Steglitzer Kreisel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Steglitzer Kreisel
Steglitzer Kreisel
Basisdaten
Ort: Berlin
Bauzeit: 1968–1980
Architekt: Sigrid Kressmann-Zschach
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Büro
Eigentümer: Becker & Kries / Land Berlin
Technische Daten
Höhe: 118,5[1] m
Etagen: 27
Baukosten: 323 Mio. DM
Höhenvergleich
Berlin: 4. (Liste)
Deutschland: 40. (Liste)
Anschrift
Stadt: Berlin
Land: Deutschland
Der Busbahnhof im Kreisel bei Nacht
Der Kreisel kurz nach der offiziellen Räumung
Information für die Besucher am Eingang
Kreisel 2003
Der SI-Buddy Bär vor dem Hotel im Komplex des Steglitzer Kreisel

Der Steglitzer Kreisel ist ein Gebäudekomplex mit Bürohochhaus im Berliner Ortsteil Steglitz gegenüber dem Rathaus Steglitz gelegen.

Den Hauptteil des Komplexes bildet ein 118,5 Meter hohes Verwaltungsgebäude mit 27 Stockwerken, in dem das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf bis Ende 2007 untergebracht war und das seitdem leer steht. Der Kreisel beherbergt zudem noch ein Hotel, zahlreiche Ladenlokale, einen Busbahnhof der BVG, einen U-Bahnhof und ein Parkhaus.

Planung und Bau[Bearbeiten]

Mit dem Bau des Kreisels wurde im Jahr 1968 nach Plänen der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach begonnen. Die veranschlagten Kosten von 180 Millionen Mark wurden teilweise vom Berliner Senat, teilweise von der Bauträgergesellschaft AVALON der Architektin getragen.

Nachdem zwischenzeitlich bereits über eine Sprengung der Bauruine nachgedacht worden war, wurde das Gebäude im Jahr 1977 von Becker & Kries ersteigert, die den Kreisel für 95 Millionen Mark fertigstellten. Nach Fertigstellung im September 1980 beliefen sich die Baukosten für den Kreisel auf 323 Mio. Mark. Seitdem befindet sich der Steglitzer Kreisel im Eigentum der Gemeinschaft Becker & Kries und des Landes Berlin.

Da nach Fertigstellung des Hochhauses kein Mieter für die Büros gefunden werden konnte, zog schließlich das Bezirksamt Steglitz dort ein. Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) BV: Steglitzer Kreisel bestand aus den Unternehmen:

Es gibt immer wieder das Gerücht, dass im Parkhaus eine Zivilschutzanlage für einen Teil der Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte eingebaut wurde. Die Architektin Kressmann-Zschach hatte eine derartige Anlage auch im Zusammenhang mit ihrem Projekt „Ku’damm-Karree“ erstellt.

Geschichte des Grundstücks[Bearbeiten]

Im Juni 1840 wurde auf dem Gelände des Gastwirts Stephani das Steglitzer Eisenbahn-Theater eröffnet. Auf der in einem achteckigen Holzhaus eingerichteten Bühne wurden Lust- und Singspiele aufgeführt, unter anderem gastierte hier der damals berühmte Karl Unzelmann. Das Theater bestand nur zwei Jahre lang.[2]

Danach befand sich hier von 1863 bis 1967 der von Karl Friedrich Wilhelm Albrecht erbaute Albrechtshof, ein Mehrzweckbau mit Hotel, Restaurant und Theater,[3] seit 1912 auch das Kino Albrechtshof-Lichtspiele.[4]

Kreisel-Affäre[Bearbeiten]

