Stolbergische Bibliothek Wernigerode

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Exlibris 1721
Exlibris 1721
Bibliotheksgebäude im Lustgarten von Wernigerode
Bibliotheksgebäude im Lustgarten von Wernigerode
Lutherbibel aus der Stolbergischen Bibliothek
Lutherbibel aus der Stolbergischen Bibliothek

Die Stolbergische Bibliothek in Wernigerode war eine bedeutende Adelsbibliothek.

Die Bibliothek geht auf Graf Wolf Ernst zu Stolberg (1546-1606) zurück, der mit geschätzten 4000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken des 16. Jahrhunderts besessen haben könnte. Nach einer Phase der Vernachlässigung begann mit dem Regierungsantritt 1712 von Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode (1691-1771) eine neue Blütezeit. Am 15. Januar 1746 erklärte er die damals etwa 10.000 Bände umfassende Bibliothek per Aushang zur „Öffentlichen Bibliothek“, die zweimal wöchentlich wissenschaftlichen Interessenten offen stehen sollte. 1615 hatte bereits Graf Heinrich in seinem Testament bestimmt, dass die gräfliche Büchersammlung öffentlich zugänglich sein sollte. Beim Tode von Christian Ernst umfasste die Bibliothek bereits über 30.000 Bände. Im Testament von 1749 wurde sie zum unveräußerlichen Fideikommissgut bestimmt. Dieser Kulturgutschutz (avant la lettre) bestand bis zur Aufhebung der Fideikommisse mit der Weimarer Reichsverfassung 1919.

1826/27 wurde die Sammlung vom Schloss Wernigerode in die frühere Orangerie im Lustgarten verlagert, nachdem letzteres Gebäude als Bibliothekszweckbau umgestaltet worden war.

1841 wurde die Bibliothek des gräflichen Archivars Christian Heinrich Delius (1778-1840), die rund 13.000 Bände umfasste, 1858 die Büchersammlung des bibliophilen gräflichen Bibliothekars Karl Zeisberg (1804-1850) mit etwa 16.000 Bänden angekauft. 1866 publizierte Ernst Förstemann (1822-1906), seit 1851 für die Bibliothek zuständig, einen Handschriftenkatalog.

Ab 1866 betreute Eduard Jacobs (1833-1919) Bibliothek und Archiv des Grafenhauses, das 1890 in den Fürstenstand erhoben wurde. 1897 zählte man rund 107.700 Bände, darunter 600 Inkunabeln und 1095 Handschriften. Das unrühmliche Ende des berühmten Instituts kam in der Weimarer Republik. Gravierende wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten den Eigentümer 1926 dazu, die wertvollsten Handschriften und Bücher an die Antiquare Rosenthal (München) und Hiersemann (Leipzig) zu verkaufen. Am 1. August 1929 schloss die Bibliothek offiziell, und von 1930 bis 1933 ließ der „Verein der ruhegehaltsberechtigten Beamten“, der ihre Verwaltung übernommen hatte, weitere Bestände durch den renommierten Antiquar Martin Breslauer (1871-1940) verkaufen. Nach der Machtergreifung durch die NSDAP 1933 beendete der Verein die Zusammenarbeit mit dem Händler jüdischer Herkunft, die Bibliothek wurde wiedereröffnet und schloss nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939. Die Restbestände verblieben in Wernigerode, bis am Karfreitag 1946 der größte Teil der Drucke von einer Trophäenkommission nach Russland abtransportiert wurden. Seit 1948 befinden sich alle Handschriften in Halle. 1970 publizierte Hildegard Herricht eine Geschichte der Bibliothek mit Liste der in Halle erhaltenen Handschriften, 1993 spürte Ulrich-Dieter Oppitz dem Schicksal der deutschsprachigen Handschriften (Zb-Signaturen) in der Festschrift für Hanno Beck nach. 2007 beschrieb Brigitte Pfeil die deutschsprachigen mittelalterlichen Codices der Handschriftensammlung.

[Bearbeiten] Literatur

  • Brigitte Pfeil, Katalog der deutschen und niederländischen Handschriften des Mittelalters in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle (Saale) (= Schriften zum Bibliotheks- und Büchereiwesen in Sachsen-Anhalt 89/1-2). 2 Bände. Halle (Saale) 2007, vor allem Bd. 1, S. XVII-XXX

[Bearbeiten] Weblinks

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