Kunststil

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Der Stil (lat.: stilus Griffel, Schreibart, Stil) bezeichnet in der Kunst die einheitliche Ausprägung der Kunstwerke und Kulturerzeugnisse eines Zeitalters, eines Künstlers oder einer Künstlergruppe, einer Kunstrichtung oder Kunstschule.

Stil ist der allgemeine Begriff, der traditionell die gemeinsam charakteristischen Merkmale einer Epoche oder der Werke eines Künstlers bezeichnet. Er ist ein von einzelnen Kunstwerken abgeleitetes abstrahierendes und idealisierendes Hilfsmittel zur Einordnung und Systematisierung der Vielfalt von Kunst. Er bezeichnet Übereinstimmendes, das sich von anderen unterscheidet.

Innerhalb einer Epoche (Epochenstil) gibt es Unterschiede nach Ländern und Regionen. Auch das Werk eines einzelnen Künstlers zeigt trotz aller Gemeinsamkeiten mit dem Stil seiner Zeit und seiner Nation Besonderheiten, die seinen persönlichen Stil (Individualstil) ausmachen. Nach der Entwicklungsstufe unterscheidet man historisch sowohl im Epochen- als auch im Individualstil Früh-, Hoch- und Spätphasen, die bestimmte Tendenzen weiterentwickeln. So sind zum Beispiel für die Spätphase einer Epoche Übersteigerungen typisch.

Innerhalb des akademischen Fachs der Kunstgeschichte werden Kunststile von der sogenannten Stilkunde erforscht. Dabei wird in der aktuellen Kunstgeschichte zunehmend der Pluralismus der Stile innerhalb einer Epoche oder im Werk eines Künstlers untersucht und in Beziehung mit historischen, sozialen und kommunikativen Kontexten gesetzt. Stile werden nicht nur als formale, abstrakte Ordnungskriterien einer Gruppe von Kunstwerken, sondern auch als bewusst gewählte Bedeutungsträger analysiert: So entstanden etwa repräsentative Bauten der Gotik durchaus auch in den Formen einer zurückliegenden Epoche wie der Romanik, um die historische Bedeutung des Bauherren zu unterstreichen (oder auch nur zu behaupten). Das traditionelle Konzept des einheitlichen Epochenstils wird daher immer mehr in Zweifel gezogen.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Stephan Hoppe, Norbert Nußbaum und Matthias Müller (Hrsg.): Stil als Bedeutung in der nordalpinen Renaissance. Wiederentdeckung einer methodischen Nachbarschaft. Regensburg 2008. Vgl. insbesondere (mit weiteren Literaturangaben): Stephan Hoppe: Stil als Dünne oder Dichte Beschreibung. Eine konstruktivistische Perspektive auf kunstbezogene Stilbeobachtungen unter Berücksichtigung der Bedeutungsdimension, S. 48–103.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Hoppe: Northern Gothic, Italian Renaissance and beyond. Toward a 'thick' description of style. In: Chatenet, Monique (Hrsg.): Le Gothique de la Renaissance. Actes des quatrième Rencontres d'architecture européenne, Paris, 12 - 16 juin 2007. Paris 2011, S. 47–64.
  • Alexander Nagel, Christopher S. Wood: Anachronic renaissance. New York 2010.
  • Stephan Hoppe, Norbert Nußbaum, Matthias Müller (Hrsg.): Stil als Bedeutung in der nordalpinen Renaissance. Wiederentdeckung einer methodischen Nachbarschaft. Regensburg 2008.
  • Christopher S. Wood: Forgery, replica, fiction. Temporalities of German Renaissance art. Chicago 2008.
  • Stephan Hoppe: Architekturstil als Träger von Bedeutung. In: Krause, Katharina (Hrsg.): Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland. Band 4 Spätgotik und Renaissance. München 2007, S. 244–249.
  • Bruno Klein, Bruno Boerner (Hrsg.): Stilfragen zur Kunst des Mittelalters. Eine Einführung. Berlin 2006.
  • Wolfgang Brückle: Stil (kunstwissenschaftlich). In: Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Band 5. Stuttgart, Weimar 2003, 5, S. 665–688.
  • Ulrich Pfisterer: Donatello und die Entdeckung der Stile. 1430 - 1445. München 2002.
  • Hans Ulrich Gumbrecht: Stil. Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements. Frankfurt am Main 1986.
  • Jan Białostocki: Stil und Ikonographie. Studien zur Kunstwissenschaft. Dresden 1966.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kunst nach Stil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien