Steinenbronn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Steinenbronn
Steinenbronn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Steinenbronn hervorgehoben
48.6647222222229.1225431Koordinaten: 48° 40′ N, 9° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Böblingen
Höhe: 431 m ü. NHN
Fläche: 9,72 km²
Einwohner: 6143 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 632 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71144
Vorwahl: 07157
Kfz-Kennzeichen: BB, LEO
Gemeindeschlüssel: 08 1 15 046
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stuttgarter Straße 5
71144 Steinenbronn
Webpräsenz: www.steinenbronn.de
Bürgermeister: Johann Singer
Lage der Gemeinde Steinenbronn im Landkreis Böblingen
Landkreis Esslingen Landkreis Tübingen Landkreis Reutlingen Landkreis Ludwigsburg Stuttgart Landkreis Calw Enzkreis Pforzheim Mötzingen Jettingen Holzgerlingen Deckenpfronn Aidlingen Ehningen Gärtringen Hildrizhausen Nufringen Bondorf Gäufelden Herrenberg Waldenbuch Weil im Schönbuch Weil im Schönbuch Altdorf (Landkreis Böblingen) Holzgerlingen Böblingen Schönaich Steinenbronn Magstadt Sindelfingen Grafenau (Württemberg) Weil der Stadt Renningen Rutesheim Rutesheim Weissach LeonbergKarte
Über dieses Bild
Sulzbachstausee südwestlich von Steinenbronn
Kirche in Steinenbronn

Steinenbronn ist eine Gemeinde im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Zur Gemeinde gehören neben dem Dorf Steinenbronn keine weiteren Orte.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Steinenbronn liegt am Rand des Naturparks Schönbuch, am alten Handelsweg StuttgartSchweiz (frühere Bundesstraße 27, jetzt Landesstraße 1208), fünf Kilometer südlich von Leinfelden-Echterdingen, drei Kilometer nördlich von Waldenbuch und fünf Kilometer östlich von Schönaich.

Historische Geographie[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung Steinenbronn liegt die abgegangene Ortschaft Höfen.

Geschichte[Bearbeiten]

Steinenbronn gehört zu einem alten Siedlungsgebiet im weiteren mittleren Neckarraum. Archäologische Funde weisen auf eine dichte Besiedlung seit der jüngeren Steinzeit um etwa 2.500 v. Chr. hin. Keltische Ansiedlungen durch den Stamm der Helvetier entstanden ab etwa 450 v. Chr. Als keltisches Kulturdenkmal gilt das in Steinenbronn gefundene Teilstück einer Stele, dessen Nachbildung vor dem Rathaus aufgestellt ist. Das Original steht im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Nach dem Rückzug der Helvetier auf das Gebiet der heutigen Schweiz folgten römische, alemannische und fränkische Siedler.

Die erste urkundliche Erwähnung Steinenbronns stammt aus dem Jahr 1348. Steinenbronn war seit dem frühen Mittelalter Herrschaftsgebiet der Pfalzgrafen von Tübingen gewesen, wurde aber 1347 wegen der Verarmung der Pfalzgrafen zusammen mit dem gesamten Forst Schönbuch an die Grafen von Württemberg verkauft. Damit gehörte Steinenbronn zum Stammland des Hauses Württemberg. 1434 verschrieb Graf Ludwig I. von Württemberg 13 Gemeinden des Böblinger Amts, darunter Steinenbronn, seiner Gemahlin Mechthild, Pfalzgräfin bei Rhein, als Wittum. 1483 tat ihm sein Sohn, Graf Eberhard im Bart, gleich und vermachte seiner Gemahlin, der Markgräfin Barbara Gonzaga von Mantua, ebenfalls Steinenbronn mit anderen Gemeinden als Wittum.

Steinenbronn 1683, Forstlagerbuch von Andreas Kieser

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) brachte den Steinenbronnern große Not und führte zur Entvölkerung der Gemeinde. 1634 hatte die Gemeinde noch 550 Einwohner gezählt, 1639 verblieben nur noch 85. Auch in der Folgezeit setzte sich die Not fort, bedingt durch langandauernde Kriegszeiten wie die Erbfolgekriege, durch Einfälle und Durchmärsche französischer Truppen von 1672 bis 1763 und später durch die Napoleonischen Kriege von 1792 bis 1815. Auch durch Unwetter und Missernten musste die wieder wachsende Bevölkerung oft Hungersnöte durchstehen. 1792 scheiterte in Steinenbronn die Einführung des neuen Kirchengesangbuchs an der Armut der Bevölkerung. Viele Bürger entflohen Not und Hunger durch Auswanderung.

Erst mit der Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts fanden die Steinenbronner neue Arbeit, zunächst durch die starke Bautätigkeit in Stuttgart, später in der wachsenden Industrie. Die Bevölkerung Steinenbronns wuchs von 935 im Jahr 1900 auf 1833 am Ende des Zweiten Weltkriegs. Durch den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit und durch die Entwicklung in Automobilbau und Maschinenbau sowie durch die aufkommende elektronische Datenverarbeitung entstanden neue Arbeitsplätze in der Stuttgarter Region. Die Einwohnerzahl Steinenbronns stieg auf ca. 6100 im Jahr 2011.[2]

Verwaltungsrechtlich war Steinenbronn zunächst dem Amt Böblingen und ab 1446 dem Amt Stuttgart zugeordnet. Seit der Auflösung des Amtsoberamts Stuttgart im Jahr 1938 gehört Steinenbronn zum Kreis Böblingen. Wirtschaftlich und kulturell dominiert jedoch die Beziehung über den Filderraum nach Stuttgart. Mit dem Kreis Böblingen gehört Steinenbronn zur Region Stuttgart.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1980 1990 1995 2000 2005 2010
Einwohner 1.027 935 1.047 1.270 1.930 2.848 4.000 4.612 5.108 5.812 6.018 6.109 6.089

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Gold unter drei liegenden schwarzen Hirschstangen zwei schräggekreuzte schwarze Doppelhaken.

Bürgermeister[Bearbeiten]

seit Ende des Zweiten Weltkriegs:

  • 1945–1950: Gottlob Krauß
  • 1950–1980: Reinhold Buck
  • 1980–1996: Hermann Walz
  • seit 1996: Johann Singer

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Steinenbronn hat 14 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis[3]. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 49,46 %
 %
40
30
20
10
0
37,56 %
31,72 %
15,86 %
14,86 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+1,32 %p
+2,54 %p
+1,68 %p
-5,54 %p
FW Freie Wähler 37,56 5 36,24 5
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 31,72 5 29,18 4
OGL Offene Grüne Liste 15,86 2 14,18 2
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 14,86 2 20,40 3
gesamt 100,0 14 100,0 14
Wahlbeteiligung 49,82 % 53,0 %

Parteien[Bearbeiten]

Die SPD Steinenbronn wurde als älteste Steinenbronner Partei im Jahr 1903 gegründet.

Die Offene Grüne Liste (OGL) ist eine nicht parteigebundene Wählergemeinschaft, die sich besonders dem Umweltschutz verbunden fühlt. Politisch steht sie der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe. Sie war erstmals 1984 mit einem Mitglied im Gemeinderat vertreten.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Steinenbronn unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

  • Quinsac/Gironde (Frankreich), seit 1966
  • Polla/Kampanien (Italien), seit 1991
  • Le Roeulx/Wallonien (Belgien), seit 1992 – Le Roeulx ist auch Partnerstadt von Quinsac
  • Bernsdorf (Sachsen), seit der Wiedervereinigung Deutschlands – Bernsdorf ist ebenfalls Partnerstadt von Quinsac und Polla

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Von 1928 bis 1956 war Steinenbronn durch die Siebenmühlentalbahn (LeinfeldenWaldenbuch) in das überregionale Streckennetz einbezogen. Heute ist der Ort über Buslinien nach Böblingen und Leinfelden/Stuttgart-Vaihingen an die Schienennetze der S-Bahn Stuttgart, Stadtbahn Stuttgart (Leinfelden) und der Deutschen Bahn sowie an den Flughafen Stuttgart in Echterdingen angebunden.

Im Straßenverkehr ist Steinenbronn in rund 15 Minuten über die Autobahnausfahrten Echterdingen (A 8) und Böblingen (A 81) zu erreichen. Steinenbronn liegt an der früheren B 27, jetzt Landesstraße 1208, die über das Siebenmühlental Tübingen und Stuttgart verbindet. Stuttgart ist 20 km, Tübingen 24 km entfernt. Die Entfernung zum Flughafen Stuttgart beträgt 8 km.

Westlich von Steinenbronn befindet sich bei 48° 40′ 9″ N, 9° 6′ 51″ O48.6691666666679.1141666666667 das auf der Frequenz 384 kHz sendende Einflugfunkfeuer „SY“ des Stuttgarter Flughafens. Steinenbronn liegt somit direkt in dessen Einflugschneise.

Buslinien[Bearbeiten]

Durch Steinenbronn verkehrende Buslinien im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart mit Haltestellen:

  • 86/826 Tübingen–Waldenbuch–Leinfelden–Vaihingen (Steinenbronn Kirche/Im alten See/Goldäcker)
  • 760 Waldenbuch–Böblingen (Steinenbronn Kirche)
  • 828 Tübingen–Waldenbuch–Flughafen/Messe (Steinenbronn Kirche/Im alten See/Goldäcker), nur jede Stunde, sonst nur Halt an Goldäcker.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Breuning IRCO: Das Familienunternehmen betreibt Technologieberatung, Entwicklung und Fertigung von Automatisierungseinrichtungen für das Be- und Entladen von Drehmaschinen. Es beschäftigt ca. 60 Mitarbeiter.
  • Hutzel-Gruppe: Das Unternehmen produziert an den drei Standorten Steinenbronn, Liebstadt bei Dresden und Klášterec in Tschechien Drehteile für die Autoindustrie, die Medizintechnik, den Maschinenbau und die Wehrtechnik. Die Hutzelgruppe beschäftigt insgesamt ca. 350 Mitarbeiter.
  • Die Telegärtner-Gruppe ist ein Hersteller von koaxialen Steckverbindern und Netzwerk-Komponenten sowie konfektionierten Kabeln, Präzisions-Drehteilen, Kunststoff-Spritzgussteilen und Industrie-Elektronik. Das 1945 gegründete und weltweit tätige Unternehmen beschäftigt in sieben Tochtergesellschaften zusammen rund 480 Mitarbeiter.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Steinenbronn ist Sitz einer Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, die von mehr als 400 Schülern besucht wird. Außerdem gibt es eine Außenstelle der Volkshochschule Böblingen-Sindelfingen.

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Steinenbronn wurde 1886 gegründet. Die Feuerwehr organisiert sich in vier Gruppen der Einsatzabteilung, der Jugendfeuerwehr und der Altersabteilung und hat insgesamt rund 70 Mitglieder.[4]

Vereine[Bearbeiten]

  • Das Deutsche Rote Kreuz ist in Steinenbronn seit 1914 aktiv. 1951 wurde ein eigener Ortsverein gegründet, der dem DRK-Kreisverband Böblingen e. V. zugehörig ist.
  • Die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist in Steinenbronn durch die DLRG Ortsgruppe Waldenbuch-Steinenbronn vertreten. Die Ortsgruppe gehört zum DLRG-Bezirk Glems-Schönbuch e. V.
  • Der Musikverein Steinenbronn wurde 1934 gegründet und trägt seither aktiv zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben in Steinenbronn bei. Neben der Blasmusik spielen auch die Jugendarbeit und viele Veranstaltungen über das Jahr hinweg eine bedeutende Rolle.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hetty Plümacher (1919–2005), Opernsängerin, lebte viele Jahre bis zu ihrem Tod in Steinenbronn
  • Hans Müller-Kray (1908–1969), Dirigent, Generalmusikdirektor und Professor, er lebte einige Jahre bis zu seinem Tod in Steinenbronn
  • Hans Dieter Köder (* 1940), Politiker, wohnt seit 1968 in Steinenbronn und war von 1975 bis 1996 Gemeinderat
  • Christoph Zehendner (* 1961), christlicher Liedermacher, wohnt in Steinenbronn

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Einziger Ehrenbürger der Gemeinde Steinenbronn war Paul E. Schwarz, Regierungsdirektor a. D. beim Landesgewerbeamt Baden-Württemberg (* 19. April 1917, † 2. Dezember 2009, jeweils in Steinenbronn). Paul Schwarz hat sich als ehrenamtlicher Heimatforscher verdient gemacht. Er veröffentlichte 46 Arbeiten zur Steinenbronner Ortsgeschichte und war langjähriger Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister in Steinenbronn.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gemeinde Steinenbronn: Zahlen und Fakten, abgerufen am 24. Februar 2011
  3. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  4. Feuerwehr Steinenbronn. Website der Feuerwehr Steinenbronn. Abgerufen am 5. März 2011.

Literatur[Bearbeiten]

  • Steinenbronn – Vergangenheit und Gegenwart einer Schönbuchgemeinde. Gemeinde Steinenbronn 1979.
  • Ottmar Gugeler: Steinenbronn – Neues von Gestern und Heute. Geiger, Horb 1997, ISBN 3-89570-257-9.
  • Paul E. Schwarz: Steinenbronn – Neues von Gestern und Vorgestern. Geiger, Horb 2002, ISBN 3-89570-801-1.
  • Camisol und Dreieckshuth – Tracht in der Gemeinde Steinenbronn. Gemeinde Steinenbronn 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steinenbronn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien