der damals gerade fünfjährigen Simonida, der Tochter des byzantinischen Kaiser Andronikos II. und der Yolande von Montferrat. Diese Heirat beruhte auf einer Entscheidung des zu dieser Zeit schwächelnden Kaiser Andronikos II., der zuerst Milutin, um einen zukünftigen Angriff der Serben auf Byzanz zu verhindern, seine Schwester Eudokia zur Frau anbot. Diese verweigerte dem Kaiser das Gefolge, da sie ein Leben am kaiserlichen Hof in Konstantinopel dem königlichen Hof Milutins vorzog und brüskierte den Kaiser und seine Durchsetzungskraft in der kaiserlichen Familie. Der verärgerte Milutin war im Begriff, dem ohnehin durch die Goldene Horde, die Bulgarenüberfälle und die Gebietsansprüche der Italiener auf Thessaloniki überforderten Byzanz den Krieg zu erklären, als Andronikos Milutin seine fünfjährige Tochter zur Heirat vorschlug. Diese Ehe mit der purpurgeborenen Kaisertochter war die Grundlage für den späteren Anspruch des Kaisers Stefan Uroš IV. Dušan auf die Kaiserkrone des byzantinischen Reiches.[1]

Milutin verstarb 1321, die Nachfolge trat sein einst von ihm verstoßener und geblendeter Sohn Stefan Uroš III. Dečanski an. Er wurde im Kloster Banjska beigesetzt. Als die Osmanen in Serbien einfielen, wurde sein Leichnam verlegt, erst nach Trepča, dann 1460 ins bulgarische Sofia, wo er in der heutigen Kathedrale Sweta Nedelja beigesetzt war. 2007 wurde der Leichnam von der bulgarisch-orthodoxen Kirche und vom Sinod von Sofia als ein Zeichen der Solidarität der serbisch-orthodoxen Kirche überlassen. Diese Übergabe kann man als eine mehr als freundschaftliche Geste deuten, denn Milutin wird mittlerweile auch in Bulgarien als Heiliger verehrt und seine Gebeine haben den Status einer Reliquie. Er ruht heute erneut im Kloster Banjska, das 2004 neu geweiht wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stefan Milutin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Lilie: Byzanz – Das zweite Rom, S. 480f.
Vorgänger Amt Nachfolger
Stefan Dragutin König von Serbien
1282–1321
Stefan Uroš III.