Stephanie Shirley

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Steve Shirley)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stephanie Shirley (2009)

Dame Stephanie Steve Shirley, FRSA (* 16. September 1933 als Vera Stephanie Buchthal in Dortmund) ist eine britische Unternehmerin und Philanthropin deutscher Herkunft.

Leben[Bearbeiten]

Shirley wuchs zusammen mit einer vier Jahre älteren Schwester Ruth auf. Ihr Vater Arnold Buchthal war Jude, er arbeitete als Richter und wurde 1939 interniert.[1] Ihre Eltern schickten sie im Sommer 1939 zusammen mit ihrer Schwester mit einem Kindertransport nach England. Bei der Reise ging ihre Käthe-Kruse-Puppe Ruth verloren, die ihr die Mutter mitgegeben hatte. In England lebte sie bei einer Pflegefamilie. Später wurde sie mit ihren leiblichen Eltern wieder zusammengeführt, was nicht konfliktlos war. Ihre Eltern hatten sich scheiden lassen. Ihr leiblicher Vater ging eine neue Ehe ein und war nach dem Ende des Nationalsozialismus Oberstaatsanwalt in Hessen.

In England führte sie ihren zweiten Vornamen Stephanie. Ihre Schulausbildung in Naturwissenschaften empfand sie als nicht ausreichend; ihrer Vorliebe für Mathematik ging sie später in einer Abendschule nach. Ein Studium konnte sie sich nicht leisten und arbeitete zunächst bei der Post. Dort war sie von der beginnenden elektronischen Datenverarbeitung fasziniert. Als Frau fühlte sie sich von Vorgesetzten und Kollegen benachteiligt, nachdem sie beruflichen Ehrgeiz hatte erkennen lassen. Als 26-Jährige heiratete sie Derek Shirley, einen Techniker, und führte seinen Familiennamen.

1962 machte sie sich mit der Softwarefirma F. International Group selbstständig. „Ich wurde ausgelacht, weil ich eine Frau war und Software verkaufen wollte“, sagte sie 2014.[2] Das F im Firmennamen wählte sie als Zeichen ihrer Personalpolitik: feministisch, flexibel und mit Freiberuflern. Um in der männlich dominierten IT-Welt akzeptiert zu werden, verwendete sie den männlichen Vornamen Steve; auch heute noch wird sie so angesprochen. 1963 wurde ihr Sohn Giles geboren. In ihrer Firma stellte sie ausschließlich Frauen ein und förderte die Berufsmöglichkeiten von Frauen mit Kindern. Mit dem Sex Discrimination Act von 1975 war die Bevorzugung von Frauen ab 1975 in Großbritannien nicht mehr möglich, sie musste nun auch Männer einstellen. Mitte der 1980er Jahre hatte ihr Unternehmen etwa 1000 Mitarbeiter und machte einen Umsatz 7,6 Millionen Pfund. Bei ihrem Sohn wurde Autismus diagnostiziert; die Eltern gaben ihn in später ein Heim.

1993 zog sie sich aus dem Unternehmen zurück, das später Xansa hieß, und übertrug das operative Geschäft an Hilary Cropper, die dadurch zur bestbezahlten Geschäftsfrau in Großbritannien wurde. Im Laufe der Jahre vor dem Verkauf des Unternehmens an die französische Steria-Gruppe hatte Shirley ca. 26 % der Anteile an die Beschäftigten überschrieben; es war einer der ersten Mitarbeiterbeteiligungen in Großbritannien. Der Verkauf 2007 brachte ihr 150 Millionen Pfund ein, wodurch sie zur drittreichsten Frau Großbritanniens wurde. Das Unternehmen ging von der Steria-Gruppe an die Steria Mummert Consulting über. Shirley übernahm Funktionen in den Aufsichtsräten von Tandem Computers (1992 bis 1997), von 1999 bis 2001 bei John Lewis Partnership und bei Korn/Ferry von 2001 bis 2004.

Seit 1993 ist sie wohltätig. Sie stellte bis zum Jahr 2010 £50.000.000 aus ihrem Vermögens wohltätigen Zwecken zur Verfügung; dazu gründete sie 1996 eine eigene Stiftung, die Shirley Foundation[3], ins Leben rief. Ihr Sohn Giles starb 1998. Sie kümmert sich besonders um die von seiner Krankheit Autismus und die vom Asperger-Syndrom betroffenen Menschen und fördert die Arbeit des Mediziners Simon Baron-Cohen.

Shirley erhielt 1980 zunächst den OBE, im Jahr 2001 wurde sie zum Dame Commander des Order of the British Empire befördert. Sie erhielt 2006 den Ehrendoktor der University of Bath, 2009 den der Open University (Milton Keynes). Als erste Frau wurde sie an die Spitze der British Computer Society berufen.

2012 veröffentlichte sie ihre Autobiografie Let IT Go.

Ihre beim Kindertransport verloren gegangene Käthe-Kruse-Puppe fand sich später wieder an. Sie befindet sich im Londoner Museum of Childhood. Ihr Judenstern befindet sich im Holocaust Museum des Imperial War Museum, London.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dame Stephanie Shirley, Richard Askwith: Let IT Go – The Memoirs of Dame Stephanie Shirley. Andrews UK Limited, 2012, ISBN 978-1-78234-282-3.
  • Johann Laux: Kreuzzug für die Frauen. In: Die Zeit, 21/2014 vom 15. Mai 2014, S. 34 (Online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steve Shirley – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oral history of British science: Shirley, Stephanie (Part 1 of 15) British Library (englisch), abgerufen am 22. Mai 2014
  2. Johann Laux: Kreuzzug für die Frauen. In: Die Zeit, 21/2014 vom 15. Mai 2014, S. 34
  3. Siehe dazu Shirley Foundation bei der englischen Wikipedia: en:Shirley Foundation