Stephen Colbert

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Stephen Colbert
Stephen Colbert und seine Ehefrau

Stephen Tyrone Colbert [koʊlˈbɛər] (* 13. Mai 1964 in Washington, D.C.) ist ein US-amerikanischer Komiker und Satiriker. Bekannt ist er für seine Auftritte in der Daily Show sowie inzwischen als Moderator der Sendung The Colbert Report. In dieser spielt er die satirisch überzeichnete Rolle der Kunstfigur eines demagogischen, rechtspopulistischen Fernsehmoderators, der ebenfalls Stephen Colbert heißt (oft als „Stephen Colbert“ mit Anführungszeichen bezeichnet). Indem er die Argumentationsweise rechter Moderatoren, wie sie insbesondere für Fox News typisch sind, parodistisch auf die Spitze treibt, versucht Colbert, diese in ihren Widersprüchen zu entlarven. Im Jahr 2007 veröffentlichte er das Satire-Buch I Am America (And So Can You!), das die zentralen Vorstellungen des von ihm gespielten Charakters zusammenfasst. Mitte 2011 trat er (vorgeblich) selbst in den Präsidentschafts-Wahlkampf ein und begann, anhand von selbstgegründeten Wahlkampfspendenorganisationen die Funktionen und Dysfunktionalitäten der amerikanischen Wahlkampffinanzierung offenzulegen. Im April 2014 gab CBS bekannt, dass er 2015 die Nachfolge von David Letterman in der Late Show antreten werde.[1]

Leben[Bearbeiten]

Colbert wuchs in Charleston in einer irischen, römisch-katholischen Familie auf. Er war das jüngste von elf Kindern. Seine Mutter Lorna Colbert (1920–2013)[2] war Hausfrau und der Vater war Arzt und führendes Mitglied bei der Medical University of South Carolina. 1974 kam der Vater zusammen mit zwei seiner Söhne, Peter und Paul, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.[3] Die drei befanden sich auf dem Weg zur Einschulung.

In Charleston besuchte Colbert die private Porter Gaud School. Im Anschluss studierte er am Hampden-Sydney College und an der School of Speech and Communication der Northwestern University, wo er Schauspielunterricht nahm. Während seiner Studienzeit war Colbert Mitglied einer Improvisationstruppe am Theater I. O. Chicago. Nach dem College war er Mitglied bei The Second City und nahm dort auch weiteren Unterricht.[4]

Verheiratet ist er mit Evelyn McGee-Colbert, mit der er drei Kinder hat. Colbert beschreibt sich selbst als Anhänger der Demokraten.[5]

Fernsehkarriere[Bearbeiten]

Stephen Colbert war Darsteller und Autor der Serien Exit 57 (1995–1996), The Dana Carvey Show (1996) und Strangers with Candy (1999–2000). In den Serien Harvey Birdman und Crank Yankers hat er regelmäßige Gastrollen. Daneben trat er auch schon in Whose Line Is It Anyway? auf und arbeitete als Autor für Saturday Night Live.

Große Bekanntheit brachte ihm seine Rolle in der satirischen Nachrichtensendung The Daily Show with Jon Stewart auf Comedy Central ab 1997. Dort entwickelte er die Kunstfigur „Stephen Colbert“ und agierte als Korrespondent, der über Geschehnisse in der Welt berichtet. Anfangs trat "Stephen Colbert" dabei - insbesondere in Wortgefechten mit Steve Carell - mitunter durchaus auch noch scheinbar für überzeichnete liberale Standpunkte ein, um auch diese bloßzustellen; erst nach dem Ende der Präsidentschaft von Bill Clinton wurde daraus zunehmend eine Parodie dezidiert rechtspopulistischer Positionen. Ein weiteres Segment der Show, in dem er auftrat, war This Week in God, worin er sich mit aktuellen religiösen Themen auseinandersetzte. In einigen Ausgaben der Sendung, für die Jon Stewart nicht zur Verfügung stand, übernahm er die Moderation.

Im Jahr 2005 verließ Colbert die Daily Show, um für Comedy Central ein eigenes Spin-off zu produzieren: Seit Oktober 2005 moderiert er The Colbert Report (die beiden t am Ende beider Wörter sind stumm). Colbert parodiert darin rechtspopulistische Kommentatoren wie Bill O’Reilly (The O’Reilly Factor), Rush Limbaugh (The Rush Limbaugh Show) oder Sean Hannity (Hannity bzw. Hannity's America), indem er sich als einer von ihnen ausgibt und durch Übertreibung ihre manipulative Fragetechnik bloßstellt. Die Sendung konnte sich bereits innerhalb weniger Wochen als eine der meistgesehenen Shows des Senders etablieren. Ein beliebtes Colbert-Zitat lautet: „Ich glaube nicht an die Realität. Sie ist ja bekannt für ihre linksliberalen Tendenzen.“

In der ersten Sendung von „The Colbert Report“ am 17. Oktober 2005 prägte er das Wort Truthiness für eine „Wahrheit“ (engl. truth), die nicht mit dem Verstand, sondern nur mit „Herz“ oder „Bauch“ empfunden wird. Truthiness wurde am 6. Januar 2006 von der American Dialect Society zum Wort des Jahres 2005 gewählt.[6]

Das Time Magazine zählte Stephen Colbert im Frühjahr 2006 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres.[7] Am 29. April 2006 durfte Colbert anlässlich des traditionellen Dinners der White House Correspondents’ Association eine Rede in Gegenwart von George W. Bush halten,[8] die aufgrund der satirisch verbrämten, aber sehr heftigen Angriffe auf die Bush-Regierung für großes Aufsehen sorgte, jedoch sehr unterschiedlich beurteilt wurde: Bush-freundliche Kommentatoren übergingen die Rede teils gänzlich oder versuchten, sie als unhöflich und unkomisch darzustellen, wohingegen Gegner der Bush-Regierung nicht nur eine vernichtende Kritik der Regierung und der oft allzu unkritischen Medien in Washington feierten, sondern auch eine satirische und komödiantische Meisterleistung.[9] Der Auftritt wurde kurz danach die meist heruntergeladene Datei bei iTunes.

Die Hörbuchversion seines satirischen Buches America Again: Re-becoming the Greatness We Never Weren't, das Ende 2012 veröffentlicht wurde, wurde bei den Grammy Awards 2014 in der Kategorie Sprache ausgezeichnet. Im 2013 erschienenen Film Der Hobbit: Smaugs Einöde sind Colbert und dessen Kinder in kurzen Auftritten in Seestadt zu sehen.

Politik[Bearbeiten]

Colbert registrierte sich 2008 als demokratischer Bewerber für die Gouverneurswahlen in South Carolina, wobei er sich trotz seiner TV-Rolle als extremistischer Republikaner für die Demokraten entschied - angeblich, weil die Bewerbungsgebühr bei den Republikanern wesentlich höher war. Außerdem trat er als sachverständiger Zeuge bei einer Senatsanhörung 2010 über die Situation von illegalen Arbeitern in der Landwirtschaft auf. Beide Auftritte galten als satirische Aktionen.[10]

Mitte 2011 trat Colbert in die Politik ein und gründete eine Lobbyorganisation vom Typ eines Super Political Action Committees mit dem Namen Americans for a Better Tomorrow, Tomorrow (etwa: Amerikaner für eine bessere Zukunft, in der Zukunft). Ein Super PAC kann legal Spenden in beliebiger Höhe von Einzelpersonen und Kapitalgesellschaften entgegennehmen, ohne dass die Herkunft offengelegt werden muss. Später kam ein zweites Super PAC hinzu. Mittels dieser Organisationen finanzierte er Wahlkampf-TV-Spots während der Primaries in Iowa, rief indirekt zur Wahl eines republikanischen Politikers auf, dessen Kandidatur zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell war und der sich schließlich nicht zur Wahl stellte, und verlangte gegen das Angebot einer großzügigen Spende an die Republikanische Partei, dass deren Wahlkongress nach ihm benannt werden solle.[10]

Alle diese Aktivitäten begleitete er ausführlich in seiner Show und legte damit den Zuschauern die Möglichkeiten der Wahlkampffinanzierung und Manipulation offen. Colbert: „Das Verfahren der Super PACs ist zu 100% legal und zu mindestens 10% moralisch.“[10] Als Geldgeber im Hintergrund gilt Mark Cuban, Unternehmer und Eigentümer der Basketballmannschaft Dallas Mavericks, seine Beteiligung ist aber nicht offiziell bestätigt worden und die Idee hinter den Aktivitäten ist gerade, „dass wir es nie wissen werden.“[10]

Für den Fall einer Präsidentschaftskandidatur, die Colbert als Möglichkeit präsentierte, übertrug er im Januar 2012 die Leitung seiner beiden SuperPACs an Jon Stewart, um der gesetzlich vorgeschriebenen Unabhängigkeit der PACs von Kandidaten nachzukommen.[11][12] 2012 war Colbert einer der Organisatoren der Rally to Restore Sanity and/or Fear (Kundgebung zur Wiederherstellung der geistigen Gesundheit und/oder Furcht), die in Washington D.C. stattfand und eine satirische Gegenbewegung zu Glenn Becks populistischer Restoring Honor rally darstellen sollte.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stephen Colbert – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Stephen Colbert's Mother Dies at 92, The Hollywood Reporter, 14. Juni 2013
  3. Deborah Solomon: Funny About the News (Interview mit Stephen Colbert). In: New York Times Magazine, 25. September 2005, Online, abgerufen am 10. April 2014.
  4. The A. V. Club: „Interview – Stephen Colbert“, 25. Januar 2006.
  5. Jerriblank.com: „Spotlight on Stephen Colbert“, 13. August 2004.
  6. Truthiness Voted 2005 Word of the Year by American Dialect Society (PDF; 224 kB).
  7. TIME: „The TIME 100 – The People Who Shape Our World“, 8. Mai 2006.
  8. Videostream bei Google Video: Colbert Roasts President Bush – 2006 White House Correspondents Dinner.
  9. englischsprachige Wikipedia: Stephen Colbert at the 2006 White House Correspondents’ Association Dinner.
  10. a b c d Charles McGrath: How Many Stephen Colberts Are There?. In: The New York Times Magazine, 12. Januar 2012.
  11. Huffington Post: Stephen Colbert Gives Jon Stewart Control Of His Super PAC, Explores 2012 Presidential Run, 12. Januar 2012
  12. Jordan MejiasDer Wahlkampf des Nachrichtenclowns in: FAZ vom 2. Februar 2012, Seite 35