Stift Garsten

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Das frühere Stiftsgebäude, heute Justizanstalt Garsten

Das Stift Garsten ist ein ehemaliges Kloster der Benediktiner (OSB) in Garsten in Österreich. Heute befindet sich in den Gebäuden die Justizanstalt Garsten.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kloster wurde 1082 durch Otakar II. als Säkularkanonikerstift und Hauskloster (auch Grablege) gegründet; es diente den Traungauern neben der Styraburg als Angelpunkt ihrer Herrschaft.

Ab 1107 war es ein (von Göttweig abhängiges) Benediktinerpriorat und ab 1110/11 selbstständige Abtei, im Bistum Passau. Bekannt geworden ist das Stift durch seinen ersten Abt, Berthold von Garsten.

Seit 1490, unter Friedrich III., gehört das Gebiet zu Österreich ob der Enns. Seit 1784 Kaiser Joseph II. die Diözese Passau zum Verzicht auf ihre Pfarren in Ober- und Niederösterreich zwang, gehörte es zur Diözese Linz.

1787 wurde die Abtei durch Kaiser Joseph II. aufgehoben.

Garsten war lange Zeit das religiöse, kulturelle und geistige Zentrum der Eisenwurzen. Teilweise erhalten sind die hochmittelalterlichen Traditionsbücher des Klosters, die knappe Aufzeichnungen zur Besitzgeschichte (etwa zur Übertragung von Grundstücken oder Personen), Schilderungen rechtlicher Auseinandersetzungen und historiographische Notizen vereinen.

Besitzungen[Bearbeiten]

Schon als Stiftungsausstattung erhielt es, wohl aus der Mitgift der Ehefrau des Gründers, Elisabeth, Tochter des Babenbergers Leopold II., bedeutenden Besitz im niederösterreichischen Traisen- und Gölsental.
Die Steyrer Traungauer, die die Mark an der Mur erschlossen hatten, waren Anfang des 12. Jahrhunderts zunehmend in die Grazer Gegend übersiedelt und bildeten die heutige Steiermark. Nach 1138 vermachte Sophie, Witwe Leopold I. des Starken und Regentin für Ottokar (III. der Steiermark), die ganze Herrschaft Gaflenz, als Morgengabe ihr Eigenbesitz, an das Kloster. Damit wurde Gaflenz, ursprünglich eine Filiale von Waidhofen an der Ybbs, in den Grenzen Neustiftergrabenbach/Bischofberg und Frenzbach zur Pfarre erhoben.[1] 1151 tauschte Bischof Konrad I. von Passau seinen Zehentanspruch auf Gaflenz mit Garsten.[2]

Zahlreiche Pfarren im Enns- und Steyrtal waren abhängig, so etwa Molln: Über dem Portal des 1734 fertiggestellten Pfarrhofes befinden sich die Wappen des Klosters Garsten und des Abtes Konstantin Muttersgleich.[3] Der Einfluss reichte jedoch auch darüber hinaus: Seit 1163/67 war die Pfarrkirche St. Magdalena in Linz eine Garstner Eigenkirche. In Wien Nußdorf besaß das Kloster einen Weingarten und im nahen Heiligenstadt eine Badeanstalt.[4]

Stiftskirche[Bearbeiten]

Die Stiftskirche wurde von der Baumeisterfamilie Carlone erbaut und zählt zu den schönsten Bauwerken des Hochbarocks in Österreich. Hervorzuheben sind Stuckarbeiten und Gobelins niederländischer Herkunft, die in der Advent- und Fastenzeit mit den vom Kremser Schmidt gestalteten Fastentüchern verhängt werden. Sehenswert sind insbesondere die Losensteiner Kapelle (Grablege der Losensteiner), die Sakristei und der Sommerchor.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 1851 befindet sich in den Gebäuden des ehemaligen Stifts eine Strafvollzugsanstalt. Die Justizanstalt Garsten gehört zu den wenigen Gefängnissen in Österreich, in denen die lebenslange Freiheitsstrafe vollzogen wird. Die ehemalige Stiftskirche dient als Pfarrkirche.

Berthold-Orgel[Bearbeiten]

Im Zuge der General Renovierung der Kirche wurde auch die Berthold-Orgel erneuert. Von der alten Kirchenorgel konnten nur die beiden etwa 100 Jahre alten Orgelgehäuse wiederverwendet werden, alles andere wurde von Fa. Rudolf von Beckerath Orgelbau GmbH[5] neu geplant und gebaut. Am 14. Juli 2009, wurden die ersten Orgelteile aus Hamburg zur Montage nach Garsten gebracht. Die Weihe der Berthold-Orgel am 8. Dezember 2009 bildete den Abschluss der umfangreichen Renovierung der Barockkirche.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Dopsch: Die steirischen Otakare Zu ihrer Herkunft und ihren dynastischen Verbindungen. In: Gerhard Pferschy (Hrsg.): Das Werden der Steiermark. Die Zeit der Traungauer. Festschrift zur 800. Wiederkehr der Erhebung zum Herzogtum. Verlag Styria, Graz u.a. 1980, ISBN 3-222-11281-9 (Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives, Band 10), S. 75–139.
  • Siegfried Haider: Studien zu den Traditionsbüchern des Klosters Garsten. Oldenbourg, München 2008 (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 52), ISBN 978-3-486-58553-7.
  • Siegfried Haider (Bearb.): Die Traditionsurkunden des Klosters Garsten. Kritische Edition. Böhlau, Wien 2011 (Quelleneditionen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 8), ISBN 978-3-205-78664-1.
  • Franz Xaver Pritz: Geschichte der ehemaligen Benediktiner-Klöster Garsten und Gleink, im Lande ob der Enns, und der dazu gehörigen Pfarren. Haslinger, 1841 (Google eBook, vollständige Ansicht)
  • Historische Landeskommission für Steiermark, Institut für Geschichte – Karl-Franzens-Universität Graz (Hrsg.): Urkundenbuch der Steiermark. Band I Von den Anfängen bis 1192. Empfänger: Garsten, GA5, Index der Dokumente

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stift Garsten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Xaver Pritz: Geschichte der steirischen Ottokare in ihrer Vorfahren, bis zum Aussterben dieses Stammes im Jahre 1192. 1844 (In einem Sammelband, S. 289 f., Google eBook, vollständige Ansicht)
  2. Bischof Konrad I. von Passau überläßt dem Abt Sirus von Garsten im Tauschwege seinen Zehntanteil in der Pfarre Gaflenz, gams.uni-graz.at (pdf)
  3. Pfarre Molln (aufgerufen am 16. März 2011)
  4. Auf den Spuren der Garstner Mönche (aufgerufen am 16. März 2011)
  5. http://www.beckerath.com/de/aktuell/aktuell.htm

48.01972222222214.410277777778Koordinaten: 48° 1′ 11″ N, 14° 24′ 37″ O