Stoß (Glücksspiel)

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Stoß auch Meine Tante, deine Tante oder Naschi Waschi (von tschechisch: naši – vaši, dt: unsere – euere) ist ein dem Pharo ähnliches Kartenspiel, das mit 32 Blatt doppeldeutscher oder französischer Karten gespielt wird. Es ist ein vor allem im Wiener Rotlichtmilieu früher sehr populäres, wenn auch verbotenes Glücksspiel (vgl. Liste verbotener Spiele des k.u.k. Justizministeriums).

Das in den USA gespielte Stuss oder Jewish Faro ist den Regeln nach identisch, es werden jedoch stets französische Karten verwendet.

Das Spiel[Bearbeiten]

Ein Spieler, der sog. "Bankerer" hält die Bank; beliebig viele Spieler, die sogenannte "Galerie", setzt gegen ihn.

Anmerkung: Galerie ist eine Bezeichnung für die Wiener Unterwelt; dieser Name leitet sich möglicherweise vom Photoalbum der Polizei ab, das ebenfalls Galerie genannt wird; die darin abgebildeten Personen heißen Galeristen (vgl. Bukidomino).

Als Tableau dienen zwei quadratische Bierdeckel, die an den Ecken wie folgt bezeichnet sind:

 A----K    O----U
 |    |    |    |
 7----8    9---10

Ein Spieler, der "Schneiderer", "schneidet" (d. h. mischt) die Karten und schichtet sie zu einem Stapel.

Der Spieler, der den höchsten Einsatz tätigt, der "Guckerer", nimmt die unterste Karte des Stoßes, die "Guck", zeigt sie den übrigen Spielern und schneidet sie in den Stapel hinein. An dieser Stelle wird abgehoben: die darüberliegenden Karten kommen nach unten, die Guck wird nicht mehr benutzt.

Nun zieht der Bankerer nacheinander jeweils zwei Karten ab. Die erste Karte eines Abzugs heißt "Schuss" (auch: "Stuss"), die zweite ist der "Einwender".

Wird zum Beispiel als erste Karte ein König und als zweite ein Achter gezogen, so verlieren alle Einsätze auf "K" und alle Einsätze auf "8" gewinnen im Verhältnis 1:1; die Einsätze auf den übrigen Werten bleiben unverändert – sie dürfen allenfalls erhöht, aber keinesfalls verringert werden.

Fallen in einem Abzug zwei gleichrangige Karten – dieser Fall wird Wienerisch "Blia" genannt von franz. Plié (vgl. Landsknecht) – also zum Beispiel zwei Ober, so gewinnt die Bank die Einsätze auf diesem Wert.

Hat ein Spieler gewonnen, so hat er "einen Schnitt gemacht".

Nach 14 Abzügen bleiben noch drei Karten, der sog. "Stock" übrig, sie werden nicht mehr verwendet; die Karten werden gemischt und eine neue Partie beginnt.

Zum Personal einer Stoßpartie gehören weiters

  • der "Saugerl", der den Spielern zu Wucherzinsen Geld leiht, und
  • der "Schmierer", der Aufpasser vor der Polizei.

Ergänzungen[Bearbeiten]

Das Stoßspiel ist dem Pharo von den Regeln her sehr ähnlich, die Unterschiede – Stoß wird mit 32 Blatt, Pharo mit 52 Blatt gespielt; beim Stoßspiel gewinnt die Bank bei Abzug zweier gleichrangiger Karten den vollen Einsatz, beim Pharo nur die Hälfte – sind aber wesentlich: Der Bankvorteil beträgt beim Stoß 6,56 % beim Pharo jedoch nur 1,98 %.

Im Gegensatz zum eleganten Pharo, das ein bevorzugter Zeitvertreib der Aristokratie im 18. und 19. Jahrhundert war, genießt das Stoßspiel einen sehr schlechten Ruf.

Zitat[Bearbeiten]

Travnicek: „Heeren S' „Stoßspielen“ kann i in jedem Kaffeehaus. Brauch i net an' Baccarat-Tisch gehen ...“
aus Der Travnicek (Travnicek am Mittelmeer) von Carl Merz und Helmut Qualtinger

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Geher: Wiener Blut oder Die Ehre der Strizzis. Eine Geschichte der Wiener Unterwelt nach 1945. Wien: Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei (Edition S) 1993.
  • Roland Girtler: Randkulturen: Theorie der Unanständigkeit. Wien 1995, ISBN 3-20598-559-1
  • Roland Girtler: Rotwelsch: Die alte Sprache der Diebe, Dirnen und Gauner. Böhlau, Wien 1998, ISBN 3-205-98902-3
  • Peter Wehle: Sprechen Sie Wienerisch? Von Adaxl bis Zwutschkerl, Wien 1980