Sterzing

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sterzing (Begriffsklärung) aufgeführt.
Sterzing
(ital.: Vipiteno)
Wappen von Sterzing
Sterzing (Südtirol)
Sterzing
Sterzing
Lage von Sterzing in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Wipptal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2013)
6.401/6.694
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
73,64 % deutsch
25,95 % italienisch
0,41 % ladinisch
Koordinaten 46° 54′ N, 11° 26′ O46.89732111.431832948Koordinaten: 46° 54′ N, 11° 26′ O
Meereshöhe: 935–2714 m s.l.m. (Zentrum: 948 m s.l.m.)
Fläche: 33,18 km²
Dauersiedlungsraum: 1,18 km²
Fraktionen: Ried, Thuins, Tschöfs
Nachbargemeinden: Brenner, Freienfeld, Pfitsch, Ratschings
Partnerschaft mit: OsterreichÖsterreich Kitzbühel (Tirol/Österreich),
seit 1971
Postleitzahl: 39049
Vorwahl: 0472
ISTAT-Nummer: 021115
Steuernummer: 81005970215
Politik
Bürgermeister (2010): Fritz Karl Messner (SVP)

Sterzing (italienisch Vipiteno) ist eine Stadt und eine italienische Gemeinde mit 6694 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in Südtirol. Zur Gemeinde Sterzing zählen neben dem engeren Stadtgebiet die Ortschaften Tschöfs, Thuins und Ried. Aufgrund der Lage zwischen den alpinen Übergängen Jaufen- und Brennerpass sowie Penser Joch war Sterzing seit alters her eine wichtige Handelsstadt. Als Einkaufsstadt, Tourismus- und Wirtschaftsstandort hat sie auch heute große Bedeutung im südlichen Wipptal.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Sterzing liegt im Norden Südtirols (Italien) zwischen dem 46. und 47. Breitengrad und zwischen dem 11. und 12. Längengrad. Das Stadtzentrum befindet sich am nordwestlichen Rand des Sterzinger Beckens, der ersten Talweitung im Wipptal südlich des Brenners. Das Sterzinger Becken, in das von Westen das Ridnauntal und von Nordosten das Pfitscher Tal einmünden, wird von den Stubaier Alpen im Westen, Nordwesten und Norden, den Zillertaler Alpen im Osten sowie den Sarntaler Alpen im Süden und Südwesten begrenzt. Der an der Altstadt vorbeifließende Eisack ist der zweitgrößte Fluss Südtirols.

Das Sterzinger Becken von Süden (Elzenbaumer Wetterkreuz) gesehen

Vom nördlichen Alpenrand ist die Stadt rund 95 km entfernt, vom südlichen etwa 140 km. Der Brennerpass und damit die Grenze zu Österreich befinden sich in 15 km Entfernung. Sterzing ist damit die nördlichste Stadt Italiens und zählt mit einer Lage von 948 m s.l.m. zu den höchstgelegenen Städten der Alpen. Nahe gelegene größere Städte sind Innsbruck (gut 40 km nördlich), Meran (gut 30 km südwestlich) und Bozen (gut 40 km südlich).

Geologie[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet von Sterzing befindet sich auf einer geologischen Trennlinie zwischen den Schieferformationen der aus Kalkglimmerschiefer gebildeten oberen Schieferhülle des Tuxer Kamms, einer Bergkette in den Zillertaler Alpen im Osten und dem Glimmerschiefer des Hausbergs Rosskopf, in dessen Gipfelregion auch Schiefergneise und Gneise zu finden sind. Nur an wenigen Stellen dieser Region im Westen des Eisacks sind Kalkglimmerschiefervorkommen zu finden. Im Gebiet des Vallmingtals östlich des Rosskopfs werden die Telfer Weißen aus Dolomitgestein gebildet, das auch den Gipfelkegel der Weißspitze bildet und vereinzelt auch in Flans nachweisbar ist. Der Talboden wird von Aufschüttungsböden dominiert, die durch die Verlandung eines großen Sees entstanden sind, der einst große Teile des heutigen Stadtgebietes bedeckte. Mächtige Moränenablagerungen sind bei Thuins, in Flans unterhalb des Rosskopfs und unter der Weißspitze zu finden.[1]

