Stephen F. Cohen

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Stephen Frand Cohen (* 1938 in Owensboro, Kentucky) ist ein US-amerikanischer Hochschullehrer und Russistikgelehrter, der sich hauptsächlich mit Russland und der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution sowie den Beziehungen der USA zu diesen Staaten beschäftigt.

Leben[Bearbeiten]

Cohens Großvater war ein jüdischer Einwanderer aus dem damals zum Kaiserreich Russland gehörenden Litauen. Sein Enkel errang den Grad des Bachelor of Science und des M.A. in Russistik an der Indiana University in Bloomington. Im Verlauf weiterer Studien in England bereiste er mehrere Wochen lang die Sowjetunion. Cohen promovierte in Russistik an der Columbia University in New York und wurde Professor für Russistik an der Princeton University in Princeton, New Jersey. Er lehrte in Princeton bis 1998 und danach an der New York University in New York City. Seine Vorlesung in New York trägt den Titel: Russland seit 1917.

Cohen hat aus erster Ehe einen Sohn und eine Tochter. Er ist mit der Chefredakteurin der linksgerichteten New Yorker Zeitschrift The Nation, Katrina vanden Heuvel, verheiratet. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn. Cohen ist auch Redakteur bei The Nation.

Wirkung[Bearbeiten]

Cohen ist ein persönlicher Freund von Michail Gorbatschow und Berater von George Bush. Er kannte die Tochter Stalins und sorgte Ende der 1980er Jahre für eine Rehabilitierung des sowjetischen Politikers Nikolai Bucharin. Cohen hat eine Reihe von Büchern veröffentlicht und ist Berater der New Yorker Radio- und Fernsehstation CBS News. Er ist Mitglied des einflussreichen Council on Foreign Relations in New York.

Positionen[Bearbeiten]

Boris Jelzin verfolgt Clintons Spiel auf dem Saxophon (1994).

Cohen vertritt die Sichtweise, dass die USA den im Jahre 1991 offiziell für beendet erklärten Kalten Krieg wieder aufgenommen hätten, ohne sich das jedoch selbst einzugestehen. Die seit Präsident Bill Clinton gängige, verkürzte Deutung von einem „amerikanischen Sieg“ und einer „russischen Niederlage“ habe dazu geführt, dass das post-kommunistische Russland auch wie eine besiegte Nation behandelt worden sei, obwohl das von der Sowjetunion geerbte militärisches Potenzial weiterhin voll erhalten war. Dieser Triumphalismus habe zu der Erwartung geführt, dass Russland in den USA übliche Praktiken kopiere und sich der amerikanischen Außenpolitik komplett unterwerfe. Die öffentlichen Freundschaftsbekundigungen wie sie zwischen Clinton und Jelzin üblich waren, seien vor so einem Hintergrund wertlos. Dass Clinton, entgegen dem Versprechen seines Vorgängers, die NATO nach Osten erweiterte und dann auch noch eine Einkreisungspolitik verfolgt wurde, habe in Russland zwangsläufig zu Misstrauen führen müssen. Weiter nennt Cohen u.a. die Kündigung des ABM-Vertrags 2002 und den verweigerten WTO-Beitritt beim G8-Gipfel in Sankt Petersburg 2006. Als Indiz sieht Cohen auch die „unsinnige Dämonisierung“ Putins als „Autokrat“. Es sei unnatürlich, dass sich in der als pluralistisch verstehenden US-Medienlandschaft kaum noch jemand finde, der den „Zeloten des Kalten Krieges“ substantiell widerspreche. Nach Cohens Auffassung wäre es notwendig und auch im Interesse der USA, dass sie sich eingestehen, dass sie den Kalten Krieg unversehens fortgeführt hätten.[1][2]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • The Victims Return: Survivors of the Gulag after Stalin. Publishing Works, New York 2010, ISBN 978-1-933002-40-8.
  • Soviet Fates and Lost Alternatives: From Stalinism to the new Cold War. Columbia University, New York 2009, ISBN 978-0-231-14896-2.
  • Failed Crusade: America and the Tragedy of Post-Communist Russia. W.W. Norton, New York 2000, ISBN 0-393-04964-7.
  • mit Katrina van den Heuvel: Voices of Glasnost: Interviews with Gorbatchev's Reformers. W. W. Norton, New York 1989, ISBN 0-393-02625-6 .
  • Sovieticus: American Perceptions and Soviet Realities. W. W. Norton, New York 1986, ISBN 0-393-30338-1.
  • Rethinking the Soviet Experience: Politics and History since 1917. Oxford University Press 1985, ISBN 0-19-503468-6 .
  • An End to Silence: Uncensored Opinion in the Soviet Union, from Roy Medevedyev's Underground Magazine „Political Diary“. W. W. Norton, New York 1982, ISBN 0-393-01491-6.
  • Bukharin and the Bolshevik Revolution. A Political Biography, 1888-1938. Oxford University Press, 1980, ISBN 0-19-502697-7.
  • als Herausgeber mit anderen: The Soviet Union since Stalin. Indiana University Press, Bloomington, Indiana, USA 1980, ISBN 0-253-32272-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephen F. Cohen: The New American Cold War in The National vom 10. Juli 2006.
  2. Stephen F. Cohen: Stop the Pointless Demonization of Putin in The National vom 6. Mai 2012.