Steinbach (Wartburgkreis)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Steinbach
Steinbach (Wartburgkreis)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Steinbach hervorgehoben
50.83333333333310.366666666667390Koordinaten: 50° 50′ N, 10° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Höhe: 390 m ü. NN
Fläche: 15,06 km²
Einwohner: 1276 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36448
Vorwahl: 036961
Kfz-Kennzeichen: WAK
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 073
Adresse der Gemeindeverwaltung: Steiger 3
36448 Steinbach
Webpräsenz:
Bürgermeister: Olaf Koblitz (FDP)
Lage der Gemeinde Steinbach im Wartburgkreis
Karte

Steinbach ist ein Bergdorf im Wartburgkreis in Thüringen. Erfüllende Gemeinde ist Schweina. Bekannt ist Steinbach unter anderem durch die Gefangennahme von Martin Luther oberhalb des Ortes.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Die Gemeinde befindet sich im nordwestlichen Thüringer Wald.

[Bearbeiten] Gemeindegliederung

Steinbach besteht aus dem Ort Steinbach und der Kleinsiedlung Atterode.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

An Steinbach grenzen im Norden die Stadt Ruhla, im Nordosten die Gemeinde Emsetal, Ortsteil Winterstein im Landkreis Gotha; im Osten folgt die Gemeinde Brotterode sowie der Ortsteil Laudenbach der Gemeinde Trusetal im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Im Süden und Westen grenzt der Ort an die Stadt Bad Liebenstein mit den Stadtteilen Bairoda und Schloß Altenstein sowie an den Nachbarort Schweina.[2]

[Bearbeiten] Berge

Als höchster Punkt der Gemeinde und des Landkreises gilt der Große Weißenberg, eine Anhöhe am Rennsteig mit dem Grenzpunkt Dreiherrenstein. Beachtenswert sind auch: Rennwegskopf (729,6 m ü. NN), Gerberstein (728,5 m ü. NN), Golmerskopf (684,7 m ü. NN), Eselskopf (600,5 m ü. NN), Scharfenberg (572,6 m ü. NN), Seifertsberg (484,5 m ü. NN) und Mühlbergskopf (340,2 m ü. NN). [3]

[Bearbeiten] Gewässer

Im nördlichen Teil der Gemarkung bildet der Kamm des Thüringer Waldes mit dem Rennsteig die natürliche Wasserscheide. Der an der Frankenlandwiese am Schwarzenberg entspringende Erbstrom fließt nach Norden in Richtung Ruhla und der Hörsel zu. Der Steinbach mit Kallenbach und Glasbach sind die nördlichen Quellbäche des Grumbach, welcher unterhalb von Breitungen/Werra in die Werra mündet. Südlich der Ortslage befindet sich in der Nähe einer Teichfläche am Waldgasthaus Hubertushof das Getränksloch - eine episodisch auftretende Trichterquelle - zum Quellgebiet des Grumbach gehörig. Erwähnenswert sind weiterhin die mit historischer Bedeutung versehenen Quellen Lutherborn und Triniusquelle. [3]

[Bearbeiten] Geschichte

Bergwiese an der Walper - auch Glasbachswiese
Die Steinbacher Kirche, erbaut 1736
Die alte Schule, jetzt Heimatmuseum, erbaut 1734
Ortsbildtypisch sind verschieferte Fachwerkhäuser
Blick über den südlichen Teil der Ortslage
Ausgedientes Handwerkszeug der Klingenschmiede und Schleiffer
Das Lutherdenkmal oberhalb von Steinbach
Erinnerungstafel an den Skischanzen

