Stift Heiligenkreuz

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Stift Heiligenkreuz
Luftaufnahme des Stiftes Heiligenkreuz
Luftaufnahme des Stiftes Heiligenkreuz
Lage Wienerwald, Niederösterreich
Liegt im Bistum Erzdiözese Wien
Koordinaten: 48° 3′ N, 16° 8′ O48.05527816.130278Koordinaten: 48° 3′ 19″ N, 16° 7′ 49″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
88
Patrozinium Mariä Himmelfahrt
Gründungsjahr 1133
Mutterkloster Morimond
Primarabtei Morimond
Kongregation Österreichische Zisterzienserkongregation

Tochterklöster

abhängige Priorate:
Stiepel
Neukloster

noch lebende Gründungen:
Zwettl
Lilienfeld

nicht mehr bestehende Gründungen:
Stift Baumgartenberg
Kloster Cikádor
Klostermarienberg
Goldenkron
Stift Neuberg

Südliche Ansicht von Stift Heiligenkreuz im Wienerwald - Luftaufnahme

Das Stift Heiligenkreuz ist ein Kloster der Zisterzienser (OCist) bei Heiligenkreuz im Wienerwald (Niederösterreich). Es besteht ohne Unterbrechung seit seiner Gründung im Jahr 1133 und ist damit – nach dem Stift Rein – das weltweit zweitälteste durchgehend seit der Gründung bestehende Zisterzienserkloster.[1]

Lage[Bearbeiten]

Stift Heiligenkreuz befindet sich in der Gemeinde Heiligenkreuz im Bezirk Baden, 15 Kilometer westlich von Wien.

Geschichte[Bearbeiten]

Siedlungsursprünge[Bearbeiten]

Das Dorf Heiligenkreuz entstand und entwickelte sich deutlich später als die Gründungsbauten des mittelalterlichen Klosters, die offensichtlich keine unmittelbaren Vorgänger hatten.

Nicht weit davon gab es aber eine urzeitliche Höhensiedlung, deren Siedlungsfläche heute „Marienwiese“ genannt wird und die den Flurnamen „Burgstall“ trägt. Sie heißt heute „Höhensiedlung Burgstall“, liegt oberhalb der „Cholerakapelle“ im Helenental und besitzt an ihrer Süd- und Südwestseite eine natürliche Befestigung, den Steilabsturz zur Schwechat. Die anderen Seiten des Siedlungsplateaus sind ebenfalls natürlich befestigt, durch eine bogenförmige Reihe von Felsklippen, außenseitig steiler und innenseitig flacher ansteigend. Man erkennt in flacheren Zwischenräumen künstliche Auffüllungen und zum Teil auch Wallanlagen. Die gesamte Siedlungsfläche konnte so mit verhältnismäßig geringem Aufwand nach außen hin gegen Angriffe abgeschottet und verteidigt werden. Dieses Castrum (befestigte Siedlung) wurde bis heute noch nicht archäologisch untersucht.

1988 „bargen“ Raubgräber 120 kg Rohkupferfladen, die auf ein Alter der Urnenfelderzeit (1200 bis 750 v. Chr.) schließen lassen, was durch Keramik-Artefakte bestätigt werden konnte. Der Fund weniger römischer Münzen aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts lässt Rückschlüsse auf eine Wiederbenutzung oder nur einen vorläufigen Besuch des alten Siedlungsplatzes in der Spätantike zu.

Die Siedlung Burgstall bei der Cholerakapelle gehört zu einer Gruppe urzeitlicher Höhensiedlungen, davon einige Castra, im südlichen Wienerwald, deren Bedeutung sie überwiegend der Verarbeitung von Buntmetallen zu verdanken hatten.

Die ehemalige Höhensiedlung Burgstall steht heute unter Denkmalschutz.

Klöstergründung[Bearbeiten]

Wappen des Zisterzienserstift Heiligenkreuz

Das Kloster wurde 1133 vom hl. Leopold III. aus der Dynastie der Babenberger gestiftet und in der Folge von seinem Sohn und Nachfolger, Leopold IV. von Österreich großzügig bedacht.[2] Es zählt zu den 300 Klöstern, die noch zu Lebzeiten des hl. Bernhard von Clairvaux entstanden sind. Die Besiedlung erfolgte vom Mutterkloster Morimond in Burgund, sein erster Abt war Gottschalk. Das reguläre Klosterleben soll nach traditioneller Überlieferung am 11. September 1133 begonnen haben.[3] Das Gründungsdatum ist allerdings nicht urkundlich belegt; die Stiftungsurkunde ist erst um 1230 geschrieben worden und mit 1136, nicht 1133, datiert.[4]

Folgende Tochtergründungen gingen von Heiligenkreuz aus:

und später

Vor dem Stift, links die Stiftskirche
Der Stiftshof

Im Jahr 1881 wurde das Neukloster in Wiener Neustadt als unio extinctiva in die Rechtspersönlichkeit des Stiftes Heiligenkreuz übernommen.[5]

In der Stiftungsurkunde ist das Land festgelegt, das dem Kloster vom Landesherrn übergeben worden ist:

„Vom Zusammenfluss des Sattelbaches und der Schwechat bis Mayerling. In Richtung des sogenannten Mühlweges bis zum Priefamtann und von dort bis zu dem Ort, der Hausruck heißt. Von da wieder auf dem genannten Weg bis zum Sattelbach und von da zu einer Anhöhe namens Hocheck und von da über den Dornbach auf die Schneide des Berges, der Gaisruck heißt und von da auf den Sittendorfer Waldweg bis zum Ursprung des Bächleins mit dem Namen Marbach, von da auf dem Wege, der zum Traiskirchner Weg führt bis zur Vereinigungsstelle und von da bis zu einer Quelle, die in einem Ort namens Muchersdorf entspringt, von da auf den Ebenberg und von da auf dem Weg (Heutal abwärts), der zum Sattelbach hinabführt und flussabwärts bis zum Zusammenfluss der Schwechat.“

Fassade der Stiftskirche, davor die Dreifaltigkeitssäule

Im Anschluss wurden 15 Ritter aus der Umgebung als Zeugen benannt, die gemeinsam die vorstehend beschriebenen Grenzen abgeritten hatten:

Graf Konrad von Peilstein, Otto von Lengenbach, Rapoto von Nöstach, Sterfrit von Pötzleinsdorf, Otto von Leesdorf, Ulrich von Gaaden, Ulrich von Siegenfeld, Rudiger und sein Bruder Rupert von Sittendorf, Anshalm von Sparbach, Eberger von Alland, Hartung von Rauheneck, Jubot von Tribuswinkel, Ozo und Otfried von Mayerling, Hartwig.“

Das in der Stiftungsurkunde festgelegte Klostergrundstück befindet sich in einem Gebiet, das im frühen 12. Jahrhundert als prekäre Ostgrenze der galt. Um Rodung und Kommunikationsnetzwerke aufzubauen lud man Zisterzienser ein, sich dort niederzulassen. Die ursprüngliche Landschenkung entspricht in etwa dem Gebiet der heutigen Gemeinde, inklusive der zugehörigen Ortsrotte Preinsfeld. Hinzu kam das Gut Brunsfeld (Preinsfeld), das der Stifter zwischen 1133 und 1135 dem Anselm von Lachsendorf für das Stift kaufte.

Entwicklung im Mittelalter[Bearbeiten]

Diese erste Stiftung zeigte sich als wirtschaftliche Basis des Klosters und seiner ersten Mönchsgemeinschaft zu schwach. Die Mönche hatten um 1206 beschlossen, nach Westungarn auf den Grund des heutigen Schlosses Königshof weiter zu ziehen, um nicht unter Hunger zu leiden.[6] Daraufhin gab man ihnen als Kornkammer Trumau hinzu und ferner noch das Freigut Thallern, mit der Anmerkung „um den Brüdern in Krankheit zur Stärkung Wein geben zu können.“

Gut 100 Jahre wurde an den romanischen und gotischen Bauten der ersten Klosteranlage gebaut.

Die hochromanische Kirche mit Langhaus, Fassade, Querhaus und dem Ursprungschor konnte bereits 1187, nach etwa 50 Jahren Bautätigkeit, konsekriert werden, um am 31. Mai 1188 die wertvolle 23,5 cm große Kreuzreliquie zur Verehrung aufzunehmen, die an diesem Tag von Leopold V. dem Stift geschenkt wurde.

Es dauerte ungefähr noch einmal so lange, bis 1240 die gotischen Kloster- und Konventsgebäude, wie der Kapitelsaal, die Fraterie, das Refektorium, das Dormitorium und vor allem der Kreuzgang im Süden der Kirche zur Einweihung bereitstanden. Die längst eingezogene Gotik führte zum Abbruch des verhältnismäßig kleinen romanischen Ursprungschors und dessen Ersatz durch einen wesentlich größeren hochgotischen Hallenchor, der zusammen mit dem Brunnenhaus im Kreuzgang 1295 zur Einweihung fertiggestellt war. Gleichzeitig war die Bernardikapelle fertig.

Neuzeit[Bearbeiten]

Wiener Tor, Steinmetz Elias Hügel

1642, bereits im Barock, waren die neuen Konventsgebäude, im Süden an den Kreuzgang und die Fraterie anschließend, fertiggestellt. Das Datum 1667 steht für die Inbetriebnahme der Sakristei. Wenige Jahre danach wurde 1674 der barocke Kirchturm abgeschlossen.

1683 wurde das Kloster von Türken überfallen und in Brand gesteckt. Beim Wiederaufbau unter Abt Clemens Scheffer wurde das Stift im Stil des Barock erweitert. So entstanden bis 1691 westlich der bisherigen Gebäude die „neuen“ Klostergebäude um den großen polygonalen Stiftshof.

1710 wurde der Ausbau der Annakapelle abgeschlossen, der man 1713 auf der anderen Seite des Kapitelsaals die Totenkapelle anfügte. 1730 vollendete man die Ausstattung der „alten Klosterpforte“, der sich 1729 bis 1730 die Errichtung der Dreifaltigkeitssäule[7] und 1739 des Josefsbrunnens anschlossen.

Unter Joseph II. blieb das Stift 1783 von der Aufhebung verschont, weil die Mönche seit der Gegenreformation mit Pfarrseelsorge und Schulunterricht beschäftigt waren; diese Tätigkeitsfelder galten in der Aufklärung als legitim.

1802 wurde eine philosophisch-theologische Hauslehranstalt gegründet. Sie diente der Priesterausbildung für die Klöster Zwettl, Lilienfeld, Heiligenkreuz und Neukloster.

20. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten]

Nach dem Anschluss an das Dritte Reich (1938) war die indirekte Zerstörung des monastischen Lebens durch den Bau einer Autobahntrasse direkt über das Kloster geplant. Diese Pläne konnten nach dem Zweiten Weltkrieg abgewendet werden und die Trasse der heutigen Wiener Außenring Autobahn führt nördlicher am Ort Heiligenkreuz vorbei. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Glocken des Kirchenturmes als Rohmaterial zur Herstellung von Waffen beschlagnahmt. Auch die russische Besatzung bedrohte das Klosterleben.

1976 wurde das Institutum Theologicum zur Hochschule erhoben; sie ist heute eine der größten Priesterausbildungsstätten des deutschsprachigen Raums. In Heiligenkreuz befindet sich auch das Leopoldinum, ein überdiözesanes Priesterseminar.[8]

Die Kreuzreliquie des Stiftes befindet sich heute in der 1983 neu erbauten Kreuzkapelle. Die Reliquien des Sohnes von Leopold III., des seligen Otto von Freising (1112–1158), Bischof von Freising (1138–1158), liegen in einem wertvollen Schrein im Sockel des Hochaltars. Außerdem wird im Hochaltar der Stiftskirche ein Teilstück der Dornenkrone Christi aufbewahrt.

Papst Benedikt XVI. hat die Hochschule mit Datum vom 28. Jänner 2007, dem Fest des hl. Thomas von Aquin, zur Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz erhoben.[9] Am Spätnachmittag des 9. September 2007 besuchte Papst Benedikt XVI. das Stift und die Hochschule.

Am 25. Jänner 2014 kam es im Leopoldinum zu einem Brand, der schnell gelöscht werden konnte. Die Folgen beschränkten sich auf Sachschäden, Personen wurden nicht verletzt.[10]

Außer den üblichen Glocken befindet sich in Heiligenkreuz das einzige Carillon (Glockenspiel) in Österreich, bei dem 43 Glocken mittels einer Klaviatur betätigt werden können. Das Glockenspiel wird jährlich am ersten Augustwochenende konzertant bespielt; das ganze Jahr über wird stündlich um zehn Minuten vor dem Stundenschlag ein Kirchenlied aus der entsprechenden liturgischen Jahreszeit (Advent/Ostern/Marienmonat Mai usw.) gespielt.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Das Kloster Stift-Heiligenkreuz besteht seit seiner Gründung ohne Unterbrechung. Derzeit (2010) gehören dem Stift 88 Mönche an. Schwerpunkt ist die Pflege des klösterlichen Lebens, der Liturgie und des gregorianischen Chorals in lateinischer Sprache. Ein Teil der Mönche arbeitet in der Seelsorge in 17 inkorporierten Pfarreien, andere sind als Wissenschaftler und Professoren an der Hochschule tätig.

Heiligenkreuz gilt als ein Kloster, in dem die Pflege monastischer Traditionen (z. B. Gregorianischer Choral, Feier der heiligen Messe auf Latein) hochgehalten wird, aber auch immer wieder Kritik an liberalen Strömungen innerhalb der katholischen Kirche getätigt wird. Die angeschlossene Hochschule trägt nach Merian[11] ihren Teil zur konservativen Theologie im deutschsprachigen Raum bei.

Bedeutende Stiftsangehörige[Bearbeiten]

Äbte von Stift Heiligenkreuz[Bearbeiten]

Übrige bedeutende Stiftsangehörige[Bearbeiten]

Grablege der Babenberger[Bearbeiten]

Das Kloster dient als Grablege des Herrschergeschlechtes der Babenberger, der Markgrafen und Herzöge von Österreich im Mittelalter. Eine Reihe von Landesherren und älteren Angehörigen dieses Hauses ist im Stift bestattet, wobei sich die Gräber dieser fürstlichen Förderer von Heiligenkreuz im Kapitelsaal (siehe unten) befinden, dem Versammlungsraum der Mönche.

Was die Kaisergruft in Wien für die Habsburger ist, das ist der Kapitelsaal des Stiftes Heiligenkreuz für das Geschlecht der Babenberger. Neben den Babenbergern sind hier auch zwei Enkel von Rudolf von Habsburg begraben. Es scheint, dass die ersten Habsburger in Österreich auf diese Weise an die Traditionen der Babenberger anknüpften, um so ihre Nachfolge zu legitimieren.[14] Insgesamt neun Denkmäler erinnern an die folgenden Personen, die hier begraben liegen:[15]

Zum Teil wurden mehrere Personen in demselben Grab bestattet. Für Herzog Friedrich II., den letzten Babenberger, der Österreich regierte und ein großzügiger Förderer des Stiftes war, wurde im Kapitelsaal ein eindrucksvolles Hochgrab geschaffen. Die übrigen Personen fanden ihre letzte Ruhe unter einfachen Steinplatten, die heute zum Teil bereits stark abgetreten und daher kaum mehr lesbar sind.

Siehe auch: Grabstätten europäischer Monarchen

Klostergebäude[Bearbeiten]

Stift Heiligenkreuz, Grundriss (Handskizze)

Stiftskirche[Bearbeiten]

Romanisches Langhaus[Bearbeiten]

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde die dreischiffige Basilika in reinster Romanik vollendet. Ihr Mittelschiff wird in der Höhe von rundbogigen Obergadenfenstern reich belichtet. Im unteren Bereich fällt das Licht der Fenster des nördlichen Seitenschiffs indirekt durch die Scheidbögen der Arkadenzone ins Mittelschiff, hingegen ist es im südlichen Seitenschiff relativ dunkel, da auf seiner Außenseite der zweigeschoßige Kreuzgang anschließt. Die massiven rechtwinkligen Wandpfeiler schließen in Höhe der Bogenansätze mit Kämpferprofilen ab.

Alle Schiffe werden in zehn gleich breite Joche unterteilt, die in den Seitenschiffen von halbkreisförmigen Längstonnen und im Mittelschiff von typisch romanischen Kreuzrippengewölben überdeckt werden. Die Trennung der Joche erfolgt stets durch rechteckige Gurtbögen, deren Enden auf ebensolchen Pfeilervorlagen stehen, die von Kämpferprofilen oben abgeschlossen werden. Im Mittelschiff und auf den Außenwänden der Seitenschiffe bestehen die Pfeilervorlagen nur aus etwa ein und zwei Meter langen Stücken, die auf mehrfach gestuften Konsolen ruhen. Im Mittelschiff werden diese Vorlagenstücke beidseitig von „jungen“ dreiviertelrunden Diensten begleitet, auf denen die flachen Rippen der Gewölbe aufstehen.

Die westliche Giebelwand wird weit über dem Portal fast in Obergadenhöhe von drei rundbogigen Fenstern durchbrochen, ein Symbol für die Dreifaltigkeit. Zur Abendzeit taucht durch sie die untergehende Sonne das Mittelschiff in ein mystisch anmutendes Licht.

Das barocke Chorgestühl im Bereich der letzten drei Joche fügt sich harmonisch in den lang gestreckten Raum ein. Es wurde 1707 von Giovanni Giuliani (1664–1744) geschnitzt. Der Chor selbst stammt aus dem 15. Jahrhundert.[16]

Das Langhaus ist der älteste Teil der Stiftskirche. An seinem östlichen Ende schließt das Querhaus an, bestehend aus der Vierung und den beiden gleich großen Querhausarmen, welche die Außenwände der Seitenschiffe deutlich überragen. Das ehemals rein romanische Querhaus erfuhr durch die Erweiterung nach Osten um den gleich breiten hochgotischen Hallenchor eine beträchtliche Gotisierung, insbesondere an seiner Ostwand und in den Gewölben.

Im nördlichen Querhausarm hat die große Kober-Orgel, deren Höhe fast die Decke erreicht, nach erfolgter Restaurierung durch Helmut Allgäuer im Jahre 1997 einen würdigen Platz gefunden. Die Orgel ist 1804 von k.u.k. Hoforgelbaumeister Ignaz Kober gebaut worden und besitzt zwei Manuale, 55 Register und 2959 Pfeifen. Berühmte Komponisten, wie Franz Schubert und Anton Bruckner haben auf ihr gespielt. Sie stand bis 1950 auf einer im Barock eingezogenen Empore über dem Hauptportal des Langhauses. Sie verfälschte damit die Raumwirkung des romanischen Schiffs und verdeckte den Lichteinfall durch die Fenster der Westwand. Die Empore wurde abgetragen und die Orgel versetzt.

Die Fassade der Stiftskirche im Stiftshof präsentiert den basilikalen Aufriss des Langhauses. Das Mittelschiff ist etwa doppelt so breit wie die Seitenschiffe. Die Traufen der Seitenschiffe befinden sich etwa auf halber Höhe der Traufen des Mittelschiffs.

Das Hauptportal ist ein dreistufiges Archivoltenportal mit geschlossenem Tympanon und Gewändesäulen. In der Mitte über dem äußeren Bogen steht auf einer Konsole eine Heiligenfigur, auf beiden Seiten steht in Bogenhöhe auf einer seitlich der Gewände angebrachten Halbsäule ein kleiner Obelisk. Letztere entstammen der Renaissance und sind spätere Zugaben. In das linke Seitenschiff gelangt man über ein kleineres zweistufiges Archivoltenportal mit Tympanon.

In der Mitte der Fassadenhöhe gibt es eine Dreiergruppe von unterschiedlich großen, rundbogigen, zweistufigen Archivoltenfenstern. Ihre äußeren Bögen werden von Kragprofilen überfangen, die an den Bogenansätzen etwas waagerecht weitergeführt werden. In der Mitte des Mittelschiffes ist in Traufhöhe ein kleines Rundbogenfenster ausgespart. Annähernd in halber Höhe der Seitenschiffe ist dort je ein mittelgroßes Rundbogenfenster installiert. Parallel zu den Ortgängen der Schiffe verlaufen abgestufte Blendarkaden.

Die durch das Nebenportal entstandene Asymmetrie der Fassade wird wieder ausgewogen durch unterschiedliche Gestaltungen der Ränder der Seitenschiff-Fassaden. Die seitlichen begrenzenden Vorlagen bestehen beim rechten Seitenschiff aus zwei Dreierbündel von Halbsäulen und beim linken nur aus einer pilasterartigen Vorlage, ganz links außen. Rechts davon gehen die Wandoberflächen nahtlos ineinander über. Außerdem sind die Blendarkaden unter den Traufen unterschiedlich ausgebildet.

Der First der Fassade wird gekrönt von einem steinernen Lazaruskreuz (oder Kleeblattkreuz).

Hochgotischer Hallenchor[Bearbeiten]

Gotischer Hallenchor

Vorgänger dieses neuen Chors war ein deutlich kleinerer romanischer Chor, kaum breiter als das Mittelschiff und vermutlich ohne Umgang. Es bestand damals aber hoher Platzbedarf im Chor und in dessen Umgebung, vor allem für die zahlreichen Pilgerprozessionen zu den Reliquien, der nur mit einem großflächigen Neubau gedeckt werden konnte. So entstand der neue quadratische hochgotische Hallenchor aus neun quadratischen, gleich hohen Jochen, jeweils in Dimension der Vierung. Die äußeren Joche könnte man als „Chorumgang“ bezeichnen. Es handelt sich hier um den größten gotischen Hallenchor dieser Art in Österreich. Zusammen mit dem Querhaus überschreitet die Grundfläche der Halle diejenige des gesamten Langhauses.

Die Joche werden von steilen vierteiligen Kreuzrippengewölben abgeschlossen, deren Rippen und Gurte auf gewaltigen Bündeln aus „älteren und jüngeren“ halb- und dreiviertelrunden Diensten aufstehen.

Die östliche und nördliche Außenwand sind großflächig und fast gewölbehoch durchfenstert, mit Spitzbogenfenstern und feingliedrigem gotischen Maßwerk, in jedem Joch ein Paar, im mittleren Joch der Ostwand ein einziges, aber großes Fenster. Etwa die Hälfte der Verglasungen sind die erhaltenen Originale der Zeit um 1290.

In der Zeit des Barock hat man die Kirche in erheblichem Umfang barockisiert. So wurde das große östliche Mittelfenster zugemauert und mit einem wuchtigen Barockaltar verstellt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die barocken Einrichtungen weitgehend entfernt und eine neue Seitenempore im neugotischen Stil errichtet.

Auf der neugotischen Seitenempore befindet sich die 2.Orgel der Stiftskirche,die ebenfalls historisch und sogar noch älter als die große Kober-Orgel ist: 1746 errichtete Jan Vymola im Altarraum die kleine Orgel mit elf Registern,verteilt auf ein Manual und Pedal. 1894 wurde die Vymola-Orgel auf die neu errichtete Seitenempore versetzt. 1994 wurde die Orgel durch die Firma Helmut Allgäuer stilgerecht restauriert.

Das Altarbild, "Die Aufnahme Marias in den Himmel" von Johann Michael Rottmayr, hat man auf einer Chorseitenwand angebracht. Das Fenster wurde wieder geöffnet. Über dem Altar in Chormitte errichtete man einen neugotischen Baldachin. Darüber befindet sich ein romanisches Kreuz von 1138 in einer meisterhaften Kopie, das Christus als auferstandenen und erhöhten Herrn darstellt.

Eine direkte Nachfolge dieser ungewöhnlichen Hallenform findet sich in Neuberg an der Mürz, die sich dort aber über die ganze Kirche erstreckt.

Kreuzgang[Bearbeiten]

Kreuzgang

Der Kreuzgang, das Zentrum der Klosteranlage, schmiegt sich in den rechten Winkel aus der südlichen Langhauswand und der westlichen Wand des Kapitelsaals und der Fraterie. Er wird weiterhin im Westen begrenzt von einem schlanken Gebäudeteil mit Klosternebenräumen und im Süden von den jüngeren Konventsgebäuden. Der romanisch-gotische Kreuzgang umschließt einen schlicht begrünten und liebevoll gepflegten Innenhof. Die Nord- und Südgalerie sind je sieben Joche lang, die Ost- und Westgalerie hingegen nur sechs Joche. Die Galerien werden außenseitig unterteilt mit schlichten rechteckigen Strebepfeilern, die die horizontalen Schubkräfte der Gewölbe abstützen. Die Zwischenräume, deren Gestaltung sehr romanisch anmutet, werden oberhalb der Brüstungen mit je vier gekuppelten Fenstern und fünf Paaren roter Rundsäulen ausgefüllt. Sie werden von hufeisenförmigen Bögen überdeckt (mozarabischer Einfluss?), die von großen Überfangbögen, teils angespitzt, teils auch rund, überdeckt werden. In den Bogenfeldern sind unterschiedliche kreisrunde „Ochsenaugen“ ausgespart, die ganz großen sind mit rosetteartigem Maßwerk ausgestattet.

Über allen Galerien des Kreuzgangs existiert noch ein zweites Geschoß mit neuzeitlichen rechteckigen Fenstern. Man könnte hier an eine spätere Aufstockung denken (?). Das Innere des Kreuzgangs wird über die „Alte Pforte“ in der Südwestecke von außen erschlossen, von der Stiftskirche aus in der Nordostecke, schräg gegenüber.

In den Galerien erlebt man allerdings wieder die reine Gotik, ihr Querschnitt weist eindeutig den Spitzbogen auf. Die Joche sind mit gotischen Kreuzrippengewölben überdeckt. Ihre profilierten Rippen und Gurte stehen an den Wänden auf skulptierten Kragkonsolen und an den Hofseiten auf üppig skulptierten Kapitellbündeln, die von Bündeln aus roten dreiviertelrunden Diensten getragen werden. Ergänzt werden diese noch durch die roten Rundsäulenpaare, die die Lichtöffnungen unterteilen, und auf den Brüstungen stehen. Die Schlusssteine der Gewölberippen sind mit rosettenartigen Blüten dekoriert, ein kleiner Bezug zum „Paradies“ (siehe Beginn des Artikels). Auf den Innenseiten der Galerien verlaufen steinerne Sitzbänke.

Eine der Galerien wird „Grabsteingang“ genannt. An seiner Wand stehen Grabsteine von Wohltätern, die im Mittelalter das Kloster mit Grundstücken, Weingärten oder sonstigen Gaben beschenkten und dadurch zum Lebensunterhalt der Mönche beitrugen. Diese Gönner wurden aus Dankbarkeit im Kreuzgang begraben.

Ein anderer Teil des Kreuzgangs heißt „Lesegang“, weil sich hier die Mönche vor der Komplet zu einer Lesung versammeln. Ein Vorleser trägt von einer hölzernen Kanzel dem Konvent, der sich auf der gegenüber liegenden Seite der Galerie auf hölzernen Sitzbänken versammelt hat, einen Abschnitt aus der Benediktsregel vor. Die barocke Einrichtung hatte Armlehnen an den Sitzplätzen des Abtes und seiner beiden Nachbarn (Prior und Subprior), die ihm als Obere zur Seite stehen.

Der Lesegang ist mit Scheiben verglast, die zum Teil aus dem 13. Jahrhundert stammen. Sie sind in unterschiedlichen Grautönen mit „Grisaille“-Malerei geschmückt. Die Witterung hat den wertvollen Scheiben bereits zugesetzt.

Kapitelsaal[Bearbeiten]

Kapitelsaal mit Hochgrab Herzog Friedrich II
Leopold V. schenkt den Mönchen 1188 eine Kreuzreliquie

Der Kapitelsaal war der Versammlungsraum der Mönche, in dem bei jeder Zusammenkunft, zumindest ursprünglich, ein Kapitel der heiligen Schrift vorgelesen wurde. Für die Mönche, die zur Teilnahme an diesen Zusammenkünften berechtigt waren, galt die Bezeichnung „Kapitular“. Wie bei fast allen Klöstern dieser Art öffnet sich der Kapitelsaal von der östlichen Galerie des Kreuzgangs durch zwei Fenster und eine Tür, die nicht verschlossen werden können, und drei Stufen führen zu ihm hinab. Der Kapitelsaal ist untergliedert in neun quadratische Joche mit vierteiligen Kreuzrippengewölben, deren Rippen und Gurte an den Wänden von Kragkonsolen und im Raum von vier achteckigen Säulen getragen werden. Die heutigen Rippen, Kämpfer und Kapitelle lassen eine barocke Überarbeitung vermuten. In der Ostwand belichten drei große kreisrunde bunt verglaste „Ochsenaugen“ den Raum direkt.

Der Saal dient auch als Grablege der fürstlichen Förderer des Klosters aus dem Geschlecht der Babenberger. Heute sind noch neun einfache Grabplatten im Boden vorhanden. Für Herzog Friedrich II., den Streitbaren (1211–1246) wurde ein eindrucksvolles Hochgrab geschaffen, der letzte Babenberger, der Österreich regierte, ein großzügiger Förderer des Stiftes.

Auf den barocken Fresken werden die im Kapitelsaal begrabenen Personen dargestellt.[17]

Fraterie[Bearbeiten]

Fraterie
Bauarbeiten in der Fraterie um 1947

Die Fraterie war der Arbeitsraum der Fratres, der „Brüder“. Es gibt einen Zugang vom Kreuzgang und zwei von andern Bauteilen. Der Raum war sicher ursprünglich für die unterschiedlichen Arten von Werkstätten unterteilt, so zum Beispiel für die Schusterei, Schneiderei, Tischlerei und andere. Neben der „Werkstatt“ lag das Skriptorium, die Schreibstube. In diesem wichtigen Raum schrieben die Mönche Bücher von Hand oder kopierten sie. Er war der einzige beheizte Raum des Klosters. Erst 1992 entdeckte man das über eine Stiege begehbare Kalefaktorium, den Heizraum.

Die Fraterie umfasst immerhin 3 × 6, also achtzehn quadratische Joche, die von breiten rechteckigen Gurten mit angespitzten Bögen in Längs- und Querrichtung unterteilt sind. An den Wänden übertragen die fast senkrechten Bogenenden die Lasten ohne Konsolvorsprünge in das Mauerwerk. Insgesamt zehn Stützen, die meisten rund, tragen die übrigen Bogenenden mit profilierten Kämpfern und Basen. Die Joche selbst werden von Kreuzgratgewölben (ohne Rippen) überdeckt. Auch hier sind Bezüge zur Romanik zu erkennen.

Bernardikapelle[Bearbeiten]

Heute ist sie die Winterkapelle für den Konvent; in den meisten Jahren wird sie vor allem von Allerheiligen bis Ostern verwendet. Ihre innere Länge beträgt 20,2 Meter, sie ist 7,3 m breit. Ihre Höhe ist wegen Aufschüttungen des Fußbodens schwer festzulegen, doch ergeben die Proportionen allgemein eine Relation von 1:2:3. Die Fenstergiebel reichen bis zur Höhe der Schlusssteine. Das Gewölbe des Langhauses ist sechsteilig. Je sechs Diagonalrippen vereinigen sich in den zwei Schlusssteinen. Der Chorabschluss hat ein sechsteiliges Sterngewölbe, auch hier vereinigen sich sechs Rippen in einem Schlussstein.

Grundriss und Seitenansicht der Bernardikapelle

Die Kapelle ist der letzte wesentliche Bau, der in Heiligenkreuz im Mittelalter errichtet wurde. Keine präzisen Angaben können zu den Baujahren gemacht werden, doch lässt ein Vermerk aus der Continuatio Vindobonensis auf ca. 1290 schließen. Ursprünglich war sie dem hl. Erasmus von Antiochia geweiht und wurde als Infirmerie verwendet oder schloss sich an die Infirmerie im ersten Stock des westlich benachbarten Gebäudes an. An der Nordseite des Chores stand im Mittelalter ein Sakramentshäuschen, das das 19. Jahrhundert aber nicht überlebte. An der Südseite war bis ins 20. Jahrhundert ein barockisiertes Portal.

Durch einen Brand am 21. Dezember 1910 wurde der Chorabschluss freigelegt. Weil die Kapelle jahrzehntelang als Heiliges Grab gedient hatte, war der Chorabschluss durch ein bühnenähnliches Gerüst verbaut. Daraufhin wurde die Kapelle immer mehr für das Stundengebet und die Feier der Heiligen Messe verwendet; Abt Karl Braunstorfer machte sie zur geheizten Winterkapelle und ließ sie mit Glasfenstern von Margret Bilger ausstatten; die 13 Fenster entstanden in den Jahren 1963 und 1964, stellen einen biblischen Zyklus dar und gelten als Hauptwerk der oberösterreichischen Künstlerin. Bald nach der Vollendung dieses Auftrags konvertierte Bilger zum Katholizismus.

Der Außenbau ist von der Einfachheit der Zisterzienser geprägt. Ein massiver Sockel zieht sich um die abwechselnd starken und schwachen Pfeiler, sowie um die Kapellenmauer herum. Die Fensterschrägung ist glatt, ohne Profilierung. Ein Erker am Giebel der Westseite, in dem heute eine Bernhardsstatue steht, dürfte ursprünglich eine Glockennische als Ersatz für die bei den Zisterziensern im Mittelalter verbotenen Glockentürme, gewesen sein.

Das Baumaterial unterscheidet sich von dem aller übrigen Bauten des Stiftes. Statt Siegenfelderstein wurde zum größten Teil Leithasandstein verwendet; dieser stammt vermutlich von Kaisersteinbruch.[18]

Totenkapelle[Bearbeiten]

Skelettdarstellung am Altar der Totenkapelle

Die Totenkapelle zwischen dem Kapitelsaal und der Fraterie war im Mittelalter vermutlich das „Parlatorium“, der einzige Raum, in dem die Mönche in einem Haus des allgemeinen Schweigens sprechen durften. Seit 1713 ist der schmale Raum aus drei Jochen, mit Kreuzgratgewölben überdeckt, als Totenkapelle in Verwendung. Die künstlerische Gestaltung lag in der Verantwortung von Giovanni Giuliani. Tanzende Skelette leuchten (als Kerzenträger) dem verstorbenen Mitbruder, der in der Mitte der Kapelle aufgebahrt wird, den Weg in die Ewigkeit.[19]

Annakapelle[Bearbeiten]

Sakristei – Rokokostuckdecke

In der gleichen Zeit wie die Totenkapelle wurde auch die Annakapelle, zwischen dem Hallenchor der Kirche und dem Kapitelsaal, fertiggestellt. Dort war im Mittelalter die Büchersammlung des Konventes, die geistliche Waffenkammer, daher Armarium genannt.

Sakristei[Bearbeiten]

Die Sakristei wurde im 17. Jahrhundert an der südöstlichen Ecke des gotischen Hallenchors angefügt. Der rechteckige Raum mit großen Fenstern auf drei Seiten besitzt eine vielfach gegliederte Stuckdecke, in Form eines Spiegelgewölbes. Vor den Fenstern unterbrechen kleine Stichkappen die vorgenannten Wölbungen. Die Sakristei präsentiert hochwertige Rokokofresken.

Alte Pforte[Bearbeiten]

Die „Alte Pforte“ ist ein kleiner Raum über den im Mittelalter man unmittelbar von draußen in die Südwestecke des Kreuzgangs gelangen konnte. Ein Mönch ließ hier bis in die 1970er Jahre die Ankommenden in das Kloster ein. Die barocken Fresken zeigen die Gottesmutter Maria, den heiligen Benedikt (in schwarzer Kutte) und den heiligen Bernhard (in weißer Kutte). Die Eintretenden stellen sich symbolisch unter den Schutz dieser Heiligen.

Glockenturm[Bearbeiten]

Obwohl die mittelalterlichen Zisterzienserkirchen üblicherweise keinen Glockenturm aufweisen, ist der in Heiligenkreuz errichtete hoch aufragende Glockenturm, weithin sichtbar. Er wurde 1674 im Winkel zwischen dem nördlichen Seitenschiff und dem nördlichen Querhausarm im Stil des Barock erbaut. Mittelalterliche Zisterzienserkirchen hatten normalerweise keinen Glockenturm. Ein relativ kleiner Dachreiter diente als Ersatz, auch in Heiligenkreuz, wo er am östlichen Ende des Chorfirstes steht, wenn auch barockisiert.

Fenster (1290) mit Darstellung des heiligen Leopold im Brunnenhaus

Kreuzkirche[Bearbeiten]

Die moderne Kreuzkirche schließt auf der Nordseite des Querhauses und des Glockenturms an. Sie wurde im Jahr 1982 errichtet und birgt eine kostbare Kreuzreliquie. Ihr Grundriss hat die Form eines lateinischen Kreuzes, dessen nach Westen weisender Kreuzstamm wie eine Apsis gerundet ist.

Brunnenhaus[Bearbeiten]

Das Brunnenhaus im Kreuzgang, unmittelbar neben der Südgalerie, war im Mittelalter die einzige Trinkwasserquelle des Klosters. Der 1295 fertiggestellte hochgotische neuneckige Raum vermittelt den Eindruck einer prächtigen Kapelle, mit den gotischen Fenstern aus farbenprächtigen Glasscheiben, auf denen die Familie der Babenberger dargestellt ist, mit dem Schlussstein des Rippengewölbes, der den thronenden Christus präsentiert (das Original aus Eichenholz ist im Museum ausgestellt), und letztlich mit dem pyramidenförmigen Renaissancebrunnen aus Blei. Diese derart ästhetische Ausgestaltung eines profanen Raums mit der Funktion als Wasserstelle und Waschküche, verwundert zunächst. Dafür gibt es aber theologische Gründe. Die prachtvolle sakrale Raumgestaltung sollte die Mönche daran erinnern, dass auch gewöhnliche Alltagsbeschäftigungen im Angesicht Christi (Schlussstein) geschehen und dass sie stets mit allem und überall Gott dienen.

Stiftshof[Bearbeiten]

Dreifaltigkeitssäule im Stiftshof

Westlich der mittelalterlichen Klostergebäude mit der Fassade der Stiftskirche und den Eingängen zur Kirche und zum Klosterbereich erstreckt sich der große polygonale Stiftshof. Neben den vorgenannten zweigeschoßigen Gebäuden, ausgenommen der Fassade, wird er von jüngeren zweigeschoßigen Klostergebäuden im Stil des Barock umschlossen, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts zur Benutzung freigegeben wurden. Auf der kürzesten nördlichen Seite des Hofs befindet sich das große rundbogige Eingangsportal, über dem ein fünf Geschoße hoher Turm aufragt, mit einer aufwändig gestalteten Barockfassade aus Kaiserstein, und der von einer Terrasse bekrönt wird, mit einer kunstvollen Balustrade. Die äußeren Ecken des Gebäudes sind bestückt mit kreisrunden Türmchen, die teilweise erst über dem Erdgeschoß beginnen und mit den Spitzen ihrer zwiebelförmigen Barockdächer in Höhe der Gebäudefirste enden. Sie gleichen den so genannten „Pfefferbüchsen“ in der historischen Festungsarchitektur. Auf drei Hofinnenseiten sind im Erdgeschoß und im Obergeschoß durchlaufende Arkadengänge mit Kreuzgewölben angelegt.

Der Stiftshof beherbergt in seiner Mitte die Dreifaltigkeitssäule (eine so genannte „Pestsäule“), geschaffen von Bildhauer Giovanni Giuliani und Hof-Steinmetzmeister Elias Hügel, aus Steinen von Kaisersteinbruch, Eggenburg und Loretto sowie den Josefsbrunnen, Steinmetz Joseph Winkler, beide aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Konventgebäude[Bearbeiten]

Blick vom Klausurgarten auf das Stift

Im Süden des Kreuzgangs und der Fraterie schließt sich ein umfangreiches jüngeres Konventgebäude an, das Mitte des 16. Jahrhunderts fertiggestellt wurde. Es handelt sich um den Wohnbereich der Mönche. Ähnlich dem mittelalterlichen Kreuzgang umschließen zweigeschossige Gebäude einen quadratischen Innenhof.

Das Bild zeigt den Blick von Süden (Badener Straße); links ist das jüngere Konventgebäude, rechts die Fassade zur Stiftsbibliothek, im Hintergrund ist der Kirchturm sichtbar. Der Wasserkörper im Vorfeld ist der Löschwasserteich.

Rekreationszimmer[Bearbeiten]

Das Rekreationszimmer im Klausurbereich

Das Rekreationszimmer ist ein seltenes Beispiel zeitgenössischer Architektur im Klausurbereich des Stiftes. Es liegt auf der Westseite des Ganges, der sich von der Fraterie in Richtung Baden erstreckt, und ist nicht allgemein zugänglich. Der Wiener Architekt Hans Pfann (1890–1973)[20] entwarf den Raum, der am Heiligen Abend im Jahr 1972 vom Auftraggeber Abt Franz Gaumannmüller eingeweiht wurde. Vor 1939 waren an dem Gang das Rekreationszimmer der Laienbrüder, eine Kammer für Angestellte und die Schneiderei untergebracht. Von 1957 bis 1972 war dort die Kapelle für Exerzitienkurse.

Pfann erhielt immer wieder seit dem Jahr 1952 Heiligenkreuzer Aufträge. Er galt als konservativer Architekt (das Spielcasino in Baden, die Heilstätte in Grimmenstein und der Umbau des Musikvereinsgebäudes im Jahr 1938 sind seine bekanntesten Werke) und genoss in Fachkreisen wegen seines Wissens zur Geschichte und Theorie der Architektur hohes Ansehen. Er blieb bis zu seinem Tod mit dem Stift verbunden; trotz seines evangelischen Bekenntnisses gehörten die Heiligenkreuzer Aufträge zu seinen Lieblingsarbeiten.[21]

Die Wandvertäfelung und Möblierung sind aus Nussholz und wurden von Mitarbeitern der Stiftstischlerei gefertigt, die Keramikplatten an der Südwand wurden von Gaumannmüller in italienischen Galerien erworben.

Steinbrüche am Leithagebirge[Bearbeiten]

Schwurhand der Zisterzienser von Heiligenkreuz, Schlussstein des Portals zum ehem. Kaisersteinbrucher Pfarrhof

Das Stift verfügte durch eine königliche Schenkung im Jahre 1203 über große Steinbrüche am Leithagebirge, die zu Ungarn an der Grenze zu Österreich gehörten. Damals wurde in allen Dokumenten des Stiftes die Siedlung als Heiligenkreuzer Steinbruch geführt, aber in sämtlichen weltlichen Archiven als „kaiserlicher Steinbruch“, oder „Kaiser-Steinbruch“. Im 19. Jahrhundert gab die Herrschaft die Kurzbezeichnung „Steinbruch“ vor.

Hauptartikel: Schloss Königshof

In der Kaiserstadt Wien wurde damals der Stein mit der Markenbezeichnung Kaiserstein geschätzt, der auch in den Bauten des Stifts oft verwendet wurde, so zum Beispiel beim Hauptportal zum Stiftshof, der Dreifaltigkeitssäule, beim Josefsbrunnen, beim Brunnen im Gasthausgarten, dem Wiener Tor. Weiters für Steinplatten im Kreuzgang, im Brunnenhaus, im linken Seitenschiff der Stiftskirche, als Stufenstein für viele Stiegen und für die großen Steinportale im Stift. Für Figurenschmuck bezog das Stift die Steine aus Eggenburg.

In der Nähe der Kapellenruine auf der Klosterwiese westlich Kaisersteinbruch leitete der Archäologe und Oberst Maximillian Groller von Mildensee 1903 im Auftrag des Altertumsvereines „CarnuntumAusgrabungen, die bestätigten, dass sich hier Wohnräume der Zisterzienser befunden haben.

Am 31. Oktober 1912 verkaufte das Stift unter Abt Gregor Pöck das Gebiet der Steinbrüche dem k.u.k. Kriegsministerium. Diese Verhandlungen fanden ohne Kenntnis und Mitwirkung der Kaisersteinbrucher Bewohner statt, die Akten im Kriegsarchiv bezeugen das. Das Stift erhielt 3.500.000 Kronen und steirische Waldgebiete mit 11.700 Hektar.[22] Die Forderungen des Brucker Lagers nach mehr Übungsgelände waren erfüllt. Damit begann die militärische Geschichte Kaisersteinbruchs, die 1938 bis zur vollständigen Absiedlung führte.

Kloster als Wirtschaftsbetrieb[Bearbeiten]

Wie für alle Klöster des Mittelalters erhielt Heiligenkreuz ein Stiftungsvermögen von den Gründern und weitere Schenkungen im Laufe der Jahrhunderte; durch die Annahme verpflichtete sich der Konvent, für die verstorbenen Wohltäter zu beten und sie gegebenenfalls am klösterlichen Areal, zum Beispiel im Kreuzgang, zu bestatten. Die Verwaltung dieser Schenkungen erstreckt sich bis auf den heutigen Tag. Spenden sind nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle.[23]

Grundbesitz[Bearbeiten]

Laut dem Wirtschaftsblatt besitzt Stift Heiligenkreuz heute 19.000 ha Grund und ist damit der zweitgrößte kirchliche Großgrundbesitzer in Österreich.[24]

Das Kloster hatte im Jahr 1286 Städthöfe in Bruck an der Leitha, Wien, Wiener Neustadt und Marchegg.[25]

Die wichtigsten Gründe des Stiftes in der Frühen Neuzeit waren im Viertel unter dem Manhartsberg und im Viertel unter dem Wienerwald. Mit der Übernahme des Neuklosters 1881 kam auch der Grundbesitz des Wiener Neustädter Klosters in den Besitz von Heiligenkreuz.

Dem Stift gehört seit 1913 das Schloss Wasserberg bei Knittelfeld, Steiermark.

Betriebe[Bearbeiten]

Zum Klosterbetrieb gehört ein Sägewerk, in dem das Holz der angeschlossenen Forste geschnitten wird. Im Forst wird seit den 2000er Jahren vom Niederösterreichischen Waldverband der Landwirtschaftskammer eine Holzversteigerung durchgeführt, bei der Edelhölzer zu Spitzenpreisen versteigert werden.[26] Dem Sägewerk angeschlossen ist seit 1983 eine Biomasseanlage mit Fernheizwerk, mit dem Teile von Heiligenkreuz beheizt werden. Es ist dies das älteste Biomasseheizwerk in Niederösterreich.[27]

Ein weiterer dazugehöriger Betrieb ist das Stiftsweingut Freigut Thallern in Gumpoldskirchen.

Auch der Be&Be Verlag und der Klosterladen Heiligenkreuz gehören zu den Wirtschaftsbetrieben des Stiftes.

Pfarrseelsorge[Bearbeiten]

Vom Stiftshof zum Freigang die Kaiserstiege mit Stufen aus Kaiserstein
Von der Alten Pforte zur Prälatur führt diese barocke Schneckenstiege

Neben dem klösterlichen Leben wirken die Heiligenkreuzer Mönche außerhalb der Klostermauern und leiten 18 Pfarren in drei Diözesen.

Stift Heiligenkreuz in und mit Medien[Bearbeiten]

Musikerfolge mit Gregorianik-CDs in den Jahren 2009 und 2011
  • 2007 bewarb sich die Schola des Stifts mit einem YouTube-Video über das Internet für die Aufnahme einer CD mit gregorianischem Gesang, die der Plattenkonzern Universal Music in Auftrag gab, nachdem Trendforscher festgestellt hatten, dass der uralte Choral als Hintergrundmusik zu Computerspielen sehr gut ankam. Die unkonventionelle Art der Bewerbung, die verhältnismäßig junge Besetzung der Schola und die Tatsache, dass es aus Großbritannien keine Rückmeldungen gab, führten dazu, dass Universal Music mit dem Kloster einen Plattenvertrag schloss. Im Frühjahr 2008 begab sich ein Team der Plattenfirma nach Heiligenkreuz und machte die Aufnahmen dafür am Originalschauplatz, d.h. in der Stiftskapelle. Als Titel für die CD wählte die Marketingabteilung von Universal Music Chant: Music For Paradise The Cistercian Monks of Stift Heiligenkreuz. Bereits kurz nach Veröffentlichung stieg die CD in die internationalen Musik-Charts auf, und das Kloster wurde von Besuchern aus aller Welt überrannt. Die Mönche gestatten Besuchern, an ihrem Mittagsgebet teilzunehmen. Dieses wurde sehr bald zur Massenveranstaltung. Es folgten zahlreiche Interviews, und am 4. Oktober 2008 wurden Pater Karl Wallner und Pater Philipp Neri Gschanes als Vertreter der Choralschola in die Unterhaltungsshow Wetten, dass..? (Folge 176) eingeladen. Es war der letzte derartige Fernsehauftritt, da die Mitbrüder befanden, dass der Rahmen und die lockeren Sprüche von Moderator Thomas Gottschalk der Würde nicht angemessen waren, die mit dem Ordensleben verbunden ist.
Die CD verkaufte sich bis April 2009 weltweit 850.000 mal, 128.000 davon allein in Österreich, was Sechsfach-Platin bedeutete. Platin gab es ebenfalls in Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und Polen.[28]
Im Jahr 2011 brachten die Cistercian Monks unter dem Titel Chant-Amor et Passio eine weitere CD heraus, die innerhalb von vier Wochen in Österreich Goldstatus erreichte.
  • Der Sender HBO ließ einen Dokumentarfilm über die Klosteranlage drehen.[29]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stift Heiligenkreuz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leopold Janauschek: Originum Cisterciensium Tomus Primus, Wien 1877, S. 36–37.
  2. Stiftung von Leopold IV. an Heiligenkreuz in Topographia Austriacarum
  3. Erwin Reidinger, Rudolf Koch: Die Stiftskirche von Heiligenkreuz: Achsknick und Orientierungstage - Antworten aus der Gründungsplanung. In: Sancta Crux. 70 (2009), ISBN 978-3-902694-23-2, S. 37–103.
  4. Auf diesen Sachverhalt hat erstmals Oskar von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. Wien 1912, S. 270-282 hingewiesen. Die Urkunde ist gedruckt in: Urkundenbuch zur Geschichte der Babenberger in Österreich. Bd. 1, hg. v. Heinrich Fichtenau und Erich Zöllner. Wien 1950, S. 5-7.
  5. Heinrich Mayer: Auf immerwährende Zeiten: die Vereinigung des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt mit dem Stifte Heiligenkreuz im Jahre 1881. Heiligenkreuz 1966.
  6. Hermann Watzl: Der Plan einer Verlegung der Cisterce Heiligenkreuz vom Wienerwald nach Westungarn in den Jahren 1206 bis 1209, in: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich NF 34 (1958-1960), S. 106-119. Nachdruck in: Hermann Watzl: „… in loco, qui nunc ad sanctam crucem vocatur …“ Quellen und Abhandlungen zur Geschichte des Stiftes Heiligenkreuz (Heiligenkreuz 1987), S. 431-444
  7. Bild von Heiligenkreuz (Dreifaltigkeitssäule)
  8. Überdiözesanes Priesterseminar Leopoldinum Heiligenkreuz
  9. Kath.net: Stift Heiligenkreuz zur Päpstlichen Hochschule erhoben. 8. Februar 2007
  10. Feuer im Heiligenkreuzer Priesterseminar, kath.net, 25. Jänner 2014
  11. Merian 07/2007, Jahreszeiten Verlag, ISBN 978-3-8342-0707-4, S. 95.
  12. Maximilian Heim ist neuer Abt von Heiligenkreuz. orden-online.de, 10. Februar 2011.
  13. Das ungarische Kloster war ohne Mönche, als Palffy ankam. Seine Ernennung zum Erzabt war eine Anregung des inzwischen zum Bischof von Wien avancierten Heiligenkreuzer Mönches Anton Wolfradt. Damianus Fuxhoffer, Monasteriologia regni Hungariae, Pest 1858, S. 121-125.
  14. http://eichinger.ch/eichifamilyhom/Reisen/Wien/Start_W-Heiligenkreuz-Kapitelsaal.htm
  15. http://eichinger.ch/eichifamilyhom/Reisen/Wien/Start_W-Heiligenkreuz-Kapitelsaal.htm
  16.  Eduard von Sacken: Baudenkmale im Kreise um den Wiener Walde den Mittheilungen der k.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, Band 1, 1856, S. 83, (Kategorie mit zugehörigen Bildern auf Commons)
  17. Eintrag über den Kapitelsaal des Stiftes Heiligenkreuz in der Datenbank Gedächtnis des Landes zur Geschichte des Landes Niederösterreich (Landesmuseum Niederösterreich)
  18. Gregor Pöck: Die Bernhardikapelle im Stifte Heiligenkreuz. In: Mitteilungen der k.k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege. 10 Heft 3 (1911), S. 203–212.
  19. Pater Karl Wallner, Der bilderreiche Klosterführer durch das Stift Heiligenkreuz, Heiligenkreuz 2011, S. 93.
  20. Stift Heiligenkreuz. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Herausgegeben vom Architekturzentrum Wien. Wien 2007.
  21. Norbert Roth: Kirchenbauten in Niederösterreich 1945–1978. Anteil Erzdiözese Wien (1979).
  22. Wirtschafts-Blatt, 4. Juli 2006
  23. Spendenaufruf auf der Website des Stiftes
  24. Gott sei Dank: 1,6 Mrd. S für Stift Admont - Liste der reichsten Klöster Österreichs.
  25. Christina Lutter, "Locus horroris et vastae solitudinis"? Zisterzienser und Zisterzienserinnen in und um Wien, in: Historisches Jahrbuch 132 (2012), S. 160-161.
  26. Chronik 2008
  27. Biomasseanlage Fernheizwerk abgerufen am 9. April 2010
  28. Neuerlich Platin für die Heiligenkreuzer Mönche. In: Kleine Zeitung, 2. April 2009.
  29. Dokumentarfilm Top Ten Monks des Senders HBO