Stephen Roche

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Stephen Roche

Stephen Roche (* 28. November 1959 in Dublin) ist ein ehemaliger irischer Radrennfahrer. Er gewann 1987 als zweiter Fahrer überhaupt (neben Eddy Merckx) in einem Jahr die Tour de France, den Giro d’Italia und die Straßenrad-Weltmeisterschaft und war als erster Ire Sieger der Tour de France.

Leben[Bearbeiten]

Roche begann seine Profikarriere 1980 und gewann im nächsten Jahr das Etappenrennen Paris-Nizza. 1985 erreichte er seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France und wurde Vierter im Gesamtklassement.

1987 konnte Roche – nach dem Rücktritt Bernard Hinaults und einem Jagdunfall Greg LeMonds – die Gunst der Stunde nutzen.

Beim Giro d’Italia 1987 trat das Team Carrera mit einer Doppelspitze an. Vorjahressieger Roberto Visentini wollte seinen Triumph wiederholen und hatte zur Unterstützung sieben Italiener mit im Team. Der zweite Topfahrer, Stephen Roche, war somit fast auf sich allein gestellt, denn nur der Belgier Eddy Schepers hielt zu ihm. Den besseren Start erwischte dabei Visentini und gewann den vier Kilometer langen Prolog in San Remo, Roche war fünf Sekunden zurück. Visentini trug nur kurz Rosa, dann nahm ihm Erik Breukink das Trikot ab. Aber auch er trug es nur kurz. Nachdem Stephen Roche bereits das kurze Zeitfahren vom Poggio nach San Remo gewonnen hatte – Visentini lag nun zwei Sekunden hinter dem Iren – durfte er nach der vierten Etappe das Rosa Trikot überstreifen. Carrera gewann mit fast einer Minute Vorsprung das Team-Zeitfahren und spätestens jetzt war klar, dass Roche und Visentini nur sich selbst schlagen konnten.

Im Team hielt sich kaum jemand an die vor der Rundfahrt ausgegebene Stallregie, den Besten des eigenen Teams zu unterstützen – egal wie er hieße. Die Italiener bei Carrera fuhren nur für Visentini. Obwohl Roche das Rosa Trikot trug, war er für Claudio Chiappucci und Co. nur ein Übergangsleader. Sie arbeiteten auf die Stunde von Visentini hin. Diese schlug bei der 13. Etappe, einem Zeitfahren über 46 Kilometer von Rimini nach San Marino. Zwar brauchte Visentini für das schwere Profil über anderthalb Minuten mehr als der Sieger, aber Roche als Zeitfahrspezialist war noch viel langsamer. „Ein Grund war ein Sturz drei Tage zuvor, außerdem war ich zu nervös“, schreibt Roche später in seinem Buch „My Ride to Victory“, in dem er sein unglaubliches Jahr 1987 beschreibt. Nun lag Visentini zwei Minuten und 42 Sekunden in Front und die Italiener dachten, das Rennen sei gelaufen. Roche würde nun für Visentini arbeiten, dieser dann für Roche bei der Tour de France fahren. Aber das war nur die offizielle Aussage. Roche wusste, dass Visentini im Juli bereits seinen Urlaub gebucht hatte. Unwahrscheinlich, dass der Italiener in Frankreich für ihn arbeiten würde. So setzte sich Roche mit seinem loyalen Helfer Eddy Schepers zusammen. Er dürfe die Niederlage nicht akzeptieren, sagte Schepers. Er sei gekommen, um zu gewinnen und müsse dies weiter versuchen. Stephen Roche versuchte es.

Schon zwei Tage später war die Chance zum Gegenangriff gekommen. Die Etappe von Lido di Jesolo nach Sappada war zwar lang (224 Kilometer), aber dennoch eher eine leichtere Bergetappe. Sie wurde zur Legende. Zwar endete die Etappe mit einem Anstieg, nach dem nur noch eine kleine flache Passage wartete, ein Angriff auf Rosa war aber nicht unbedingt zu erwarten. Und Visentini war nicht vorbereitet. Nach dem ersten Anstieg attackierte Roche gemeinsam mit zwei anderen Fahrern. Teamchef Boifava war außer sich vor Wut. Er fuhr zu Roche und befahl ihm zu stoppen. Als Roche weiter führte, beorderte er das gesamte Team auf die Verfolgung und selbst Roches Mechaniker und Vertrauter Patrick Valcke sollte ihn zum Einlenken bewegen – Valcke tat es nicht.

Das Team Carrera rieb sich bei der Verfolgung auf, aber gemeinsam mit dem italienischen Team Atala klappte es doch. Roche wurde eingeholt, war aber so stark, dass er bei der folgenden Attacke von Phil Anderson (Panasonic) und Jean Francois Bernard (Toshiba) mitgehen konnte. Eddy Schepers, der einzige Fahrer von Carrera, der sich zuvor nicht an der Verfolgung beteiligt hatte, half Roche, während Visentini auf sich allein gestellt und geplagt von einem Hungerast Zeit verlor. Am Ende durfte Roche wieder aufs Podium und holte sich das Trikot des Führenden. Bis Mailand sollte er es nicht mehr abgeben, auch wenn Visentini kurz nach seiner Zieleinfahrt prophezeite, am Abend würden einige Leute gehen. Wäre er nicht ins Rosa Trikot geschlüpft, Roche hätte vermutlich wirklich den Giro verlassen. So aber blieb er im Rennen.

Einfach wurden die letzten sieben Etappen jedoch nicht. Roche hatte den italienischen Vorjahressieger und Publikumsliebling attackiert, der noch dazu sein Teamkamerad war. Die Tifosi bedrohten und beschimpften ihn auf den folgenden Etappen. Schon am Tag nach der Ankunft in Sappada sollte das „Marmolada Massaker“ stattfinden. Die Tifosi bedrängten Roche, er hatte Sorge, vom Rad gedrängt zu werden. Aber er bekam unerwartete Hilfe. Robert Millar (Panasonic) und Phil Anderson unterstützten Roche. Gemeinsam mit Helfer Schepers schirmte Millar Roche von den Fans ab und geleitete ihn so sicher ins Ziel, wo der Ire immerhin noch Dritter wurde. Damit war die schwerste Prüfung bestanden. Zum Ende des Giros, als Visentini schließlich aufgab und Roche Robert Millar bei der vorletzten Etappe noch den ersten Etappensieg ermöglichte, normalisierte sich das Rennen wieder. Das Team unterstützte ihren Kapitän, der dafür noch die letzte Etappe, ein Zeitfahren über 32 Kilometer, gewann – im übrigen zeitgleich mit Didi Thurau (Roland-Skala).

Am Ende gewann Roche den Giro mit fast vier Minuten Vorsprung vor Millar und nahm seine überragende Form mit in die Tour de France, die in diesem Jahr in Berlin gestartet wurde. Auch bei der Tour unterstützten ihn die Carrera-Kollegen in den Bergen nicht – wiederum mit Ausnahme von Schepers. So wechselte das Trikot ständig, die Tour blieb bis zum letzten Tag spannend. Am Ende des Rennens hatte der Drittplatzierte Jean-François Bernard nur gut zwei Minuten Rückstand, zwischen dem Sieger Stephen Roche und dem Zweitplatzierten Pedro Delgado lagen sogar nur 40 Sekunden - der drittknappste Ausgang der Tour überhaupt. Roche überholte den Spanier dabei erst durch das letzte Zeitfahren.

Die Krone setzte er sich dann am 6. September auf. Sechs Wochen nach dem Ende der Tour ging es in Villach um das regenbogenfarbene Trikot des Weltmeisters. Roche wollte seinen Mannschaftskollegen Sean Kelly unterstützen, am Ende reichte es für ihn selbst zum Sieg.

Roche ist neben Eddy Merckx (1974) der einzige Radprofi, der die drei wichtigsten Radrennen innerhalb eines Jahres gewonnen hat. 1993 trat Roche vom Radsport zurück.

Sein Sohn Nicolas Roche (* 1984) ist ebenfalls Radrennfahrer.

Zitat[Bearbeiten]

„While it is a very hard and sometimes very cruel profession, my love for the bike remains as strong now as it was in the days when I first discovered it. I am convinced that long after I have stopped riding as a professional I will be riding my bicycle. I never want to abandon my bike. I see my grandfather, now in his seventies and riding around everywhere. To me that is beautiful. And the bike must always remain a part of my life.“

„Obwohl es ein sehr harter und manchmal ziemlich grausamer Beruf ist, ist meine Liebe zum Radsport noch genau so groß wie damals, als ich ihn entdeckte. Ich bin überzeugt, dass ich noch lange nach meinem Rücktritt vom Profirennsport Fahrrad fahren werde. Ich will mein Fahrrad nie aufgeben. Ich sehe meinen Großvater, jetzt in den Siebzigern, der radelt noch überallhin. Für mich ist das schön. Und das Rad muss immer ein Teil meines Lebens bleiben.“

Stephen Roche

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]