Die erste urkundliche Erwähnung Steinbachs stammt vom 10. August 1330. Der Ort befand sich im Herrschaftsbereich der Burg Liebenstein im Amt Altenstein. Zur heutigen Gemarkung zählt auch die Wüstung Glasbach - eine kleine Siedlung von Bergleuten und Waldbauern im Kammbereich des Thüringer Waldes, welche bereits um das Jahr 1000 von Bedeutung besaß. Messerschmiede und Klingenschleifer, Bergleute, Köhler und Waldbauern prägten die Entwicklung des Ortes Steinbach. Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Ortsteil Atterode Eisenerz und Mangan und bis 1990 das Mineral Fluorit abgebaut. Zahlreiche Überreste von Pingen und Stollen sowie geologische Besonderheiten werden durch Rundwanderwege erschlossen. Der Flurname Schleifkotengrund verweist auf die im Ort florierende Herstellung von Messerklingen und Kleineisenwaren durch die Klingenschleifer. Über Jahrhunderte wurde der Ort Messersteinbach genannt, um 1800 wurden noch etwa 130 Messerschmieden und 80 Schlosserwerkstätten gezählt, damals bestand bereits eine traditionsreiche Verbindung und Arbeitsteilung mit den Nachbarorten Ruhla und Brotterode.[4] Ein anderes Waldgewerbe - das Harzkratzen - wurde in den Wäldern um den Forstort Krätzersrasen betrieben, es diente zur Gewinnung von Baumharzen, aus denen Pech und andere Naturprodukte herstellbar sind. [5] Eine regionale volkskundliche Besonderheit in Steinbach war die Stabgerechtigkeit - eine überlieferte Rechtsform der Niederen Gerichtsbarkeit, abgeleitet aus dem Stammesrecht der Thüringer, welches die Angelegenheiten im Dorf bis zum Jahr 1898 regulierte. [6] Bekanntheit erhielt Steinbach durch die Scheinentführung Martin Luthers am 17. Mai 1521, unweit des Rennsteig erinnert ein Denkmal an dieses Ereignis.

Bei einer 1726 erforderlichen Visitation des Ortes durch Bergbaubeamte des Herzogtum Sachsen-Meiningen wurden große Missstände und Raubbau an den Wäldern bemerkt, die 1732 erlassene Bergordnung führte um 1750 zu einer beachtlichen Blüte des Bergbau und Eisengewerbes. Zahlreiche Gebäude in Steinbach wurden 1732 durch ein Großfeuer zerstört, der Wiederaufbau erfolgte rasch, 1734 wurde ein Schulhaus und 1736 die Kirche eingeweiht, der angrenzende Bergfriedhof im Steilhang oberhalb der Kirche besitzt noch einige sehenswerte barocke Grabdenkmäler. [7]

Der andernorts betriebene Übergang zur industriellen Massenfertigung von Eisenwaren im späten 19. Jahrhundert hatte für die noch handwerklich orientierten Steinbacher dramatische wirtschaftliche und soziale Folgen, die Bevölkerung verarmte und es kam schließlich im August 1907 zur Steinbacher Revolution , ein Aufruhr, der von der Sachsen-Meininger Obrigkeit als Landfriedensbruch mit großer Härte verfolgt wurde. [8] In Steinbach waren 1948 im Metallgewerbe noch über 500 Arbeiter und 45 Bergleute im Schacht tätig.

Die in den Steinbacher Wäldern verborgenen Waffendepots aus dem Zweiten Weltkrieg verursachten in den 1960er Jahren in Steinbach und Umgebung Razzien und polizeiliche Durchsuchungen, mehrere Einwohner wurden in der DDR-Zeit in Schauprozessen zu hohen Haftstrafen verurteilt. [9]

1984 hatte der Ort etwa 1800 Einwohner, es gab etwa 1000 Industrie-Arbeitsplätze. Im VEB Stahl- und Schneidwaren wurden Messer, Bestecke und Stahlwaren hergestellt. Auch die Firma Elektroinstallation Ruhla hatte im Ort einen Betriebsteil. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden bereits in der DDR durch die LPG Witzelroda mit Weidevieh bewirtschaft. Jährlich fanden im Ort etwa 4000 Urlauber im FDGB-Ferienhaus Volkshaus und in Betriebsferienheimen Aufnahme.[10]

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Veranstaltungen

Am 2. Januar findet die Wahlfeier - im Ortsdialekt "Walfier" statt, Hintergrund für dieses Fest ist die jährliche Neuvergabe der Ämter und Rechte im Ort, die neuen Amtsträger mussten die Kosten der Feierlichkeiten übernehmen. Die Kirmes in Steinbach findet jährlich um den 3. Oktober statt und ist der kulturelle Höhepunkt des Jahres in der Region. Die Kirmes 2008 fand vom 16. bis 20. Oktober statt.

[Bearbeiten] Sport und Freizeit

In Steinbach befindet sich eine ältere Skischanzen-Anlage. Rings um den Ort stehen zahlreiche Wanderwege, im Winter gespurte Loipen zur Verfügung. Bei der Freizeitgestaltung stehen auch zahlreiche Angebote im 2 km entfernten Kurort Bad Liebenstein zur Verfügung.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

  • Barockkirche mit Bergfriedhof Steinbach
  • Heimatmuseum Steinbach
  • Lutherdenkmal
  • Dreiherrnstein am Rennsteig
  • Bodendenkmal Wüstung Glasbach am Rennsteig
  • Forsthaus Krätzersrasen
  • Skischanzen im Schleifkotengrund
  • Gerberstein - höchster Punkt des Wartburgkreises
  • Questenstein - Aussichtspunkt am Wanderweg Breitunger Rennsteig
  • Triniusquelle

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Wirtschaftliche Entwicklung

Nach 1990 wurde der Bergbau eingestellt. Die Einwohner der Gemeinde Steinbach sind überwiegend in den Nachbarorten Bad Liebenstein, Bad Salzungen und Ruhla beschäftigt. [11]

[Bearbeiten] Ansässige Unternehmen

  • Messerhaus Schleifkotengrund GmbH
  • Stöcker Schneidwaren GmbH & Co. KG
Datenquelle: http://www.bundesfirmenregister.de

[Bearbeiten] Verkehr

[Bearbeiten] Straßenverkehr

Die Gemeinde Steinbach wird über die Landstraße 1027 aus Richtung Ruhla und Bad Liebenstein erreicht. Die nächstgelegenen Autobahnanschlussstellen der A 4 sind die etwa 18 Kilometer entfernten Anschlussstellen 40b (Wutha-Farnroda) sowie 40a (Eisenach/Ost) [12]

[Bearbeiten] Schienenverkehr

In Immelborn, Bad Salzungen und Breitungen sind Haltepunkte der Werrabahn. Anschluss an das Intercity- und ICE-Netz der Deutschen Bahn besteht in Eisenach.

[Bearbeiten] Öffentlicher Personennahverkehr

Nach Steinbach verkehren folgende Buslinien der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH :

Linie Fahrstrecke
L-71 EisenachSeebach - Ruhla – Steinbach - Schweina - Barchfeld - Bad Salzungen
L-106 Steinbach - Bad Liebenstein - Schweina - Barchfeld - Bad Salzungen
L-107 Bad SalzungenBad Liebenstein - Steinbach - Brotterode - Tabarz
L-133 Bad Liebenstein – Steinbach - SchweinaBad Liebenstein

Neben seiner Bedeutung für die Beförderung von Schülern ist der Busverkehr auch wichtig als Zubringer zum Bahnhof Eisenach und für die auf Wandertourismus orientierten Umlandgemeinden [13] .

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Thüringer Landesamt für Statistik: Bevölkerung nach Gemeinden
  2. Thüringer Landesvermessungsamt Wartburgkreis und Kreisfreie Stadt Eisenach, Erfurt 2002, ISBN 3-86140-250-5
  3. a b Thüringer Landesvermessungsamt TK25 - Blatt 5128 Ruhla, Erfurt 2005, ISBN 3-86140-736-1
  4. Gerd Schäfer Über den Ursprung der Eisenverarbeitung in Steinbach In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1992. S. 42f
  5. Gerd Schäfer Der Krätzers Rasen bei Steinbach In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1993. S. 100-104
  6. Gerd Schäfer Die Walfier in Steinbach In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1993. S. 96-100
  7. Manfred Salzmann:Zwischen Ruhla, Bad Liebenstein und Schmalkalden - Werte unserer Heimat Band 48. Akademie-Verlag Berlin 1989. ISBN 3-05-000378-2 S 62-66
  8. Gerd Schäfer Die Steinbacher Revolution In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1996. S. 49-60
  9. Michael Erler: Die Ulbricht-Attentäter von Steinbach - eine MDR-Reportage, Erstsendung am 08. Januar 2008
  10. Manfred Salzmann:Zwischen Ruhla, Bad Liebenstein und Schmalkalden - Werte unserer Heimat Band 48. Akademie-Verlag Berlin 1989. ISBN 3-05-000378-2 S.64
  11. Landratsamt Wartburgkreis (Hrsg.) Wartburgkreis - Thüringen, Suhl 2008 S.43
  12. Thüringer Landesvermessungsamt TK350 Übersichtskarte - Thüringen , Erfurt (ab 1991)
  13. Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH - Fahrplan

[Bearbeiten] Literatur

  • Eduard Fritze: Geschichtliches über Bad Liebenstein, Schweina, Steinbach und Atterode, Elch Verlag 1999 (Reprint 1925), ISBN 3-933566-09-6
  • Roland Geißler: Wanderführer um Bad Liebenstein und den Inselsberg, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2007, ISBN 978-3-938997-79-6

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Steinbach (Wartburgkreis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen