Stolberg (Harz)

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51.57305555555610.954722222222296Koordinaten: 51° 34′ 23″ N, 10° 57′ 17″ O

Stolberg (Harz)
Gemeinde Südharz
Wappen von Stolberg (Harz)
Höhe: 265–370 m
Fläche: 67,52 km²
Einwohner: 1286 (31. Dez. 2009)
Eingemeindung: 1. September 2010
Postleitzahl: 06536
Vorwahl: 034654
Bennungen Breitenstein Breitungen Dietersdorf Drebsdorf Hainrode Kleinleinungen Questenberg Roßla Rottleberode Schwenda Stolberg (Harz) Uftrungen Wickerode Hayn (Harz) Landkreis Mansfeld-SüdharzKarte
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Lage von Stolberg (Harz) in Südharz

Stolberger Fachwerkensemble mit Schloss im Südharz

Stolberg (Harz) ist ein Ortsteil der Gemeinde Südharz im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Der etwa 1400 Einwohner zählende Ort im Harz besaß bis zu seiner Eingemeindung 2010 das Stadtrecht und ist heute bekannt als Luftkurort sowie Historische Europastadt. Markenzeichen sind die vielen Fachwerkhäuser im Renaissancestil.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Stolberg befindet sich im Unterharz im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt. Es liegt zwischen Breitenstein im Norden und Rottleberode im Süden am Ursprung des Helme-Zuflusses Thyra und an der Kreisstraße 2354 (Breitenstein–Rottleberode) auf etwa 265 bis 370 m ü. NN[1].

Geschichte[Bearbeiten]

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Am Markt in Stolberg um 1905
Markt in Stolberg
Erinnerungsplakette für Teilnehmer des Ferienlagers

Der Ort entstand um das Jahr 1000 als Bergmannssiedlung, wobei bereits seit 794 in der Gegend Bergbau nachweisbar ist. Schon in alten Zeiten wurden hier Eisen, Kupfer, Silber, Zinn und Gold gefördert. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1210 in Zusammenhang mit dem hier ansässigen Grafengeschlecht. Vor 1300 wurde Stolberg das Stadtrecht verliehen. Die Stadt war von Anfang an Residenz der Grafen zu Stolberg.

Unter dem hier geborenen Bauernführer Thomas Müntzer war Stolberg im Deutschen Bauernkrieg Stätte mehrerer Kämpfe. Am 2. Mai 1525 drangen aufständische Bauern in die Stadt ein und zwangen den regierenden Graf Botho zu Stolberg zur Annahme ihrer Forderungen (24 Stolberger Artikel), der sie nach der Niederlage der Bauern jedoch schnell wieder rückgängig machte.

Bereits seit dem Hochmittelalter wurden in Stolberg Münzen geprägt, und im 16. Jahrhundert hatte das Handwerk seine Blütezeit. Der Bergbau wurde hingegen ab dem 17. Jahrhundert eingestellt. 1815 kam die bis dato sächsische Stadt an das 1816 in die Provinz Sachsen der Königreich Preußen umgewandelte Herzogtum Sachsen.

Die Grafen zu Stolberg-Stolberg richteten als Leitung der lutherischen Kirche in der Grafschaft Mitte des 16. Jahrhunderts ein Konsistorium ein, das seit 1658, der Einrichtung einer eigenen Kirchenleitung in der 1645 abgetrennten Grafschaft Stolberg-Wernigerode, als Gräfliches, ab 1893 Fürstliches Konsistorium Stolberg-Stolberg firmierte. Seit 1821 gehörten die lutherischen Kirchengemeinden im Gebiet der ehemaligen Grafschaft zur Kirchenprovinz Sachsen der neuen verwaltungsmäßig unierten Evangelischen Landeskirche in Preußen. Heute gehören sie zur 2009 gegründeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Das Konsistorium jedoch bestand mit regionaler Zuständigkeit für die lutherischen Kirchengemeinden in der ehemaligen Grafschaft fort. Bis zur Trennung von Staat und Religion 1919 unterstand es direkt dem Standesherrn Graf/Fürst von Stolberg-Stolberg und indirekt dem Oberpräsidenten der Provinz Sachsen.[2] Ende 1944 verlegte der Evangelische Oberkirchenrat (Leitung der Landeskirche) seinen Sitz aus dem gefährdeten Berlin ins Stolberger Konsistorialgebäude.

Am 5. November 1947 wurde das Konsistorium Stolberg-Stolberg mit dem 'alten' Fürstlichen Konsistorium Stolberg-Roßla, Sitz Roßla, zu einem Konsistorialbezirk zusammengefasst, wobei das nun 'neue' Evangelisch-Lutherische Konsistorium Stolberg-Roßla seinen Sitz in Stolberg hatte.[3] „Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen hat […] mit Beschluss vom 28. Oktober 2005 im Einvernehmen mit der Kreissynode des Kirchenkreises Eisleben die Auflösung des Evangelisch-Lutherischen Konsistoriums Stolberg-Roßla beschlossen.“.[4]

1833 hatte Stolberg schon 2392 Einwohner. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Stolberg Fremdenverkehrsort und 1923 wurde eine Eisenbahn nach Berga-Kelbra eröffnet. Seit 1946 ist die Stadt schließlich Kurort.

Bei dem britischen Bombenangriff auf Nordhausen am 3. April 1945 wurden auch sieben Einwohner von Stolberg getötet.[5]

Anfang 1946 wurden unter "Werwolf"-Vorwurf 14 Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren (zwei waren 19 bzw. 20 Jahre alt) durch eine Operativ-Gruppe des sowjetischen Sicherheitsdienstes NKWD verhaftet und von einem Militärtribunal zum Tode (drei Jugendliche, in zwei Fällen vollstreckt) oder zu hohen Freiheitsstrafen bis zu 25 Jahren verurteilt. Die Mehrzahl der Jugendlichen hat die Haftbedingungen in den sowjetischen Speziallagern nicht überlebt. 1995 wurde die Gruppe von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitiert.[6]

Zu DDR-Zeiten bestand in Stolberg das Pionierferienlager "Soja Kosmodemjanskaja".

Stolberg wurde am 1. September 2010 in die Gemeinde Südharz eingegliedert.[7]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Ortsbürgermeister von Stolberg ist Ulrich Franke (FDP), gewählt am 28. Mai 2000.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Lutz Döring neu gestaltet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Stolberg ist sowohl mit dem Auto als auch mit dem Bus erreichbar. Mit dem Auto kann man aus Richtung Norden und somit aus dem Harz her kommen, vom Süden her aus dem Kyffhäusergebirge über die Autobahnabfahrt Berga der A 38. Mit der Eisenbahn war Stolberg bis Dezember 2011 über die Bahnstrecke Berga-Kelbra–Stolberg mit der Hauptbahn HalleKassel verknüpft, wo im Bahnhof Berga-Kelbra gute Umsteigemöglichkeiten bestanden. Wochentags erfolgte der Verkehr von dort durch Busse, am Wochenende durch die Burgenlandbahn. Ferner gab es im Sommer durchgehende Züge von Leipzig und Magdeburg über Sangerhausen direkt nach Stolberg. Diese Ausflugszüge verkehrten am Wochenende ein Mal vormittags nach Stolberg und nachmittags zurück Richtung Leipzig bzw. Magdeburg. Der planmäßige Zugverkehr nach Stolberg wurde durch die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA) zum Dezember 2011 abbestellt, begründet durch zu geringe Auslastung der Züge.[8] Heute verkehren hier drei Buslinien, eine von der Verkehrsgesellschaft Südharz und zwei der Q-Bus Nahverkehrsgesellschaft, dadurch kann man Quedlinburg, Hasselfelde, Harzgerode und Sangerhausen erreichen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Stolberg (oben rechts) über dem mittelalterlichen Ort;
Stereoskopie Nr. 659 als Ansichtskarte, Verlag Knackstedt & Näther, um 1900
Das Schloss
Das Rathaus am Markt
Saigerturm
Früheres Postamt, dahinter der Saigerturm

Sehenswert ist Schloss Stolberg, das auf einem nach drei Seiten abfallenden Berg steht und dessen ältestes Bauteil, der Rundturm, aus der Zeit um 1200 stammt, dessen neuere Teile jedoch im Stil der Renaissance zwischen 1539 und 1547 erbaut wurden. Im Südostflügel befindet sich das klassizistische Große Empfangszimmer, der Rote Saal, ein Entwurf von Karl Friedrich Schinkel. Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss durch Umbauten zwischen 1690 und 1700. Bis zur Enteignung 1945 befand sich das Schloss im Besitz der Familie Fürst zu Stolberg-Stolberg. Derzeit wird es durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz umfassend restauriert sowie saniert.

Das Rathaus aus dem Jahre 1454 ist ein Baukuriosum, denn es hat kein Treppenhaus. Den Zugang zu den oberen Stockwerken erreicht man nur über eine äußere Treppe, die gleichzeitig zur spätgotischen St.-Martini-Kirche hochführt. Am 21. April 1525 predigte in dieser Kirche Martin Luther gegen den Bauernaufstand. Die Restaurierung der dreischiffigen Basilika aus dem 13. Jahrhundert ist wegen ihrer Hanglage sehr aufwendig. Auch hier hat sich neben anderen Spendern die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zweimal engagiert. Nordwestlich der Kirche befindet sich die Marienkapelle. Direkt vor dem Rathaus wurde in Erinnerung an den 1989 gefeierten Geburtstag Thomas Müntzers ein von dem Bildhauer Messerschmidt geschaffenes Müntzer-Denkmal errichtet.

Gegenüber dem Rathaus befindet sich der Saigerturm. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert; der obere Teil wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erneuert. Seinen Namen hat er von der Saigerschmelzhütte, die im Mittelalter neben ihm stand. In der Niedergasse steht das 1851 teilweise ausgebrannte Geburtshaus von Thomas Müntzer, das heutige Thomas-Müntzer-Haus. Gleichfalls in der Niedergasse steht die Sankt-Georg-Kapelle sowie die das Heimatmuseum beherbergende Alte Münze. Am westlichen Ende der Rittergasse befindet sich das Rittertor als einzig erhaltenes mittelalterliches Stadttor der Stadt. Westlich vor dem Tor befindet sich das 1810 erbaute Chalet Waldfrieden in dessen Nähe bis 1818 die Kapelle zum heiligen Kreuz stand. An einem Berghang südwestlich über der Stadt befindet sich die an Martin Luther erinnernde Lutherbuche. Im Wald nordwestlich der Stadt steht das Hirschdenkmal.

Unweit von Stolberg erhebt sich der Große Auerberg (579 m). Auf ihm befindet sich der 38 Meter hohe Aussichtsturm mit dem Namen Josephskreuz. Es ist das größte Doppeleisenkreuz der Welt.

Straßengestaltung[Bearbeiten]

Einmalig in Deutschland ist die Straßengestaltung in Stolberg. An den Eingängen der Stadt steht ein Schild für Tempo 30- und Parkverbotszone (mit Parkscheibe darf in gekennzeichneten Flächen eine Stunde geparkt werden). Ansonsten wird auf jegliche Straßenschilder im Ort verzichtet. Wenngleich eine klare Trennung zwischen Bürgersteig und Straße besteht, kann man dies als frühe Form des Shared-Space-Ansatzes ansehen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Am 1. Januar jedes Jahres findet das Anprägen der Jahresmedaille im Museum ALTE MÜNZE statt – der einzigen vollständig erhaltenen historischen Münzwerkstatt des 18. Jahrhunderts im europäischen Raum.
  • Anfang Februar jedes Jahr, meist am zweiten Sonntag im Monat, findet am Josephskreuz, dem größten eisernen Doppelkreuz der Welt, das Winterfest statt – ein Fest bei Spiel und Spaß im Schnee für die ganze Familie.
  • Am Karsamstag Abend wird ein traditionelles Osterfeuer auf dem Festplatz am Rittertor angezündet.
  • Das Große Walpurgisfest am Josephskreuz auf dem Großen Auerberg findet am 30. April mit Theaterspiel, Musikanten, Kräuterfrauen, Besenbindern, Hexen und Teufeln sowie einem großen Abschlussfeuerwerk statt. Konzerte am Josephskreuz sind auch zu Himmelfahrt und am Pfingstsonntag.
  • Am Wochenende nach Himmelfahrt Schützenfest der Stolberger Schützengilde von 1421 mit Königsschießen und Volkskönigschießen und Festumzug am Sonntag früh.
  • An einem Wochenende Mitte Juni findet das Museumsfest in der Alten Münze statt.
  • Am letzten Wochenende im Juni erfolgt ein Schützenfest der Stolberger Bogenschützen auf dem Festplatz am Rittertor, mit Schießen mit der historischen Armbrust und Flatterschießen für die Kinder.
  • Am vorletzten Sonntag im Juli wird ein traditionelles Waldfest am Josephskreuz mit Harzer Brauchtum und Folklore, Spezialitäten, Musikanten und Händlern abgehalten.
  • Am zweiten Wochenende im August erfolgt das Stolberger Lerchenfest, ein historisches Stadtfest mit Händlern, Handwerkern, Gauklern und Musikanten.
  • Am zweiten Wochenende im September lädt das Europastadtfest zum Feiern mit Freunden aus Europa ein. Jedes Jahr wird eine andere europäische Stadt eingeladen, mit der Stolberg freundschaftliche Verbindungen hat. Speziell zum Thema wird Kulturelles und Kulinarisches aus einem europäischen Land, auch touristische Informationen, spezielle Souvenirangebote usw. der eingeladenen Stadt und dem Land angeboten.
  • Am 3. Oktober erfolgt eine Festveranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit mit den Partnerstädten Stolberg (Rheinland) und Hardegsen (Solling).
  • Anfang November veranstaltet die Jahrestagung der Johann-Gottfried-Schnabel-Gesellschaft e. V. eine Literarisch-wissenschaftliche Gesellschaft zur Forschung zu Leben und Werk des bedeutenden Schriftstellers des 18.Jahrhunderts.
  • Am 1. Advent findet ein Adventkonzert in der St. Martini Kirche und ein Märchenhafter Advent in den Gassen der Stadt statt.
  • Am 2. oder 3. Advent öffnet der Stolberger Weihnachtsmarkt im historischen Jägerhof.

Sonstiges[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Thomas-Müntzer-Denkmal von K.F.Messerschmidt, 1989

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sachsen-Anhalt-Viewer
  2. Ernst Pinder, Das Provinzial-Recht der Königlich Preußischen vormals Königl. Sächsischen Landestheile mit Ausschluß der Lausitz: nebst Beweisstellen, Gründen und Bemerkungen: 2 Tle., Leipzig: Leopold Voß, 1836, Theil 1: Das Provinzial-Recht enthaltend, p. 418.
  3. Herbert Frost, Strukturprobleme evangelischer Kirchenverfassung: rechtsvergleichende Untersuchungen zum Verfassungsrecht der deutschen evangelischen Landeskirchen, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1972, S. 231. (Zugleich: Köln, Univ., Rechtswiss. Fak., Habil.-Schr. 1968).
  4. Vgl. „Aufhebung der Ordnung über die Zusammensetzung und Befugnisse des Evangelisch-Lutherischen Konsistoriums und Auflösung des Evangelisch-Lutherischen Konsistoriums Stolberg-Roßla“, in: Amtsblatt der Föderation evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland, 1. Jg. (Nr. 12, 15. Dezember 2005), p. 345.
  5. Jürgen Möller: Der Kampf um den Harz. April 1945. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2011. S. 35/36. ISBN 978-3-86777-257-0
  6. Benno Prieß: Erschossen im Morgengrauen. Eigenverlag, Calw 2002. Mitherausgeber: Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR. ISBN 3-926802-36-7. S.134-146
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  8. Magdeburg – Loburg und Berga-Kelbra – Stolberg werden auf Bus umgestellt NASA GmbH, 19. September 2011, abgerufen am 26. November 2011.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Arnold Zeitfuchs: Stolbergische Kirchen- und Stadt-Historie. Frankfurt/M. 1717 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stolberg (Harz) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien