Straßenbahn Salzburg

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Straßenbahn Salzburg
Wagen 1 der Straßenbahn Salzburg, aufgenommen 1938 beim Hauptbahnhof
Wagen 1 der Straßenbahn Salzburg,
aufgenommen 1938 beim Hauptbahnhof
Streckenlänge: 2,95 [1] km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 800 Volt =
Minimaler Radius: 15 m
Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
Zweigleisigkeit: Lokalbahnhof–Mirabellplatz
               
von Lamprechtshausen
               
Salzkammergut-Lokalbahn von Bad Ischl
               
Lokalbahnhof
               
Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg
               
Fünfhaus
               
               
Kurhaus
               
Mirabellplatz
               
Bazar
               
Sauterbogen
               
Platzl
               
               
Staatsbrücke über die Salzach
               
Alter Markt
               
Ritzerbogen
               
Universitätsplatz
               
Sigmundsplatz
               
Winterreitschule
               
Neutor (131 m)
               
Neutor
               
Fürstenbrunnstraße
               
Neutorstraße
               
Sparkasse
               
Mozartplatz
               
Festungsbahn
               
Kajetanerplatz
               
               
Inneres Nonntal
               
nach Berchtesgaden

Die Straßenbahn Salzburg war eine normalspurige Straßenbahn in der österreichischen Stadt Salzburg. Sie bestand von 1887 bis 1940 und wurde durch den bis heute verkehrenden Oberleitungsbus Salzburg ersetzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Pferdebahn[Bearbeiten]

Ein Sommerwagen der Pferdebahn vor dem Café Bazar, aufgenommen im vorletzten Betriebsjahr 1907
Fahrschein der Pferdebahn

Bereits ab 1886 existierte in der Salzburger Innenstadt die Bahnstrecke nach Drachenloch. Sie wurde von der Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft (SETG) betrieben und 1907 bis Hangender Stein erweitert sowie mit der Bahnstrecke nach Berchtesgaden verknüpft.

Einen Teil der Infrastruktur der anfangs als Dampfstraßenbahn betriebenen Lokalbahn nutzte die SETG schon im Jahr darauf zur Einrichtung einer Pferdestraßenbahn. Sie diente anfangs lediglich als Verstärkung der Lokalbahn und pendelte ab dem 15. Oktober 1887 – zusätzlich zu den Dampfzügen – auf dem 1,5 Kilometer langen Abschnitt LokalbahnhofBazar. Diese Strecke führte zunächst durch die Rainerstraße, bog am Max-Ott-Platz nach rechts in die Markus-Sittikus-Straße ab, um schließlich dem rechten Ufer der Salzach in südliche Richtung zu folgen.

Am 4. August 1892 erhielt die Pferdebahn ihre erste eigene Strecke. Um auch die Altstadt links der Salzach zu erschließen, bogen die aus Richtung Lokalbahnhof kommenden Wagen fortan nach dem Bazar nach rechts auf die Staatsbrücke ab, um dann links auf den Rudolfskai und rechts in die Klampferergasse abbiegend, über den Ludwig-Viktor-Platz (wo sich eine Ausweiche befand), die vorläufige Endstation beim Mozartplatz zu erreichen.

Schon am 17. August 1892 folgte die Verlängerung ab Mozartplatz über die Kaigasse und den Kajetanerplatz zum Rudolfsplatz im Inneren Nonntal. Dort bestand wiederum Anschluss zur Lokalbahn in Richtung St. Leonhard-Drachenloch.

Als letzte Pferdebahnstrecke ging am 1. Mai 1893 eine kurze Zweigstrecke vom Mozartplatz über den Kapitelplatz zur Talstation der 1892 eröffneten Festungsbahn in Betrieb. Abseits ihrer Stammstrecken verkehrten die Pferdebahnwagen zeitweise auch auf der Lokalbahn-Zweigstrecke nach Salzburg-Parsch. Dies war 1893 und zwischen 1895 und 1902 der Fall.[2]

Nachdem es bereits 1905 ein erstes Projekt zur Errichtung einer elektrischen Straßenbahn gab, läutete deren Baubeginn schließlich 1908 das Ende der Pferdebahn ein. Diese verkehrte letztmals am 30. September 1908.[3]

Elektrische Straßenbahn[Bearbeiten]

Modell eines Salzburger Straßenbahnzugs

Nach einer siebenmonatigen Umstellungsphase ging am 4. Mai 1909 die neue elektrische Straßenbahn in Betrieb. Im Gegensatz zur zwei Monate später elektrifizierten Lokalbahn verwendete die Straßenbahn statt 1000 Volt die geringere Spannung von 800 Volt Gleichspannung. Auch die elektrische Straßenbahn wurde von der SETG betrieben, anders als bei der Pferdebahn erfolgte dies aber nur noch im Auftrag der Stadtverwaltung – diese war Konzessionsinhaberin.

Bei der Elektrifizierung erhielt die Straßenbahn auch in der Altstadt rechts der Salzach eine eigene – von der Lokalbahn weitgehend unabhängige – Streckenführung. Die Elektrische trennte sich bereits auf dem Max-Ott-Platz von der Lokalbahn und verblieb in der Rainerstraße. Via Mirabellplatz – dort endete der am Lokalbahnhof beginnende Doppelspurabschnitt –, Dreifaltigkeitsgasse und Makartplatz erreichte sie die provisorische Endstation Platzl.[4]

Am 3. Juli 1909 folgte die Verlängerung in die linke Altstadt. Nach dem Platzl kreuzte die Straßenbahn zunächst die Lokalbahn rechtwinklig, um kurz darauf den nördlichen Brückenkopf der Staatsbrücke und damit die Bestandsstrecke der Pferdebahn zu erreichen. Dieser folgte sie bis zum Alten Markt, wo sich einige Jahre lang die Endstation der Elektrischen befand.

Im Ersten Weltkrieg errichtete man in drei Abschnitten für die Elektrische eine Neubaustrecke in den Stadtteil Riedenburg:

  • 1915: Alter Markt–Churfürststraße–Ritzerbogen–Universitätsplatz–Sigmundsplatz (heute Herbert-von-Karajan-Platz)
  • 1. März 1916: Sigmundsplatz–Neutor–Neutorstraße/Fürstenbrunnstraße
  • 29. November 1916: Neutorstraße/Fürstenbrunnstraße–Neutorstraße/Bayernstraße[5]

Die Endstation in der Neutorstraße befand sich zwischen der Einmündung der Bayernstraße und der Einmündung der Anton-Hochmuth-Straße. Ferner zweigte auf dem Sigmundsplatz ein kurzes Stichgleis in die Hofstallgasse ab. Dieses führte zur Winterreitschule – dem späteren Kleinen Festspielhaus – und diente ursprünglich militärischen Zwecken.[6] Voraussetzung für die Verlängerung der Elektrischen war ein Umbau der Gleisanlagen auf dem Alten Markt, wo statt der Endstelle – sie befand sich beim Café Tomaselli – fortan eine Ausweiche existierte. Im Sommer verkehrte die Bahn zwischen Lokalbahnhof und Sigmundsplatz im 4,5-Minuten-Takt, die restliche Strecke in die Riedenburg wurde hingegen nur alle neun Minuten bedient. Außerhalb der Sommersaison fuhr man alle siebeneinhalb Minuten. Die Reisezeit über die 2,95 Kilometer lange Gesamtstrecke betrug 15 Minuten. Untergebracht waren die Fahrzeuge in der Lokalbahn-Remise in Itzling an der Strecke nach Lamprechtshausen.

Weil die Wagen der elektrischen Straßenbahn gelb lackiert waren, sprach man fortan auch von der Gelben Elektrischen. Dies geschah in Abgrenzung zu den rot lackierten Fahrzeugen der Lokalbahn, die entsprechend Rote Elektrische genannt wurde. Eine alternative Bezeichnung für die Salzburger Straßenbahn war Stadtbahn, auch an den Fahrzeugen war Salzburger Stadtbahn angeschrieben. Im Volksmund sprach man hingegen von der rasenden Eierspeis.[7] Eine Liniennummer besaß die Straßenbahn hingegen nie.

Im Jahr 1927 wurde der Stadt von einem Kinobesitzer und einem benachbarten Gastwirt in Maxglan die Finanzierung einer 650 Meter langen Erweiterung bis zu seinem Kino angeboten. Die Stadt hätte dafür lediglich die Brücke über den Almkanal verstärken müssen, wozu sie aber nicht in der Lage war. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Straßenbahn in drei Abschnitten stillgelegt und durch die erste Oberleitungsbus-Linie Salzburgs ersetzt, dadurch konnte auch die Anbindung Maxglans verwirklicht werden:

letzter Betriebstag eingestellter Abschnitt Ersatz durch Oberleitungsbuslinie M
25. September 1940 Sigmundsplatz–Neutorstraße/Bayernstraße Sigmundsplatz–Maxglan ab 1. Oktober 1940
24. Oktober 1940 Platzl–Sigmundsplatz Makartplatz–Sigmundsplatz ab 24. Oktober 1940
5. November 1940 Lokalbahnhof–Platzl Hauptbahnhof–Makartplatz ab 10. November 1940

Anders als die Straßenbahn wurde der Oberleitungsbus von den eigens hierfür gegründeten Städtischen Verkehrsbetrieben Salzburg betrieben. Die Lokalbahn verkehrte noch bis 1953 durch die Rechte Altstadt, wurde dann aber ebenfalls stillgelegt. Bis heute in Betrieb ist hingegen die nördliche Lokalbahnstrecke nach Lamprechtshausen, sie gehört heute zur Salzburg AG.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Der Pferdebahn standen insgesamt sieben Wagen zur Verfügung, darunter zwei geschlossene und vier Sommerwagen von der Grazer Wagen- und Waggonfabriks AG sowie ein Salonwagen von der k.k. landesbefugten Maschinenfabrik und Wagenbauanstalt Johann Spiering aus Wien. Die Elektrische verfügte über elf Triebwagen:

Die elektrische Ausrüstung aller Motorwagen stammte von Siemens. Nachträglich ergänzt wurden sie um fünf Beiwagen (101 bis 105, Baujahr 1920) die ebenfalls aus Simmering stammten. Zusätzlich stand ein Turmwagen ohne Nummer zur Verfügung.[3][6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alois Fuchs: Salzburgs Nahverkehr, Verlag A. Winter, Salzburg 1986, ISBN 3-85380-053-X.
  • Gunter Mackinger: Die Salzburger Lokalbahn Gestern Heute Morgen, Salzburger Stadtwerke, Salzburg 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. bezogen auf die Strecke Lokalbahnhof–Neutorstraße der elektrischen Straßenbahn
  2. Die Gaisbergbahn auf www.schmalspur-europa.at
  3. a b Die Straßenbahn Salzburg auf www.pospichal.net
  4. Kundmachung des Eisenbahnministeriums vom 30. Dezember 1908, betreffend die Konzessionierung einer mit elektrischer Kraft zu betreibenden normalspurigen Kleinbahn im Gebiete der Landeshauptstadt Salzburg.
  5. Kundmachung des Eisenbahnministeriums vom 17. Jänner 1915, betreffend die Konzessionierung einer mit elektrischer Kraft zu betreibenden normalspurigen Kleinbahnlinie in Salzburg vom Ludwig Viktor-Platze durch das Neutor zur Riedenburgstraße.
  6. a b Die Straßenbahn Salzburg auf www.regionale-schienen.at
  7. Geschichte des Nahverkehrs in Salzburg auf www.salzburg-ag.at


47.799579513.041713Koordinaten: 47° 47′ 58″ N, 13° 2′ 30″ O