Sternsinger

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Sternsinger in Wien

Als Sternsinger bezeichnet man drei als Heilige Drei Könige gekleidete Menschen, die in der Zeit der zwölf Weihnachtstage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar und teilweise auch darüber hinaus Geld für wohltätige Zwecke sammeln. Der Heischebrauch ist ab dem 16. Jahrhundert nachweisbar und wird auch als Dreikönigsingen bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Nürnberger Holzschnitt aus dem 17. Jahrhundert

Das Sternsingen geht auf die Erwähnung der Sterndeuter in Mt 2,1 EU zurück. Im sechsten Jahrhundert wurden auf Grund der drei Weihegaben (Mt 2,11 EU) und des Bezuges auf Ps 72 EU drei Personen vermutet. Aus den Sterndeutern wurden im achten Jahrhundert Könige mit den Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Diese Könige wurden teilweise auch als Heilige bezeichnet und verehrt. Ihre Reliquien befinden sich seit 1164 im Dreikönigenschrein im Kölner Dom.

Die Ursprünge des Sternsingens liegen vermutlich in den Dreikönigsspielen. Das Sternsingen entwickelte sich unterschiedlich im Norden und Süden Europas.

Im Norden verloren mit dem Beginn des Protestantismus die Klosterschulen ihr Einkommen, da die Regierungen klösterliches Land und Güter an sich nahmen. Die Klosterschüler nutzten in der Not die Gelegenheit, mittels Sternsingen Spenden zu sammeln. In Norwegen ist der Brauch ab 1563 belegt. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Sternsingen in Nordeuropa vorrangig von Klosterschülern betrieben. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde es zunehmend als Form von Bettelei von den Behörden verboten und der Brauch starb vielerorts nahezu aus. In den 1920er Jahren kam das Sternsingen an einzelnen skandinavischen Orten wieder neu auf. Es ist hier vorrangig in Städten, selten auf dem Land, zu finden.

In Mitteleuropa ist das Sternsingen ein traditioneller katholischer Brauch. Aufzeichnungen des Klosters St. Peter in Salzburg belegen ein erstes Sternsingen im Jahr 1541. Belege für ein Sternsingen finden sich für 1550 in Wasserburg am Inn, 1552 in Laufen, 1569 für das Benediktinerstift Ettal und 1577 für Burghausen. Besonders nach 1560 verbreitete sich das Sternsingen und verband sich dabei mit dem zu dieser Zeit gebräuchlichen Ansingen beim Fest der Heiligen Drei Könige durch Schülerchöre. Gebietsweise war das Sternsingen nur bestimmten Berufsgruppen erlaubt. In Freising hatten dieses Recht die Leinweber, in Laufen die Salzach-Schiffer und im damaligen Münchner Vorort Au die Maurer. In anderen Gegenden gingen arme Kinder und Jugendliche in Eigeninitiative von Haus zu Haus und sammelten Naturalien und Geld für sich und ihre Familien. Da die gesammelten Spenden für Bier in Wirtshäusern verbraucht und das Sternsingen mit größerem Lärm verbunden war, wurde es im Raum Freising am 22. November 1784 per königlich-bayerischen Erlass verboten. Dennoch blieb der Brauch bestehen.[1]

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es in Deutschland, Österreich und Belgien zentral gesteuerte Sternsingeraktionen. Gesammelt wird meist für Entwicklungshilfeprojekte, die Kindern in Not weltweit helfen.

Brauchtum[Bearbeiten]

Segensbitte in der Stadt Regen, Bayern
Segensbitte im Kloster Marienberg, Südtirol
Segensbitte in Hamry na Šumavě, Tschechien

In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol[Bearbeiten]

In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol findet das Sternsingen heute vorrangig von katholischen Gemeinden organisiert statt. Die Sternsinger sind oft Kinder und Jugendliche, heute meist in Begleitung eines Erwachsenen, die regional unterschiedlich – im Zeitraum vom 27. Dezember bis zum Dreikönigsfest, dem 6. Januar, manchmal auch an dem darauffolgenden Wochenende – als Heilige Drei Könige gekleidet von Haus zu Haus ziehen. Traditionell und der christlichen Ikonographie folgend ist einer der Sterndeuter als Myrrhe schenkender Mohr verkleidet.[2]

Sternsinger werden von der jeweiligen Pfarrgemeinde ausgesandt und sind heute oft die Ministranten oder andere Jugendliche der jeweiligen Gemeinde. Oft findet eine Aussendungsfeier in einem Gottesdienst statt. Den Menschen, die sie einlassen, singen die Sternsinger Lieder, sprechen ein Gebet oder sagen ein Gedicht auf. Dann schreiben sie an die Haustüren oder die Türbalken mit geweihter Kreide die traditionelle Segensbitte C+M+B mit der jeweiligen Jahreszahl. Der Segen ist eines der Sakramentalien der Kirche. Es gibt auch erwachsene Sternsinger, etwa bei Auftritten an öffentlichen Plätzen, bei Einrichtungen mit Nachtdiensten oder in Lokalen.[3]

In Deutschland und der Schweiz wird von den veranstaltenden Organisationen die Schreibweise „20*C+M+B+14“ empfohlen. Diese Schreibweise hat laut Kindermissionswerk folgende Bedeutung: ein Stern für den Stern von Bethlehem und die drei Kreuze für den Dreifaltigen Gott: Vater, Sohn und Hl. Geist. In Österreich und Südtirol findet vor allem die Schreibweise „20-C+M+B-14“ mit einem weiteren Kreuz über dem Buchstaben M als zusätzliches Segenssymbol Anwendung. Zudem existieren regional verschiedene andere traditionelle Schreibweisen, bei denen nur zwei Kreuze („20*C+M+B*14“, „20 C+M+B 14“, „20+CMB+14“) oder vier Kreuze („20+C+M+B+14“) geschrieben werden.

Die Bedeutung der Buchstaben C, M und B wird offiziell spätestens seit den 1950er Jahren als Abkürzung der lateinischen Worte „Christus mansionem benedicat“ (= „Christus segne dieses Haus“) gedeutet. Diese früher als Bannmittel, heute als Segensbitte geltende Formel soll den Segen Gottes auf das Haus und seine Bewohner herabrufen und sie vor Unglück schützen. Frühere Quellen dieser Deutung fehlen; in älteren volkskundlichen Abhandlungen herrscht die Deutung der Buchstaben als Initialen der drei Könige vor. Dies wird auch dadurch erhärtet, dass in manchen Regionen die Schreibweise „K+M+B“ üblich war und ist.[4] Bei Verwendung dieser Schreibweise wird das „K“ heute als Abkürzung für das griechische Wort für „Herr“ (Kyrios) interpretiert („Kyrios mansionem benedicat“).

In der Schweiz wurde von den Sternsingern seit der Mitte des 19. Jahrhunderts das Lied „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ gesungen. Dabei wurde ein drehbarer Stern mitgeführt. Deshalb nennt man diese Art Lieder auch „Sterndreherlieder“[5].

Das traditionelle Sternsingen im Villgratental und die Heiligenbluter Sternsinger wurden mit 2010 zum Immateriellen Welterbe, wie es die UNESCO deklariert, in der Österreichliste (Nationales Kulturgut) erklärt.[6]

In Slowenien[Bearbeiten]

In Slowenien führen die Sternsinger nach Neujahr eine Art Krippenspiel auf, bei dem es lustig zugeht. In einer Szene schlafen die Hirten schnarchend auf dem Feld. Mit ohrenbetäubendem Trommelschlag werden sie geweckt. Das Spiel endet mit Musik und Tanz, woran auch das Publikum teilnimmt. Zum Schluss schreibt Balthasar mit Kreide „K + M + B“ und das Jahr über die Tür.

In Skandinavien[Bearbeiten]

In Skandinavien findet das Sternsingen heute in verschiedenen Formen statt:

  • In Norwegen (stjernespill) als Singspiel in Kindergärten, Schulen und Kirchen, wobei meist kein Geld gesammelt wird.
  • In Schweden (stjärngossar) nehmen Sternsinger heute an Lucia-Prozessionen am 13. Dezember teil. Dies gibt auch Knaben die Möglichkeit, daran mitzuwirken.
  • In Finnland (tiernapojat) gibt es drei Kinder, die Kaspar, Melchior und Balthasar verkörpern, und als vierte Figur Herodes. Es kommt zu einem gespielten Kampf mit Schwertern.

In England[Bearbeiten]

In England werden die Sternsinger als star boys bezeichnet. Sie tragen jedoch vor sich keinen Stern, sondern eine Laterne mit einer Kerze. Die star boys gehen nicht in Privathäuser, sondern in die Pubs. Als Dank für ihre Unterhaltung erhalten sie Freibier.

In Spanien und Mexiko[Bearbeiten]

In Spanien und in Teilen von Mexiko findet traditionell am Abend des 5. Januar das Cabalgata de Reyes Magos statt. Die heiligen drei Könige fahren mit prächtigen Wagen durch die Straßen. Ihre Diener werfen Kindern Bonbons zu. Vor dem Zubettgehen putzen die Kinder ihre Schuhe. Am Morgen des 6. Januar finden sie darin Geschenke von den heiligen drei Königen – oder Kohle, falls sie im vergangenen Jahr unartig waren. Dieser Brauch ähnelt den mitteleuropäischen Nikolausbräuchen.

Das organisierte katholische Sternsingen in verschiedenen Ländern[Bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten]

Der slowenische Salesianerpater Janez Rovan ist einer der „Begründer“ des modernen Sternsingens in Österreich. Auf Anregung des damaligen Pfarrers in Globasnitz im Jauntal (Kärnten) wurde im Jahr 1946 die Idee des Dreikönigssingens zugunsten Bedürftiger ins Leben gerufen. In Wien begründete der Beamte Franz Pollheimer 1946/1947 die Tradition des Sternsingens in der Großstadt, wobei bereits damals bis 1955 für soziale Zwecke, für den Wiederaufbau des Wiener Stephansdoms und für die Mission (MIVA = Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft) gesammelt wurde. Im Jahr 1949 begann Franz Sommer mit den Vorbereitungen für das Dreikönigssingen in der Steiermark.[7]

Hauptartikel: Dreikönigsaktion

Seit 1954 organisiert die Katholischen Jungschar Sternsingen. Die Dreikönigsaktion, das Hilfswerk der Katholischen Jungschar verwaltet die gesammelten Spenden und unterstützt damit jährlich rund 500 Projekte in 20 verschiedenen Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die heute rund 85.000 Sternsinger/innen verkündigen die Frohe Botschaft, bringen Segen in die Häuser und sammeln Spenden. Bei der Sternsingeraktion 2013 wurden knapp 15,4 Millionen Euro erzielt. In Österreich ist die Dreikönigsaktion die mittlerweile größte jährlich stattfindende Hilfsaktion.[8]

Deutschland[Bearbeiten]

2011: Sternsinger in Lennep (Remscheid) vor der Aussendung
2011: Sternsinger vor der Haustür in Lennep

Die Sternsingeraktion wird in Deutschland auch „Aktion Dreikönigssingen“ genannt und ist weltweit die größte organisierte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Seit 2003 ist „der Gesamtzusammenhang der Aktion Dreikönigssingen (auch die Bezeichnung und das Logo) urheberrechtlich geschützt.“[9]

An der ersten Sternsingeraktion 1959 beteiligten sich Sternsinger in 100 Pfarrgemeinden und sammelten 90.000 Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 198.000 Euro). Seit 1961 beteiligt sich der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) an der Aktion, die seitdem vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und vom BDKJ gemeinsam getragen wird. Im Jahr 2005 nahmen 12.743 Gemeinden und Gruppen mit ca. 500.000 Kindern und 80.000 Betreuern an der Aktion teil. Es wurde mit rd. 47 Millionen Euro in Deutschland ein neuer Rekord beim Spendenaufkommen erreicht.

Im Jahr 2004 wurden die Sternsinger mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet.

Italien (Südtirol)[Bearbeiten]

In Südtirol und im Trentino (Welschtirol) wird die Sternsingeraktion von der Katholischen Jungschar Südtirols zusammen mit Missio Bozen-Brixen organisiert. Mit den Spenden werden kirchliche Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika, Osteuropa und Ozeanien unterstützt.[10]

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz wurde das Sternsingen 1989 neu belebt und seither von missio durchgeführt. Unterstützt wird dabei der Solidaritätsfond „Kinder helfen Kindern“ und ein jährlich wechselndes Projekt des Kindermissionswerks.[11][12]

Tschechien[Bearbeiten]

In Tschechien führt die dortige Caritas eine „Dreikönigssammlung“ durch, wobei ein Großteil der Erträge für karitative Zwecke in der jeweiligen Region verwendet werden. Bei der zwölften Sammlung im Jahr 2012 wurde ein Rekordergebnis von 75 Millionen Kronen (drei Millionen Euro) erzielt.[13]

Beliebte Sternsingerlieder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sternsinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Maier: Der Dreikönigstag hieß „Großneujahr“. Sternsingen diente früher der Unterhaltssicherung verschiedener Berufsgruppen. Aus: Moosburger Zeitung, Ausgabe vom 5. Januar 2013, S. 29.
  2. http://www.kirchenweb.at/christkind/heiligen_drei_koenige/heiligendreikoenige.htm
  3. dka.at: Jugendliche und erwachsene Sternsinger aufgerufen am 23. November 2013.
  4. Sternsingen/CMB. Stand: 8. Januar 2008 (pdf)
  5. Geschichte des Sterndreherliedes „Es ist für uns eine Zeit angekommen“.
  6. Sternsingen im Villgratental; Heiligenbluter Sternsinger. Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe, Österreichische UNESCO-Kommission
  7. Geschichte des Sternsingens in der Steiermark auf der Website der Katholischen Kirche Steiermark abgerufen am 28. Dezember 2013
  8. Radio Vatikan: Österreich: Sternsinger wieder unterwegs
  9. Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, Bund der Deutschen Katholischen Jugend: Ordnung für die Aktion Dreikönigssingen, Beschlossen vom ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz Aachen 2003, S. 6, § 1
  10. missio Bozen-Brixen: Die Sternsingeraktion
  11. Missio Schweiz: Sternsingen
  12. Zum schweizerischen Sternsingen in älteren Zeiten (und dessen Auswüchsen) siehe Schweizerisches Idiotikon Band III Spalten 331–334, Artikel Drei Chüng(e).
  13. In Tschechien begann die „Dreikönigssammlung“ der Caritas auf Radio Prag vom 2. Januar 2013 abgerufen am 3. Januar 2013