Stephanskirchen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Stephanskirchen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Stephanskirchen
Stephanskirchen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Stephanskirchen hervorgehoben
47.85444444444412.186111111111440Koordinaten: 47° 51′ N, 12° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Rosenheim
Höhe: 440 m ü. NHN
Fläche: 26,51 km²
Einwohner: 10.005 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 377 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83071
Vorwahlen: 08031, 08036
Kfz-Kennzeichen: RO, AIB, WS
Gemeindeschlüssel: 09 1 87 177
Gemeindegliederung: 48 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1 (Schloßberg)
83071 Stephanskirchen
Webpräsenz: www.stephanskirchen.de
Bürgermeister: Rainer Auer (SPD)
Lage der Gemeinde Stephanskirchen im Landkreis Rosenheim
Chiemsee (Gemeinde) Chiemsee (Gemeinde) Chiemsee Österreich Landkreis Altötting Landkreis Ebersberg Landkreis Erding Landkreis Miesbach Landkreis München Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Traunstein Rosenheim Rotter Forst-Süd Rotter Forst-Nord Albaching Amerang Aschau im Chiemgau Babensham Bad Aibling Bad Endorf Bad Feilnbach Bernau am Chiemsee Brannenburg Breitbrunn am Chiemsee Bruckmühl Edling Eggstätt Eiselfing Feldkirchen-Westerham Flintsbach am Inn Frasdorf Griesstätt Großkarolinenfeld Gstadt am Chiemsee Halfing Höslwang Kiefersfelden Kolbermoor Neubeuern Nußdorf am Inn Oberaudorf Pfaffing (Landkreis Rosenheim) Prien am Chiemsee Prutting Ramerberg Raubling Riedering Rimsting Rohrdorf (am Inn) Rott am Inn Samerberg Schechen Schonstett Söchtenau Soyen Stephanskirchen Tuntenhausen Vogtareuth Wasserburg am InnKarte
Über dieses Bild

Stephanskirchen ist eine der größten Gemeinden im oberbayerischen Landkreis Rosenheim. Rathaus und Sitz der Verwaltung befinden sich im Ortsteil Schloßberg. Stephanskirchen ist mit Bad Endorf, Riedering, Prutting und Söchtenau eine der fünf Simssee-Gemeinden.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Findling mit Gartenzaun-„Umbauung“; Waldering, Gemeinde Stephanskirchen

Die Gemeinde befindet sich auf einer glazial überformten Hochebene und wird im Westen durch den Inn und im Osten durch den Simssee begrenzt. Das Tal der Sims ist die natürliche südliche Grenze, im Norden liegen Waldgebiete mit mehreren kleinen Seen. Stephanskirchen liegt innerhalb des Rosenheimer Beckens im Gebiet des früheren Inn-Gletschers. Im Gemeindegebiet befinden sich daher zahlreiche Findlinge.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Schechen, Vogtareuth Prutting Bad Endorf
Rosenheim Nachbargemeinden Riedering
Rohrdorf Riedering

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Stephanskirchen hat 48 amtlich benannte Ortsteile:[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Aquarell des Schlosses Rosenheim nach alten Vorlagen (Michael Kotz um 1900)
Das „Pestkreuz“ im Wald von Kieling
Gedenktafel für die zur Zeit des Dritten Reichs in Haidholzen Inhaftierten
Eingangstore zur Flak-Kaserne

Die ältesten Spuren datieren auf das dritte und vierte Jahrtausend v. Chr. und sind im Doblergraben sowie am Ziegelberg zu finden. Eine Römerstraße überquerte bei Leonhardspfunzen auf der „pons aeni“ den Inn und verlief in Richtung Westen bis nach Augsburg. Von der ersten christlichen Kirche „ecclesia ad sinsa“ wird im Jahr 790 in der Gegend um Sims berichtet. 1130 wurde das Dorf Stephanskirchen erstmals urkundlich als „stevenchirgen“ erwähnt. Auf dem Schlossberg befand sich die Burg Rosenheim, auch Schloss Rosenheim genannt. Erstmals im Jahre 1232 erwähnt, diente es als Verwaltungs- und Gerichtssitz der Wittelsbacher; es verfiel Anfang des 19. Jahrhunderts.

Die Pestepidemien des Mittelalters forderten auch in Stephanskirchen ihren Tribut. Im Wald zwischen Kieling und Baierbach steht ein Gedenkstein zum Andenken an die dort Begrabenen. Die Aufschrift der Gedenktafel lautet:

Während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1632 herrschte in den Ortschaften der Umgebung die Pest. Viele Menschen starben an dieser Krankheit und wurden hier an diesem stillen Ort in Massengräbern bestattet. Der Überlieferung nach sind ganze Ortschaften ausgestorben. In Kieling blieb nur ein kleines Mädchen übrig. Dieses steinerne Kreuz wurde zum Gedenken an die Toten aufgestellt. (Geschichtlich überliefert durch Pfarrer Angerer, Stephanskirchen).

In den Hauptmannschaften Gehering und Stephanskirchen, Vorläufern der heutigen Gemeinde Stephanskirchen, herrschten bis ins 18. Jahrhundert ländliche Strukturen vor. Stephanskirchen und die neu entstandene Arbeiter- und Taglöhnersiedlung Hofleiten wurden im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 selbständige politische Gemeinden. 1854 kam es zur Vereinigung von Hofleiten und Stephanskirchen. Aufgrund der sozialen Unterschiede kam es bis ins späte 19. Jahrhundert zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Gemeindeteilen. Seit 1900 wurde Schloßberg durch die Nähe zu Rosenheim zum größten Ort im Gemeindegebiet.

Von 4. Dezember 1944 bis 31. März 1945 befand sich im Ortsteil Haidholzen ein Außenlager des KZ Dachau, in dem etwa 200 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit verrichteten.[3] Die polnischen, russischen und französischen Kriegsgefangenen wurden in einer Barackensiedlung auf dem Gelände der dortigen Flak-Kaserne untergebracht. Das Hauptgebäude dieser Flak-Kaserne existiert heute noch, seit 1947 befinden sich darin die Produktionsanlagen einer Süßwarenfabrik. Die Häftlinge arbeiteten für regionale Auftraggeber und für die Chiemgauer Vertriebsgesellschaft O.H.G, ein Zweigwerk der Firma BMW, das in Stephanskirchen Flugzeugmotoren fertigte, jedoch seinen Betrieb nie voll aufnahm. Aus mehreren unabhängigen Quellen geht hervor, dass es im Außenlager Stephanskirchen auch zu Morden an den Inhaftierten kam. Gegen Ende 1944 war das Werk Ziel von Luftangriffen, bei denen zwei Belegschaftsmitglieder getötet wurden. 30 % der Gebäudesubstanz und 20 % des Maschinenparks wurde zerstört, es entstand ein Schaden in Höhe von 250.000 RM. Auf Befehl Heinrich Himmlers wurde im März und April 1945 eine Evakuierung in rückwärtige Konzentrationslager durchgeführt, in deren Verlauf viele Häftlinge aus Erschöpfung starben oder von der SS erschossen wurden.[4][5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen etwa 1500 Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach Stephanskirchen und gründeten zunächst in der Nähe der Kaserne die Siedlung Haidholzen. Straßennamen wie „Schlesierstraße“ oder „Sudetenlandstraße“ weisen bis heute auf die Herkunft dieser Vertriebenen hin. 2003 wurde in Schloßberg ein neues Rathaus eröffnet.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
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50
40
30
20
10
0
45,5 %
18,1 %
15,6 %
11,3 %
8,1 %
1,4 %

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2014 führten zur folgenden Sitzverteilung im Gemeinderat von Stephanskirchen:

Partei / Liste 2014
CSU 9
Parteifreie Bürger (PfB) 4
SPD 3
Grüne 2
BP 2
Gesamt 20

Wappen[Bearbeiten]

Das 1954 entworfene Gemeindewappen weist auf die historische Zweiteilung der Gemeinde hin: Oben symbolisiert der Heilige Stephanus mit goldenem Heiligenschein den Bereich Stephanskirchen. Er hält ein goldenes Messbuch mit drei goldenen Steinen in seinem linken Arm. Im unteren Teil des Wappens erinnert ein Nachen, eine so genannte Mutze, an die einstigen Erwerbsquellen in Schloßberg, Hofleiten und den Ortsteilen am Innufer: Schifffahrt und Fischfang. Das im Wappen dominierende Grün ist ein Hinweis auf die landwirtschaftlich geprägte Struktur der Gemeinde.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Größte Kunstuhr der Welt in der Weinstube beim Gocklwirt (Erbauer: Josef Kreß 1880–1886)
  • Kirche St. Magdalena in Baierbach
  • Kirche zu den heiligen 14 Nothelfern in Kleinholzen
  • St. Leonhardskirche in Leonhardspfunzen
  • Brunnenkapelle in Leonhardspfunzen
  • Schloss Innleiten, 1894 von Thomas Gillizer in neubarockem Stil im Ortsteil Innleiten erbaut

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Stephanskirchen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Stephanskirchen liegt an der Staatsstraße 2362, die eine direkte Verbindung nach Rosenheim herstellt. Von Rosenheim aus ist die A 8 über die B 15 erreichbar.

