Sterkrade

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Wappen der ehemaligen Stadt Sterkrade

Sterkrade ist ein Stadtbezirk von Oberhausen, der sich in die Stadtteile Biefang, Buschhausen, Holten, Königshardt, Schmachtendorf, Schwarze Heide, Sterkrade und Walsumermark gliedert. Er grenzt im Nordwesten an die Stadt Dinslaken (Kreis Wesel), im Osten an die kreisfreie Stadt Bottrop und den Oberhausener Stadtbezirk Osterfeld, im Süden an den Stadtbezirk Alt-Oberhausen und im Westen an den Duisburger Stadtbezirk Hamborn.

Als Einkaufszentrum besitzt Sterkrade den Rang eines Mittelzentrums. Die Attraktivität der Fußgängerzone und der dort ansässigen Händler wurde durch den Neubau des CentrO in der Neuen Mitte auf einem ehemaligen Eisenhüttengelände zunächst gemindert, erlebt aber derzeit ein Zurück in die gewachsene Mitte. Der Wochenmarkt in Sterkrade ist der größte Markt Oberhausens.

Die traditionsreiche Sterkrader Fronleichnamskirmes galt zeitweise als größte Straßenkirmes Europas.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Im Bereich Oskarstraße / Weseler Straße wurde ein frühmittelalterliches Gräberfeld des 6. und 7. Jahrhunderts teilweise ausgegraben; vermutlich befinden sich die Funde heute in der Städtischen Galerie Oberhausen / Ludwig Galerie Schloss Oberhausen.[1] Die etwa 900 m entfernt gefundenen drei Goldmünzen aus der 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts unterstreichen die frühmittelalterlichen Anfänge Sterkrades.[2]

Die älteste urkundliche Erwähnung der Siedlung datiert aus der Zeit um 890, als sie unter dem Namen „Starkinrotha“ im Urbar der Abtei Werden aufgeführt wurde.[3] Weitere überlieferte Namensformen aus dem Mittelalter lauten Sterkerotha, Starkerode oder Starkenrade. Die Endung -rode oder -rade verweist auf eine Rodung als Ausgangspunkt der Besiedlung, unklar ist jedoch, ob die erste Hälfte des Ortsnamens eine starke Rodung bezeugen soll oder eine Person namens Starko - beide Hypothesen werden weiterhin vertreten.[4]

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Geschichte Sterkrades stark geprägt durch das Zisterzienserinnen-Kloster, das im Jahr 1240 als Filiale des Klosters Duissern gestiftet wurde, welches seinerseits nur wenige Jahre zuvor aus dem Zisterzienserinnenkloster Saarn hervorgegangen war.[5] Die Schwestern ließen sich ursprünglich auf dem Gut Defth (gelegen im Ortsteil Kirchhellen-Grafenwald der heutigen Stadt Bottrop) nieder, müssen aber spätestens im Frühjahr 1255 nach Sterkrade umgezogen sein. Auf diesen Zeitpunkt ist eine Urkunde der Mechthild von Holten zu datieren, die dem Kloster das Patronatsrecht über die Sterkrader Kirche übertrug und ihm eine Mühlstätte nebst Fischteich schenkte. Weitere Schenkungen Mechthilds und ihrer Nachkommen sicherten die materielle Grundlage der Klostergemeinschaft und legten den Grundstein zu einem ausgedehnten Landbeseitz.[6] Eine Urkunde aus dem November 1266 nennt erstmals Ort und Kloster in einem Zusammenhang: conventus sanctimonialium Cysterciensis ordinis in Starkerode. Als Eigenname des Klosters ist Monasterium de rivulo sancte Marie („Kloster am Marienbächlein“) bezeugt.[7] Das Sterkrader Stadtwappen leitet sich ab von einem persönlichen Siegel der Äbtissin Anna Catharina von Nunum, gen. Dücker, die von 1674 bis 1715 amtierte. In der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 kam es zur Aufhebung des Klosters; die Auflösungsurkunde datiert vom 15. Juli 1809. Das ehemalige Klostergebäude wurde in der Folge zu einem Wohnhaus. Im Jahr 1969 wurde als letztes Gebäudeteil der ehemaligen Abtei der im Jahr 1701 erbaute Ostflügel ohne Kenntnis des Landeskonservators abgerissen.[8]

Aus der einstigen Patronatskirche des Klosters ist die heutige Propstei-Kirche St. Clemens hervorgegangen. Das älteste evangelische Gotteshaus im bis etwa 1800 rein katholischen Kern von Sterkrade ist die 1852 eingeweihte Friedenskirche.

Altes Sterkrader Rathaus

Das klevische Sterkrade gehörte zur Bürgermeisterei Holten im Landkreis Dinslaken bzw. ab 27. September 1823 zum Landkreis Duisburg, ab 8. Dezember 1873 zum Landkreis Mülheim an der Ruhr und ab 1887 zum Landkreis Ruhrort. Am 1. April 1886 wurde Sterkrade Bürgermeisterei mit den Gemeinden Sterkrade, Stadt Holten, Amt Holten und einem Teil von Buschhausen. Es kam am 20. April 1887 zum Landkreis Ruhrort und am 1. April 1909 zum Landkreis Dinslaken. Am 20. April 1909 wurde Buschhausen nach Sterkrade eingemeindet, gleichzeitig erhielt Oberhausen den Grafenbusch mit dem Schloss Oberhausen. Am 17. März 1913 erhielt Sterkrade Stadtrechte, die Bürgermeisterei Sterkrade wurde in die Stadt Sterkrade und die Bürgermeisterei Holten geteilt. Bereits am 1. Juli 1917 wurde die Bürgermeisterei Holten zusammen mit einem großen Teil der Bürgermeisterei Hiesfeld – den Orten Barmingholten, Schmachtendorf und Walsumermark – in die Stadt Sterkrade eingegliedert, die gleichzeitig Stadtkreis wurde.

Die Stadt Hamborn bemühte sich in den 1920er Jahren unter ihrem in Sterkrade geborenen Oberbürgermeister Hugo Rosendahl erfolglos um den Zusammenschluss der Städte Sterkrade, Dinslaken und Hamborn. Es lagen Pläne vor, die Städte Duisburg, Oberhausen, Mülheim an der Ruhr, Dinslaken und den Osten des Kreises Moers zur Ruhrmündungsstadt zusammenzuschließen, die damals etwa eine Million Einwohner gehabt hätte.

Zeche Sterkrade 1913

Am 1. August 1929 wurde Sterkrade jedoch im Zuge der Kommunalen Neugliederung im Ruhrgebiet mit Osterfeld und (Alt-)Oberhausen zur neuen Großstadt Oberhausen (Rheinland) vereinigt. Westlich entstand die neue Stadt Duisburg-Hamborn, ein Zusammenschluss aus den Städten Duisburg, Hamborn und dem nördlichen Teil des Landkreises Düsseldorf.

Industriegeschichtlich ist Sterkrade eng mit der Gutehoffnungshütte und der Zeche Sterkrade verbunden. Ansiedlung und Aufschwung der Industrie im 19. Jahrhundert haben sich deutlich auf die Bevölkerungsentwicklung ausgewirkt. Dieser Effekt wurde zudem durch Eingemeindungen verstärkt.

Jahr Einwohner
1808 457
1850 1.919
1900 15.264
1929 51.907

[Bearbeiten] Sterkrade als Stadtbezirk

Innenstadt mit Neumarkt vom Riesenrad aus gesehen

Sterkrade ist bezogen auf die Fläche der größte der drei Oberhausener Stadtbezirke. Von den rund 77 km² des Stadtgebiets gehören 42,15 km² zu Sterkrade. Hinsichtlich der Einwohnerzahl liegt Sterkrade an zweiter Stelle hinter Alt-Oberhausen. Seit dem Zusammenschluss im Jahr 1929, als Oberhausen 110.958 Einwohner hatte und Sterkrade nur 51.907, hat sich dieser Abstand auf Grund einer in den letzten Jahrzehnten zu beobachtenden „Nordwanderung“ der Oberhausener Bevölkerung deutlich verringert. Ende 2008 lebten in Alt-Oberhausen 92.198 Menschen und in Sterkrade 83.859.[9]

Die Bezirksverwaltungsstelle befindet sich seit einigen Jahren gemeinsam mit weiteren Fachbereichen der Oberhausener Stadtverwaltung im so genannten Technischen Rathaus, einem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Gutehoffnungshütte. Die Sterkrader Bezirksvertretung setzt sich seit der Kommunalwahl des Jahres 2004 wie folgt zusammen:

Für Landtagswahlen bildete Sterkrade zuletzt gemeinsam mit Dinslaken den Wahlkreis 56: Oberhausen II – Wesel I.[10]

[Bearbeiten] Infrastruktur

Bahnhof Oberhausen-Sterkrade mit ÖPNV-Haltestelle

Sterkrade verfügt über zwei Bahnhöfe: Oberhausen-Holten und Oberhausen-Sterkrade. Beide befinden sich auf der Bahnstrecke Oberhausen–Arnhem. Der Bahnhof Holten liegt zwischen der nördlichen Station Dinslaken und dem Bahnhof in Sterkrade. Von Sterkrade aus gibt es Verbindungen in Richtung Oberhausen und Wesel. Alle 20 Minuten fährt von hier eine Regionalbahn bis Wesel bzw. Duisburg/Krefeld. Der Rheinexpress nach Emmerich oder Koblenz verkehrt stündlich, daneben fährt in regelmäßigen Abständen der ICE von und nach Amsterdam vorbei, sowie auch Güterverkehr.

Sterkrade ist in das öffentliche Nahverkehrsnetz der Stadt Oberhausen eingebunden. Im Zuge des Neubaus des CentrO wurde 1996 die ÖPNV-Trasse Oberhausen, eine komplett neue Straßenbahn- und Bustrasse vom Hauptbahnhof Oberhausen zum Bahnhof Sterkrade gebaut. Auf ihr verkehrt neben einer Reihe von Buslinien wieder die Straßenbahn von Mülheim an der Ruhr über Oberhausen Hbf. bis zum Bahnhof Oberhausen-Sterkrade. Ende Oktober 2004 wurde diese Strecke um einen 800 m langen Abschnitt bis zum Neumarkt verlängert, der in Richtung Bahnhof von Linienbussen mitbenutzt werden kann.

Über die Stadtautobahn A 516 ist Sterkrade mit dem Oberhausener Süden verbunden und hat Anschluss an die A 2 Richtung Hannover und Dortmund, die A 31 nach Nordhorn und Emden und die A 3 nach Köln/Duisburg/Düsseldorf bzw. Arnheim.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

  • Zeche Sterkrade
  • St.-Antony-Hütte
  • Propsteikirche St. Clemens, ein Hallenbau von 1952-1953, nachdem der Vorgängerbau im 2.Weltkrieg zerstört worden war[11]
    • Gnadenbild Mutter vom guten Rat (Gemälde des 17.Jh nach einem Passauer Marienbild, das wiederum ein Gemälde von Lucas Cranach d.Ä. als Vorbild hat [12])
    • Mosaik Der auferstandene Christus von Ludwig Baur[13]
  • Hagelkreuz (Ecke Steinbrinkstraße/Postweg) ursprünglich von den Gebrüdern Rogez genannt Lantermann 1849 an der Stelle eines älteren Kreuzes von 1812 errichtet. Heute ist nur eine Replik des Kreuzes zu sehen, nachdem der Corpus 1993 gestohlen worden war[14]
  • Radweg HOAG-Trasse

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

  • Wim Wenders, der international bekannte Filmregisseur, besuchte das neusprachliche Freiherr-vom-Stein Gymnasium in Sterkrade.

[Bearbeiten] Söhne und Töchter

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Rudolf Stampfuss, Der fränkische Friedhof von Oberhausen-Sterkrade. In: Bonner Jahrbücher 143/144, 1938/39, S. 238-254. - Frank Siegmund, Merowingerzeit am Niederrhein. (Rheinische Ausgrabungen, Bd. 34). Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 403-409.
  2. W. Hagen, in: Bonner Jahrbücher 157, 1957, S. 476-477. - Siegmund a.a.O., S. 403.
  3. Mattler S.19.
  4. Janousek S.126.
  5. Vgl. dazu Dißelbeck S. 54 - 63.
  6. Detailliert dazu: Flechsig S. 87 - 126.
  7. von Roden S. 151.
  8. Mattler S. 61ff.
  9. Die Bevölkerung in Oberhausen am 31. Dezember 2008
  10. Ergebnisse von 2000 und 2005 im Vergleich
  11. Weier/Schlautmann S.132.
  12. Parent S. 212.
  13. Weier/Schlautmann S.132.
  14. Weier/Schlautmann S.133f.

[Bearbeiten] Literatur

  • Elke Dißelbeck: Die Stiftung eines mittelalterlichen Frauenklosters Sterkrade / Stadtteil Oberhausen. In: Das Münster am Hellweg 41 (1988), S. 54-63.
  • Stephan Flechsig: Der Grundbesitz des Klosters Sterkrade aufgrund der urklundlichen Überlieferung im hohen und späten Mittelalter. In: Ursprünge und Entwicklungen der Stadt Oberhausen - Quellen und Forschungen zu ihrer Geschichte 2 (1992), S. 87-126.
  • Heinz D. Janousek: Geschichte der Zisterzienserinnenabtei „Rivulus Sanctae Mariae“ und der Pfarrei St.Clemens Oberhausen-Sterkrade von der Gründung bis zum Beginn der Reformation. In: Das Münster am Hellweg 30 (1977), S. 125-164.
  • Wilhelm Mattler: Die Sterkrader Zisterzienserinnen-Abtei und die Propsteikirche St. Clemens. Köhn, Oberhausen 1994.
  • Paul Neumann: Das Gnadenbild der Mutter vom guten Rat in der Propsteikirche St. Clemens in Oberhausen-Sterkrade. Geschichte und Bedeutung eines alten Marienwallfahrtsbildes im Bistum Essen. In: Das Münster am Hellweg 22 (1969), S. 101-130.
  • Thomas Parent: Das Ruhrgebiet. DuMont Kunst-Reiseführer, Köln 1984, ISBN 3-7701-1368-3.
  • Günter von Roden: Die Zisterzienserinnenklöster Saarn, Duissern, Sterkrade. (Germania Sacra, N.F. 18) DeGruyter, Berlin / New York 1984, ISBN 3-11-009831-8.
  • Michael Weier, Rainer Schlautmann (Hrsg): Oberhausen entdecken, Essen 2001, ISBN 3-88474-893-9.

[Bearbeiten] Weblinks

51.558296.82354Koordinaten: 51° 33′ N, 6° 49′ O

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