Stockstadt am Rhein

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Stockstadt am Rhein
Stockstadt am Rhein
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Stockstadt am Rhein hervorgehoben
49.8092361111118.46687589Koordinaten: 49° 49′ N, 8° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Groß-Gerau
Höhe: 89 m ü. NHN
Fläche: 18,72 km²
Einwohner: 5815 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 311 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64589
Vorwahl: 06158
Kfz-Kennzeichen: GG
Gemeindeschlüssel: 06 4 33 013
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rheinstraße 34–36
64589 Stockstadt
Webpräsenz: www.stockstadt.de
Bürgermeister: Thomas Raschel (CDU)
Lage der Gemeinde Stockstadt am Rhein im Groß-Gerau
Ginsheim-Gustavsburg Bischofsheim (Mainspitze) Rüsselsheim Raunheim Kelsterbach Trebur Nauheim Mörfelden-Walldorf Riedstadt Groß-Gerau Büttelborn Stockstadt am Rhein Biebesheim am Rhein Gernsheim Wiesbaden Main-Taunus-Kreis Frankfurt am Main Rheinland-Pfalz Kreis Bergstraße Landkreis Offenbach Darmstadt Landkreis Darmstadt-DieburgKarte
Über dieses Bild

Stockstadt am Rhein ist eine Gemeinde im Kreis Groß-Gerau in Hessen, und liegt am südlichen Rand des Rhein-Main-Gebiets.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der Altrhein bei Stockstadt

Stockstadt liegt in der Oberrheinischen Tiefebene an einer Schleife des Altrheins dem Europareservat Kühkopf-Knoblochsaue gegenüber in Höhe der Mündung der Modau in den Rhein.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Stockstadt grenzt im Norden und Osten an die Stadt Riedstadt, im Süden an die Gemeinde Biebesheim, sowie im Westen an die Gemeinden Gimbsheim (Landkreis Alzey-Worms) und Guntersblum (Landkreis Mainz-Bingen).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemarkung Stockstadt umfasst seit 1945 auf der Kühkopf-Insel auch die Gehöftgruppe Guntershausen, die am Altrhein gegenüber von Stockstadt liegt und von der linksrheinischen Gemeinde Guntersblum abgetrennt wurde. Die Gemeinde Stockstadt besteht aus nur einer Ortschaft und einer Gemarkung.

Geschichte[Bearbeiten]

Evangelische Kirche

Im Lorscher Codex wird die Gemeinde 830-850 erstmals als Stochestat urkundlich erwähnt. In den historischen Unterlagen findet Stockstadt in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Ortsnamen Erwähnung: Stockestadt im Jahr 1338, Stocstad 1397, Stogstad 1403, Storstatt 1472 und als Stockstatt im Jahr 1579. [2]

Die Grundherrschaft über Stockstadt hatte wohl Erzbischof von Mainz da er 1279 die Herren von Eppstein mit der Vogtei belehnte. Die hohe Gerichtsbarkeit übten die Grafen von Katzenelnbogen oder deren Lehnsleute, die Herren von Wolfskehlen aus. [3]

Als Grundbesitzer sind 1487 das Kloster Eberbach und St. Alban zu Mainz und 1519 das Kloster Lorsch belegt. Noch 1794 werden als Grundbesitzer die Kurpfalz, St. Alban sowie das Kloster Eberbach, nebst kirchlichem Besitz genannt.[2]

Stockstadt wird kurze Zeit hessisch und dann badisch bevor es 1579 schließlich durch Tausch gegen Astheim endgültig hessisch wird. 1535 führte Philipp von Hessen in der ganzen Landgrafschaft die Reformation ein. In Stockstadt geschah dies gegen den Widerspruch von Kurmainz, das zu jener Zeit hier über die Zehntrechte verfügte.

In dieser Zeit entwickelte sich Stockstadt durch seine günstige Lage am Rhein zu einem wichtigen Hafen. Auch die Rheinfischerei entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig der durch einen in Stockstadt stationierten Bachknecht überwacht wurde. Der Dreißigjähriger Krieg brachte auch über Stockstadt große Not von 69 Wohnhäusern waren am Ende des Krieges 1648 nur noch 19 vorhanden.

1689 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs brannten französische Truppen den Ort nieder, wobei 34 Wohnhäuser und mehr als 100 Nebengebäude eingeäschert wurden. Erst nach Jahrzehnten hatte Stockstadt diese Schäden überwunden. [3]

Verwaltungsmäßig gehört Stockstadt bis 1820 zum Amt Dornberg, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 werden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Stockstadt dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt. 1832 wurden die Einheiten ein weiteres mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangt Stockstadt in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehört Stockstadt zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig ist. Dort verbleibt der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute. [2]

Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen, von 1821 bis 1839 das Landgericht Großgerau, ab 1839 das neu gegründete Landgericht Gernsheim und ab 1879 das aus dem Landgericht hervorgegangene Amtsgericht Gernsheim. Nach dessen Auflösung 1934 ist das Amtsgericht Groß-Gerau für Stockstadt zuständig. [2]

Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgt der Rheindurchstich „Am Geyer“, der Stockstadt vom Hauptstrom trennte. Dadurch verlor Stockstadt einen Großteil seiner Wirtschaftskraft, so dass viele Einwohner, die ihr Einkommen verloren, gezwungen waren, nach Amerika auszuwandern. Bis 1850 verlassen auf diesem Weg etwa 100 von den damals rund 800 Einwohner den Ort.

Bei der Gründung des heutigen Landes Hessen Ende 1945 in der amerikanischen Besatzungszone wurde die in der Fahrrinne des Rheins verlaufende Zonengrenze zur Landesgrenze. Dadurch konnte die Kühkopf-Insel nicht mehr von den linksrheinischen Gemeinden Guntersblum und Gimbsheim in der französischen Besatzungszone verwaltet werden. In der Folge wurde der Kühkopf zum größten Teil in die Gemarkung Stockstadt eingegliedert. [3]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen in den 1970er Jahren wurde Stockstadt nicht verändert.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind[2]:

  • 1629: 0067 Hausgesessene
  • 1794: 0041 Gemeindsmänner
  • 1829: 0801 Einwohner
  • 1939: 2129 Einwohner
  • 1961: 3546 Einwohner
  • 1970: 3995 Einwohner
  • 2009: 5819 Einwohner[4]
Stockstadt am Rhein: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
868
1840
  
954
1846
  
1.043
1852
  
1.109
1858
  
1.110
1864
  
1.096
1871
  
1.052
1875
  
1.096
1885
  
1.162
1895
  
1.322
1905
  
1.520
1910
  
1.631
1925
  
1.787
1939
  
2.129
1946
  
2.943
1950
  
3.158
1956
  
3.321
1961
  
3.546
1967
  
3.846
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [5]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
45,4 %
36,2 %
18,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+0,2 %p
-5,2 %p
+5,1 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 45,4 11 45,2 11
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 36,2 9 41,4 11
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 18,3 5 13,4 3
gesamt 100,0 25 100,0 25
Wahlbeteiligung in % 43,5 44,2

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

ItalienItalien Italien, Gemeinde Villa Lagarina (Provinz Trentino), seit 1990

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Stockstadt liegt an der Bundesstraße 44 (Frankfurt am MainLudwigshafen). Zur Bundesautobahn 67 (RüsselsheimViernheim) an der Anschlussstelle Pfungstadt-West sind es ca. 9 km.

Die Gemeinde ist Haltepunkt der Riedbahn Frankfurt–Mannheim, nach Darmstadt besteht eine Busverbindung.

Bildung[Bearbeiten]

  • Insel-Kühkopf-Schule (Grundschule) Stockstadt

Kultur[Bearbeiten]

Altrheinhalle

Stockstadt bietet mit der Altrheinhalle einen Ort der kulturellen Veranstaltungen an. Zwei Ereignisse, die weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt sind, haben sich zu einem Publikumsmagneten für die Gemeinde entwickelt und sollen hier besonders hervorgehoben werden:

  • Die Stockstädter Musiktage, auch bekannt als Tage der Alten Musik, bieten mit dem abwechslungsreichen Programm Konzerte zum Thema Alte Musik auf historischen Instrumenten (jährlich sind Starensembles der Alte-Musik-Szene wie in der Vergangenheit etwa das Flanders Recorder Quartet, das Quadriga Consort oder Red Priest zu Gast) in Verbindung mit einer Instrumentenausstellung. Bass-Chalumeau, Okarina, Nasenflöte, Barockfagott gewünscht? Oder Cembalo, Truhenorgel, Krummhorn, Pommer, Gemshorn, Panflöte? In Stockstadt wird man fündig und kann alles ausprobieren. Denn anders als die Musikmesse in Frankfurt sind die Stockstädter Musiktage als Verkaufsmesse konzipiert.
  • Eine Buchmesse ohne verstopfte Gänge, ohne Eintrittspreise, ohne lange Wege. Dafür eine Buchmesse mit Autoren "zum Anfassen", mit viel Gelegenheit zum Schmökern und Plaudern, mit einem interessanten Programm von Lesungen und Vorträgen, das ist die Buchmesse im Ried. In gemütlicher Atmosphäre, Parkplatz vor der Tür und kostenloser Kinderbetreuung.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stockstadt am Rhein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d e Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStockstadt, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 20. November 2012.
  3. a b c Geschichte auf der Webseite der von Stockstadt (Abgerufen im Nov. 2012)
  4. Gemeindeseite Stockstadt, abgerufen am 7. Oktober 2013
  5. Hessisches Statistisches Landesamt Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011