Durch die Gemeinde Stephanskirchen verläuft die Bahnstrecke München–Salzburg. Sie wird im Kursbuch der Deutschen Bahn als Kursbuchstrecke 951 geführt. Der Bahnhof wurde am 7. Mai 1860 als Kreuzungsbahnhof an der erst eingleisig gebauten Bahnstrecke in Betrieb genommen. Der Bahnhof besaß neben dem Hauptgleis auch ein Ausweichgleis, dies konnte mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke entfallen. Später wurde der Bahnhof erweitert, indem noch eine Waage, eine Laderampe, eine Wagendrehscheibe und Abstellgleise hinzukamen. Die Weichen wurden beidseitig handgestellt.[7] Am 31. Mai 1981 wurde der Reisezugverkehr aufgrund von zu wenigen Fahrgästen eingestellt. Zuletzt wurde der Bahnhof nur noch selten im Ausflugsverkehr von Personenzügen, die meist von Rosenheim nach Freilassing verkehrten, bedient. Am 25. November 1985 wurde schließlich auch der Güterverkehr eingestellt und die Station stillgelegt. Das Empfangsgebäude wird heute privat genutzt.[8][9]

Heute wird die Gemeinde Stephanskirchen im Öffentlichen Personennahverkehr nur noch durch drei Buslinien der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) bedient. Die Buslinie 9496 fährt von Montag bis Freitag von Rosenheim über Stephanskirchen und Riedering nach Aschau im Chiemgau ungefähr im Zweistundentakt. An Samstagen fahren einzelnen Busse, an Sonntagen ist kein Betrieb. Die Linie 9497 verkehrt ebenfalls von Montag bis Freitag ungefähr im Zweistundentakt und verbindet den Bahnhof Rosenheim mit Stephanskirchen, Riedering, Rimsting und dem Bahnhof Prien am Chiemsee. An Samstagen fahren auf der Buslinie 9497 nur zwei Busse, an Sonntagen ist kein Betrieb. Die Buslinie 9498 verkehrt nur zwischen Rosenheim und Stephanskirchen. Von Montag bis Freitag fährt diese ungefähr im Zweistundentakt. An Samstagen fahren einzelnen Busse, an Sonntagen ist kein Betrieb.[10]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Schulen und Kindergärten[Bearbeiten]

Otfried-Preußler-Schule
Otfried-Preußler-Schule

Eine Grund- und Hauptschule wurde im Ortsteil Stephanskirchen im Jahr 1978 errichtet; sie trägt heute zu Ehren des in Haidholzen ansässigen Buchautors Otfried Preußler neben sieben anderen Schulen in Deutschland den Namen Otfried-Preußler-Schule. Sie ist die derzeit einzige mitarbeitende UNESCO-Projektschule aller Volksschulen in Bayern. Rund 550 Schülerinnen und Schüler sind auf insgesamt 25 Klassen verteilt. Die Grundschule umfasst 8 Klassen, die Hauptschule 17 Klassen, davon 6 im Mittlere-Reife-Zug. Eine Nachmittagsbetreuung der Grundschule wird durch den Verein „KinderArche“ angeboten.

Die Schule Dr. Houghton e. V. unterhielt in den späten 1970er Jahren die Sonnenholzschule. Später zog die Schule um in das Landschulheim Elkofen.

Im Ortsteil Schloßberg befindet sich die „Volksschule Schloßberg“, eine zweizügige Grundschule für etwa 200 Schüler.

Die Gemeinde verfügt darüber hinaus über vier Kindergärten: Den katholischen Kindergarten „St. Georg“ in Schloßberg, den katholischen Kindergarten „Sonnenschein“ in Haidholzen, den katholischen Pfarrkindergarten „Bärenstube“ in Stephanskirchen sowie den evangelischen Kindergarten „Regenbogen“ in Schloßberg.[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111023/123447&attr=OBJ&val=531
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 194
  4. Rosenheim im Dritten Reich; Beiträge zur Stadtgeschichte, herausgegeben vom Kulturamt der Stadt Rosenheim 1989
  5. Geschichte der Firma PIT Süsswaren Online auf der Homepage
  6. Haus der Bayrischen Geschichte Online
  7.  Armin Franzke, Josef Mauerer: 1860-2010: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. PB Service, München 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3, S. 125.
  8.  Armin Franzke, Josef Mauerer: 1860-2010: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. PB Service, München 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3, S. 125–126.
  9.  Siegfried Bufe: Hauptbahn München–Salzburg. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1995, ISBN 3-922138-57-8.
  10. Liniennetz des Regionalverkehrs Oberbayern (PDF; 2,1 MB) In: rvo-bus.de. RVO. 2011. Abgerufen am 1. April 2013.
  11. Gemeindebroschüre der Gemeinde Stephanskirchen Pdf-Datei, 12 MB

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stephanskirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien