Stiftskirche (Neustadt an der Weinstraße)

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Türme der Stiftskirche (links der Nordturm)

Die gotische Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße ist das größte Gotteshaus der pfälzischen Stadt, die im Mittelalter eine der Residenzen der Kurpfalz war. Die Doppelkirche verfügt durch das nachträgliche Einfügen einer Trennwand über einen katholischen und einen protestantischen Teil.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage

Die Kirche steht im Zentrum der Stadt. Mit dem Chor konventionell nach Osten ausgerichtet, schließt sie den mittelalterlichen Marktplatz nach Norden zum Kartoffelmarkt hin ab. Mit ihren beiden unterschiedlichen Türmen ist sie ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Baugeschichte

Der evangelische Teil
Der katholische Teil

Der Bau der Kirche, die als Grablege der Wittelsbacher Fürstenfamilie gedacht war, wurde laut Gründungsurkunde vom 12. August 1356 durch den pfälzischen Kurfürsten Ruprecht I. angeordnet. Dieser vollzog damit ein Vermächtnis, das im Testament seines Bruders und Vorgängers Rudolf II. enthalten war. Baubeginn war im Jahr 1368. Die Stiftskirche wurde an der Stelle einer kleinen romanischen Kirche errichtet, die unter dem Patrozinium des heiligen Ägidius gestanden hatte. Sie wurde 1235 erstmals erwähnt, war aber, wenn auch das Baudatum unbekannt ist, älter und stammte wohl aus der Zeit der Stadtgründung zu Beginn des 13. Jahrhunderts.

Nach der Reformation sollten Reformierte, Lutheraner und Katholiken gemäß dem Willen der nunmehr protestantischen Kurfürsten die Stiftskirche simultan nutzen. Weil dies immer wieder zu Reibereien führte, wurde 1714 eine Trennwand zwischen Chor und Schiff eingefügt, mit der ein katholischer und ein protestantischer Teil geschaffen wurde. Die Aufteilung dauert bis heute an.

Weil mit dem Kirchenneubau in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch die Gründung einer Stiftsschule verbunden gewesen war, wählte 1964 das älteste Gymnasium Neustadts den Namen des Erbauers Kurfürst Ruprecht.

[Bearbeiten] Grablege

Die Grablege Ruprechts I.

In der Stiftskirche sind fünf Mitglieder der Fürstenfamilie bestattet:

  • Kurfürst Rudolf II. (1306–1353)
  • Margarethe von Sizilien-Aragon († 1377), zweite Ehefrau des Kurfürsten Rudolf II.
  • Kurfürst Ruprecht I. (1309–1390)
  • Beatrix von Berg (um 1360–1395), zweite Ehefrau des Kurfürsten Ruprecht I.
  • Blanca (1392–1409), Tochter des englischen Königs Heinrich IV. und erste Ehefrau des Kurfürsten Ludwig III.

[Bearbeiten] Architektur und Ausstattung

[Bearbeiten] Gebäude

Die Stiftskirche gilt als ein bedeutendes Kirchenbauwerk der Pfalz. Sie stellt eine dreischiffige, kreuzrippengewölbte Basilika dar und besitzt einen auffallend langgestreckten fünfjochigen Chor mit dreiseitigem Schluss. Ursprünglich war der Bau in drei Teile untergliedert, den prunkvollen Stiftschor, den einfacheren Pfarrchor und das basilikale dreischiffige Langhaus.

Das Chormosaik im evangelischen Teil entstand 1928 nach dem Entwurf von August Babberger, gefertigt von der Firma Puhl & Wagner in Berlin-Neukölln.

[Bearbeiten] Geläute

Das Geläute der Stiftskirche besteht aus sieben Gussstahlglocken, die alle im Jahre 1949 vom Gussstahlwerk Bochumer Verein gegossen wurden. Alle Glocken hängen an gekröpften Jochen und in Stahlglockenstühlen; sie besitzen Reversionsklöppel und Läutemaschinen der Firma HEW aus Herford. Die Glocken 1 und 2 hängen im Nordturm, die Glocken 3 bis 7 im Südturm. Die Kaiser-Ruprecht-Glocke ist die größte schwingend geläutete Gussstahlglocke der Welt und die zweitgrößte Glocke Deutschlands nach der St. Petersglocke im Kölner Dom. Benannt ist sie nach König Ruprecht I., der niemals die Kaiserwürde erhalten hat.

# Name Bestimmung Nominal Gewicht
(kg)
Durchmesser
(mm)
1 Kaiser-Ruprecht-Glocke Festtagsglocke, „Kaiserglocke“ es0 14000
(Klöppel ca. 800)
3210
2 Kurfürsten-Glocke Sonntags- und Totenglocke g0 7350 2550
3 Ursinus-Glocke Zeichenglocke, sonntags b0 4260 2140
4 Luther-Glocke Abendbetglocke, 19 Uhr c1 3100 1910
5 Zwingli-Glocke Mittagsbetglocke es1 1760 1605
6 Calvin-Glocke Vaterunserglocke f1 1270 1430
7 Pfalzgrafen-Glocke Taufglocke g1 910 1275

[Bearbeiten] Orgel

Die Orgel im protestantischen Teil der Stiftskirche Neustadt an der Weinstraße wurde 1970 von dem Orgelbauer Oberlinger in Windesheim bei Kreuznach gefertigt. Sie besitzt 51 klingende Register, die sich auf drei Manuale und ein Pedal verteilen. Die Disposition ist von der Orgelbewegung geprägt, versucht jedoch auch romantischer Musik Rechnung zu tragen. Das Pfeifenwerk steht auf mechanischen Schleifladen mit elektrischer Registertraktur. Außerdem befindet sich im zweiten Manual ein Zimbelstern. Ein Glockenspiel war geplant, kam aber nicht zur Ausführung. Das dritte Manual war als Schwellwerk gedacht, dessen Jalousien allerdings fehlerhaft waren und wieder ausgebaut wurden. Das fehlerhafte Setzersystem Oberlingers wurde 2007 auf den neusten Stand gebracht. Trotzdem ist die Orgel stark überarbeitungsbedürftig.

Oberlinger hatte die Orgel so konstruiert, dass die Sicht auf das prächtige Westfenster der Kirche offen bleibt und der Kirchenraum trotz der Orgel von Licht durchflutet wird. Außerdem sollte einem Chor genügend Platz auf der Empore zur Verfügung stehen. Der Spieltisch steht deshalb in Richtung Westfenster, sodass für den Organisten das Spielen in der Mittagszeit schwierig ist. Um das Fenster frei zu lassen, musste Oberlinger das damalige Schwellwerk (III) und die Positiv (II) rechts und links an die Orgelempore setzen. Hinter die beiden Werke wurden der Pedalprospekt angeordnet. Die großen Pfeifen des im Prospekt stehenden Prinzipalbaß 16' besitzen einen so kleinen Fuß, dass dieser das Gewicht der Pfeife nicht trägt. Einige Füße knickten, obwohl sie nachträglich verstärkt wurden. Im Hintergrund stehen links das Pedalwerk und rechts das Hauptwerk (I).

Über den Werken befinden sich dazu noch tiefe Gewölbe. In diesen wird der Ton so reflektiert, dass der Ton nicht nur ins Kirchenschiff, sondern vor allem zurück zur Orgel gelangt. Somit hört man im Kirchenschiff nur 70 % des Klangvolumens auf der Empore, was durch die tiefliegenden Labien noch begünstigt wird. Durch das Entfernen des Putzes in der Kirche wurde der Klang besser, allerdings ist er nicht optimal.

Zur Optimierung des Klanges konnten früher die Deckel des Hauptwerkes hochgefahren werden. Wegen des dünnen Sperrholzes, das als Deckel verwendet wurde, und der anderen Verarbeitungsfehler versagte diese Hilfskonstruktion indessen ebenfalls.

Im katholischen Teil der Stiftskirche wurde nach Einbau einer Empore im Jahre 1935 eine Orgel der Firma Walcker aufgestellt. Diese wurde 1879 als Opus 363 für die Präparandenschule in Blieskastel gebaut und umfasst im Originalzustand 6 Register auf mechanischen Kegelladen. Der Orgel im deutsch-romantischen Stil wurde 1969 ein barocker Prospekt des Orgelbauers Ignaz Seuffert vorgeblendet. 1788 baute Seuffert diesen Prospekt samt Orgel für die Kirche in Rheinsheim/Baden.

[Bearbeiten] Literatur

  • Gerhard Berzel: Die Stiftskirche und die Marienkirche Neustadt an der Weinstraße 1368/1860. Selbstverlag, Neustadt an der Weinstraße 2006. ISBN 3-926775-45-9

[Bearbeiten] Weblinks

49.3541388888898.136425Koordinaten: 49° 21′ 15″ N, 8° 8′ 11″ O

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