Stift Klosterneuburg

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Ansicht von Osten mit Kaiserappartements
Hochaltar der Stiftskirche

Das Stift Klosterneuburg liegt nordwestlich von Wien in der gleichnamigen Stadt Klosterneuburg (Niederösterreich) und gehört der Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren an. Der Komplex geht auf eine Stiftung des österreichischen Markgrafen Leopold III. dem Heiligen zusammen mit seiner Frau Agnes von Waiblingen zurück, welche zu Beginn des 12. Jahrhunderts erfolgt war.

Die ursprüngliche Stiftung war von Anfang an bis 1722 ein Doppelkloster mit Augustiner-Chorfrauen . Die gut erhaltenen Reste der Chorfrauenkirche St. Magdalena am Stiftsplatz zeuge noch heute davon.[1].

In späteren Jahrhunderten wurde die Anlage mehrmals erweitert und umgebaut, so dass sie sich heute als eindrucksvolles Konglomerat aus mittelalterlicher, barocker und historistischer Bausubstanz präsentiert. Das Stift Klosterneuburg ist nach wie vor ein lebendiges Zentrum des katholischen Glaubens, beherbergt eine bedeutende Kunstsammlung und besitzt eines der größten und ältesten Weingüter Österreichs.

2006 wurde dem Stift der Europa-Nostra-Preis für die Neugestaltung des Besucherempfanges (Sala terrena) verliehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Rueland Frueauf d. J., Auffindung des Schleiers, Stiftsmuseum Klosterneuburg

Um die Gründung des Stiftes Klosterneuburg spinnt sich die Schleier-Legende. Am Tag ihrer Vermählung sollen Markgraf Leopold III. und seine Gemahlin Agnes von Waiblingen am Söller ihrer Burg am Leopoldsberg gestanden haben, als ein plötzlicher Windstoß den Brautschleier der Agnes erfasste und davontrug. Erst neun Jahre später soll der fromme Markgraf den Schleier seiner Frau während einer Jagd in den Wäldern Klosterneuburgs unerwartet wieder gefunden haben – in unversehrtem Zustand auf einem blühenden Holunderbaum verfangen. Dies soll als göttliches Zeichen verstanden worden sein, weshalb Leopold III. an dieser Stelle ein Kloster errichten ließ. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde diese Legende noch zusätzlich durch eine Marienerscheinung bereichert.

In Wirklichkeit aber stellte Klosterneuburg zu Beginn des 12. Jahrhunderts keinen unberührten Urwald mehr dar. Denn der Stiftshügel war bereits seit urgeschichtlicher Zeit besiedelt und im 1. Jahrhundert n. Chr. von den Römern zu einem Kastell (vermutlich namens Arrianis) ausgebaut worden, um den Limes Pannonicus zu schützen. Auf den Ruinen dieses Lagers entstand wohl schon im 11. Jahrhundert eine kleinere Siedlung, welche Leopold III. schließlich als seine Residenz und 1114 für die Gründung eines Säkularkanonikerstiftes erwählte. Das ursprüngliche Ziel dieser Stiftung war womöglich die Errichtung eines österreichisches Landesbistums, weshalb einer der begabtesten Söhne Leopolds III., der spätere Otto von Freising, 1126 zum zweiten Propst des Stiftes ernannt und zum Studieren nach Paris geschickt wurde. Die Pläne für einen eigenen Bischofssitz scheinen aber nicht zuletzt aufgrund des Widerstandes der Bischöfe von Passau, Salzburg und Gurk gescheitert zu sein. Daraufhin wurde das Stift 1133 den Regularkanonikern (Augustiner-Chorherren) übergeben. Erster Propst dieser neuen Gemeinschaft wurde der selige Hartmann, unter dessen Regentschaft die Stiftskirche fertiggestellt und am 29. September 1136 geweiht wurde. Wenige Monate danach, am 15. November 1136, verstarb Markgraf Leopold III. Er wurde im Kapitelsaal des Stiftes (der heutigen Leopoldskapelle) beigesetzt, wo sein Grab bald zur Wallfahrtsstätte wurde.

Hoch- und Spätmittelalter[Bearbeiten]

Verduner Altar, 1181, Stift Klosterneuburg
Die Rückseiten des Verduner Altares, 1330/31, Stiftsmuseum Klosterneuburg

Das Stift Klosterneuburg entwickelte sich schnell zu einem kulturellen und theologischen Zentrum. Unter den Pröpsten Marquard (1140-1167) und Rudiger (1167-1168), welche mit Gerhoch von Reichersberg verwandt waren, setzte man sich etwa für Reformen des Klerus sowie die Bekämpfung der aufkommenden Scholastik ein. Aus diesem Geist heraus ist wohl das inhaltliche Programm des Klosterneuburger Ambos (des späteren Verduner Altares) entstanden. Dieses entspricht der mittelalterlichen Typologie und ist möglicherweise auf Propst Rudiger zurückzuführen, auch wenn das einzigartige Emailwerk erst unter seinem Nachfolger, Propst Wernher (1168-1185), in Auftrag gegeben und 1181 fertiggestellt wurde. Unter Herzog Leopold VI. erlangte Klosterneuburg in den Jahren um 1200 seine Funktion als Residenz der Babenberger wieder, welche zuvor an Wien verloren gegangen war. Leopold VI. ließ nicht nur einen neuen Palas errichten, sondern auch die sog. Capella Speciosa – seine Palastkapelle, welche als erstes gotisches Bauwerk Österreichs gilt. Als sie allerdings 1222 geweiht wurde, war der Herzog wieder nach Wien umgezogen. Von beiden Bauten sind heute nur noch Reste vorhanden. Mit dem Bau der Kapelle hielt aber die Gotik Einzug und einige Jahrzehnte später wurden auch Teile des Stiftes – etwa der Kreuzgang – in diesen Formen umgebaut.

Einen kulturellen Aufschwung erlebte das Stift besonders in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts unter Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335), welcher zahlreiche Kunstwerke und Umbauarbeiten in Auftrag gab. Dies wurde durch einen verheerenden Brand des Jahres 1330 begünstigt, welcher die Instandsetzung und Erneuerung des alten Stiftes erforderlich machte. Unter Propst Stephan wurde der gotische Kreuzgang fertiggestellt, der Klosterneuburger Ambo 1330/31 zu einem Flügelalter umgestaltet, sowie einige Goldschmiedearbeiten in Auftrag gegeben. Im ausgehenden 14. Jahrhundert begann man schließlich auch den Südturm der Kirche im gotischen Stil zu errichten. Der Turmbau blieb allerdings auf Höhe des Kirchendaches stecken und wurde nur provisorisch gedeckt.

Im 15. Jahrhundert führte die Amtszeit von Propst Georg Muestinger (1418–1442) zu einer neuerlichen kulturellen und wissenschaftlichen Blüte. In seinem Auftrag wurden in ganz Europa wichtige Ankäufe für die Bibliothek getätigt (etwa in Padua), aber auch neue Manuskripte im Stift angefertigt. Der mit dem Wiener Astronomen Johannes von Gmunden befreundete Propst befasste sich zudem ausgiebig mit Astronomie und Karthographie.

Während des 14. und 15. Jahrhunderts war das Stift weiters mit der langwierigen Heiligsprechung des Stiftsgründers beschäftigt. Denn obwohl Leopold III. schon kurz nach seinem Tod 1136 verehrt wurde, gewann sein Andenken erst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an Systematik. Darauf verweisen ab 1323 aufgezeichnete Wunder und Gebetserhörungen, welche sich an seinem Grab ereignet haben sollen - was darüber hinaus auf starke Pilgerströme schließen lässt. Auf Bestrebungen Herzog Rudolfs IV. leitete Papst Innozenz VI. schließlich 1358 den Heiligsprechungsprozess des Babenbergers ein. Auf Grund der schwierigen politischen Situation (Abendländisches Schisma) geriet dieses Vorhaben allerdings bald ins Stocken. Erst durch Kaiser Friedrich III. wurde der Prozess wieder belebt. Nach seinem erfolgreichen Abschluss fand die Heiligsprechung schließlich am 6. Jänner 1485 unter Papst Innozenz VIII. in Rom statt. Die feierliche Erhebung der Gebeine des neuen Heiligen (Translation) erfolgte am 15. Februar 1506 unter Beisein von Kaiser Maximilian I. in der Stiftskirche von Klosterneuburg.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Stiftskirche Klosterneuburg, Blick nach Westen

In die Regierungszeit des Propstes Georg Hausmanstetter (1509-1541) fällt die Erste Wiener Türkenbelagerung von 1529, als der Konvent direkt bedroht war und sich dazu entschloss mitsamt den Kirchenschätzen nach Passau zu flüchten. In Klosterneuburg blieb, neben einem Chorherrn, nur der königliche Regimentsrat Melchior von Lamberg zurück, welcher eiligst Söldner für die Verteidigung der Stadt anwarb und die am 27. September begonnene Belagerung Klosterneuburgs erfolgreich abwehren konnte. Als der Konvent zurückkehrte, konnte Propst Georg zunächst die Ausbreitung protestantischen Gedankenguts im Stift unterbinden. Als er jedoch 1541 verstarb, schwand nicht nur die Zahl der Chorherren, sondern auch der Widerstand gegen den Protestantismus. Nur wenige Jahre später wurden in der Stiftskirche die Lehren Luthers verkündet. Erst Propst Kaspar Christiani (1578-1584), welcher dem Kloster von Kaiser Rudolf II. aufgezwungen wurde, konnte das Stift in den Katholizismus zurückführen.

Österreichischer Erzherzoghut, Stiftsmuseum Klosterneuburg

Durch die katholische Gegenreformation erlangte das Stift seine frühere Bedeutung zurück. Am 15. November 1616 nahm Erzherzog Maximilian III. am Leopoldifest in Klosterneuburg teil und stiftete dem Kloster bei dieser Gelegenheit den österreichischen Erzherzogshut. Dadurch wurde das Stift zum Hüter der „heiligen Krone des Landes“, welche nur im Rahmen der Erbhuldigung Klosterneuburg verlassen durfte.

Kurze Zeit später begann die Barockisierung der Stiftskirche, welche sich in mehreren Phasen zwischen 1634 und 1730 vollzog. In der ersten Etappe (1634-1645) wurde der bisher unvollendete Nordturm der Westfassade im gotischen Stil (in Anlehnung an den Südturm) weiter gebaut, im Inneren hingegen der westliche Bereich in barocken Formen neu dekoriert und die prachtvolle Orgel fertiggestellt. In einer zweiten Etappe (1680-1702) stand die Ausstattung mit Fresken, Stuck und Altären im Langhaus im Fokus. 1723-1730 fand schließlich die Umgestaltung des Presbyteriums nach Entwürfen Matthias Steinls statt. Die Barockisierung war dabei durch die Zweite Wiener Türkenbelagerung 1683 unterbrochen worden, als sich Klosterneuburg erneut in Gefahr befand und die Chorherren wieder mit dem Kirchenschatz nach Passau flüchteten. Bei der Verteidigung der Stadt spielte vor allem der Laienbruder Marzellin Orthner eine entscheidende Rolle, da durch sein Engagement eine Einnahme der Stadt verhindert werden konnte.

Der „Österreichische Escorial“[Bearbeiten]

Idealansicht des barocken Stiftes von 1774, Stiftsmuseum Klosterneuburg
Barocker Kaisertrakt

Unter Propst Ernest Perger (1707-1748) wurde im Stift Klosterneuburg eines der eindrucksvollsten Bauprojekte des Barock ins Leben gerufen. So hatte man bereits 1714 Entwürfe für einen massiven Umbau bei Jakob Prandtauer in Auftrag gegeben, welche jedoch aus unbekannten Gründen nicht ausgeführt wurden. Unter Vermittlung des Melker Abtes Berthold Dietmayr wurde schließlich 1730 Donato Felice d’Allio mit der Neuplanung der gesamten Klosteranlage beauftragt, welche einen weitläufigen Neubau mit vier regelmäßigen Innenhöfen vorsah. Nachdem allerdings klar wurde, dass Kaiser Karl VI. das Kloster zu einem „Österreichischen Escorial, d.h. zu einer herrschaftlichen Klosterresidenz, umbauen und hier zum Teil residieren wollte, musste d’Allio seine Pläne zugunsten größeren Prunks adaptieren. Hierbei wurde ihm das kaiserliche Hofbauamt zu Seite gestellt, dessen leitender Architekt, Joseph Emanuel Fischer von Erlach, den Bau um ein Stockwerk erhöhte, die Fassaden dynamisierte und monumentale, mit den Kronen des Hauses Habsburg versehene Kuppeln einplante. Doch obwohl das Kaiserhaus somit entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung des Baus nahm, mussten die Kosten gänzlich vom Kloster getragen werden.

Weshalb sich Karl VI. für dieses gigantische Bauvorhaben in Klosterneuburg entschied, ist nicht restlos geklärt. Man vermutet, dass er mit dem Bau eines österreichischen Escorials den Verlust der spanischen Krone kompensieren wollte (Spanischer Erbfolgekrieg). Hinzu kommt aber auch ein ortsgebundener Aspekt. Denn der Hl. Leopold wurde vom Hause Habsburg stark verehrt und bald auch als (fiktiver) Vorfahre angesehen. Durch die Errichtung einer Residenz über dem Grab des Heiligen sollte vermutlich auch die herrschaftliche Kontinuität in Österreich verdeutlicht werden.

Zunächst schritt der Bau zügig voran. Man begann mit der Errichtung des in der nordöstlichen Ecke vorgesehenen Kaisertraktes, welcher bereits 1733 gedeckt wurde. 1735 wurden zwei der insgesamt neun geplanten Kuppeln fertiggestellt. Sie präsentieren einerseits die Reichskrone und andererseits den Österreichischen Erzherzogshut. 1740 verstarb Karl VI. jedoch unerwartet, wodurch die Bauarbeiten zu einem abrupten Ende kamen. Nach dem Tod des Kaisers (und aufgrund des mangelnden Interesses seiner Tochter Maria Theresia an dem Bauprojekt) fehlte dem Konvent jeglicher Anreiz die enormen Baukosten weiterhin zu tragen. Folglich wurden die Bauarbeiten eingestellt und nur die bereits stehenden Bereiche fertig ausgestattet – etwa 1749 der Marmorsaal mit einem Fresko von Daniel Gran. Erst 1834-1842 konnte, nach Plänen von Joseph Kornhäusel, zumindest einer der vier geplanten Innenhöfe (und damit ein Viertel der geplanten Anlage) vollendet werden. Der österreichische Escorial blieb somit letzten Endes ein Torso.

Aufklärung und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Stift Klosterneuburg vor dem Ausbau der Stiftskirchentürme
Stiftskirche Klosterneuburg nach den Umbauten 1882-93

Durch die Josephinische Reform (Säkularisierung) war das Stift auf Grund seines starken Engagements in der Seelsorge nicht so stark betroffen und wurde nicht aufgelöst. Dennoch mussten zahlreiche zusätzliche Pfarren errichtet, sowie einige Kapellen (darunter die Capella Speciosa) 1787 entweiht werden. Schwere Zeiten, vor allem wirtschaftlich, musste das Stift hingegen während der Napoleonischen Kriege durchleben. So forderten die französischen Truppen, welche Klosterneuburg am 11. November 1805 besetzten, enorme Summen als Brandschatzung. Obwohl die Franzosen nach dem Frieden von Pressburg 1806 Klosterneuburg verließen, kam es am 10. Mai 1809 zu einer erneuten Besetzung. Dabei wurden die Weinvorräte des Stiftes weggeschafft und große Schäden angerichtet. Erst am 29. November 1809 zogen die letzten französischen Besatzer endgültig ab. Durch diese Kriege befand sich Österreich in einer katastrophalen wirtschaftlichen Lage, weshalb der Kaiser Edelmetallablieferungen anordnete, welchen auch zahlreiche Kostbarkeiten des Stiftes zum Opfer fielen – darunter der silberne Reliquienschrein des Hl. Leopold und eine von Erzherzog Maximilian III. gestiftete Silberbüste des Heiligen.

Im Zeitalter des Historismus wurde schließlich die „Restaurierung“ einiger Teile der Anlage vorangetrieben. Verantwortlich zeichnete hierbei der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt. 1869–1881 wurden Arbeiten im Kreuzgang durchgeführt, wobei einige Bereiche in ihre vermeintlich originale, gotische Form zurückgebaut wurden. Die alte Verglasung wurde dabei durch neue Scheiben ersetzt, welche von der Firma Geyling aus Wien gefertigt wurden. 1882–1893 folgte die Restaurierung der Stiftskirche, deren Westtürme baufällig geworden waren. Die ursprünglich verschieden hohen Türme wurden nun auf eine Höhe von 82,75 m neugotisch ausgebaut, vereinheitlicht und mit Skulpturen von Franz Christoph Erler versehen. Die Außenseite des Langhauses wurde im Sinne der Neuromanik umgestaltet.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bekanntere Persönlichkeiten des Stiftes im beginnenden 20. Jahrhunderts stellen Wolfgang Eduard Pauker, welcher den jungen Egon Schiele förderte, und Friedrich Gustav Piffl, späterer Erzbischof von Wien, dar. Von besonderer Bedeutung war aber Pius Parsch, welcher im Ersten Weltkrieg an der Front als Feldkurat tätig war und bemerkt hatte, wie wenig Soldaten über Religion und Liturgie wussten. Als er ins Stift zurückkehrte, betrieb er höchste Bemühungen dies zu ändern. Er hielt viele Bibelstunden ab und veröffentlichte volkstümliche Schriften in zahlreichen Sprachen. Dadurch fand die „Volksliturgische Bewegung“ weite Verbreitung, welche schlussendlich auch das Zweite Vatikanische Konzil mit beeinflusste.

Unter dem Nationalsozialismus durchlebte das Stift eine besonders harte Zeit, welche am 30. April 1941 gar zur Aufhebung und Enteignung des Klosters führte. Einige Chorherren engagierten sich verdeckt in der Widerstandsbewegung - vor allem Roman Karl Scholz, welcher jedoch verraten und 1944 hingerichtet wurde. Durch diese schwierige Zeit wurde der Konvent vom 1937 gewählten Propst Alipius Linda geführt, welcher mitsamt der Chorherren am 30. April 1945 wieder ins Stift zurückkehren konnte. Nach und nach erhielt das Stift auch sein beschlagnahmtes Eigentum zurück. Als Propst Alipius 1953 starb, war das Schlimmste bereits überstanden und sein Nachfolger, Gebhard Koberger (1953-1995), konnte den wirtschaftlichen und finanziellen Wiederaufbau vorantreiben. Propst Gebhard wurde 1969 als erster Österreicher zum Abt-Primas des Augustiner-Chorherrenordens gewählt und nahm auch am Zweiten Vatikanischen Konzil teil.

Sein Nachfolger wurde 1995 der heute amtierende Propst Bernhard Backovsky, welcher seit 2002 auch Generalabt der Augustiner-Chorherren der Österreichischen Kongregation und seit 2010 Abtprimas aller Augustiner-Chorherren ist. Er investiert maßgeblich in das religiöse, wirtschaftliche und kulturelle Leben des Stiftes. Dazu gehört die Restaurierung der Gebäude, die Errichtung eines Biomasse-Fernheizwerks, welches das Stift sowie einige öffentliche Gebäude Klosterneuburgs ökologisch nachhaltig beheizt, sowie zahlreiche soziale Projekte.

Derzeit gehören dem Konvent des Stiftes Klosterneuburg fast 50 Chorherren, darunter rund 15 Junioren, an. Sie leben nach der Regel des Hl. Augustinus. Mit der Einkleidung beginnt für neue Chorherren ein einjähriges Noviziat, welchem die Einfache Profess, ein zeitliches Gelübde auf drei Jahre, folgt. Danach kann die Feierliche Profess abgelegt werden, wodurch sich der Chorherr auf Lebenszeit an das Stift bindet und ewigen Gehorsam, Armut und Keuschheit gelobt. In der Regel betreiben die Novizen ein Theologiestudium, mit dem Ziel Priester zu werden. Die meisten Chorherren sind als Seelsorger in einer der 27 Pfarrgemeinden tätig. Daneben engagieren sie sich aber auch als Wissenschaftler, Lehrer oder in der Verwaltung des Klosters. Der Konvent ist demokratisch organisiert, indem dem Stift ein von den Chorherren gewählter Propst vorsteht.

Pfarrtätigkeit & Soziales Engagement[Bearbeiten]

Das Stift Klosterneuburg betreut insgesamt 27 Pfarren (24 in Wien und Niederösterreich, eine in Norwegen und zwei in den USA). Die Pfarren der Stiftskirche und St. Martin in Klosterneuburg gehörten schon seit der Gründung zum Stift, andere kamen erst nach und nach durch die Erweiterung des Grundbesitzes oder durch Reformen Kaiser Josefs II. (Josephinische Reform) hinzu. Derzeit werden folgende Pfarren betreut:

  • Klosterneuburg: Stiftspfarre, Kierling, St. Leopold, St. Martin, Kritzendorf, Weidling, Höflein
  • Restliches Niederösterreich: Haselbach, Korneuburg, Langenzersdorf, Reinprechtspölla, Stoitzendorf, Tattendorf
  • Wien: Maria Lourdes, Meidling, Maria Hietzing, Grinzing, Heiligenstadt, Kahlenbergerdorf, Neustift am Walde, Nußdorf, Sievering, Donaufeld, Floridsdorf
  • Norwegen: Bergen
  • USA: St. Patrick und St. Rocco im Bistum Rockville Centre, im Staat New York[2]

Dem im Jahre 2000 erlassenen Sozialstatut des Stiftes entsprechend, werden jährlich mindestens 10% der in den Wirtschaftsbetrieben erwirtschafteten Gewinne für soziale Zwecke aufgewandt – meist liegen die Summen aber weit darüber. Das bekannteste Sozialprojekt stellt das Projekt Aktion Concordia von Pater Georg Sporschill dar, welches fast 100 rumänischen Straßenkindern hilft und ältere Menschen in Moldawien unterstützt. Es werden aber auch einige kleinere Aktionen, etwa Kinderschutzzentren in Indien und Honduras, Frauenhilfsprojekte in Afghanistan oder eine Augenklinik im Südsudan gefördert.[3]

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Stift Klosterneuburg vom Leopoldsberg aufgenommen

Die Wirtschaftsbetriebe des Stiftes Klosterneuburg bilden die erforderliche wirtschaftliche Basis für die religiösen, sozialen und kulturellen Aufgaben. Die Hauptgeschäftsfelder sind Land- und Forstwirtschaft, Immobilien sowie Kultur und Tourismus. Die Wirtschaftsbetriebe beschäftigen über 200 Mitarbeiter, dabei wird großer Wert auf Nachhaltigkeit, CO₂-Reduktion und soziale Verantwortung gelegt.

Das Stift hat besonders im Weinbau eine große Bedeutung. Das Weingut Stift Klosterneuburg gilt mit 108 Hektar Anbaufläche nicht nur als eines der größten, sondern auch als das älteste Weingut in Österreich. Seine Gründung geht bereits auf Leopold III. zurück. 1860 wurde zudem mit Unterstützung des Stiftes eine Weinbauschule, die im damaligen Kuchlhof, untergebracht war, errichtet. Aus dieser ging die heutige Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau hervor (siehe auch Klosterneuburger Mostwaage). Das Weingut Stift Klosterneuburg bietet seit 2009 als erstes Weingut Mitteleuropas einen CO₂-neutralen Wein an.

Das Stift besitzt darüber hinaus Grundbesitz in Klosterneuburg und Umgebung, im Bezirk Korneuburg und im Nordwesten Wiens, welcher verpachtet wird. Aus den eigenen Forsten stammt das Rohmaterial für ein unterirdisches Biomasseheizwerk, das in den letzten Jahren errichtet wurde und die Stiftsgebäude sowie einige kommunale Einrichtungen (etwa Rathaus und Krankenhaus) in Klosterneuburg beheizt.

Das Stift ist ganzjährig für Besucher geöffnet und zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes Niederösterreich. Zahlreiche Thementouren bieten einen Einblick in verschiedene Bereiche des Klosters. Die beeindruckende Architektur und die reiche Kunstsammlung, aber auch der Ablauf der Weinerzeugung werden hierbei vor Augen geführt. Ein umfangreiches Veranstaltungsangebot (Konzerte, Opernfestspiele, Ausstellungen) sowie Gastronomiebetriebe runden das Angebot ab.[4]

Architektur und Einrichtung[Bearbeiten]

Stiftskirche[Bearbeiten]

Hauptartikel: Stiftskirche Klosterneuburg

Die Stiftskirche Maria Geburt wurde 1114 vom Markgrafen Leopold III. gestiftet und 1136 geweiht. Die ursprüngliche Kirche bildete eine dreischiffige Basilika mit Querhaus und monumentalen Westwerk. Im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert wurde sie in mehreren Etappen barock umgestaltet. Daran beteiligt waren hoch angesehene Künstler wie Giovanni Battista Carlone, Peter Strudel, Antonio Bellucci, Matthias Steinl, Johann Michael Rottmayr und Santino Bussi. Berühmt ist auch die Orgel der Stiftskirche von 1642, die von Johann Freundt aus Passau errichtet wurde und eines der bedeutendsten Instrumente Österreichs ist. Im späten 19. Jahrhundert baute der Architekt Friedrich von Schmidt die Kirchtürme neugotisch aus und gestaltete die Außenseite des Langhauses in neuromanischen Formen um.

Kreuzgang[Bearbeiten]

Kreuzgang des Stiftes Klosterneuburg
Reliquienschrein des Hl. Leopold

Die noch erhaltenen mittelalterlichen Teile des Stiftes Klosterneuburg befinden sich nordwestlich der Stiftskirche. Besonders beeindruckend ist der Kreuzgang, welcher zw. 1250-1350 entstand und mit einem sechsteiligen Kreuzrippengewölbe versehen wurde. Nach dem katastrophalen Brand von 1330 wurde er ursprünglich mit wertvollen Glasmalereien ausgestattet, von welchen sich heute noch einige Fragmente im Stiftsmuseum und in der Leopoldskapelle erhalten haben. Der Kreuzgang wurde zwischen 1869 und 1881 restauriert.

Östlich des Kreuzganges schließt der ehemalige Kapitelsaal (heutige Leopoldskapelle) an, in welchem der Stiftsgründer Markgraf Leopold III. und dessen Gemahlin Agnes beigesetzt wurden. Nach der Heiligsprechung des Markgrafen 1485 entwickelte sich dieser Raum zu einer wichtigen Wallfahrtsstätte. Der Raum wurde 1677-1680 mit Stuck von Jakob Schlag und Fresken von Johann Christoph Prandtl ausgestattet. Die Deckenszenen zeigen verschiedene Wunder, die sich unter Mitwirkung des Hl. Leopold ereignet haben sollen. In diesem Raum ist zudem der berühmte Verduner Altar von 1181 aufgestellt, über welchem 1936 ein Reliquienschrein für die Gebeine des Hl. Leopold angebracht wurde. In der Kapelle wird alljährlich am und um den Todestag des Heiligen (15. November) seine Schädelreliquie präsentiert.

Siebenarmiger Leuchter

An der Nordseite des Kreuzganges findet sich das ehemalige Brunnenhaus, welches über neun-eckigem Grundriss errichtet wurde und ursprünglich ein Wasserbecken aufnahm. Seit dem 20. Jahrhundert steht hier der siebenarmige Leuchter, welcher um 1135 entstand und somit das älteste erhaltene Ausstattungsstück der Stiftskirche darstellt. Ursprünglich stand er im Presbyterium der romanischen Stiftskirche und erst bei der Barockisierung der Kirche wurde er von dort entfernt. Er wurde vermutlich in Verona in Bronze gegossen und vom markgräflichen Paar dem Stift vermacht. In den Quellen wird der Leuchter wegen seiner baumartigen Form als „Sambucus“ (Holunderbaum) bezeichnet – man nahm an, dass im Inneren des Leuchters Reste jenes Holunderbaumes eingearbeitet waren, auf welchem der sagenhafte Schleier der Agnes gefunden wurde. Tatsächlich aber hat das Aussehen des Leuchters theologische Hintergründe. Die Form der jüdischen Menorah ist hier gezielt im christlichen Sinne zur „Wurzel Jesse“ (dem Stammbaum Christi) umgedeutet worden, wobei die sieben Arme die sieben Gaben des Heiligen Geistes symbolisieren.

In der Südwestecke des Kreuzganges findet sich schließlich die Wehinger-Kapelle (auch Freisinger-Kapelle), welche 1394 geweiht wurde. Sie dient als Grabstätte für die Brüder Berthold (Bischof von Freising, † 1410) und Reinhard von Wehingen (†1394). Die Kapelle wurde allerdings im 17. Jahrhundert deutlich verkleinert und im 19. Jahrhundert umgestaltet. Bis auf einige architektonische Elemente haben nur die qualitätvollen Grabmäler der mittelalterlichen Auftraggeber überdauert.

Leopoldihof (Kuchlhof)[Bearbeiten]

Leopoldihof
Ehem. Markgrafenburg Leopolds III.

Westlich des Kreuzganges schließen weitere Bereiche des Altstiftes an, welche sich um den Leopoldihof gruppieren. Da sich hier einst die Stiftsküche befand wird dieser Innenhof auch „Kuchlhof“ genannt. Betreten wird er durch eine gotische Torhalle aus dem 14. Jahrhundert mit beidseitigen Sitznischen. Gleich dahinter an der westlichen Seite findet sich der ehemalige, zweigeschossige Palast des Markgrafen Leopold III., welcher zu Beginn des 12. Jahrhunderts errichtet wurde und dem markgräflichen Paar als Residenz diente. In späterer Zeit wurde dieser Bau mehrfach umgebaut. So kamen im späten 15. Jahrhundert etwa der gotische Erker, die Vorhalle und die Kreuzstockfenster hinzu. 1860 wurde hier schließlich die neu gegründete Obst- und Weinbauschule eingerichtet, aus welcher sich schließlich die Klosterneuburger Weinbauschule entwickelte. Heute ist hier das Stiftsarchiv untergebracht.

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die Alte Prälatur, welche ebenfalls im 12. Jahrhundert errichtet wurde und ursprünglich frei stand. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts erhielt sie ihr heutiges Aussehen. Zur gleichen Zeit entstand der den nördlichen Bereich des Hofes einnehmende Neue Fürstentrakt, welcher zur Unterbringung hochstehender Persönlichkeiten gedacht war. In der östlichen Ecke findet sich der heutige Augustinus-Saal (das ehem. Refektorium), welcher schon 1508 errichtet und 1725 vollkommen umgestaltet wurde. Heute wird dieser Raum für Veranstaltungen und Konzerte genutzt. Der in der Mitte des Hofes aufgestellte Brunnen stammt von 1592, wobei die Figur des Hl. Leopold erst 1680 geschaffen wurde.

Barocker Kaisertrakt[Bearbeiten]

Stift Klosterneuburg, Detail der Ostfassade
Ostfassade des Kaisertrakts
Sala terrena
Kaiserstiege
Deckenfresko im Marmorsaal von Daniel Gran
Marmorsaal des Stiftes Klosterneuburg
Marmorsaal

Das barocke Stift sollte ab 1730 nach Plänen von Donato Felice d’Allio und Joseph Emanuel Fischer von Erlach als Klosterresidenz für Kaiser Karl VI. monumental ausgebaut werden. Als der Kaiser jedoch 1740 unerwartet starb, kam es zu einem abrupten Baustopp. Zu diesem Zeitpunkt war nur ein Achtel der geplanten Anlage errichtet worden. Erst 1834-1842 konnte einer der begonnen Höfe (sog. Kaiserhof) nach Plänen von Joseph Kornhäusel fertiggestellt werden, wodurch zumindest ein Viertel des geplanten „österreichischen Escorials“ fertig wurde.

Die äußeren Fassaden haben typisch barocken Charakter und sind reich gegliedert - besonders die Ostfassade. Deren ursprünglich als Gebäudemitte geplanter Bereich schwingt sich konvex nach vorne und nimmt einen vorgeblendeten Balkon, monumentale Säulen und eine riesige Kuppel mit der Reichskrone auf. Die zweite, über dem nordöstlichen Eckpavillon angebrachte Kuppel zeigt hingegen den Österreichischen Erzherzogshut.

Die unvollendete Sala Terrena in der Mitte des Osttraktes dient heute als Besucherempfang und bietet einen interessanten Einblick in eine barocke Baustelle. Dieser Raum sollte als eine Art Grotte oder Gartensaal ausgestaltet werden, für welche der kaiserliche Hofbildhauer Lorenzo Mattielli um 1735 die monumentalen männlichen Trägerfiguren (Atlanten) schuf.

Im ersten Obergeschoss des Osttraktes befinden sich die Kaiserappartements, welche über die gewaltige Kaiserstiege zugänglich sind. Von hier aus gelangt man in den Marmorsaal, welcher im unteren Bereich durch kolossale Säulen gegliedert wird. Das Deckenfresko die Glorie des Hauses Österreich wurde 1749 von Daniel Gran gemalt. Es verherrlicht die Majestät Österreichs und die einst in Österreich regierenden Dynastien, d.h. Babenberger, Habsburger und das Haus Habsburg-Lothringen. Der vollständige Titel lautet: Ehre, Ruhm und Majestät des Hauses Österreich, im Babenbergischen Stamme angefangen, im Habsburgischen Hause mehr erhöht und im Lotharingischen befestiget. Das Fresko zeigt mehrere Gruppen:

  • In der Mitte ein Obelisk mit der Darstellung des heiligen Markgrafen Leopold III.
  • Allegorie die österreichische Majestät. Einer weiblichen Figur als Allegorie der österreichischen Majestät (Maria Theresia gleichzusetzen) werden die drei wichtigsten Kronen der Habsburger präsentiert: die römisch-deutsche Kaiserkrone, die ungarische Stephanskrone, und die böhmische Wenzelskrone.
  • Allegorie die österreichische Tapferkeit. Sie wird von Leopold V. repräsentiert, der mit dem österreichischen Bindenschild über die Türken triumphiert.
  • Allegorie die österreichische Klugheit und Standhaftigkeit. Die Klugheit ist durch eine Frau mit der Schlange symbolisiert, während die Standhaftigkeit mit einer Säule eine vielköpfige Hydra zerdrückt.
Zweite Antecamera der Kaiserzimmer
Enfilade der Kaiserzimmer

In nördlicher Richtung schließen die Wohnräume Kaiser Karls VI. an, welche noch zu Lebzeiten des Kaisers fertiggestellt wurden. An der prunkvollen Ausstattung waren neben d'Allio auch die Brüder Santino und Gaetano Bussi beteiligt. Die Ikonografie der Ausstattung ist hierbei gänzlich auf Karl VI. und sein Motto „Constantia et Fortitudine“ (mit Beständigkeit und Tapferkeit) zugeschnitten. So stellen die Kaminreliefs und der Deckenstuck verschiedene, dementsprechende Allegorien und Tugenden dar. Im Tafelzimmer zeigt der Stuck beispielsweise das „Gastmahl der Königin von Saba bei König Salomon“, welches neben der Raumfunktion auch auf die Klugheit des Kaisers anspielen soll. Im selben Raum stechen darüber hinaus die Tapisserien aus der Brüsseler Werkstatt des Urbain Leyniers heraus, welche Szenen aus dem Roman „Télémaque“ von François Fénelon zeigen. Allerdings verbrachte Karl VI. in diesen Räumen nur eine einzige Nacht vom 14. auf den 15. November 1739 - im nächsten Jahr war er bereits verstorben.

Gebäude des Stiftsplatzes[Bearbeiten]

Südlich des Stiftes erstreckt sich ein weitläufiger Platz, in dessen Mitte sich die sog. Tutz-Säule befindet. Eine gotische Lichtsäule, welche 1381 vom Klosterneuburger Bürger Michael Tutz als Pestsäule gestiftet wurde und einst den sie umgebenden Friedhof beleuchtete. Sie wurde wahrscheinlich von Michael Knab gefertigt, der auch am Wiener Stephansdom mitwirkte, und zeigt Szenen aus der Passion Christi.

In der südwestlichen Ecke des Platzes findet sich der sog. Binderstadel. Eine spätgotische Halle, die um 1500 errichtet wurde und in welcher seit 1704 das berühmte Riesenfaß (56 000 Liter) steht, über welches man der Tradition des „Fasselrutschens“ entsprechend alljährlich am Leopoldifest (15. November) hinunter rutscht. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Sebastianikapelle, welche 1421 geweiht wurde. 1787 wurde sie allerdings entweiht und zu einem Schuppen umgebaut, obwohl darunter nur kurze Zeit zuvor eine neue Chorherren-Gruft eingerichtet worden war. Erst 1965 wurde sie (nach Plänen von Wilhelm Zotti) wieder zu einer Kapelle ausgebaut. Deren Vorraum wird hierbei durch den Kapitelsaal des Klosters St. Bernhard bei Horn (um 1270) gebildet, welcher dort abgetragen und in Klosterneuburg wieder aufgebaut wurde.

Im südlichen Areal des Platzes finden sich noch Reste der Pfalzanlage Leopolds VI., zu welcher auch die Capella Speciosa (1222 geweiht) zählte. Bis heute sind noch einige Mauern und Fundamente dieser Anlage zu sehen.

Im östlichen Bereich des Stiftsplatztes findet sich schließlich die ehem. Chorfrauenkirche. Sie stellt den einzigen Rest des Frauenstiftes dar, welches 1133 gleichzeitig mit der Einführung der Augustiner-Chorherren gegründet worden war. Die Kirche wurde im 14. Jahrhundert umgebaut, stand aber nach dem Tod der letzten Chorfrau 1568 leer. 1722 wurde sie entweiht und in zwei Geschosse unterteilt, welche heute wirtschaftlich genutzt werden.

Kunstsammlung | Museum[Bearbeiten]

Das Stiftsmuseum zählt zu den ältesten Museen der Welt. Es wurde schon 1774 von Propst Ambros Lorenz (1772–1781) begründet und ist vor allem für seine Sammlung mittelalterlicher Kunst bekannt. Zu den wichtigsten Werken zählen der Verduner Altar, der sog. große Albrechtsaltar (um 1438), Werke von Rueland Frueauf d. J. (um 1500), sowie der Babenberger Stammbaum (um 1490). Darüber hinaus beherbergt das Museum bedeutende Beispiele gotischer Skulptur, etwa die berühmte „Klosterneuburger Madonna“ (um 1300).

In der (seit 2011 zugänglich gemachten) Schatzkammer wird eine besonders kostbare Auswahl an Elfenbeinarbeiten, Goldschmiedearbeiten und Paramenten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert gesondert präsentiert. Darunter befindet sich u.a. der Österreichische Erzherzogshut, die sog. Schleiermonstranz (1714), sowie Objekte, welche mit dem Hl. Leopold in Verbindung gebracht werden. Eine Besonderheit stellen auch die historischen Schatzkammerschränke dar, welche 1677 gefertigt wurden und in die Neugestaltung integriert wurden.

In späteren Jahrhunderten sammelte das Stift vor allem Darstellungen des Hl. Leopold und Ansichten des Stiftes Klosterneuburg. Darunter befinden sich auch Werke des jungen Egon Schiele. In den letzten Jahren verschob sich der Fokus der Sammeltätigkeit zunehmend auf moderne und zeitgenössische kirchliche Kunst.

Einen beachtlichen Zuwachs erfuhr die Kunstsammlung im Jahre 2011 durch den Nachlass von Alfred Sammer, welcher Gemälde, Grafiken und Skulpturen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert umfasst. Darunter finden sich u.a. Werke von Josef Mikl und Markus Prachensky.

Mit dem 2008 begonnenen St.-Leopold-Friedenspreis zeichnet das Stift Klosterneuburg zeitgenössische Künstler aus. Das jeweilige Thema des Wettbewerbes verbindet einen religiösen Hintergrund mit humanitärem Engagement.

Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg[Bearbeiten]

  • 1. Otto I. (1114–1126, weltlicher Kanoniker)
  • 2.Otto II.(1126–1132, weltlicher Kanoniker)
  • 3. Opold (1132–1133, weltlicher Kanoniker)
  • 4. Hartmann I. aus Polling (1133–1140)
  • 5. Marquard I. aus Polling (1140–1167)
  • 6. Rudiger I. aus Polling (1167–1168)
  • 7. Wernher (1168–1185, 1192–1194)
  • 8. Gottschalk (1185–1192)
  • 9. Otto III. (1194)
  • 10. Rudolf I. (1194–1195)
  • 11. Dietrich Purger (1195–1216)
  • 12. Wisinto (1216–1219)
  • 13. Walther (1220–1224)
  • 14. Marquard II. (1224–1226)
  • 15. Konrad Goltstein aus Wien (1226–1257)
  • 16. Nikolaus I. (1257–1279)
  • 17. Pabo (1279–1291, 1293)
  • 18. Hadmar der Esel von Gaaden (1293–1301)
  • 19. Rudiger II. (1301–1306)
  • 20. Berthold I. (1306–1317)
  • 21. Stephan von Sierndorf (1317–1335)
  • 22. Nikolaus II. Neidhart (1335–1336)
  • 23. Rudwein von Knappen aus Haselbach (1336–1349)
  • 24. Ortolf von Wolkersdorf (1349–1371)
  • 25. Koloman von Laa (1371–1394)
  • 26. Peter I. Lenhofer (1394–1399)
  • 27. Bartholomäus von Pierbaum (1399–1409)
  • 28. Albert Steckh (1409–1418)
  • 29. Georg I. Muestinger aus Petronell (1418–1442)
  • 30. Simon I. vom Thurm aus Klosterneuburg (1442–1451)
  • 31. Simon II. Heindl (1451–1465)
  • 32. Johannes Hechtl (1465–1485)
  • 33. Jakob I. Paperl (1485–1509)
  • 34. Georg II. Hausmanstetter (1509–1541)
  • 35. Wolfgang Hayden aus Klosterneuburg (1541–1551)
  • 36. Christoph I Starl of Klosterneuburg (1551–1558)
  • 37. Peter II. Hübner (1558–1563)
  • 38. Leopold Hintermayr aus Hochwang (1563–1577)
  • 39. Kaspar Christiani aus Arendsee (1578–1584)
  • 40. Balthasar Polzman aus Wien (1584–1596)
  • 41. Thomas Rueff aus Wien (1600–1612)
  • 42. Andreas Mosmiller aus Landsberg (1616–1629)
  • 43. Bernhard I. Enoch Waitz aus Salzungen (1630–1643)
  • 44. Rudolf II. Tobias Millner aus Kestenholz (1643–1648)
  • 45. Bernhard II. Schmeddingh aus Münster (1648–1675)
  • 46. Adam I. Scharrer aus Krems (1675–1681)
  • 47. Sebastian Mayr aus Eberswang (1681–1686)
  • 48. Christoph II. Matthäi aus Neustadt (1686–1706)
  • 49. Jakob II. Johannes Cini aus Bruck a. d. Leitha (1706)
  • 50. Ernest Johannes Perger aus Horn (1707–1748)
  • 51. Berthold II. Johannes Paul Staudinger aus Waidhofen a. d. Ybbs (1749–1766)
  • 52. Gottfried Johannes von Rolemann aus Wien (1766–1772)
  • 53. Ambros Ignaz Lorenz aus Wien (1772–1781)
  • 54. Floridus Johannes Leeb aus Nikolsburg (1782–1799)
  • 55. Gaudenz Andreas Dunkler aus Piesling (1800–1829)
  • 56. Jakob III. Ruttenstock aus Wien (1830–1844)
  • 57. Wilhelm Ludwig Sedlaczek aus Großseelowitz (1844–1853)
  • 58. Adam II. Schreck aus Wien (1853–1871)
  • 59. Berthold III. Ignaz Fröschl aus Weinsteig (1871–1882)
  • 60. Ubald Ewald Kostersitz aus Littau (1882–1902)
  • 61. Bernhard III. Johannes Peitl aus Wollmannsberg (1903–1906)
  • 62. Friedrich Gustav Piffl aus Landskron (1907–1913)
  • 63. Joseph Eduard Kluger aus Reitendorf (1913–1937)
  • 64. Alipius Joseph Linda aus Wien (1937–1953)
  • 65. Gebhard Ferdinand Koberger aus Wien (1953–1995)
  • 66. Bernhard IV. Hermann Backovsky aus Wien (seit 1995)

Trivia[Bearbeiten]

  • Im Film Die Vermessung der Welt dienten die Kaiserappartements und ein Innenhof des Stiftes Klosterneuburg als Filmkulisse.
  • Die letzte österreichische Kaiserin Zita war zwischen ihrem Tod in Zizers (Schweiz) am 14. März 1989 und ihrer Beisetzung in der Kapuzinergruft (Wien) am 1. April für einige Tage im Stift Klosterneuburg aufgebahrt, wobei ihr Sarg mit dem Erzherzogshut geschmückt wurde.
  • Seit 2005 ist der frühere Novizenmeister des Stiftes und Pfarrer von St. Leopold, Bernt Ivar Eidsvig, Bischof des Bistums Oslo in Norwegen.
  • Nach einer fünfjährigen Renovierung und Neuadaptierung wurde das Stift und seine Kunstsammlungen am 4. Mai 2006 für Besucher wiedereröffnet. Einige der bisher versperrten Bereiche wurden dadurch erstmals zugänglich gemacht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Berthold Černik, Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg. Geschichtliche Daten, Wien 1958.
  • Karl Drexler, Das Stift Klosterneuburg. Eine kunsthistorische Skizze, Wien 1894.
  • Wolfgang Christian Huber (Hg.), Die Schatzkammer im Stift Klosterneuburg, Dößel 2011. ISBN 978-3-89923-271-4.
  • Johannes-Wolfgang Neugebauer, Zur Geschichte der Erneuerung der Stiftskirche in Klosterneuburg seit 1882 unter Friedrich von Schmidt, Coloman Krieger und Martin und Josef Schömer, in: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, Bd. 16, Wien-Klosterneuburg 1997, S. 117-171.
  • Floridus Röhrig, Stift Klosterneuburg und seine Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1984.
  • Floridus Röhrig (Red.), Der Heilige Leopold. Landesfürst und Staatssymbol, Ausstellungskatalog zur NÖ Landesausstellung im Stift Klosterneuburg, Wien 1985.
  • Christian Theuerkauff, Elfenbein in Klosterneuburg, Wels 1962.
  • Huberta Weigl, Die Genese der Klosterresidenz Kaiser Karls VI. Zur Planungs- und Baugeschichte von Stift Klosterneuburg in den Jahren 1730-1740, in: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, N.F. 17, Klosterneuburg 1999, S. 279-363.
  • Huberta Weigl, Die Kaiserzimmer im Stift Klosterneuburg. Programm und Ausstattung der Gemächer von Karl VI. und Elisabeth Christine, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, Bd. 51, Wien-Köln-Weimar 1998(2000), S. 115-144.
  • Carl Aigner / Karl Holubar / Wolfgang Christian Huber, Heiliger Leopold. Mensch, Politiker, Landespatron, Ausstellungskatalog des NÖ Landesmuseums, St. Pölten 2013.
  • Alexander Rausch, Elisabeth Th. Hilscher-Fritz: Klosterneuburg. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stift Klosterneuburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pia Kovarik, Das ehemalige Augustiner Chorfrauenkloster, St. Magdalena in Klosterneuburg, Dipl. Arbeit der Universität Wien, Institut für Kunstgeschichte 2011
  2. Listing of Parish Mass Times →Glen Cove, Diocese of Rockville Centre, drvc.org
  3. http://www.stift-klosterneuburg.at/kultur/soziales-engagement/
  4. http://www.stift-klosterneuburg.at/tourismus/fuehrungsangebot/

48.30717516.325855555556Koordinaten: 48° 18′ 26″ N, 16° 19′ 33″ O