Steinsfurt

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49.2388888888898.9086111111111164Koordinaten: 49° 14′ 20″ N, 8° 54′ 31″ O

Steinsfurt
Stadt Sinsheim
Wappen von Steinsfurt
Höhe: 164 m
Einwohner: 3334 (31. Dez. 2006)
Eingemeindung: 1. Januar 1973

Steinsfurt ist ein Dorf im Süden des Rhein-Neckar-Kreises in Baden-Württemberg, das seit 1. Januar 1973 nach Sinsheim eingemeindet ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Replik der Jupitergigantensäule in der Ortsmitte von Sinsheim-Steinsfurt
Der Reisbrunnen in der Steinsfurter Ortsmitte

Steinsfurt an der Elsenz zählt zu den am frühesten besiedelten Orten der Umgebung. Die ältesten Funde stammen aus der Jungsteinzeit, weitere Funde aus der La-Tène-Zeit. Der bedeutendste Fund jedoch ist die größte in Südwestdeutschland gefundene Jupitergigantensäule aus der Zeit der Römer, die 1959 ausgegraben wurde und die bereits im 18. und 19. Jahrhundert entdeckte römische Funde ergänzt.

Das im Jahr 1100 erstmals erwähnte Dorf war ein Lehen des Bistums Worms, mit dem regionale Adelige belehnt wurden. Durch Kauf und Tausch kam dann das Kloster Sinsheim im 15. Jahrhundert in den Alleinbesitz über das Dorf, das seit 1335 unter der Oberhoheit der Kurpfalz stand. Steinsfurt gehörte bis 1803 zum kurpfälzischen Oberamt Mosbach (Kellerei Hilsbach), wurde dann dem kurzlebigen Fürstentum Leiningen zugeschlagen und kam nach dessen Ende 1806 an Baden.

Der Ort teilt die Geschichte der meisten Nachbarorte und war von Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. und 18. Jahrhunderts betroffen. Im 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Einwohner aufgrund der vorherrschenden Armut in dem rein landwirtschaftlich geprägten Ort aus. Ein erster wirtschaftlicher Aufschwung stellte sich erst durch den Bau der Elsenztalbahn und den damit verbundenen Betrieb von Steinbrüchen bei Steinsfurt ein. 1939 hatte Steinsfurt 1440 Einwohner, durch Zuzug von Evakuierten und Zuweisung von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen stieg die Einwohnerzahl bis zum Ende der 1940er Jahre auf 2450 Personen an.

Einen bedeutenden wirtschaftlichen Impuls setzte in den 1960er Jahren der Bau des Teilstücks der A 6 von Weinsberg nach Walldorf mit der direkt am Ort befindlichen Abfahrt sowie der Ausbau der B 39, die den Ort durchquert. Die verkehrsgünstige Lage förderte die Ansiedlung von Industriebetrieben, führte jedoch auch bis in die Gegenwart zu einer hohen Verkehrsbelastung.

Religionen[Bearbeiten]

Mit dem Stift Sinsheim wurde Steinsfurt im Jahr 1565 durch Kurfürst Friedrich III. reformiert. Die Glaubenswechsel in der Kurpfalz führten in der Folgezeit jedoch zur Ausbildung von drei christlichen Glaubensrichtungen (Reformierte, Lutheraner und Katholiken), die jeweils eigene Kirchen errichteten. Die ursprüngliche Kirche des Ortes, eine 1496 erwähnte und dem Hl. Petrus geweihte Pfarrkirche, befand sich in der Goldbach, wurde jedoch 1662/63 durch eine neue Kirche am Platz der heutigen katholischen Kirche ersetzt, die zunächst von allen drei Konfessionen genutzt wurde, 1707 dann den Katholiken zugesprochen wurde. 1767 wurde von den Lutheranern, 1769/70 von der reformierten Gemeinde jeweils eine eigene Kirche errichtet. Die katholische Kirche wurde 1802-04 durch einen Neubau ersetzt. Nachdem die Reformierten und Lutheraner 1821 zur Evangelischen Landeskirche vereinigt worden waren, wurde die lutherische Kirche aufgegeben und abgerissen. 1936/37 wurde eine neue evangelische Kirche erbaut und das von den Reformierten errichtete alte Gotteshaus säkularisiert.

Juden sind in Steinsfurt seit dem späten 17. Jahrhundert belegt. Eine bedeutende jüdische Gemeinde entwickelte sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Nachdem die Gemeinde zunächst nur über einen Betsaal in einem Wohnhaus verfügte, wurde ab 1893 noch eine Synagoge errichtet, obwohl die Gemeindegröße zu diesem Zeitpunkt bereits seit über 20 Jahren rückläufig war. 1933 lebten noch 32 Juden in Steinsfurt, die alle vor Beginn der Deportationen auswandern konnten. Die Synagoge wurde 1937 verkauft.[1]

früheres Gemeindewappen

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung lautet: in silber ein blau gerüsteter Engel mit goldenem Nimbus, mit der goldenen Lanze einen grünen Drachen tötend. Der Engel stellt vermutlich den Hl. Michael dar. Die Wappenzeichnung ist bereits im Jahr 1766 belegt, die 1901 festgelegten Farben sollen durch Blau und Silber an die einstige Zugehörigkeit zur Kurpfalz erinnern.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Lerchennest
Kaserne
  • Das Lerchennest ist ein kleinbäuerliches Anwesen in fränkischer Fachwerkbauweise, in dem Friedrich der Große in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1730 auf seinem Fluchtversuch übernachtete. In dem in den 1970er Jahren renovierten Anwesen befindet sich heute ein Museum.
  • Die Kaserne unweit des Lerchennests ist ein Fachwerkgebäude aus dem 16. Jahrhundert, das 1626 und 1704 nach vorangegangenen Kriegszerstörungen jeweils wiederaufgebaut wurde. Der Keller mit historischem Kreuzgewölbe war 1661 ein Treffpunkt von Täufern.
  • Die katholische Kirche St. Peter wurde 1803/04 anstelle eines Vorgängerbauwerks von 1662/63 errichtet. Vor der Kirche ist eine Sandsteinstatue des Brückenheiligen Johannes Nepomuk von 1742 aufgestellt, die sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Elsenzbrücke befand.
  • Die Evangelische Kirche wurde 1936/1937 nach Plänen des Mannheimer Architekten Christian Schrade erbaut und am 28. November 1937 eingeweiht. Bei der Kirche befindet sich noch ein evangelischer Kindergarten, der 1884 erbaut und 1955 sowie 1988 umgebaut und erweitert wurde.
  • Die Alte evangelische Kirche wurde 1769/70 von der reformierten Gemeinde errichtet und ab 1821 von der vereinigten evangelischen Gemeinde genutzt. Nach dem Neubau der evangelischen Kirche 1936/37 diente die alte Kirche nach dem Krieg zunächst als Kino, danach als Gasthaus.
  • Die Steinsfurter Synagoge wurde 1893 nach Plänen von Wilhelm Dick aus Hoffenheim durch die jüdische Gemeinde Steinsfurt erbaut[2] und bis 1936 als Gotteshaus genutzt. Das Backsteingebäude befindet sich seit 1937 in Privatbesitz und wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats Juli 2008“ ernannt.
Mühle
  • Die Mühle wurde bereits 1541 als Mühle des Sinsheimer Stifts erwähnt und im Lauf der Zeit mehrfach erweitert und erneuert. 1907 wurde das Wasserrad gegen eine Turbine ersetzt und ab dem Folgejahr elektrischer Strom für die Gemeinde produziert. Das Wohngebäude der Mühle wurde 1929 erneuert, die Mühle wurde 1934 modernisiert.
  • Die Koch- und Fortbildungsschule wurde 1923/24 von Hermann Weil gestiftet. Das Gebäude dient heute überwiegend Wohnzwecken.
Historisches Wohngebäude
  • In der Ortsmitte bei der neuzeitlichen Verwaltungsstelle und einer Replik der Jupitergigantensäule befindet sich das 1911 erbaute Lehrerwohnhaus am Platz der früheren Gemeindebäckerei.
  • In Steinsfurt befinden sich außerdem weitere historische Gebäude aus unterschiedlichen Epochen, darunter Wirtschaftsgebäude wie die Alte Kelter und das Schafhaus, das historische Bahnhofsgebäude im Stil des Klassizismus und verschiedene historische Wohngebäude.
  • Die Erholungsanlage Ansbach ist ein öffentlicher Platz, der 1866 als Tuchbleiche bezeichnet wurde und später auch Festplatz war. In den 1960er Jahren wurde der Platz zu einer Grünanlage umgestaltet. 1963 wurde ein Ehrenmal für die Toten beider Weltkriege errichtet. Das Haus Hohenzollern hat ein Metallrelief Friedrichs des Großen gestiftet, das auf den Sockelstein eines früheren Kriegerdenkmals montiert wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.alemannia-judaica.de/steinsfurt_synagoge.htm
  2. vgl. das Baugesuch der jüdischen Gemeinde vom 21. September 1893, GLA Karlsruhe, 377 Nr. 8248

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steinsfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien