Steinhuder Torfkahn

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Torfkahn auf dem Steinhuder Meer
Ausgestellter Torfkahn am westlichen Ortseingang in Steinhude
Vertäuter Torfkahn

Der Steinhuder Torfkahn ist das traditionelle Arbeitsboot auf dem Steinhuder Meer. Auch in anderen Regionen gibt es Torfkähne, die sich zum Teil sehr unterscheiden.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Torfkahn wird noch heute als Arbeitsboot der Fischer auf dem Steinhuder Meer verwendet. In früheren Zeiten wurde er aber für jeglichen Transport auf dem See eingesetzt, so zum Beispiel für den Transport von Torf aus dem Toten Moor im Osten des Steinhuder Meeres, der bis ins 20. Jahrhundert wichtiges Heizmaterial war.

Der Ursprung dieser Schiffbautradition liegt vermutlich in der mittleren Steinzeit um 8000 v. Chr. Ausgehend von einem Einbaum wurden später mehrere Bäume zusammengesetzt und mit einer Setzbordplanke (quer) verstärkt. Bald war es wesentlich einfacher, die so vergrößerten Boote ganz aus Planken zu bauen, damit war der Torfkahn in der heutigen Form entstanden. So bestehen die heutigen Torfkähne, die etwa 9 Meter lang sind, aus drei bis vier 8 bis 10 cm starken Eichenbohlen, auf die ohne Verwendung von Spanten die Planken aufgesetzt werden. Auf den Boden ist vorn ein massiver dreieckig zugespitzter Eichenklotz (Keil) als Steven aufgesetzt. Etwa in der Mitte des Schiffes befindet sich das 50 cm hohe und 10 cm starke Schott. Den hinteren Abschluss bildet das 8 bis 10 cm starke Spiegelschott.

Die Schiffe mit Sprietsegeltakelung waren als "Einhandsegelschiffe" ausgelegt mit zwei nach vorn geneigten Masten. Der Vordere direkt am Steven, der zweite mit dem größeren Großsegel in einer eisernen Öse an der Mittelsäte (dem Schott). Wanten und Stage sind bei einer Segelfläche von 7 bis 8 m² noch nicht erforderlich. Das Vorsegel ist 4,5 bis 5 m² groß. Daraus ergibt sich eine Gesamtsegelfläche von 11,5 bis 13 m². Der Torfkahn besitzt kein Schwert. Zur Verminderung der Abdrift wird das Schiff beim Segeln gekrängt, d. h. auf die Seite gelegt.

Bei Fahrt ohne Segel wurde früher "gestakt", indem man mit einem 3 bis 5 m langen Holzstab, dem Staken, meist ein entrindeter und ansonsten unbearbeiteter junger Baumstamm, am Bug in den Seegrund sticht und das Boot in Fahrtrichtung drückt. Meist wird allerdings der Staken in den Grund gedrückt und dann durch den Kahn nach hinten gegangen, um sich so vorwärts zu bewegen. Diese Fortbewegung ist in einem so flachem Gewässer wie dem Steinhuder Meer sehr effektiv. Der Staken dient außerdem als eine Art Ankerersatz. Er kann am Heck durch eine Schelle in den Grund gestoßen werden und sichert so das Boot gegen das Abtreiben, z. B. beim Torfstechen, Fischen oder Kontrollieren/Einholen der Reusen. Ein Torfkahn hat meist mehrere Staken an Bord.

Gesteuert wird der Torfkahn mit einem spatenförmigen Seitenruder, dem sogenannten Firrer.

Ein weiteres, nur auf dem Steinhuder Meer zu findendes Arbeitsboot ist der Auswanderer.

Literatur[Bearbeiten]

  • Der Torfkahn vom Steinhuder Meer oder: Ein lebender Dinosaurier der Schifffahrt, in: Schiffsmodell, 5(1986), S. 272–276.
  • Timm Weski: Local Boats of the Steinhuder Meer near Hannover, in: Jerzy Litwin (Hrsg.): Down the River to the Sea. Proceedings of the Eigth International Symposium on Boat and Ship Archaeology Gdansk 1997, Danzig 2000, S. 155–160.