Steinen (Baden)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Steinen
Steinen (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Steinen hervorgehoben
47.6452777777787.7402777777778333Koordinaten: 47° 39′ N, 7° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Lörrach
Höhe: 333 m ü. NHN
Fläche: 46,86 km²
Einwohner: 9697 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 207 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79585
Vorwahl: 07627
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 08 3 36 084
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Eisenbahnstraße 31
79585 Steinen
Webpräsenz: www.steinen.de
Bürgermeister: Rainer König
Lage der Gemeinde Steinen im Landkreis Lörrach
Frankreich Schweiz Landkreis Waldshut Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Freiburg im Breisgau Aitern Bad Bellingen Binzen Böllen Efringen-Kirchen Efringen-Kirchen Eimeldingen Fischingen (Baden) Fröhnd Grenzach-Wyhlen Zell im Wiesental Häg-Ehrsberg Hasel (Baden) Hausen im Wiesental Inzlingen Kandern Kleines Wiesental Lörrach Malsburg-Marzell Maulburg Rheinfelden (Baden) Rümmingen Rümmingen Schallbach Schliengen Schönau im Schwarzwald Schönau im Schwarzwald Schönau im Schwarzwald Schönau im Schwarzwald Schönau im Schwarzwald Schönau im Schwarzwald Schönenberg (Schwarzwald) Schopfheim Schwörstadt Steinen (Baden) Todtnau Tunau Utzenfeld Weil am Rhein Wembach Wembach Wembach Wieden (Schwarzwald) Wittlingen Wittlingen Zell im Wiesental Zell im Wiesental Zell im WiesentalKarte
Über dieses Bild
Steinen im Dreiländereck
Ortsteil Höllstein von Hüsingen aus, Jan. 2012

Steinen (Alemannisch Steine) ist eine Gemeinde im Landkreis Lörrach im Südwesten Baden-Württembergs. Die Gesamtgemeinde Steinen entstand 1974/1975 durch den Zusammenschluss der bisherigen Gemeinden Endenburg, Hägelberg, Höllstein, Hüsingen, Schlächtenhaus, Steinen und Weitenau.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gesamtgemeinde Steinen liegt im Vorderen Wiesental des Südschwarzwalds. Mit dem Steinenbachtal als Nord-Südachse bildet die Gemeinde Steinen einen geographischen Querriegel zum Wiesental. Insgesamt erstreckt sich die Gemeinde in der größten Nord-Süd-Ausdehnung über 14 km, die Höhendifferenz zwischen der Tallage in 333 Meter bis zum Wambacher Wasen in 988 Meter Höhe im Norden beträgt mehr als 600 m.[2] Der Hauptort Steinen liegt auf 47° 65´ nördlicher Breite und 7°40 östlicher Länge.

Geologie[Bearbeiten]

Die Gemarkung Steinen erstreckt sich über mehrere natürliche Landschaften hinweg. Von Norden nach Süden kommend sind dies:

  1. der Schwarzwald um Endenburg herum (bestehend vorwiegend aus Granit und Gneis),
  2. die Schwarzwaldvorberge des Weitenauer Berglands (bestehend aus Rotliegend, Buntsandstein),
  3. die Talfurche der vorderen Wiese (trennt die Buntsandsteintafel (rechts der Wiese) und die Muschelkalktafel (links der Wiese)), und
  4. die Schwarzwaldvorberge im Süden Steinens: der Dinkelberg (eine Muschelkalktafel, bestehend vorwiegend aus Muschelkalk und Kneuper).

Im Buntsandstein liegen auch die alten Steingruben[3], welche das Dorf einst weit über seine Grenzen bekannt gemacht hat, und denen es letztlich seinen Namen zu verdanken hat. Auch für den Wiederaufbau Basels nach dem Erdbeben von 1356 und den Bau des Basler Münsters spielten die Steinener Buntsandsteingruben eine wichtige Rolle.[4] Die Steingruben wurden um 1900 aufgelassen und lassen sich heute beispielsweise am Schützenweg (frühere Bezeichnung: An der langen Gass) im Steinbrunnengebiet, beim Stutz sowie östlich des ehemaligen Schlosshölzle lokalisieren.

Der Bereich um den südlichen Oberrheingraben liegt in einer mäßig aktiven Erdbebenregion. Im Schnitt kommt es im Oberrheingraben einmal im Monat zu einem Beben der Stärke 3 auf der Richterskala (mit Erschütterungen welche meistens nur von einzelnen Menschen wahrgenommen werden). Erdstöße der Größenordnung 4,5 kommen alle zwei bis drei Jahre vor. Das letzte mäßig starke Erdbeben in Steinen mit der Stärke 4,5 ereignete sich am 5. Mai 2009 um 03:39 Uhr MESZ mit Epizentrum in Weitenau (47° 41′ 0″ N, 7° 45′ 0″ O47.6833333333337.75, ca. 10 km Tiefe).[5]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an Malsburg-Marzell, im Nordosten an Gemeinde Kleines Wiesental, im Osten an die Stadt Schopfheim und an die Gemeinde Maulburg, im Süden an die Stadt Rheinfelden (Baden) sowie im Westen an die Kreisstadt Lörrach und die Stadt Kandern.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Steinen besteht aus den sieben Ortsteilen Endenburg, Hägelberg, Höllstein, Hüsingen, Schlächtenhaus, Steinen und Weitenau mit insgesamt 26 Dörfern, Weilern, Höfen und Häusern. Die räumlichen Grenzen der Ortsteile sind identisch mit denen der ehemaligen Gemeinden gleichen Namens, ihre offizielle Benennung erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und durch Bindestrich verbunden nachgestellt der Name des jeweiligen Ortsteils. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Mit Ausnahme der Ortsteile Höllstein und Steinen sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.[6]

