Steigerlied

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Steigerlied (auch Steigermarsch oder Glück auf, der Steiger kommt) ist ein deutsches Bergmanns- und Volkslied.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Steigerliedes reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Die dritte und die vierte Strophe erschienen in ähnlicher Form als elfte und zwölfte Strophe in dem Lied Es soll ein Meidlein frü auf stan, das in den 1531 in Zwickau erschienenen Bergreihen I enthalten war. Als eigenständiges Werk erschien der Marsch mit der ursprünglichen Zeile „Wache auff, der Steyer kömmt“ im um 1700 im sächsischen Freiberg gedruckten Bergliederbüchlein [1].

Thema des Steigerliedes ist die Hoffnung der Bergarbeiter, nach der harten und gefährlichen Arbeit im Bergwerk wieder ans Tageslicht und zu ihren Familien zurückzukehren. Andere Quellen sprechen davon, dass der RefrainGlück auf!“ das Glück beschwört, der Berg möge sich auftun, und den Abbau von Kohle oder Erzen zu ermöglichen. Während die ersten vier Strophen die Gemeinsamkeit haben, dass das Ende der vorangehenden Strophe in der ersten Textzeile der Folgestrophe aufgegriffen wird, fehlt diese Kontinuität in der fünften und sechsten Strophe. Es ist anzunehmen, dass diese Strophen zu einem späteren Zeitpunkt hinzugedichtet wurden. Details des Liedtextes weichen je nach Gebiet ab.

Das Lied ist heute in nahezu allen Bergbauregionen Deutschlands anzutreffen und hat für Bergleute und Personen, die sich dem Bergbau verbunden fühlen, den Charakter einer Hymne. Es ist fester Bestandteil von Bergparaden im Erzgebirge, im Saarland und im Ruhrgebiet. Es wird außerdem bei Sportveranstaltungen, unter anderem bei Heimspielen des FC Schalke 04, von Rot-Weiss Essen und des FC Erzgebirge Aue, gespielt und gehört zum Standard-Repertoire von Studentenverbindungen. Außerdem wird es auf Parteitagen der SPD gespielt und gesungen.

Anlässlich der Volksabstimmung über den Wiederbeitritt zum Deutschen Reich (13. Januar 1935) wurde der Text „Deutsch ist die Saar“ auf die Melodie des Steigerlieds verfasst. Nach dem Krieg verwendete Radio Saarbrücken - der spätere Saarländische Rundfunk - bis in die 1980er Jahre vier Takte des Steigerliedes, (analog zur Textzeile „… und er hat sein helles Licht bei der Nacht …“) auf einem Horn gespielt, als Senderkennung (Jingle bzw. Pausenzeichen). Das Lied selbst gilt als „heimliche Nationalhymne“ des Saarlandes.

Bei Studentenverbindungen wird gemäß einer in Clausthal-Zellerfeld entstandenen und heute weit verbreiteten Tradition das Steigerlied nach dem so genannten Mitternachtsschrei gesungen. Im Anschluss an das Steigerlied folgen die Fakultätsstrophen in der Reihenfolge Bergleute, Hüttenleute, andere Berufsgruppen.

Die eingängige Melodie des Steigerliedes wurde mehrfach für andere Lieder übernommen, so geschehen bei dem Trinklied Die Kreuzritter seins kreuzbrave Leut’ oder Geburtstag ist heute. 1997 schrieb der Liedermacher Gerhard Gundermann mit Michael Nass ein Lied (Wer hat ein helles Licht bei der Nacht), das auf dem Steigerlied basiert und dieses zum Teil auch zitiert. Außerdem singt Herbert Grönemeyer bei Konzertauftritten die erste, manchmal auch die ersten beiden Strophen des Steigerliedes als Einleitung zu seinem Lied Bochum.

Text[Bearbeiten]


\relative c''
{ \key g \major
g2 fis4 a4 | g2 r2 | b2 a4 c4 | b2 r4 g8 a8 | b4 b4 b4 a8(b8) | c4 a8 a8 a4 a8 b8 |
c4 c4 c4 b8(c8) | d4 b8 b8 b4 a4 | g2 a2 | b4(e4 d4) c4| b2 a2 | g2 r2 \bar "|." }
\addlyrics
{
Glück auf, Glück auf, der Stei -- ger kommt. Und er hat sein hel -- les Licht bei der Nacht, und er
hat sein hel -- les Licht bei der Nacht, schon an -- ge -- zündt’, __ schon an -- ge -- zündt’.
}

Der nachstehende Text entspricht der überlieferten Urform des Liedes.

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.
|: Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,:|
|: schon angezündt’:|

Schon angezündt’! Das gibt ein'n Schein,
|: und damit so fahren wir bei der Nacht,:|
|: ins Bergwerk ein:|

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut’ sein,
|: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht,:|
|: aus Felsgestein:|

Der Eine gräbt das Silber, der and're gräbt das Gold,
|: doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht,:|
|: dem sein wir hold:|

Ade, nun ade! Lieb’ Schätzelein!
|: Und da drunten in dem tiefen finst’ren Schacht, bei der Nacht,:|
|: da denk’ ich dein:|

Und kehr ich heim, zum Schätzelein,
|: dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,:|
|: Glück auf, Glück auf!:|

Eine weitere überlieferte Strophe lautet

Die Bergmann’sleut sein’s kreuzbrave Leut,
|: denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht:|
|: und saufen Schnaps:|

Wenn die vorherigen Strophen sitzend gesungen werden, stehen die anwesenden Bergleute bei der oben stehenden Strophe meistens auf. Zudem wird auf größeren Veranstaltungen nach Singen dieser Strophe angestoßen und ein alkoholisches Getränk getrunken.

Es kursieren eine Reihe weiterer ähnlich aufgebauter Strophen für verschiedenste Gruppen, wie z. B. Hüttenleute, Chemiker, aber auch Hausfrauen. Diese Strophen enden auf „|: und saufen’s auch:|“.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Formatanonym: Wache auff, wache auff, der Steyer kömmt. In: Bergliederbuch, Edition A. um 1700, abgerufen am 17. Juni 2014.

Weblinks[Bearbeiten]