Ausdehnung des Stadtgebiets[Bearbeiten]

Das Sterzinger Gemeindegebiet bedeckt eine Fläche von 33,18 km². Es wird im Talbereich des Sterzinger Beckens durch Eisack und Ridnauner Bach begrenzt, die südöstlich des Stadtzentrums zusammenfließen. Im Südwesten reicht es zudem mit einem schmalen Geländestreifen bis zu den Höfen von Unter- und Oberackern in den Anfangsbereich des Ridnauntals hinein. Nördlich des Sterzinger Beckens umfasst das Gemeindegebiet am Rosskopf (2189 m) und an den Telfer Weißen (2588 m) auch einige das Wipptal im Westen begrenzende Berggebiete des Aggls-Rosskopf-Kamms der Stubaier Alpen. Auf der gegenüberliegenden östlichen Talseite, im Tuxer Kamm der Zillertaler Alpen, findet Sterzing am Gipfel der Weißspitze (2714 m) seinen höchsten Punkt.[1]

Stadtgliederung und Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Sterzing gliedert sich neben dem engeren Stadtgebiet in die Fraktionen Thuins, Tschöfs und Ried. Thuins liegt an den südlichen Abhängen des Rosskopfs westlich der Altstadt, Tschöfs und Ried hingegen etwas nördlich auf der westlichen bzw. östlichen Flanke des sich Richtung Gossensaß verengenden Wipptals. Gossensaß ist der Hauptort der Gemeinde Brenner, die Sterzing im Norden von der österreichischen Grenze trennt. Im Osten grenzt die Stadt an Pfitsch, das am Ostufer des Eisacks unmittelbar an das Stadtgebiet heranreicht. Die südöstliche Nachbargemeinde im Wipptal ist Freienfeld, im westlich angrenzenden Talsystem des Ridnauntals mitsamt seinen Seitentälern erstreckt sich die Gemeinde Ratschings. Zu allen Gemeinden bestehen intensivste wirtschaftliche Beziehungen. Sterzing gilt als die Einkaufsstadt des südlichen Wipptals und hat als Standort größerer Unternehmen eine große Bedeutung als Arbeitsplatzstandort.

Klima[Bearbeiten]

Sterzing liegt in der gemäßigten Klimazone und wird dem mitteleuropäisch-montanen Klimatyp zugerechnet. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen in Sterzing bei 7,4° C und die mittleren Jahresniederschlage betragen 792 mm. Der wärmste Monat ist der Juli. Hier werden im Mittel 16,9° C erreicht, während die monatliche Durchschnittstemperatur in den Wintermonaten bei -3,3° C liegen.

Die Winter sind schneereich. Die vorherrschenden Winde sind der kalte Nordwind vom Brenner sowie seltener vorkommende West- und Südwinde, die häufig mit kräftigen Niederschlägen einhergehen.[1]

Geschichte und Wirtschaft[Bearbeiten]

Sterzing (Aug 1912) - Zwölferturm
Sterzing (Aug 1912) Straßenszene - A.E.Hasse

Besiedelungsspuren finden sich schon aus prähistorischer Zeit. 14 v. Chr. entstand unter Drusus die römische Siedlung Vipitenum. Deren Name diente als Vorlage für die 1923 im Zuge der „Italienisierung“ aus politischen Gründen geschaffene italienische Ortsbezeichnung Vipiteno.

Der Ortsname Sterzing kann 1180 (in der Schreibweise Sterzengum, vom altbaiuwarischen Sterzingen) erstmals urkundlich nachgewiesen werden. Graf Meinhard II. von Tirol erhob die Siedlung circa 1280 zur Stadt und erweiterte durch Neuausweisungen von Baugrund „in agris et campis“ (in Äckern und Feldern) den Altstadtkern durch das Areal südlich vom Zwölferturm, die so genannte Neustadt.

Ausgezeichnet durch ein Handelsprivileg begann der Ort am Südhang der wichtigen Brennerroute aufzustreben. Den steilsten Aufschwung erlebte die Stadt im 15. Jahrhundert: Als um 1400 im Wipptal der Bergbau einsetzte (vor allem Silberminen wurden erschlossen), wählten viele Unternehmer die Stadt als Firmensitz. Sie gestalteten ihre Häuser im Stil der Patrizier vielfach neu und überbauten die ältere Bausubstanz. Auf diese Gründerzeit gehen die charakteristischen Bauten der Stadt zurück („Fugger-Städtchen“).

Das Hl. Geist-Spital mit der Hl. Geist-Kirche wurde 1399–1402 erbaut. Das Wahrzeichen der Stadt, der Zwölferturm, wurde 1468–1472, das Rathaus mit spätgotischer Stube 1468–1474 und der Ansitz Jöchlsthurn mit angeschlossener St. Peter- und Paulskirche 1474 und 1496 errichtet. An der südlichen Peripherie der Stadt erbaute die Bürgerschaft 1417–1456 den Chor der Pfarrkirche; die spätgotische Kirchenhalle (das Langhaus) entstand 1496–1524. Der Hochaltar im Kirchenchor enthält fünf Figuren des Multscher-Altars des Ulmer Meisters Hans Multscher, aufgestellt 1459. Der Altar, ein Kunstwerk von europäischem Rang, ist nur fragmentarisch erhalten; einige der großen Bildtafeln (1,70 x 1,85 m) sind im nahe gelegenen Museum in der ehemaligen Deutschordenskommende ausgestellt.

Sterzing spielte wegen der günstigen, geographisch zentralen Lage im Wipptal in der Geschichte Tirols trotz der geringen Einwohnerzahl zeitweilig eine bedeutende Rolle als Handels- und Marktplatz, Gerichtssitz, Tagungsort wichtiger Versammlungen und Beratungen, Verkehrsknotenpunkt, Zentrum des Bergbaues, bäuerlicher Wirtschaft, Kultur und Kunst.

Ende des 16. Jahrhunderts setzte mit der Erschöpfung der Silbervorkommen der wirtschaftliche Niedergang der Stadt ein, der bis Ende des 19. Jahrhunderts anhielt. Die Entsumpfung des Sterzinger Mooses ermöglichte die Entwicklung einer leistungsfähigen Landwirtschaft.

In den ersten Nachkriegsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg diente Sterzing aufgrund der Nähe zum Brennerpass als wichtiger Durchgangsort einer „Rattenlinie“, auf der hochrangige Nationalsozialisten aus Europa flüchteten. Sterzing diente jenen häufig als vorübergehende Unterkunft. Der damalige Sterzinger Pfarrer, wie auch andere katholische Geistliche in Südtirol, beteiligten sich als Fluchthelfer. So verhalf er etwa Adolf Eichmann zu einer Unterkunft im Franziskanerkloster Bozen.

Die über Jahrhunderte vorherrschende Kleinstadtstruktur, geprägt durch Handel und Gewerbe, befindet sich im Umbruch: Neben Handel und Verwaltung haben in der heutigen Zeit Gesundheitsversorgung, Sport und Tourismus an Bedeutung gewonnen; der Fremdenverkehr hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Die Wirtschaftsstruktur im Einzelnen: Handel (186 Betriebe), Handwerk (159), Landwirtschaft (143), Hotels und Gaststätten (103), Industrie (28).

Religion[Bearbeiten]

Die Sterzinger aller Sprachgruppen sind mehrheitlich römisch-katholisch. Die Stadt ist Sitz eines Dekanats, das sich in 16 Pfarreien untergliedert und zur Diözese Bozen-Brixen zählt. Die wichtigsten Kirchen der deutschsprachigen Einwohner der Pfarre Sterzing sind die Pfarrkirche Maria im Moos, die als größte Pfarrkirche des deutschsprachigen Alpenraum gilt und die St.-Margarethen-Kirche, die als Hilfspfarrkirche dient, da die eigentliche Pfarrkirche etwas außerhalb des Stadtgebietes liegt. Die Hauptkirche der italienischsprachigen Einwohner ist die Chiesa di Santo Spirito (Hl. Geist Kirche - Spitalkirche) im Stadtzentrum. Ebenfalls im Stadtzentrum befindet sich das 1609 gegründete Kapuziner-Kloster.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister und Stadt- und Gemeinderat[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Fritz Karl Messner von der Südtiroler Volkspartei. Er war bereits von 1990 bis 2000 Bürgermeister von Sterzing und wurde 2005 wieder für dieses Amt gewählt.[2]

