Stimmstock

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Dieser Artikel beschreibt den Stimmstock der Streichinstrumente.

Für die Stimmstöcke der Handzuginstrumente siehe Akkordeon.

Blick ins Innere auf den Stimmstock

Der Stimmstock oder auch die Stimme ist ein zylinderförmiges Fichtenholzstück, welches bei Streichinstrumenten zwischen Decke und Boden geklemmt wird. Er steht unter der Diskantseite des Steges und überträgt hauptsächlich die Schwingungen von der Decke auf den Boden.

Einsatz[Bearbeiten]

Schematische Darstellung des Violinenkorpus (der schwarze Punkt bezeichnet die Position des Stimmstocks)

Die „Seele“ des Instruments[Bearbeiten]

Der Stimmstock wird oft als „Seele“ des Instruments (insbesondere der Violine) bezeichnet, da seine Platzierung die Klangqualität und Spielbarkeit erheblich beeinflusst. Im Französischen (und zuweilen auch im Englischen) wird der Stimmstock als âme (= „Seele“) bezeichnet.

Funktionen[Bearbeiten]

Dadurch, dass die Schwingungen mechanisch direkt und nicht passiv über die Zargen auf den Boden übertragen werden, trägt der Stimmstock einen wesentlichen Teil zur Lautstärke der Streichinstrumente bei.

Des Weiteren hat der Stimmstock noch statische Funktion, denn er überträgt einen Teil des Drucks, den der Steg auf die Decke ausübt, auf den Boden und verhindert somit eine Deformation oder Zerstörung der Decke.

Platzierung[Bearbeiten]

Für die Erfüllung der oben erwähnten Eigenschaften (Erhöhung der Lautstärke und Stabilisierung der Decke) würde eine Platzierung direkt unter dem Diskantfuß des Stegs genügen, doch wird der Stimmstock immer versetzt eingeklemmt (siehe schematische Abbildung). Diese Versetzung hat zur Folge, dass die Schwingungen, die der Steg auf die Decke überträgt, nicht an dieser Stelle ihren größten Wert erreichen, sondern durch einen Effekt – ähnlich dem mechanischen Hebel im weitesten Sinne und relativ in Verbindung mit der Punktsymmetrie – über die Decke projiziert und gestreut werden. Der Punkt, an dem der Stimmstock das Schwingen quasi unterbindet, ist in diesem Fall mit dem Hypomochlion gleichzusetzen. Der Steg ist dabei die wirkende Kraft, während die Verbindungen von Decke und Zargen sowie die Festigkeit und die durch das Schwingen entstehende Spannung in der Decke die entgegenwirkenden Kräfte sind. Diese Schwingungsberge tragen zur Bildung von Interferenzen in den entstehenden Schallwellen bei, welche wichtig für den ausgeglichenen Klang des Instruments sind.

Durch eine korrekte Platzierung kann somit das Schwingen der Decke direkt beeinflusst werden, was auch noch nachträglich ausgeführt werden kann. Generell sollte es von einem Geigenbauer und im Beisein des Spielers geschehen, um das Instrument dem Spieler anzupassen.

Modernisierungen[Bearbeiten]

Heutzutage verwendet man breitere Stimmstöcke, um den größeren Konzertsälen Rechnung zu tragen. Ebenso wurden andere Details angepasst, um die Lautstärke, Tragfähigkeit und Präzision der Instrumente zu erhöhen. Ohne solche Anpassungen würden selbst die alten Stradivaris den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen.[1]

Stimmstöcke bei anderen Instrumenten[Bearbeiten]

Teilweise findet man Stimmen auch bei Zupfinstrumenten. So ist bei der Crwth die Stimme direkt mit dem Steg verbunden und drückt durch das Schallloch auf der Diskantseite direkt auf den Boden. Bei der Zither, dem Klavier/Flügel und dem Cembalo wird der Holzbalken, in den die Stimmwirbel eingeschlagen sind, ebenfalls als Stimmstock bezeichnet.

Ein Stimmstock beim Akkordeon ist die Zusammenfassung von Kanzellen zu einer Gruppe. Auf den Kanzellen sind die Stimmen (Stimmplatten) montiert. Davon ist wahrscheinlich die Bezeichnung abgeleitet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Otto Möckel, Fritz Winkel: Geigenbaukunst, Nikol, 2005, ISBN 3-937872-09-4