Dom St. Stephan (Passau)
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Der Dom St. Stephan in Passau ist eine von 1668 an wiedererbaute barocke Bischofskirche. Sie ist Bischofssitz und Hauptkirche des Bistums Passau. Der Dom ist auf der höchsten Erhebung der Altstadt zwischen den Flüssen Inn und Donau, 13 m über der Donau und 303 m über dem Meer, erbaut worden. Der Passauer Dom ist einer der größten Dome mit dem größten barocken Kircheninnenraum nördlich der Alpen.
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[Bearbeiten] Geschichte
Seit dem Frühmittelalter wurden an der Stelle des heutigen Baus mehrmals Bischofskirchen errichtet. Fünf verschiedene Bauaktivitäten können an dem heutigen Standort des dreischiffigen Domes nachgewiesen werden:
- Um 720 kam es zur Gründung einer St. Stephan geweihten agilolfingischen-karolingischen Bischofskirche anstelle der römischen Batavinerbischofskirche (450 n. Chr.) der christlichen Gemeinde des Hl. Severin. 739 erfolgte die römisch-kirchenrechtliche Konstituierung des Bistums Passau durch den Hl. Bonifatius, damit wurde Passau Bischofssitz und die Kirche zur Kathedrale der Diözese.
- 985 zur Zeit Bischofs Pilgrim wurde die frühromanische dreischiffige Episkopalkirche mit westlicher Doppelturmfassade geweiht. Der agilolfingische-karolingische Bau wurde bei der Belagerung Passaus durch Kaiser Otto II. 978 zerstört.
- Der frühgotische Dom entstand zwischen 1221 und 1313.
- Der spätgotische Ostteil (Chor, Vierungsturm und die Erhöhung des frühgotischen Mittelschiffes) wurde zwischen 1407 und 1598 von Baumeister Hans Krumenauer und seinen Nachfolgern Ulrich Seidenschwanz (ab 1439), Jörg Windisch (ab 1466) und zuletzt im 16. Jahrhundert Hans Glapsberger geschaffen.
- Der heutige etwa 100 m lange barocke Bau entstand von 1668 bis 1693 nach einem Brand im Jahr 1662. Der im Frühjahr 1664 gewählte neue Fürstbischof Wenzeslaus Graf Thun (1664-1673) stand vor der Aufgabe, den Wiederaufbau einzuleiten. Er war vor seiner Wahl Dompropst in Salzburg gewesen.
Von den früheren Bauten ist nur der spätgotische Ostteil erhalten. Hans Krumenauers spätgotischer, einschiffiger Chor, das Querhaus und der Vierungsturm wurden dabei in die moderne Bauweise mit einbezogen.
Die Gesamtplanung geschah durch Carlo Lurago, der die größte Prager Baugesellschaft straff organisierte und mit seinen Leuten einen Bau nach dem anderen hochführte. Er stammte aus Pellio im Intelvi-Tal. Aus dem Nachbardorf Ramponia kamen seine wichtigsten Mitarbeiter Francesco della Torre und Giovanni Battista Passerini, beide Steinmetzmeister. Sie lernten in der Wiener Bauhütte und in den Steinbrüchen von Kaisersteinbruch in Ungarn, heute Österreich, einer italienisch-schweizerischen Künstlerkolonie, als Meister erhielten sie 1663, am selben Tag, die Prager Bürgerurkunde. Die Steinmetzarbeiten beim Dom konnten nur von mehreren Meistern, die in Freundschaft miteinander arbeiteten (auf gleichen Gewinn), bewältigt werden. Prozessakten im Archiv der Stadt Prag berichten von großen Schwierigkeiten. Die endgültige Abrechnung erfolgte durch eine bauverständige Kommission mit Giovanni Pietro della Torre, dem Sohn und Nachfolger im Amt als königlicher Hofsteinmetzmeister.
Die Innenausstattung erfolgte durch Giovanni Battista Carlone, und die Fresken wurden von Carpoforo Tencalla und Carlo Antonio Bussi gemalt.
1928 wurde die Staatliche Dombauhütte wegen fortdauernd notwendiger Reparaturarbeiten neu gegründet. Die erste Gesamt-Innenrestaurierung seit dem Stadtbrand von 1680 wurde von 1972 bis 1980 durchgeführt.
[Bearbeiten] Äußeres
An der Ostseite des Domplatzes präsentiert sich die barocke, zweitürmige Barockfassade. Dass sich zwei stilverschiedene, riesige Baukörper der Spätgotik und des Barock innen wie außen so harmonisch zu einem ausgeglichenen Ganzen zusammenfügen, lässt den Passauer Dom unter allen Kathedralen des deutschen Kulturraumes eine Sonderstellung einnehmen („einen barocken Dom mit einer gotischen Seele“). Carlo Lurago schuf trotz der gotischen Anlagen (Scheitelhöhe 29 m; bei einer Mittelschiff-Breite von nur 12 m) einen in sich stimmigen hochbarocken Kirchenraum.