Die sieben Ortsteile der Gemeinde Steinen[2]
Name Einwohner
(1. Jan. 2012)
[2]
Fläche (in km2) Erste urkundliche Erwähnung Zugehörige Einrichtungen[7][Anm. 1]
Steinen 5477 5,95 1113 („Steina“)
Endenburg 409 10,64 1275 („Entenburch“)
  • Dörfer: Endenburg, Kirchhausen, Lehnacker
  • Zinken: Stelle
  • Höfe: Auhof, Schrohmühle
  • Häuser: Stalten
Weitenau 588 6,78 1100 („Witnowe“)
  • Dörfer: Weitenau
  • Zinken: Außerdorf, Farnbuck, Schillighof
  • Höfe: Hummelberg
Hägelberg 746 6,44
  • Dörfer: Hägelberg
Höllstein 1885 2,64 1103[Anm. 2]
  • Dörfer: Höllstein
  • Häuser: Förishäusle, Gaze- und Keppweberei, Hagmatt, Schalthaus
Hüsingen 566 6,87 1242 („Husinchon“)
  • Dörfer: Hüsingen
  • Häuser: Merian'sche Anlagen
Schlächtenhaus 488 7,53
  • Dörfer: Schlächtenhaus, Hofen
  • Höfe: Heuberg, Klosterhof
  • Häuser: Kloster Weitenau
  1. Im Ortsteil Hüsingen liegen die Wüstungen Fenningen und Muntzikon und im Ortsteil Weitenau liegt die 1344 und 1383 genannte Ortschaft Bůssoltzberg, die möglicherweise mit Farnbuck identisch ist.
  2. Höllstein wurde erstmals 1103 in einer Urkunde des Basler Klosters St. Alban erwähnt. Aus der Urkunde geht hervor, dass der Ort mindestens seit 1083 existiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Erwähnungen Steinens und einiger seiner heutigen Ortsteile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Das ehemalige Kloster Weitenau auf halbem Wege zwischen den Ortsteilen Steinen und Schlächtenhaus wurde erstmals im Jahre 1100 urkundlich erwähnt. Erstmals wird der Ort Steinen in einer Urkunde des Kloster St. Blasien (Schwarzwald) aus dem Jahre 1113[8] erwähnt (als „Staina“), als der Edle Walcho von Waldeck seine Güter dort und an anderen Orten an das Kloster St. Blasien schenkte. Ebenfalls 1113 erscheint ein „Walcho von Staina“ als Zeuge in einer Urkunde, er ist wahrscheinlich identisch mit Walcho von Waldeck.[9] Archäologische Befunde wie alemannische Reihengräber weisen jedoch auf eine frühere Besiedelung hin.

Im 13. Jahrhundert gehörte es entweder den Edelherren von Rötteln in der Seitenlinie der Herren von Rotenberg, oder den Markgrafen von Hachberg und war dem Bannkreis der sanblasianischen Dinghöfe zugeordnet. Jedenfalls die Burg gehörte damals zu Rotenberg.[10]

Zu einem bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufstieg der Region kam es im 14. und 15. Jahrhundert durch die Verwertung der Vorkommen an rotem Buntsandstein. 1388 und 1469 ließ der jeweilige Bischof von Basel Steinbrüche bei Steinen zum Wiederaufbau des 1356 zerstörten Münsters aufkaufen.

1503 kam das Gebiet mit der gesamten Markgrafschaft Hachberg-Sausenberg an die Markgrafschaft Baden und wurde dort dem Oberamt Rötteln zugeordnet. Steinen erhielt Anfang des 17. Jahrhunderts (1602) Marktrecht, Ende des 18. Jahrhunderts (1776) einen Vieh- und Krämermarkt und später auch einen Wochenmarkt.

Infolge seiner Lage an zwei vielbefahrenen Landstraßen (der Straße durch das Wiesental nach Schopfheim und der alten Römerstraße von Steinen über Hüsingen nach Inzlingen und Lörrach) wurde das Dorf von vielen Kriegsereignissen in Mitleidengeschaft gezogen. So erfuhr das Dorf vor allem 1676, 1678 und am 25. August 1689 Plünderungen durch die Franzosen.

Bereits im 18. Jahrhundert begann Steinen sich als Sitz einer St.Blasischen Schaffnei als Kleinzentrum zwischen Schopfheim und Lörrach zu etablieren, was sich in der großen Zahl der Handwerker und dem Bau bürgerlicher Häuser und an den seit 1760 gepflasterten Gassen zeigte.[11]

Während der Badischen Revolution durchquerten im April 1848 die Truppen des Heckerzuges auf dem Weg zum Gefecht auf der Scheideck Steinen. Nach der Niederlage dort sammelten sich Teile des Heckerzuges bei Steinen und vereinigten sich dort mit einem weiteren Revolutionszug unter Joseph Weißhaar. Bundestruppen zerstreuten die Revolutionäre jedoch bald und vertrieben sie in Richtung Schweizer Grenze.

Im 19. Jahrhundert änderte das alte und zum Teil auch ärmliche Bauerndorf mit seinen zum Teil schlechten Straßen und manchen primitiven Häusern seine Struktur. Die Ursache war der Beginn der Textilindustrie im Wiesental und in Steinen. Die Textilindustrie hatte in Steinen bereits 1816 als Heimarbeit und der ersten Handweberei von Merian & Köchlin begonnen und viele Einwohner beschäftigt. Mit der Erstellung der ersten Fabrikanlagen wurde das ehemalige Markgräfler Bauerndorf knapp 20 Jahre später durch die „Basler Herren“, unter anderem Oberst Geigy und Direktor Peter Köchlin, dem „König der Druckstoffe“, industrialisiert. 1836 gründete der Basler Oberst Wilhelm Geigy-Lichtenhahn in Steinen die Mechanische Spinnerei und Weberei Steinen mit 7.392 Spindeln und 40 mechanischen Webstühlen[12]. 1858 erwarb er die Baumwollhandweberei Peter Köchlin und Söhne, die er seit 1848 bereits gepachtet hatte, dazu.[13]

Der wirtschaftliche Aufschwung und die in den Wiesentalorten eingerichteten Textilfirmen machten vermehrten Transport und Fuhren mit Zugtieren auf den stellenweise oft in schlechtem Zustand befindlichen Straßen notwendig. So setzten sich vor allem die Herren der neu entstandenen Fabriken, in erster Linie der Gründer der Textilindustrie in Steinen, der schweizerische Oberst Wilhelm Geigy, für den Bau der Wiesentalbahn ein. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wurde Steinen am 10. Mai 1862 mit der Eröffnung der Wiesentalbahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen.[4]

Als 1899 für den Betrieb einer neuen Spinnerei eine elektrische Kraft- und Lichtzentrale geschaffen wurde, bot die Firma dem Bürgermeisteramt an, auch die Straßenbeleuchtung und die Einrichtung der Hauslichter zu übernehmen: Die alten Petroleumlampen wurden abgebaut und Steinen wurde elektrifiziert.

Die beiden Weltkriege hinterließen tiefe Spuren in der Bevölkerung: Zur Ehrung der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Steinen wurde 1935 die Gedächtnisanlage auf dem ehemaligen Kirchhof der Petruskirche nach den Plänen des Freiburger Architekten Hans Geiges errichtet. Hier wurden auf acht Sandsteintafeln die Namen der Gefallenen festgehalten. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs musste das Mahnmal um weitere 13 Gedenktafeln erweitert werden[14].

Architektonisch betrachtet überstand Steinen den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet bis am 16. Dezember 1944 das "Kramerschen Haus", welches bis 1849 Wohnsitz von Altvogt Scheffelt, später das alte Rathaus beherbergte, durch Bombenabwurf völlig zerstört wurde.[4] Auf dem ehemaligen Areal in der Eisenbahnstraße befindet sich heute die Metzgerei Hug.[15]

Steinen bildete bereits seit dem 14. Jahrhundert gemeinsam mit den Orten Höllstein, Hüsingen und Hägelberg eine Vogtei. Am 1. Januar 1974 wurde Weitenau nach Steinen eingemeindet. Am 1. Oktober 1974 erfolgte die Eingemeindung von Endenburg. Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Gemeinden Steinen, Hägelberg, Höllstein, Hüsingen und Schlächtenhaus neu gebildet. Durch diese Gemeindereform wurde Steinen die flächenmäßig sechstgrößte Gemeinde des Landkreises Lörrach.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Bevölkerungsentwicklung zeigt zunächst eine Abnahme der Einwohnerzahl zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs, 1648, dann eine langsame Zunahme der Einwohner bis 1833. In den folgenden Jahrzehnten ist ein starker Bevölkerungsanstieg, besonders in Steinen, zu verzeichnen, hervorgerufen durch die beginnende Industrialisierung.[4][2][16][17]

Jahr 1625 (ev*) 1648 (ev*) 1740 (ev*) 1750 (ev*) 1833 1839 1871 1895 1900 1953 1970 1980 1990 2000 2011
Steinen 240 180 303 373 494 937 1395 1503 1705 2524 3804 4228 4895 5489
Höllstein 150 133 187 187 272 378 697 733 769 1382 1659 1666 1720 1867
Hägelberg 130 106 165 208 237 272 273 331 368 316 511 576 653 736
Hüsingen 175 142 215 235 294 318 339 335 298 382 446 412 496 559
Weitenau 385 341 334 399 388 499 597
Schlächtenhaus 441 412 441 420 496 491
Endenburg 568 390 336 348 390 413
Gesamt 695 561 870 1.003 1.297 1.905 2.704 2.902 3.140 4.604 7.567 8.038 9.149 10.005 10.152

*ev: Die Einwohnerzahlen der Jahre 1625 bis 1750 stammen aus den Kirchenbüchern welche nur die evangelischen Einwohner verzeichneten.

Die Summe der Einwohnerzahlen bis 1953 ohne Weitenau, Schlächtenhaus und Endenburg.

Religionen[Bearbeiten]

Evangelische Kirche St. Peter in Steinen

Mit der Reformation von 1556 wurde Steinen wie das gesamte Markgräflerland evangelisch-lutherisch. Die Umkehr vom römisch-katholischen zum evangelischen Glauben nach Steinen zur lutherischer Lehre war mittels des Beitritts des Landesherrn Markgraf Karl II zum Augsburger Bekenntnis möglich. Mit diesem Beitritt lag es in den Händen der jeweiligen Fürstenherren, nach welchen Glauben die Untertanen zu leben hatten. Noch heute gehört der überwiegende Teil der Bevölkerung der evangelischen Konfession an. Beim Zensus 2011 ergab sich folgende Verteilung der Religionen: 48.0% evangelisch – 21,8% katholisch – 30,3% keine/sonstige Konfession.[18]

Heute gibt es im Kernort, in Höllstein und Schlächtenhaus jeweils eine evangelische Gemeinde, die zur Badischen Landeskirche gehört. Die mit der Landeskirche verbundene Arbeitsgemeinschaft für Seelsorge e. V. betreibt in Hägelberg außerdem seit 1970 das Haus Frieden.[19]

Mit der Christus-Gemeinde besteht in Steinen eine Gemeinde der kleinen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden, die sich im 19. Jahrhundert der Union von lutherischem und reformiertem Bekenntnis im Großherzogtum Baden widersetzt hat.

In Höllstein gibt es eine römisch-katholische Gemeinde, die für Steinen und Maulburg zuständig ist.

Im Ort ist auch der Evangelische Verein für innere Mission Augsburger Bekenntnis e.V., der zur Evangelischen Allianz gehört, vertreten. Außerdem gibt es eine neuapostolische Gemeinde, eine evangelische Täufergemeinde und die Freikirche Quelle des Lebens im Ort.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Steinen hat 22 Sitze. Die Gemeinderatswahlen 2004, 2009 und vom 25. Mai 2014[20] erbrachten folgendes Ergebnis:


2004 2004 2009 2009 2014
Anteil
2014
Sitze[21]
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 49,9% 12 Sitze 42,4% 11 Sitze 42,4% 9 Sitze
Gemeinschaft für ein lebenswertes Dorf 35,0% 8 Sitze 33,8% 8 Sitze 31,9% 7 Sitze
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 16,1% 3 Sitze 23,9% 6 Sitze 25,7% 6 Sitze

Die Wahlbeteiligung betrug 51,7 % (2004: 51,5 %, 2009: 51,2 %).

Europawahl[Bearbeiten]

Die politische Stimmung in Steinen beiden Europawahlen 2009 und 2014 stellt sich wie folgt dar:

2009 2014
CDU 35,1% 31,1%
SPD 20,3% 25,6%
Grüne 17,3% 12,8%
AfD 0,0% 10,1%
FDP 13,3% 2,7%

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister Amstjahre
Rainer König seit 2000
Herbert Stumböck 1984–2000
Johannes Pflüger 1969–1983
Karl Ludin 1954–1968
Paul Becker 1945–1954
Karl Strübbe 1921–1945

Rainer König ist seit 2000 Bürgermeister von Steinen.[22]

16 Jahre lang, von 1984 bis 2000, war der gelernte Bauingenieur Herbert Stumböck Bürgermeister der Gemeinde Steinen.[23][24] Während seiner Amtszeit brachte der gebürtige Schönauer die Gemeinde mit Tatendrang voran: Der Bau des Seniorenzentrums Mühlehof, der Halle in Schlächtenhaus und des Bürgerhauses in Hüsingen, aber auch der Grundschulneubau am Schulzentrum fielen unter anderem in seine lange Amtszeit. Unter Herbert Stumböck erhielt die Köchlinstraße ein völlig neues Gesicht, es verschwanden die morschen Reste der einstigen Textilindustrie. Auch die Firma Rotzler fand damals ihr neues Areal in der Lörracher Straße, während in der Köchlinstraße das Obdachlosenheim emporwuchs.[25]

1969 bis 1983 war Johannes Pflüger Bürgermeister. Während seiner Amtszeit wurden ebenfalls größere Bauvorhaben verwirklicht: Das Schwimmbad, das Bildungszentrum mit Sporthalle und ein neuer Kindergarten im Fröbelweg.

Karl Ludin, Bürgermeister bis 1968, übernahm die Amtsgeschäfte im Frühjahr 1954 von Paul Becker, der 1945 erster Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg geworden war.

Paul Becker wurde am 4. Mai 1945 von der Militärregierung als stellvertretender Bürgermeister eingesetzt. Er konnte mit der Verwaltung im Frühjahr 1946 in das später durch Kauf erworbene Haus Stadler, das heutige Rathaus, übersiedeln. 1948 wurde Paul Becker auf 8 Jahre gewählt.

Fast ein Vierteljahrhundert, von 1921 bis 1945, übernahm Webermeister Karl Strübbe die Rathausgeschäfte.[4]

Der ehemalige Vogt Johann Michael Scheffelt (1795–1853) hatte in der Mitte des 19. Jahrhunderts Steinens Wirtschaftsentwicklung maßgeblich vorangetrieben. Scheffelt war Mitglied im Landtag und hat sich in Steinen unter anderem um den Ausbau des Steinenbachs verdient gemacht. Im Zuge der Badischen Revolution und dem Einmarsch der Preußen 1849 wanderte er nach Amerika aus.[26]

Wappen[Bearbeiten]

Steinen Gemeinde Steinen In geteiltem Schild oben in Blau eine aus sieben (drei oben, vier unten) Steinen bestehende silberne Mauer auf der Teilung, unten in Grün ein silberner Wellenbalken. Die sieben Steine stehen für die sieben Teilorte der heutigen Gesamtgemeinde, die Mauer steht als Symbol für die Stärke, die aus der Zusammenarbeit erwächst, der Wellenbalken symbolisiert die Wiese, die durch den Ort fließt.[27][28] Das Wappen des Ortsteils Steinen gleicht dem der Gemeinde, hat aber statt sieben nur drei Steinblöcke.
Endenburg Endenburg „In gespaltenem Schild vorn in Gold eine bewurzelte grüne Tanne mit schwarzem Stamm, hinten in Silber ein grüner Eichenzweig mit vier Eicheln und drei Blättern.“[27][28] Hägelberg Hägelberg „In gespaltenem Schild vorn das badische Wappen, hinten in Blau ein goldenes Schwert.“[27][28]
Höllstein Höllstein „In gespaltenem Schild vorn das badische Wappen, hinten in Blau aus dem unteren Schildrand kommendes silbernes Gestein.“[27][28] Hüsingen Hüsingen „In Blau eine gestürzte silberne Pflugschar, belegt mit dem badischen Wappenschild.“[27][28]
Schlächtenhaus Schlächtenhaus „In Rot zwei schräggekreuzte silberne Schlachtbeile.“[27][28] Weitenau Weitenau „Von Silber und Blau schräggevierter Schild belegt mit einem vierspeichigen Mühlrad in verwechselten Farben.“[27][28]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Cornimont-Platz im Zentrum Steinens

Steinen pflegt seit 1983 eine Partnerschaft (Jumelage) mit der französischen Gemeinde Cornimont in den Vogesen. Der damaliger Steinener Bürgermeister Johannes Pflüger und sein Cornimonter Amtskollege Gérard Braun besiegelten am 29. Mai 1983 auf dem Dorfplatz des Vogesenortes und Ende September 1983 nochmals in Steinen die Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden.

Die Gemeinde Steinen würdigt die Partnerschaft mit dem Cornimont-Platz im Herzen des Dorfes. Als Gegenstück hierzu wurde auch in Cornimont im Oktober 2004 der „Square de Steinen” eingeweiht.[29]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Das Bauernhausmuseum Schneiderhof in Kirchhausen-Endenburg[30]

Der Schneiderhof wurde 1696 als typisches Schwarzwaldhaus erbaut und ist in seiner Ursprünglichkeit bis heute fast unverändert. Nach dem Tod der letzten Bewirtschafterin, Fräulein Berta Schneider, übernahm 1987 der gemeinnützige "Verein zur Erhaltung des Schneiderhofes in Kirchhausen e.V." den Schneiderhof und restaurierte ihn in den neun folgenden Jahren. Das Landesdenkmalamt stufte den Hof als "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, an dessen Erhaltung ein gesteigertes öffentliches Interesse besteht" ein. Heute ist der Hof ein Museum, welches dem Besucher ein anschauliches Bild der Lebens- und Arbeitsweisen unserer Vorfahren vermittelt.

Parks[Bearbeiten]

Der Vogelpark Steinen in privater Trägerschaft zeigt auf 10 ha etwa 1000 Tiere, neben Vögeln auch Berberaffen und Kängurus. Ein Tropenhaus zeigt tropische Pflanzengemeinschaften, in einer Falknerei kann man Flugvorführungen von Adlern, Falken und Eulen beobachten.

Wanderwege[Bearbeiten]

Circa 60 % der Gemarkungsfläche der Gemeinde Steinen sind mit Laub- und Nadelwäldern bedeckt.[2] Steinen bietet ein auf über 100 Kilometer gut ausgebautes und beschildertes Wander- und Radwegenetz zum Wandern, Nordic Walking oder Mountainbiken. Als Wanderziele bieten sich an: Der Vogelpark Steinen, der Schneiderhof in Kirchhausen, das ehemalige Kloster Weitenau, die Höllschlucht bei Schlächtenhaus/Endenburg,[31] das Häfnet-Brünnele sowie der Waldlehrpfad in Endenburg. Auch der Hebel-Wanderweg führt entlang des Flusses Wiese durch Steinen.

Tor zum Naturpark Südschwarzwald[Bearbeiten]

Bei einem Wettbewerb im Mai 2004 wurde die Gesamtgemeinde Steinen neben 4 weiteren Orten (Triberg, Emmendingen, Stühlingen und Wehr) mit dem Prädikat Tor zum Naturpark Südschwarzwald ausgezeichnet. Diese Kommunen haben bei der Ausschreibung neben einer Reihe von besonderen Kriterien, vor allem auch durch besondere Konzepte zur werblichen Darstellung des Naturparks und der Gesamtregion überzeugt. Anlässlich des „Summerfeschts“ der Gewerbetreibenden Steinens am 26. und 27. Juni 2004, wurde das Torschild der Bevölkerung vorgestellt.[32]

Sport[Bearbeiten]

Wiesentalstadion in Höllstein, rechts im Hintergrund die Wiesentalhalle

In Steinen gibt es ein breites sportliches Angebot auf der Basis zahlreicher Vereine.[33] Die größten Sportvereine sind:

  • FC Steinen-Höllstein (Fußball), entstand 1919 als Fusion des 1912 gegründeten FC Steinen und des FV Höllstein
  • TuS Höllstein (Leichtathletik, Volleyball, Ski, Gesundheitssport), mit rund 1200 Mitgliedern der größte Sportverein der Gesamtgemeinde Steinen, gegründet 1907
  • Turnverein Steinen 1887 e. V. (Turnen, Tischtennis, Gesundheitssport)

Wiesentalstadion

Die wichtigste Sportstätte ist das 1990 in Betrieb gegangene Wiesentalstadion im Ortsteil Höllstein. Der Sportplatz beinhaltet sowohl einen Naturrasen- als auch einen Tennenplatz, eine Kunststoffbahn und verschiedene Hochsprung- und Weitsprung- sowie Wurfsporteinrichtungen.[34] Dort finden vor allem die Trainings und Spiele bzw. Wettkämpfe des FC Steinen-Höllstein und TuS Höllstein statt.

Das Gelände wurde den Fussballern aus den Ortsteilen Steinen und Höllstein von der Firma Merian kostenlos überlassen, welches durch Vollzug des Meßbriefes im Juni 1988 in den Besitz der Gemeinde überging. Am 3. August 1989 erfolgte der Spatenstich.

Freibad Steinen[Bearbeiten]

Das Schwimmbad liegt am westlichen Ortsrand des Ortsteils Steinen und verbucht jährlich ca. 80.000 bis 100.000 Besucher. Das Schwimmbad setzt sich aus einem Nichtschwimmer und einem Sportbecken mit Sprungturm sowie einer Kinderwasserlandschaft zusammen. Im Jahr 1994 wurde das gesamte Technik-Gebäude erweitert und die Wasseraufbereitungsanlage erneuert.[35]

Minigolf-Anlage Steinen[Bearbeiten]

Die sich neben Freibad und Tennishalle befindende Minigolf-Anlage wurde durch Bürgermeister König im Juli 2006 nach Renovierung neu eröffnet. Seit 2009 befindet sich die Anlage im Dornröschenschlaf und ist momentan nicht bespielbar. Die Gemeinde Steinen als Eigentümerin muss im Gemeinderat über die Zukunft des Areals beraten.[36]

Bauwerke und Plätze[Bearbeiten]

Das Vogtshaus[Bearbeiten]

Ein Haus von besonderer, bauhistorischer und heimatgeschichtlicher Bedeutung ist das „Vogtshaus“ mit Gebäudeteilen aus dem Jahre 1553, dessen Sanierung durch den Förderkreis Vogtshaus Steinen e. V. in den Jahren 1988–1994 bewerkstelligt wurde. Das Vogtshaus, früher gerne als die "Ritterburg" bezeichnet, ist ein dreigeschossiges Steinhaus auf L-förmigem Grundriss. Im Winkel der beiden Hausflügel ist ein Treppenturm mit steinerner Spindeltreppe angebaut. Die ältesten Teile des heute erhaltenen Gebäudes stammen aus der der Zeit vor 1553, stellten aber bereits einen Anbau an ein noch früheres Gebäude dar. Dieses wurde 1553/56 durch einen Neubau ersetzt und mit dem Anbau vereinigt. Nach einer längeren Bauunterbrechung wurde das Gebäude 1593/94 grundlegend renoviert und erweitert. Zu der heute erhaltenen vorbarocken Ausstattung gehören fein gearbeitete Steinmetzarbeiten, eine Wappentafel, ausgemalte Fachwerkfelder, gemalte Architekturrahmung und ein qualitativ hochwertiges Wandbild.

Das spätmittelalterliche Bürgerhaus diente den "Haller-Vögten" (Bastian 1571–1597 und seinem Sohn Jakob 1597–1610) als Metzig, Herberge und Gemeindewirtschaft sowie als Amtshaus.[37] Die Chronik berichtet, dass die Familie Haller fast dreieinhalb Jahrhunderte hindurch im Dorf die Richter, Stabhalter und andere Ämter der Vogtei stellte.[15]

Das Schloss zu Steinen[Bearbeiten]

Erstmals erwähnt wird die frühere Burg im Jahr 1278 als das Rotenbergische Ehepaar Dietrich V und Adelheid, welche einer jüngeren Seitenlinie der freien Herren von Rötteln entstammten, die Burg und weitere Güter dem Kloster St. Blasien vermachten. Wo sich die Burgstelle befand lässt sich heute nicht zweifelsfrei klären, vermutlich auf dem Platz des heutigen Schlosses. Im Jahre 1563 wurde das damalige Wasser-Schloss von Gregorius Krafft von Dellmensingen von Grund auf erneuert, die eingemeißelte Jahreszahl 1563 über der Eingangstür und einem Fenstergewände an der Südseite zeugen von diesem Umbau. Im Jahr 1574 verkaufte er das Schloss an Wilhelm von Heidegg. Dieser trat sofort von dem Kauf zurück, als er von den massiven Schulden erfuhr die auf dem Bau lasteten. Die sich anschließenden Prozesse wurden erst 1580 durch Vergleich beendet. Zwischen 1597 und 1605 lebten auf dem Schloss verschiedene Rötteler Obervögte. Nach der Zerstörung des Schloss Rötteln 1678 zog die markgräfliche Burgvogtei nach Steinen und residierte dort für mehrere Jahre. 1697 wurde das Schloss schließlich an Friedrich de Rougemont, dem Bürgermeister von La Chaux-de-Fonds (Kanton Neuenburg, Schweiz) verkauft. Dessen Witwe Rose de Rougemont verkaufte den Besitz 1716 und das Schloss wurde in der Folge durch Pächter verwaltet.[11]

Im November 1745 endet die eigentliche Geschichte des Schlosses: das baufällige Schlossgut zu Steinen und das umgebende Land wurden Stück für Stück vom Markgraf versteigert. Von jetzt an ist der alte Adelssitz ein Bürgerhaus: Schulmeister Ludwig Winter ersteigerte das Schloss für 1525 Pfd, den Rest erwarben 36 Einwohner. Das heutige Aussehen des Schlosses wird stark durch die Erneuerung des alten Wahrzeichens Steinens durch Wilhelm Friedrich Reinau nach 1888 bestimmt.[4]

Das Steinener Schloss findet auch Erwähnung im Badischen Sagenbuch: Die Sage "Die Häfnetjungfrau (D'Häfnetjumpfere)" erzählt von der Hartherzigkeit und dem Hochmut früherer Schlossbesitzer.[38]

Evangelische Kirche Sankt Peter[Bearbeiten]

Vermutlich wurde die erstmals 1112 schriftlich erwähnte Kirche bereits um 1050 als einfache Kapelle der Herrn des Dorfes erbaut. Bestandteile der im 14. Jahrhundert erbauten Nachfolgekapelle sind in der heutigen Petruskirche erkennbar. Das heutige Aussehen des Barockbaus mit spätgotischen Elementen der alten Kirche im Inneren wird durch die grundlegende Renovierung 1741–1759 bestimmt. Einige Jahre später (1769) wurde ebenfalls der Kirchturm von Grund auf neu errichtet.

Die Grabplatte der Jungfrau Maria Reichin von Reichenstein, welche sich an der rechten Seite der Petruskirche befindet, stammt aus dem Jahr 1564. Der Dame wird nachgesagt, die sagenhafte Häfnetjungfrau zu sein.

Katholische Pfarrkirche Unbefleckte Empfängnis Mariä (Höllstein)[Bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche Unbefleckte Empfängnis Mariä in Höllstein ist ein einschiffiger, rechteckiger Saalbau, an dessen Längsseite sich fünf rundbogige, hohe Fenster befinden. Er wurde wegen der steigenden Anzahl an katholischen Einwohnern während des Booms der Textilindustrie in den Jahren 1865 und 1866 vom Freiburger Architekt Ludwig Engesser erbaut.

Villa Köchlin[Bearbeiten]

Die als Baudenkmal eingestufte Gründerzeitvilla stammt aus dem Jahr 1850 – der Blütezeit der Textilindustrie im Wiesental. Nach zehnjährigem Leerstand wurde die Villa im Jahr 2005 unter größtmöglicher Erhaltung der Bausubstanz saniert. Die zum historischen Ensemble gehörenden Gebäude, das ehemalige Gärtner- und Kutscherhaus wurden 2005 neu errichtet.[39]

Marktplatz[Bearbeiten]

Bereits 1602 erhielt Steinen das Marktrecht und wurde Marktflecken. Der Ort hatte zu dieser Zeit samt Schloss und Mühlen nachweisbar 36 Häuser mit Gärten und Scheunen. Der Markt war sicherlich während der ersten Jahrzehnte des Dreißigjährigen Kriegs, welcher wieder starke Lücken in den Häuser- und Bevölkerungsstand riss, nur wenig besucht. Durch die Gründung der Textilfabriken in den Jahren 1834/1835 stieg die Einwohnerzahl sehr rasch um ca. 600 Personen, welche keine Selbstversorger waren und ihre Lebensmittel einkaufen mussten. Aus diesem Grund erhielt die Gemeinde Steinen im Oktober 1836 die Genehmigung, dienstags und freitags einen Wochenmarkt abzuhalten. Im April 1860 wurde der Marktplatz mit 32 steinernen Pfosten eingezäunt und mit Querstangen versehen. Vier Jahre später entstand hinter dem Marktplatz ein öffentlicher, überdachter Waschplatz, zudem erstellte die Gemeinde an der Straße einen größeren Dachvorsprung zum Schutz vor Regen beim Verkauf der Marktwaren. Der Wochenmarkt hielt sich bis in den Ersten Weltkrieg hinein. Die Rationalisierungsmaßnahmen der letzten Kriegsjahre des Ersten Weltkriegs bedeuteten schließlich das vorläufige Ende des Wochenmarktes. Im Sommer 1974 wurde die Tradition des Wochenmarktes wieder aufgenommen. Heute findet auf dem ursprünglichen Platz, dem damaligen "Lindenplatz", vor dem Gasthaus Löwen jeden Mittwoch und Samstag der Wochenmarkt statt.[4]

Ehemalige mechanischen Spinnerei und Weberei Steinen – das  „Quelle Areal“[Bearbeiten]

Die ockergelb gestrichenen Gebäude des heute bezeichneten „Quelle Areals“ zwischen Bahnhofstraße, Egertenweg und Lörracher Straße sind ein Relikt aus Steinens textiler Hochzeit und gehörten zur 1836 von Wilhelm Geigy gebauten „unteren Fabrik“ der mechanischen Spinnerei und Weberei Steinen.

Im Jahr 1965 übernahm die Firma Merian das Gelände, seit 1970 war es im Besitz der Medima. Nach dem Medima-Konkurs in den 90er Jahren wurden die Gebäude vom Quelle-Versandhaus genutzt. Die Gemeinde Steinen erwarb schließlich im Dezember 2008 den größten Anteil des 3,5 Hektar großen Grundstücks für etwa zwei Millionen Euro aus der Karstadt-Quelle-Konkursmasse. Aktuell ist dort der Werkhof angesiedelt, eine Umwandlung der brachliegenden Gewerbefläche in ein Wohngebiet ist momentan Gegenstand städtebaulicher Überlegungen.[40]

Historische Gasthäuser[Bearbeiten]

Das älteste Gasthaus am Ort ist das Gasthaus „Ochsen“ der seine Konzession 1677 erhielt. Drei Jahre später folgte das Gasthaus „Hirschen“ der bis 1959 bestanden hat. Wenig später folgte der „Salmen“ der nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben wurde. Schließlich wurde 1739 der „Löwen“ und 1809 die „Sonne“ eröffnet.[4]

Gasthaus Löwen[Bearbeiten]

Das Gasthaus "Löwen" wurde im Jahr 1623 erbaut und zählt somit zu den ältesten Gebäuden der Gemeinde. Jakob Sturm hatte es 1623 zum heutigen Staffelhaus (Haus mit charakteristischen Stufengiebeln) umgebaut und in den Türsturz an der Ostseite des Gebäudes seinen Namen, das Familienwappen mit dem Zunftzeichen der Gerber (zwei sich kreuzende Schabmesser) neben derJahreszahl eingemeißelt. Neben seiner Tätigkeit als Gerber übte Jakob Sturm von 1640 bis 1665 auch das Vogtamt aus. Einer seiner Nachkommen, sein Ur-Ur-Enkel Johannes Grether eröffnete im Januar 1739 im Haus die Wirtschaft mit dem Schild „Löwen“. Bevor der Gastronomie-Betrieb im März 2009 von den früheren Wirten der Tanne übernommen wurde, wurde das Gasthaus Löwen für fast 100 Jahre über drei Generationen von Familie Sütterlin geführt (1912-2009).[4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Steinen liegt an der Wiesentalbahn. Durch die Linien S 5 und S 6 der Regio S-Bahn Basel ist Steinen an das Schienennetz angebunden. Die S 5 fährt über Lörrach nach Weil am Rhein, die S 6 verbindet die Gemeinde einerseits über Lörrach und Riehen mit dem Bahnhof Basel SBB, in der anderen Richtung mit Zell im Wiesental. Hauptverkehrsachse des Wiesentals ist die Bundesstraße 317, die von Lörrach kommend zwischen den Ortsteilen Steinen und Höllstein Richtung Feldberg verläuft.

Bildung[Bearbeiten]

Das Schulzentrum Steinen beherbergt eine Grund-, Haupt-, Werkreal- und eine Realschule und Teile der Sonderschule Maulburg mit insgesamt 1013 Schüler im Schuljahr 2011/2012.[2] Anlässlich des 100. Geburtstag Meret Oppenheims billigte der Gemeinderat im Juli 2013 die Umbenennung des Schulzentrums in Meret-Oppenheim-Schulzentrum.[41]

In den Ortsteilen Höllstein und Weitenau gibt es je eine Grundschule.

Energie[Bearbeiten]

Im Jahr 1984 wurde das Kanalkraftwerk am Fluss Wiese in Betrieb genommen und im Jahr 2007 mit einem neuen Fischpass versehen. Um Strom zu erzeugen fließen ca. 13 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch zwei Rohrturbinen mit einem Gefälle von 7,5 Meter. Das Wasserwerk liefert bei einer Leistung von 1000 KW eine mittlere Jahresstromproduktion von 4 Mio kWh.[42]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Wilhelm Geigy (1800–1866), Schweizer Oberst, Gründer der Textilindustrie in Steinen 1836; setzte sich maßgeblich für den Bau der Wiesentalbahn ein
  • Meret Oppenheim (* 6. Oktober 1913; † 15. November 1985), surrealistische Künstlerin (Malerin, Dichertin, Bildhauerin), verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend (1914–1932) in Steinen. Anfang 1914 zog Merets Vater, der Arzt Dr. Erich Alfons Oppenheim, mit seiner Frau Eva und Tochter von Berlin nach Steinen (Eisenbahnstrasse 32) und praktiziert dort bis 1932. Die Familie Oppenheim musste vor den Nationalsozialisten fliehen und sich in die Schweiz in Sicherheit bringen.[45] Merets Elternhaus wurde 1998 abgerissen, erhalten geblieben ist heute lediglich das Gartenhaus bei der gelben Villa.[46]
  • Jörg Hieber (* 15. Mai 1938) eröffnete im Ortsteil Höllstein 1966 seinen ersten eigenen Lebensmittelmarkt, aus dem später die Hieber’s Frische Center KG entstand.

Literatur[Bearbeiten]

  • Steinen (Lörrach): Steinen. 3. Auflage, WEKA-Verlag 1982 (4. Auflage 1985 als 10 [Zehn] Jahre Gemeinde Steinen, 8. Auflage 1994 als "Gemeinde Steinen", 11. Ausgabe 2003 als Gemeinde Steinen: Informationen).
  • Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden. Tübingen und Leipzig, 1901, Fünfter Band – Kreis Lörrach; S. 47–49 online
  • Ernst Friedrich Bühler: Steinen. Chronik eines Dorfes. Herausgegeben von der Gemeinde Steinen, Druckerei Gebrüder Weber, 1982, Lörrach.
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg): Der Landkreis Lörrach – Band II. Sigmaringen, Thorbecke 1993.
  • Hansjörg Noe: Hingeschaut. Steinen im Nationalsozialismus, Verlag Waldemar Lutz, Lörrach, 2014 ISBN 978-3-922107-99-6
  • Badische Historische Kommission (Herausgeber), bearbeitet von Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Heidelberg 1904, Band 2, Spalte 1078-1079 online unter Heidelberger historische Bestände - digital

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d e f Gemeinde Steinen: Informationsbrochüre der Gemeinde Steinen 2010 (PDF; 4,2 MB) mit weiteren Informationen, insbesondere zu den einzelnen Ortsteilen; die Einwohnerzahlen stammen aus der aktuelleren Ausgabe der Broschüre des Jahres 2012.
  3. s. hierzu Horst Hänßler: Steinen und seine ehemaligen Steingruben. In: Das Markgräflerland, Band 1/1996, S. 25-35
  4. a b c d e f g h i Ernst Friedrich Bühler: Steinen. Chronik eines Dorfes. Herausgegeben von der Gemeinde Steinen, Druckerei Gebrüder Weber, 1982, Lörrach
  5. Erdbebenmeldung Regierungspräsidium Freiburg (PDF; 49 kB)
  6. Hauptsatzung der Gemeinde Steinen vom 7. Juli 1998, zuletzt geändert am 1. März 2011 (PDF; 44 kB)
  7. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 890-893
  8. In der Sache siehe Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Teil I: Edition; Teil II: Einführung, Verzeichnisse, Register, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017985-3. (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg: Reihe A, Quellen; Band 23), Urkunde Nr. 95
  9. Stephan E. Maurer: Die Herren von Waldeck. In: Das Markgräflerland, Band 2013, S. 121–138, hier S. 123f.
  10. Thomas Simon: Grundherrschaft und Vogtei: eine Strukturanalyse spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Herrschaftsbildung. Vittorio Klostermann, 1995, ISBN 3465026985, S. 105.
  11. a b Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg): Der Landkreis Lörrach - Band II. Sigmaringen, Thorbecke 1993.
  12. Landesbildungsserver Baden Württemberg: Landesgeschichtliche Einordnung: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecheruebergreifende_themen/landeskunde/modelle/epochen/technikgeschichte/3-2landesgeschichte.htm
  13. Landesarchiv Baden-Württemberg Bestand 69, Steinen [1]
  14. Badische Zeitung, 16. November 2013: Wo man den Tod begreifen kann BZ-SERIE 900 JAHRE STEINEN (3): Wo und wie in Steinen einst beerdigt wurde / Von Friedhöfen bis zu Ehrenmalen.
  15. a b Steinen: Von Vögten und Flüchtlingen (Christel Mohr), Badische Zeitung vom 26. Oktober 2013.
  16. www.leo-bw-de
  17. Bürger-Informationsbroschüre der Gemeinde Steinen, 2007 (www.total-lokal.de/pdf/79585_info.pdf)
  18. Zensus 2011 (https://ergebnisse.zensus2011.de/#StaticContent:083360084084,BEV_1_4_2_7,m,table)
  19. http://www.haus-frieden.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=43&Itemid=60
  20. Badische Zeitung vom 25. Mai 2014 (http://www.badische-zeitung.de/kommunalwahl-2014?ergebnisse)
  21. [Gemeindeverschuldung Website Steinen, Gemeinderatswahl: Ergebnis], abgerufen am 10. August 2014
  22. Bürgermeister & Stellvertreter; Portrait des Bürgermeisters auf der Homepage der Gemeinde
  23. Ein Verlust für die Gemeinde; Artikel in der Badischen Zeitung über den Tod eines Bürgermeisterkandidaten
  24. Ratsschreiber und Dirigent; Artikel in der Badischen Zeitung über den Tod eines Gemeindemitarbeiters
  25. Ein gradliniger Mann mit Sinn fürs Erbauliche; Artikel in der Badischen Zeitung über einen Runden Geburtstag Herbert Stumböcks
  26. Die Abteilung "Ein-Wandererland" im Haus der Geschichte Baden-Württemberg; Informationsseite des Landesbildungsservers über historische Migranten
  27. a b c d e f g Wappenkunde; Informationsseite zu den Wappen der Ortsteile auf der Gemeindehomepage
  28. a b c d e f g Wappenbuch Landkreis Lörrach erschienen im Verlag des Südkurier, Konstanz, ISBN 3-87799-046-0
  29. http://www.steinen.de/index.php?id=47
  30. bauernhausmuseum-schneiderhof.de; Homepage des Bauernhausmuseums Schneiderhof
  31. http://www.outdooractive.com/de/wanderung/suedschwarzwald/zur-hoellschlucht/1360901/beschreibung.html#axzz2VkVfNuoR
  32. Steinen hat viel zu bieten!; Informationsseite über Touristische Ziele auf der Gemeindehomepage
  33. Unsere Vereine; Verzeichnis der Sportvereine auf der Gemeindehomepage
  34. fcsteinen.net. Daten und Bilder des Wiesentalstadions auf der Homepage des FC Steinen-Höllstein
  35. Freibad am westllichen Ortsrand; Informationsseite über das Freibad auf der Gemeindehomepage
  36. Dornröschen spielt kein Minigolf, Badische Zeitung vom 28. August 2013 (http://www.badische-zeitung.de/steinen/dornroeschen-spielt-kein-minigolf--74747637.html)
  37. Information zur Denkmalpflege in Baden-Württemberg: Vogtshaus in Steinen [2]
  38. http://de.wikisource.org/wiki/Die_H%C3%A4fnet-Jungfrau_%28Badisches_Sagen-Buch%29 Johann Peter Hebel – Die Häfnetjungfrau
  39. Sanierung der Villa Köchlin beginnt, Badische Zeitung, 21. Jan 2005
  40. Badische Zeitung, 1. Juli 2014: Wohlfühl-Quartier nimmt Kontur an
  41. Meret Oppenheim gibt ihren Namen, Badische Zeitung, 25. Juli 2013 (http://www.badische-zeitung.de/steinen/meret-oppenheim-gibt-ihren-namen)
  42. Informationsbroschüre EnergieDienst
  43. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/LABI/PDB.asp?ID=186245
  44. Eintrag in der Personendatenbank von Landeskunde entdecken online leobw
  45. Meret Oppenheim Leben und Werk – 100 Jahre Meret Oppenheim
  46. Das "Ärztehaus" und die Künstlerin, Badische Zeitung, 11. Jan. 2014 (http://www.badische-zeitung.de/steinen/das-aerztehaus-und-die-kuenstlerin--79457211.html)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steinen (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien