Stiefel (Fels)

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Der Stiefel

Der Stiefel ist ein durch Verwitterung entstandener Buntsandsteinfelsen mit eigenartiger Form. Er liegt in der Gemarkung der Stadt St. Ingbert im saarländischen Saarpfalz-Kreis und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt.[1]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Stiefel befindet sich am Nordosthang des zwischen den Stadtteilen Rentrisch und Sengscheid gelegenen, bewaldeten Bergrückens „Großer Stiefel“ (397,2 m ü. NN[2]) auf etwa 350 m ü. NN[3]. Die Bundesautobahn 6 mit der nahen Anschlussstelle St. Ingbert-West an der beide Stadtteile verbindenden Landesstraße 126 führt östlich am Berg und Fels vorbei.

Aussehen und Form[Bearbeiten]

Briefmarkenmotiv 1949

Der untere Teil des Felsens ist ringsum zu einer niedrigen, etwa 6 Meter im Umfang messenden Säule ausgewittert und trägt die ganze obere Steinmasse. Diese ist ihrerseits nochmals von einem wuchtigen Block überlagert, so dass das Ganze einem Schuh oder Stiefel ähnlich sieht.[4] Auch die Deutung, dass die Form einem umgedrehten Stiefel ähnelt, ist verbreitet.[5],[6]

Namensursprung[Bearbeiten]

Es wird überwiegend angenommen, dass der Felsen, der auch Stiefler Fels genannt wird[7], dem ganzen Berg seinen Namen gibt.[4],[8]

Es gibt allerdings auch gegenteilige Auffassungen, z. B. dass der Name von der stiefelähnlichen Gestalt des Berges herrührt.[9] Der Namensforscher Hermann Albert Prietze hingegen leitet den Namen "Großer Stiefel" vom Thingstapel, der Gerichtssäule, her[10], was auch durch den Stiefelberg in der Gemeinde Reichartshausen bestätigt wird, der über Jahrhunderte als Hinrichtungsstätte diente.[11]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Naturdenkmal[12] diente wohl schon in der Jungsteinzeit kultischen Zwecken. Auf dem Bergrücken des Großen Stiefels wurden Steinklingen, Pfeilspitzen, Mahlsteine und Steinbeile gefunden, die aus der Mittelsteinzeit (8000 bis 4000 v. Chr.) stammen.[1] Ein kultischer Zusammenhang mit dem 1300 m Luftlinie entfernten Spellenstein in Rentrisch ist anzunehmen, denn die „Stiefelspitze“ zeigt auf den Spellenstein.

Im 10. Jahrhundert wurde auf dem großen Stiefel eine Burg erbaut, das Stiefler Schloss. Zahlreiche Mauerreste, Bodenwälle und Gräben zeugen noch heute von dieser Burg.[3]

Ein Gedenkstein auf dem Stiefelplateau wurde 1960 vom Pfälzerwald-Verein errichtet und dient als Mahnstein zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege.[13]

Werbeträger[Bearbeiten]

Entwicklungsschritte vom Stiefel zum „Ingo“

Der „Stiefel“ diente als Vorlage zur Schaffung einer Figur namens „Ingo“, die als Sympathieträger für St. Ingbert wirbt. Der Saarbrücker Grafiker Karl Basters (1948–2008) entwarf die Figur mit den Umrissen des Stiefels und einem Löwenkopf, der an die knapp 104-Jährige Zugehörigkeit St. Ingberts zum Königreich Bayern erinnern soll. Neben dem Standard-Ingo schuf Basters im Laufe mehrerer Jahre mehr als 50 Varianten des „Ingo“, so etwa den „Wander-Ingo“, den „Sport-Ingo“ oder den „Polizei-Ingo“. Vorrangig wurde „Ingo“ als Aufkleber herausgegeben, es existierten aber auch etliche plastische Varianten aus unterschiedlichen Materialien.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Stiefel wurde bei einer Umfrage der Heinz Sielmann Stiftung EUROPARC Deutschland e.V. zu Deutschlands drittschönstem Naturwunder des Jahres 2013 gewählt. Zur Auswahl standen 21 Naturdenkmale aus den Nationalen Naturlandschaften und anderen Regionen Deutschlands. Den ersten Platz belegte der Rauhe Kulm bei Neustadt am Kulm. Auf dem zweiten Rang folgte die Steinerne Rose bei Saalburg-Ebersdorf.[14]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Strauch: Steinerne Zeitzeugen einer 4.000jährigen Kulturgeschichte – Ein Blick auf wichtige Natur- und Kulturdenkmäler des Saarlandes. Jahrbuch zum Bergmannskalender 2006, S. 147–153, Herausgeber: Deutsche Steinkohle AG.
  • Bernhard Becker (Hrsg.): „… die Mutter Erde schmüket“, Gärten, Parks und Naturdenkmäler in der Saarpfalz, Verlag Gollenstein, 2010, ISBN 978-3-938823-50-7
  • Wolfgang Krämer: Geschichte der Stadt St. Ingbert - Von den Anfängen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges - Eine Heimatkunde aufgrund archivalischer Quellen, Zweite, vollständig umgearbeitete und wesentlich ergänzte Auflage in zwei Bänden, Stadt St. Ingbert im Selbstverlag, St. Ingbert 1955. Sowie: Nachdruck der 2. Auflage in einem Band, St. Ingbert 1989
  • Ernst Probst: Die Urnenfelder-Kultur: Eine Kultur der Bronzezeit vor etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr, Norderstedt, 1996, ISBN 978-3640111732
  • Hermann Albert Prietze: Das Geheimnis der Deutschen Ortsnamen, Hannover-Linden, 1929

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stiefel (Fels) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ein Streifzug durch die St. Ingberter Geschichte Artikel auf der Website der Stadt St. Ingbert, abgerufen am 1. Februar 2011
  2. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  3. a b Rembert Schmidt 2003, siehe Weblinks
  4. a b Wolfgang Krämer 1955, Band 1, Seite 4
  5. Der Stiefel bei St. Ingbert Artikel auf der Website der Kreisverwaltung des Saarpfalz-Kreises, abgerufen am 29. Januar 2011
  6. Großer Stiefel, Von der Natur geschaffene, einzigartige Felsformation Beschreibung auf der Website der Tourismus Zentrale Saarland
  7. Bildergalerie Großer Stiefel Karten und Fotos vom Stiefel und vom Großen Stiefel auf einer privaten Website zur Saararchäologie, abgerufen am 8. Februar 2011
  8. Ein Streifzug durch die Sankt Ingberter Geschichte Artikel auf der Website des Paritätischen Bildungswerkes, Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e. V., abgerufen am 8. Februar 2011
  9. Ernst Probst 1996, Seite 22
  10. Hermann Albert Prietze 1929, Seite 207
  11. Geschichte der Gemeinde Reichartshausen Artikel auf der Website der Gemeinde Reichartshausen, abgerufen am 8. Februar 2011
  12. Bernhard Becker, 2010
  13. Zeugnisse der Vergangenheit Artikel auf einer privaten Website über Rundwanderwege im Saarland
  14. Heinz Sielmann Stiftung: Naturwunder des Jahres 2013

49.2586638888897.0950083333333Koordinaten: 49° 15′ 31,19″ N, 7° 5′ 42,03″ O