Stefan Wisniewski

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Stefan Werner Wisniewski (* 8. April 1953 in Klosterreichenbach bei Freudenstadt) war ein Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF).

Leben[Bearbeiten]

Jugend, Ausbildung und Berufstätigkeit[Bearbeiten]

Der Sohn eines während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppten polnischen Zwangsarbeiters[1] brach eine im August 1968 begonnene Lehre als Elektroinstallateur in Baiersbronn bald ab und arbeitete als Maschinist zur See. 1969/70 erfolgte eine Unterbringung in einem Heim wegen „Erziehungsschwierigkeiten“.

1974 nahm er an der Besetzung des Amnesty-International-Büros in Hamburg teil, ehe er 1975 als Mitglied der Rote Armee Fraktion in die Illegalität ging. In der RAF war er schon an der Geiselnahme von Stockholm am 25. April 1975 beteiligt.

Beteiligung am Mord an Hanns Martin Schleyer[Bearbeiten]

Während des Deutschen Herbstes 1977 war er an der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer beteiligt. Am 11. Mai 1978 wurde Wisniewski am Flughafen Paris-Orly festgenommen und an die Bundesrepublik ausgeliefert. Nach einem langen Prozess wurde er vom Oberlandesgericht Düsseldorf am 4. Dezember 1981 wegen Mord, Erpresserischen Menschenraubs in Tateinheit mit Geiselnahme, Räuberischer Erpressung, Nötigung eines Verfassungsorgans und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu zweimal lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

Am 1. März 1999 wurde die Haftstrafe unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt und Wisniewski aus der Justizvollzugsanstalt Euskirchen entlassen.

In einer ARD-Reportage zum 30. Jahrestag der Entführung Schleyers sagte Peter-Jürgen Boock 2007 aus, ihm sei erzählt worden, Wisniewski habe zusammen mit Rolf Heißler die Todesschüsse abgefeuert.[2] Die Bundesanwaltschaft ging lange davon aus, dass neben Wisniewski Rolf Clemens Wagner an der Ermordung Schleyers beteiligt war. Von den seinerzeit unmittelbar an der Ermordung Schleyers beteiligten RAF-Mitgliedern hat sich bis heute niemand über den konkreten Tathergang oder die Fahrt mit der Geisel von Brüssel über die belgisch-französische Grenze geäußert. In dem preisgekrönten Dokumentarfilm Schleyer (2003) von Lutz Hachmeister äußerte Wisniewski lediglich: „In dieser Situation hätten wir es als ungerecht empfunden, wenn nach all dem er, der nie für seine Nazizeit bezahlt und Rechenschaft abgelegt hatte – wenn gerade er freikommt.“[3]

Angebliche Beteiligung am Buback-Mord[Bearbeiten]

Der Spiegel berichtete in seiner Online-Ausgabe am 21. April 2007, dass das frühere RAF-Mitglied Verena Becker bereits Anfang der achtziger Jahre Wisniewski als Mörder von Siegfried Buback genannt habe, was von Peter-Jürgen Boock später bestätigt worden sei.[4] Demgegenüber weist Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung in deren Online-Ausgabe am 23. April 2007 darauf hin, dass keinerlei kriminaltechnische Beweise vorliegen und dass darüber hinaus Peter-Jürgen Boock im Bundeskriminalamt (BKA) als unglaubwürdig gelte.[5] Stefan Wisniewski hat gegenüber den Behörden nie ausgesagt. Am 25. April 2007 leitete Generalbundesanwältin Monika Harms ein Ermittlungsverfahren gegen Wisniewski ein. Am 8. April 2010 wurde überdies Verena Becker wegen des Verdachts einer Beteiligung am Mordanschlag auf Siegfried Buback und seine beiden Begleiter angeklagt.[6] Am 27. September 2010 meldete Spiegel Online, dass entsprechend den Angaben der ehemaligen RAF-Mitglieder Silke Maier-Witt und Peter-Jürgen Boock – in einem Interview mit Spiegel TV – das ehemalige RAF-Mitglied Stefan Wisniewski der Mörder Siegfried Bubacks sei.[7] Gegenüber Welt Online dementierte Silke Maier-Witt aber, dies gesagt zu haben.[8]

Werk[Bearbeiten]

  • Stefan Wisniewski: Wir waren so unheimlich konsequent... Ein Gespräch zur Geschichte der RAF. ID-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-89408-074-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Welt: Stefan Wisniewski, Sohn eines Zwangsarbeiters
  2. Tagesschau.de: Ex-Terrorist nennt Namen der angeblichen Schützen (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung (7. September 2007)
  3. Zit. nach Lutz Hachmeister: Schleyer. Eine deutsche Geschichte. C.H. Beck, München 2004, S. 397
  4. Spiegel: Wisniewski soll Buback-Mörder sein
  5. Süddeutsche Zeitung: Wisniewski? Stefan Wisniewski?
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEx-RAF-Terroristin Verena Becker angeklagt. welt.de, 8. April 2010, abgerufen am 2. Dezember 2011.
  7. Ehemalige RAF-Kämpfer nennen Buback-Mörder in Spiegel online vom 27. September 2010
  8. Zweifel an Geheimdokumenten im Mordfall Buback in Welt Online vom 27. September 2010