Der Sterzinger Stadtrat, so wird die Stadtregierung bezeichnet, besteht aus dem Bürgermeister, dem Bürgermeisterstellvertreter und weiteren fünf Stadträten. Politisch sind im Stadtrat die Südtiroler Volkspartei und Insieme per Vipiteno/Zusammen für Sterzing, die ein Ratsmitglied beisteuert, vertreten.

Der Gemeinderat setzt sich aus insgesamt 20 Mitgliedern zusammen, denen Bürgermeister Fritz Karl Messner vorsitzt. Fünf politische Fraktionen sind vertreten: Südtiroler Volkspartei (12 Sitze), Bürger Forum Cittadini (2 Sitze), Die Freiheitlichen (3 Sitze), Il popolo della libertà - Berlusconi per Vipiteno (1 Sitz), Zusammen für Sterzing/Insieme per Vipiteno (2 Sitze).[3]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Sterzing

Das Wappen der Stadt zeigt einen buckligen Pilger mit schwarzem Kapuzenmantel, Krücke und Rosenkranz, über den sich schützend der Tiroler Adler erhebt.

Einer Sage zufolge soll der abgebildete Mann der Gründer der Stadt sein. Neuere Deutungen gehen jedoch davon aus, dass der Pilger als Hinweis auf die Bedeutung Sterzings als Rastort mit seinen beiden Hospizen zu sehen ist, während der Adler die Bedeutung Sterzings als Stadt der Tiroler Grafen ausdrücken soll.[4]

Das älteste überlieferte Wappen aus dem Jahre 1327 zeigt den Pilger mit einem hohen Hut nur im Brustbild. Oberhalb dieser Darstellung und ohne Verbindung zu ihr prangte die obere Hälfte des Tiroler Adlers. Seit 1524 ist das heutige Wappen gebräuchlich.[4]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sterzing pflegt seit 1971 eine Partnerschaft mit der Stadtgemeinde Kitzbühel in Österreich. Die Partnerschaftsfeiern fanden am 4. und 5. September 1971 in Kitzbühel zur Jubiläumsfeier zum 700. Jahrestag der Stadtgründung und ein Jahr später am 9. und 10. September 1972 in Sterzing statt. Neben der Politik wird die Partnerschaft vor allem von Schützenvereinen und Freiwilligen Feuerwehren gepflegt.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater, Kino, Bibliothek[Bearbeiten]

Stadttheater Sterzing.

Die Planungen für den Bau eines Stadttheaters begannen im Jahre 1989. 1991 wurde mit dem Abbruch des ehemaligen G.I. Gebäudes begonnen, an dessen Stelle das neue Gebäude nach Plänen des Architekten Albert Colz aus Bozen errichtet wurde. Nach Abschluss der Bauarbeiten erfolgte am 19. Mai 2000 die offizielle Eröffnung durch Bürgermeister Thomas Egger.[6] Der große Saal bietet inklusive der Logen und Ränge bis zu 430 Sitzplätze. Im Orchestergraben finden bis zu 40 Musiker Platz.

Die Stadtbühne Sterzing ist am 19. März 2002 durch Umbenennung der Kolpingbühne Sterzing entstanden. Sie wurde 1981 gegründet und hatte ihre Spielstätte im Kolpinghaus. Am 15. Februar 2002 unterzeichnete das Ensemble mit der Verwaltung des neuen Stadttheaters Sterzing eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit. Darin wurden der Kolpingbühne mehrere Räume im Stadttheater Sterzing zur freien Nutzung überlassen und die Spielstätte in das Stadttheater verlegt.[7]

Im Gebäude des Stadttheaters ist auf zwei Stockwerken und in einem Saal auch die Stadtbibliothek untergebracht. Ihr Bestand an Büchern und Medien in mehreren Sprachen umfasst etwa 27.000 Werke, die in einer Freihandbibliothek zugänglich sind.

Das Kino befindet sich ebenfalls im Gebäude des Stadttheaters. Es verfügt über zwei Säle mit 72 und 48 Sitzplätzen.[8]

Museen[Bearbeiten]

Die ehemalige Deutschordenskommende. Im Vordergrund die St.-Elisabeth-Kirche.

Der östliche Gebäudeteil der ehemaligen Deutschordenskommende beherbergt seit 1986 das Multschermuseum und seit 1994 das Stadtmuseum von Sterzing.

Im Multschermuseum sind Teile des zwischen 1456 und 1459 durch den Ulmer Bildhauer und Maler Hans Multscher für die Pfarrkirche von Sterzing geschaffenen Altars zu sehen. Dort wurde der spätgotische Flügelhochaltar 1779 im Zuge der barocken Umgestaltung der Kirche entfernt.

Zu den wichtigsten Ausstellungsstücken zählen die Altartafeln hervor, die Szenen aus dem Leben Mariens und der Passion Christi wiedergegeben.

Das Stadtmuseum ist ebenfalls in der ehemaligen Deutschordenskommende zu finden. In dessen barocken Sälen werden Zeugnisse des städtischen Lebens ausgestellt. Die Hauptausstellungsstücke stammen aus einer Sammlung von Objekten und Dokumenten der städtischen Zünfte und Bruderschaften. In den Sälen sind zudem verschiedene Wandgemälde, welche die Stadt Sterzing und ihre Umgebung zeigen.

Die St.-Elisabeth-Kirche der Kommende kann im Rahmen eines Museumsbesuches besichtigt werden. Sie wurde die 1733 nach Plänen von Giuseppe Delai im Stil des Spätbarock anstelle einer älteren Kapelle für den Deutschen Orden erbaut. Die Deckengemälde zeigen die Heiligen Elisabeth und Georg, die Schutzpatrone des Ordens. Sie wurden, wie auch das Hochaltarbild, vom bayrischen Maler und Graphiker Matthäus Günther aus Augsburg geschaffen. Die Stuckdekoration der Wände und des Gewölbes sind ein Werk des Innsbruckers Anton Gigl.[9]

Musik[Bearbeiten]

Innenhof der Kommende, rechts die Musikschule

Die Musikschule Sterzing befindet sich im westlichen Flügel der Kommende. Sie gilt als zentrale Bildungseinrichtung für Musik im südlichen Wipptal. Ihr Einzugsgebiet umfasst Sterzing, Brenner, Pfitsch, Ratschings, Freienfeld und Franzensfeste mit insgesamt 18.000 Einwohnern. Sie wird wöchentlich von etwa 600 Schülern besucht, die hier von 25 Lehrern in 21 Klassenzimmern unterrichtet werden und ein Streicherensemble, eine Big Band, eine Brass Band sowie ein Schlagzeugensemble bilden. Diese treten regelmäßig öffentlich auf. Die Musikschüler nehmen oft erfolgreich am österreichischen Musikwettbewerb Prima La Musica teil.[10]

Die Bürgerkapelle Sterzing besteht mit Unterbrechungen seit 1832. Nach einer kurzzeitigen Auflösung folgte im Jahr 1946 eine Neugründung. Sie hat etwa 45 Mitglieder, davon 11 Musikantinnen, dazu kommen vier Marketenderinnen und ein Fähnrich und hat ihre Vereinsräume seit 2006 im Deutschhaus. Im Jahre 2007 feierte sie den 175. Jahrestag ihrer ersten urkundlichen Erwähnung.[11]

Der Männergesangverein Sterzing wurde 1860 gegründet und hat etwa 30 aktive Mitglieder. Im Jahre 1926 wurde er von der faschistischen Regierung Italiens behördlich verboten und aufgelöst. Die Wiedergründung erfolgte am 22. August 1946.[12]

Daneben gibt es in der Stadt noch den Chor Cima Bianca und den Pfarrchor Sterzing Maria im Moos.

Sterzinger Moos[Bearbeiten]

Das Sterzinger Moos südlich der Stadtgrenze war vor der Austrocknung im Jahr 1877 eine sehr sumpfige Gegend. In vielen Nordtiroler Fasnachtsbräuchen ist das Sterzinger Moos die Gegend, wo nach der Legende alle ledigen Jungfern hin mussten, um für ihre eheliche Entsagung zu büßen. Auch die heiratsunwilligen Junggesellen wurden in der Volkserzählung kritisiert und ebenso wie die Frauen an einen tristen Ort verbannt. Die Männer sollten ihr Ledigsein auf einem Berg nahe dem Sterzinger Moos büßen. Dort mussten sie, gleich den eheunwilligen Frauen, völlig unnütze Tätigkeiten verrichten, z. B. Fürze kleben, Felsen abreiben oder Wolken schieben.[13] Beim Larchzieh'n in Umhausen stellt das Sterzinger Moos einen wesentlichen Bestandteil dieses jahrhundertealten Brauches dar.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Vigil Raber (* um 1490; † Dezember 1552), zunächst Maler und Restaurator, später Autor, Sammler, Verleger sowie Spielleiter von weltlichen und geistlichen Theater-Stücken (Sterzinger Spiele, Sterzinger Osterspiel, Sterzinger Fastnachtsspiel, Sterzinger Neidhartspiel)
  • Michael Gaismair (* 1490 in Tschöfs bei Sterzing; † 15. April 1532 in Padua), Sozialrevolutionär, Bauernführer (gescheiterte Bauernaufstände in Tirol von 1525 bis 1529)
  • Michael Toxites, (* 19. Juli 1514; † 1581 in Hagenau im Elsass), Humanist, Arzt und Dichter
  • Kasper Goltwurm (* 1524; † 1559 in Weilburg), lutherischer Theologe, „Reformator von Nassau“
  • Paulinus Mayr (* 31. August 1628; † 29. September 1685 in Brixen), war von 1678 bis 1685 Fürstbischof von Brixen
  • Johann Baptist Gänsbacher (* 8. Mai 1778; † 13. Juli 1844 in Wien), Komponist, Dirigent und Kapellmeister
  • Maximilian Mayr (* 1. Januar 1820 in Sterzing; † 7. August 1883 in Völs), 1879–1883 Propst von Neustift bei Brixen
  • Josef Hirn (* 10. Juli 1848; † 7. Februar 1917 in Bregenz/Vorarlberg), Historiker. Ab 1890 Universitätsprofessor in Innsbruck, 1899-1914 in Wien; 1895-1901 Mitglied des Tiroler Landtags
  • Carl Domanig (* 3. April 1851; † 9. Dezember 1913 in St. Michael in Bozen), Schriftsteller (Tiroler Heimatdichter), Numismatiker
  • Konrad Fischnaler (* 10. Dezember 1855; † 14. Februar 1941 in Innsbruck), Geschichts- und Heimatforscher, Kustos am Ferdinandeum in Innsbruck
  • Johann Kofler (* 7. Dezember 1838; † 5. Juli 1906), Apotheker und Bürgermeister, erneuerte die Struktur der Stadt an der Wende zum 20. Jahrhundert
  • Sebastian Steiner (* 30. Dezember 1836; † 6. April 1896 in Untermais bei Meran), k.u.k. Hof-Bildhauer
  • Gerhard Riedmann (* 12. Mai 1933; † 25. November 2003 in Bozen), Lehrer, Schriftsteller, Theatermann
  • Hanspaul Menara (* 1945), Südtiroler Landeskundler, freischaffender Schriftsteller und Fotograf
  • Alexander Langer (* 22. Februar 1946; † 3. Juli 1995 in der Toscana durch Freitod), Politiker, Visionär
  • Peter Gschnitzer (* 10. Juli 1953), Rennrodler
  • Herbert Plank (* 3. September 1954), ehemaliger Skirennläufer, Olympiadritter Abfahrt 1976
  • Karl J. Badstuber (* 13. April 1963), erfolgreicher Hotelier im europäischen Markt
  • Aron Demetz (* 1972), Holzbildhauer
  • Patrick Staudacher (* 29. April 1980), Skirennläufer, ehemaliger Weltmeister im Super-G
  • Alex Schwazer (* 26. Dezember 1984), Leichtathlet und Olympiasieger über 50 km Gehen bei den Sommerspielen 2008 in Peking
  • Andy Plank (* 16. Februar 1989), Skirennläufer

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Johann Kofler (Bürgermeister und Apotheker)
  • Wilhelm Egger (* 14. Mai 1940 in Innsbruck; † 16. August 2008 in Bozen, aufgewachsen nach dem Tod des Vaters 1945 in Sterzing), Bischof der Diözese Bozen-Brixen, Ehrenbürger seit Mai 2000
  • Josef Rampold (* 18. Jänner 1925 in Sterzing; † 12. November 2007 in Bozen), Bergsteiger, Journalist, Autor und Heimatkundler, Ehrenbürger seit 1994

Es gibt zahlreiche weitere Ehrenbürger, eine historische Auflistung derselben fehlt bis dato gänzlich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Vinzenz Strohmer: Sterzing (Die Kunst in Tirol 19), Wien: Hölzel 1923.
  • Engelbert Auckenthaler: Geschichte der Höfe und Familien von Tuins-Telfes bei Sterzing (oberes Eisacktal, Südtirol) mit besonderer Berücksichtigung des 16. Jahrhunderts (Schlern-Schriften 173), Innsbruck: Wagner 1958.
  • Engelbert Auckenthaler: Geschichte der Höfe und Familien von Ried-Tschöfs bei Sterzing (oberes Eisacktal, Südtirol) mit besonderer Berücksichtigung des 16. Jahrhunderts (Schlern-Schriften 172), Innsbruck: Wagner 1962.
  • Karl Schadelbauer: Sterzing im 15. Jahrhundert (Schlern-Schriften 220), Innsbruck: Wagner 1962.
  • Anselm Sparber (Hg.): Sterzinger Heimatbuch (Schlern-Schriften 232), Innsbruck: Wagner 1965.
  • Messerschmitt Stiftung (Hg.): St. Elisabeth im Deutschhaus zu Sterzing, Innsbruck/Bozen: Tyrolia/Athesia 1989. ISBN 3-7022-1719-3
  • Messerschmitt Stiftung (Hg.): Der Jöchlsthurn in Sterzing, Innsbruck/Bozen: Tyrolia/Athesia 1992. ISBN 3-7022-1813-0
  • Samantha Schneider: Stadtführer Sterzing, Brixen: Weger 2010. ISBN 978-88-88910-89-5
  • Martin Alber: Sterzinger Ansichten auf historischen Postkarten, Sterzing 2010.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c gis2.provinz.bz.it: Gemeinde Sterzing. Landschaftsplan. Erläuternder Bericht (PDF; 76 kB), aufgerufen am 29. September 2010.
  2. Stadtgemeinde Sterzing: Politik, eingesehen am 22. Juli 2012.
  3. Stadtgemeinde Sterzing: Gemeinderat, eingesehen am 22. Juli 2012.
  4. a b Hanspaul Menara: Sterzing und Umgebung. Südtiroler Gebietsführer 38, Bozen 1983, S. 52.
  5. Stadtgemeinde Kitzbühel Partnerstädte, eingesehen am 29. September 2010.
  6. Stadttheater Sterzing: Baugeschichte, eingesehen am 29. September 2010.
  7. Stadtbühne Sterzing: Über uns, eingesehen am 29. September 2011.
  8. Stadttheater Sterzing: Räumlichkeiten, eingesehen am 29. September 2010.
  9. Stadtgemeinde Sterzing: Musikschule Sterzing, eingesehen am 29. September 2010.
  10. Stiftung Deutschhaus: Bürgerkapelle Sterzing, eingesehen am 29. September 2010.
  11. Stiftung Deutschhaus: Bürgerkapelle Sterzing, eingesehen am 29. September 2010.
  12. Bildungsausschuss Sterzing: Männergesangverein Sterzing, eingesehen am 29. September 2010.
  13. http://www.sagen.at/doku/volksleben/moos_fahren.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sterzing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Website der Gemeinde Sterzing
  • Eintrag im Tirol Atlas des Instituts für Geographie an der Universität Innsbruck