Das Projekt geriet schon bald nach Baubeginn durch steigende Baukosten in die Schlagzeilen, die dazu führten, dass die Bauträgergesellschaft 1974 Insolvenz anmelden musste, wodurch die Bauarbeiten eingestellt werden mussten. Aufgrund einer Bürgschaft in Höhe von 42 Millionen Mark (in heutiger Kaufkraft 59 Millionen Euro) musste der Senat für die Schulden der Architektin aufkommen. Finanzsenator Heinz Striek (SPD) und Bausenator Rolf Schwedler (SPD) hatten dem Bauprojekt leichtfertig vertraut und die Bürgschaft unterzeichnet. Zudem waren 35 Millionen Mark für die Verkehrsbauten im Kreisel versprochen worden und Mittel bereits geflossen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte in diesem Zusammenhang wegen des Verdachts des Betruges gegen die Architektin Sigrid Kressmann-Zschach, musste die Ermittlungen aber im Jahr 1975 ergebnislos einstellen. Ebenfalls ohne Ergebnis musste der parlamentarische Untersuchungsausschuss seine Arbeit einstellen, der gegen Heinz Striek und Rolf Schwedler ermittelte. Striek musste 1975 zurücktreten. Der Oberfinanzpräsident der Oberfinanzdirektion Berlin, Klaus Arlt, der Kressmann-Zschach beruflich half und ihr auch privat nahestand, wurde vom Amt suspendiert.

Asbestbelastung[Bearbeiten]

Im Mai 1990 geriet der Kreisel, inzwischen ein Steglitzer Wahrzeichen, erneut in die Schlagzeilen, da Asbestfunde im Bürohochhaus bekannt wurden. Diese wurden allerdings nur bei auftretenden Schäden und somit auch nur partiell beseitigt. Dieses Verfahren hatte zur Folge, dass bis zum Oktober 2004 ein Gutachten erstellt werden musste, aus dem hervorgeht, dass

  • spätestens 2007 Teile des Hochhauses gesperrt werden müssten,
  • wegen der Lage der Technikzentrale und der Rettungswege eine Teilnutzung während der Sanierung ausgeschlossen ist,
  • die Kosten für eine Sanierung bei 82 bis 84 Millionen Euro liegen würden und
  • ein Neubau an anderer Stelle für lediglich 41,5 Millionen Euro möglich wäre.

Bis zum Juni 2005 wurden zwei weitere Gutachten erstellt. Aus ihnen geht hervor, dass

  • der Büroturm Ende 2007 geschlossen werden muss, falls bis dahin keine vollständige Asbestsanierung erfolgt ist und
  • die Sanierungskosten sich auf 75 Millionen Euro belaufen werden.

Becker & Kries hat angeboten, die Kosten zu übernehmen und die Sanierung allmählich durchzuführen, wenn der Kreisel weiterhin durch das Bezirksamt genutzt wird.[5]

Der Leerstand des Steglitzer Kreisels seit 2007 kostet den Berliner Senat jährlich mehr als 700.000 Euro.[6]

Nutzungsperspektiven[Bearbeiten]

Am 27. Juni 2006 hatte der Berliner Senat beschlossen, das Bürohochhaus aufzugeben und die dort beschäftigten Mitarbeiter des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf in anderen landeseigenen Immobilien unterzubringen.[7] Zum 23. November 2007 ist das Haus daher geräumt worden. Die zwei Jahre dauernden Sanierungsarbeiten hätten 2009 beginnen sollen, nachdem die Berliner Finanzverwaltung und der Liegenschaftsfonds nochmals vergeblich versucht hatten, das Gebäude im unsanierten Zustand zu verkaufen.[8] Die weitere Nutzung ist ungeklärt; neben dem Verkauf an private Investoren ist ein Abriss zwar nicht ausgeschlossen, in der Öffentlichkeit jedoch umstritten.[9][10]

Im Jahr 2010 überlegte der Senat gemeinsam mit Becker & Kries, den Steglitzer Kreisel im März 2010 auf der internationalen Immobilienmesse in Cannes zum Verkauf anzubieten. Die Kosten für die zuvor nötige Beseitigung des Asbests allein werden zu diesem Zeitpunkt auf 31,2 Millionen Euro geschätzt.[11]

Am 11. November 2010 wurde bekannt, dass es zwei Kaufinteressenten gibt: Einer will den Kreisel nur saniert kaufen, der andere würde die Sanierung übernehmen, will aber vom Land eine Kostenbeteiligung.[12]

Am 11. August 2011 meldete die Berliner Zeitung, dass die Sanierung des Steglitzer Kreisels ab „Sommer nächsten Jahres beginnen und im ersten Halbjahr 2015 abgeschlossen sein“ soll. In einem ersten Schritt hat die Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) dazu nach einer Ausschreibung einen Generalplaner ausgewählt, der die Sanierung managen soll. Die Arbeitsgemeinschaft K5 Arge Generalplanung Steglitzer Kreisel, zu der Unternehmen aus den Bereichen Hochbau, Haustechnik, Statik und Schadstoffsanierung gehören, hat den Zuschlag für die Planung der Asbestsanierung des Steglitzer Kreisels bekommen. Was nach der Sanierung mit dem Bauwerk geschehen wird, ist allerdings nach wie vor offen.[13][14]

Am 14. Februar 2012 wurde bekannt, dass der Architekt Gert Eckel dem Stadtentwicklungssenator einen neuen Vorschlag zur Nutzung des asbestverseuchten Gebäudes unterbreitet hat, an dem dieser sich „sehr interessiert gezeigt“ hat. Demzufolge soll das Gebäude befristet auf 15 Jahre als kleinräumiges Lagerhaus, für Ateliers von bildenden Künstlern und als Begegnungsstätte der jüdischen Kultur mit Restaurant genutzt werden. Die Außenfassade soll abends mit Laserlicht und LED-Technik künstlerisch gestaltet werden.[15]

Aussichtspunkt[Bearbeiten]

In der 24. Etage des Kreisels befand sich bis zum 2. November 2007[10] eine Kantine, von der man bei klarer Sicht den freien Blick nach Norden auf die Berliner Innenstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten bis an die nördliche Stadtgrenze hatte; von der Cafeteria blickte man in Richtung Südwesten bis zum Hohen Fläming.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sabine Weißler (Hrsg.): Über Steglitz der Kreisel. Eine Hochhausgeschichte. Im Auftrag der Heinrich-Böll Stiftung und des Bildungswerks Berlin der Heinrich Böll Stiftung. Berlin 1998, Gesamtdarstellung, 63 S.
  • Cornelia Tomerius: Ach du dickes B. Eine Berliner Pleitengeschichte. Berlin Verlag 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steglitzer Kreisel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steglitzer Kreisel bei CTBUH
  2. Klaus-Dieter Wille: Spaziergänge in Steglitz. Haude&Spener Verlag, Berlin 1989, S. 20 f
  3. Albrechtstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  4. Albrechtshof-Lichtspiele auf allekinos.de
  5. Katrin Lange: Der Steglitzer Kreisel muß bleiben. In: Die Welt, 2. März 2005
  6. Steglitzer Kreisel kostet jährlich mehr als 700.000 Euro. In: Berliner Morgenpost, 19. Mai 2012.
  7. Asbestsanierung des Bürohochhauses ‚Steglitzer Kreisel‘, Pressemitteilung Nr. 06-048, Senatsverwaltung für Finanzen, Berlin, 27. Juni 2006
  8. Keiner will den Kreisel kaufen. In: Der Tagesspiegel, 24. Juli 2008
  9. Der Kreisel verpackt in 21.000 Kisten. In: Der Tagesspiegel, 17. Oktober 2007
  10. a b Berliner Abendschau, 1. November 2007
  11. Steglitzer Kreisel im Angebot. In: Der Tagesspiegel, 28. Januar 2010
  12. Steglitzer Kreisel interessiert nur noch zwei Investoren. In: Der Tagesspiegel, 11. November 2010
  13. Ulrich Paul: Nach der Asbestsanierung droht der Abriss. In: Berliner Zeitung, 10. August 2011
  14. Planung der Asbestsanierung beginnt. In: Berliner Morgenpost, 11. August 2011
  15. Steglitzer Kreisel: Ein Licht-Kunstwerk für 15 Jahre. In: Der Tagesspiegel, 14. Februar 2012

52.45555555555613.319722222222Koordinaten: 52° 27′ 20″ N, 13° 19′ 11″ O