Nicht zuletzt die Kuppeln, Böhmische Kappen oder Platzlgewölbe genannt, geben dem Bauwerk ein unverkennbares Äußeres. Die achteckigen Obergeschosse der Westtürme mit den Glockenstuben und den neubarocken Hauben wurden erst 1896 aufgesetzt. Erst damals erreichten die Türme mit ihren 68 Metern die Höhe der Domkuppel. Die Helmglocke der spätgotischen Vierungskuppel stammt aus dem 18. Jahrhundert, als die ursprüngliche Haube erneuert wurde.
Im Untergeschoss des Südturms öffnet sich ein Tor zur schmalen Zengergasse. Diese verläuft an der Südseite des Domes entlang zum östlich des Doms gelegenen Residenzplatz. Von dort ist der spätgotische Chorbau mit seinem filigranhaften Strebewerk sichtbar. Am Ostende des nördlichen Querarms befindet sich das zierliche achteckige spätgotische Stephanstürmchen, das von der Figur des Kirchenpatrons bekrönt wird.
An der Nordseite des Domes liegt ein großer Hof. Dieser Domkreuzgang mit seinem gotischen Portal ist ein Überrest des 739 bezeugten Domklosters. Der Kreuzgang wurde 1812 abgebrochen. Die hier befindlichen Grabsteine befanden sich vorher in der Andreaskapelle und wurden 1961/62 angebracht.
Die Andreaskapelle aus der Zeit um 1300, bei der es sich um eine der ältesten Hallenkirchen in Bayern handelt, liegt an der Ostseite des Platzes. Die zahlreichen Grabsteine verweisen auf ihren ursprünglichen Zweck als Mortuarium der Domherren. Sie wird daher auch Herrenkapelle genannt. Den Chor mit Netzrippengewölbe schuf Hans Krumenauer im Jahr 1414. Unmittelbar südlich neben der Andreaskapelle befindet sich die Sixtuskapelle, die auch als Ortenburgkapelle bekannt ist. Sie birgt das Grabmal des Grafen Heinrich IV. von Ortenburg. Auf der anderen Seite des Domhofes liegen die Trenbachkapelle mit dem Hochgrab von Bischof Urban von Trennbach und die Lambergkapelle mit der Grablege von Kardinal Johann Philipp Graf von Lamberg.
[Bearbeiten] Ausstattung
[Bearbeiten] Stuckierung und Fresken
Das Innere des dreischiffigen Langhauses wird durch sechs von breiten Gurtbögen getrennte Joche gegliedert. Danach folgen die Kuppelvierung und schließlich der einschiffige Chor. Es dominiert die üppige, mit zahlreichen figürlichen Bildungen unterlegte Stuckierung Giovanni Battista Carlones. Besonders markant ist die Reihe der Atlanten im Chorgewölbe. Die 1679 bis 1684 entstandenen Fresken von Carpoforo Tencalla im Mittelschiff gipfeln im Kuppelgemälde mit Gottvater inmitten der Evangelisten und im Chorgemälde, das die Steinigung des hl. Stephanus darstellt. Carlo Antonio Bossi übernahm 1688 die Ausmalung der Seitenschiffe.
[Bearbeiten] Altäre und Kanzel
Der Hochaltar, der die Steinigung des Hl. Stephanus zeigt, wurde 1952 von Prof. Josef Henselmann geschaffen, von dem auch der Volksaltar von 1961 stammt.
Die Nebenaltäre wurden durchweg zwischen 1685 und 1693 von Giovanni Battista Carlone angefertigt. Auf der rechten Seite vorne steht der Marienaltar, dann folgen nach hinten der Pauli-Bekehrungs-Altar mit Gemälde von Johann Michael Rottmayr (Bekehrung des Apostels Paulus, 1693), Martinsaltar mit einem Gemälde von Johann Carl Resler von Reslfeld, Christi-Geburts-Altar mit Gemälde von Andreas Wolff (Anbetung der Hirten, 1698) und Sebastiansaltar mit Gemälde von Rottmayr (Rettung des hl. Sebastian durch Irene). Auf der linken Seite vorn befindet sich der Agnesaltar mit dem Tabernakel und einem Gemälde von Rottmayr (Martyrium der hl. Agnes), es folgen Dreikönigsaltar mit Gemälde von Johann Caspar Sing (Anbetung der hl. drei Könige, 1697), Katharinenaltar mit Gemälde von Johann Carl Resler von Reslfeld (Katharina vor dem Thron der Muttergottes), Johannesaltar mit Gemälde von Rottmayr (Enthauptung des Täufers, 1693) und zuletzt der Maximilians- und Valentinsaltar.
Die vergoldete Kanzel fertigte 1722 bis 1726 der Wiener Hoftischler Johann Georg Series.
[Bearbeiten] Das Geläut
Der Passauer Dom besitzt acht Glocken. Das heutige Geläute spiegelt im Wesentlichen immer noch das historische Geläut von 1684 wider, das ebenfalls aus acht Glocken bestand. Die meisten dieser Glocken sind aber mittlerweile ersetzt oder umgegossen worden. Jeder der beiden Türme des Doms besitzt zwei Glockenstuben, da beim Umbau der Türme 1897 die Oktogone mit den neubarocken Hauben als zusätzliche Glockenstuben ausgeführt wurden. Die größte Glocke ist die 1952 gegossene „Pummerin“. Sie hat einen Durchmesser von 232 cm und ein Gewicht von 7550 kg. Ihr Schlagton ist das fis0. Etwas kleiner ist die 1733 gegossene „Stürmerin“ (Schlagton: a0) mit 5300 kg. Beide Glocken hängen jeweils einzeln in den beiden Glockenstuben des Südturms. Ebenfalls einzeln in ihrer Glockenstube hängt im Nordturm die 1999 gegossene „Misericordia“ (Schlagton: g0), die täglich um 12 Uhr läutet. Sie hat einen Durchmesser von 218 cm und ein Gewicht von 6000 kg. In der zweiten Glockenstube des Nordturms hängen die restlichen fünf Glocken: „Dignitär“ (Schlagton: h0, 3375 kg), „Predigtglocke“ oder „Predigerin“ (Schlagton: cis1, 2350 kg), „Angelusglocke“ (Schlagton: e1, 1350 kg), „Elfuhrglocke“ (Schlagton: fis1, 790 kg), und die „Chorglocke“ (Schlagton: a1, 525 kg). Zum historischen Geläut zählten noch zwei weitere Glocken. Die „Amtglocke“ wurde 1917 abgenommen und zu Kanonenkugeln umgegossen. Die „Sterbeglocke“ hängt seit 1952 in der Friedhofskirche St. Severin. Als neunte Glocke hängt die sogenannte „Zeichenglocke“ (26 kg) neben der Sakristeitür im Dom.
[Bearbeiten] Orgeln
→ Hauptartikel: Orgeln des Domes St. Stephan (Passau)
Bereits um 1467/1471 wurde unter dem Fürstbischof Ulrich von Nußdorf, wahrscheinlich von Orgelbauer Wolfgang Ruerdorff eine erste, spätgotische Orgel gebaut. Beim Stadtbrand 1662 wurden (je nach Quelle) zwei oder vier Orgeln zerstört. Daher wurde 1688 vom Passauer Orgelbauer Leopold Freund eine neue Orgel auf der Westempore gebaut. 1715 wurden vom Orgelbauer Johann Ignaz Egedacher zwei Vierungspfeilerorgeln gebaut. Das prunkvolle Gehäuse der Hauptorgel schnitzte vermutlich 1731 der Passauer Bildhauer Joseph Matthias Götz, das der Seitenorgeln 1718 Joseph Hartmann. Bei der Domrenovierung 1858 wurden diese auf die westlichen Seitenemporen versetzt. Nachdem die Hauptorgel als mangelhaft erschien, wurde 1731 wieder durch Johann Ignaz Egedacher eine neue Hauptorgel gebaut. Wiederum eine neue Hauptorgel wurde zwischen 1886 und 1890 gebaut, nachdem die alte Orgel bereits 1862 und 1871 repariert wurde und 1885 Hofkapellmeister Franz Miloche erneut vor Schäden an der alten Orgel warnte. Durch mangelnde Pflege und technischen Verschleiß wurde aber auch diese Orgel im Laufe der Zeit zunehmend unbrauchbar, sodass 1924 durch die Firma Steinmeyer aus Oettingen wieder eine neue gebaut wurden musste. Am Pfingstfest 1928 wurde diese schließlich eingeweiht und war mit 208 Registern die größte Orgel der Welt, ehe sie von der Orgel der Atlantic City Convention Hall (gebaut zwischen 1929 und 1932) um mehr als das Doppelte übertroffen wurde. Ab 1930 wurden die elektrischen Anlagen modernisiert, bis 1971 die Disposition aufgehellt. Die heutigen fünf Orgeln, die in den Jahren 1978 - 1984 und 1993 von der Orgelbaufirma Eisenbarth aus Passau gebaut wurden, bilden mit zusammen 233 Registern und 17.794 Pfeifen die größte Domorgel der Welt.
[Bearbeiten] Maße
- 102 m lang
- 33,5 m breit
- Scheitelhöhe des Gewölbes beträgt 29 m
- Vierungskuppel ist 69 m hoch
[Bearbeiten] Bilder
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Der Dom von der Veste Oberhaus aus |
[Bearbeiten] Weblinks
48.57406111111113.465438888889Koordinaten: 48° 34′ 27″ N, 13° 27′ 56″ O

