Stelle (Organisation)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Stelle entsteht durch Zuordnung von (Teil-) Aufgaben und gegebenenfalls von Sachmitteln auf einen einzelnen menschlichen Aufgabenträger.[1] Damit stellt die Stelle die kleinste organisatorische Einheit in der Aufbauorganisation dar. Sie wird umgangssprachlich oft ungenau als ein „Arbeitsplatz“ bezeichnet, ist zunächst aber weder räumlich festgelegt noch an eine bestimmte Person gebunden.[2]

Als Stelle wird ein Bündel von Aufgaben zusammengefasst, welches von einem entsprechend ausgebildeten Mitarbeiter bewältigt werden kann. Die Aspekte einer Stelle sind in Stellenbeschreibungen niedergelegt. Die Menge der Teilaufgaben, die unter einer Stelle zusammengefasst werden, ist abhängig von deren Schwierigkeit, Variabilität und Komplexität.

Merkmale[Bearbeiten]

Folgende Merkmale sind für Stellen charakteristisch:

  • Die Aufgabe wird für eine längere Zeit festgelegt und folgt dem Grundsatz der Personenunabhängigkeit.
  • Als Kompetenz bezeichnet man die Rechte, die dem Stelleninhaber zur Ausführung der Aufgabe übertragen werden.
  • Als Verantwortung wird die Pflicht einer Person verstanden, für ihre Entscheidungen und Handlungen Rechenschaft abzulegen.

Wichtig dabei ist die Beachtung des Kongruenzprinzips, d. h. ein angemessenes Verhältnis zwischen Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung.[3] Im Idealfall liegen die richtigen Kompetenzen für die Ausführung einer Aufgabe vor und die Person trägt die Verantwortung für die übernommene Aufgabe.

Stellenarten[Bearbeiten]

Die Einteilung der Stellen kann aufgrund der zugeteilten Kompetenzen in zwei Arten erfolgen:

  1. Linienstellen sind in der Regel unmittelbar mit der Durchführung von betrieblichen Hauptaufgaben betraut:
    • Ausführungsstellen sind Stellen, die zwar mit Durchführungskompetenzen, nicht jedoch mit Leitungskompetenzen ausgestattet sind. Das bedeutet, sie dürfen keine Weisungen an andere Stellen erteilen. Sie haben nur Entscheidungskompetenzen betreffend ihren eigenen Handlungsbereich.
    • Leitungsstellen sind durch Fremdentscheidungs-, Weisungs- und Kontrollkompetenzen gekennzeichnet. Wesentliche Kriterien sind daher das Treffen von Fremdentscheidungen, das Umsetzen der Entscheidung in Anordnungen und die Fremdkontrolle der Ausführung. Ein zu beachtendes Merkmal bei der Bildung von Leitungsstellen ist die Leitungsspanne.
  2. Unterstützende Stellen dienen nur indirekt der Erfüllung der betriebswirtschaftlichen Hauptaufgabe:
    • Stabsstellen sind spezialisierte Leitungshilfsstellen, durch die in erster Linie Informationsverarbeitungs- und Entscheidungskapazität der Leitungsstellen erhöht werden soll. Stabstellen sollen einer Überlastung der Leitungsstellen vorbeugen.
    • Assistenzstellen sind generalisierte Leitungshilfsstellen mit fallweisen Aufgaben ohne Fremdentscheidungs- und Weisungskompetenz. Für diese Form von Stellen gibt es meist kein fest vorgegebenes Aufgabengebiet (z. B. Assistenz der Geschäftsleitung).
    • Dienstleistungsstellen nehmen zentrale Unterstützungsaufgaben für mehrere Leitungsstellen wahr. Sie können im Gegensatz zu Stabsstellen Weisungsbefugnisse gegenüber mehreren Linienstellen besitzen (z. B. Personalwesen).

Stellenbildung[Bearbeiten]

Es werden folgende vier Möglichkeiten der Stellenbildung unterschieden:

  • Aufgabenbezogene Stellenbildung: Aufgaben mit gleichen Merkmalen werden zu einer Stelle zusammengefasst und einem Aufgabenträger zugeordnet.
  • Aufgabenträgerbezogene Stellenbildung: Der Aufgabenträger (Mitarbeiter) ist bereits bekannt. Die Erledigung der Teilaufgabe wird so gestaltet, dass der Mitarbeiter sie leisten kann. Neben dieser personenbezogenen Stellenbildung ist auch eine sachmittelbezogene Stellenbildung möglich; die Gestaltung der Aufgabenerledigung richtet sich dabei nach dem vorhandenen oder anzuschaffenden Sachmittel (z.B. Großrechner). [4]
  • Beziehungsorientierte Stellenbildung: Es wird versucht, die Beziehungen (materielle, immaterielle und monetäre) zwischen den einzelnen Stellen zu minimieren. Dadurch kann die Ergebnisfeststellung und die Abgrenzung von Aufgabendurchführung, Verantwortung und Kompetenzen genau durchgeführt werden.
  • Stellenbildung aufgrund rechtlicher Normen: Aufgrund bestimmter Gesetze erfolgt ein Stellenbildungsauftrag. Dies trifft zum Beispiel im Bereich Datenschutz, Umweltschutz und Arbeitssicherheit zu.

Stellenbeschreibung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Stellenbeschreibung

Eine Stellenbeschreibung ist eine schriftlich festgelegte Darstellung organisatorischer Regelungen einer Stelle. Sie legt die Aufgaben (inkl. Leistungsanforderungen), die Arbeitsziele, Kompetenzen und Beziehungen zu anderen Stellen fest. Dabei ist die Kompetenz das stellenbezogene Handlungsrecht und die Verantwortung die stellenbezogene Rechenschaftspflicht.

Stellenbesetzung[Bearbeiten]

Mehrere Stellen werden dann zu einer Abteilung zusammengefasst. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen, zum einen im Einliniensystem (genau ein Vorgesetzter) oder aber im Mehrliniensystem (mehrere Vorgesetzte möglich). Nach der Stellenbildung erfolgt die Stellenbesetzung. Hier wird ein Stelleninhaber gesucht, der in seinem Eignungsprofil dem Anforderungsprofil der Stelle entspricht. Abweichungen zwischen Eignungs- und Anforderungsprofil sind durch Maßnahmen der Personalentwicklung zu verringern.

Siehe hierzu auch: Stellenplan, Stellenbesetzungsplan, Bestallung

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rolf Bühner: Betriebswirtschaftliche Organisationslehre. 10. Auflage. Oldenbourg, ISBN 3-486-27500-3, S. 63.
  2. Joachim Paul: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre: Mit Beispielen und Fallstudien. 1. Auflage. Gabler, 2006, ISBN 3-8349-0336-1, S. 264.
  3. REFA: Methodenlehre des Arbeitsstudiums. Teil 1: Grundlagen. 7. Auflage. Carl Hanser Verlag, München 1984, ISBN 3-446-14234-7, S. 58–59.
  4. http://www.vaillant-bkk.de/content/personal-lexikon?templateID=document&xid=180495&uxz=250814610

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Stelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen