Straßenbahn Sankt Petersburg

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Straßenbahn
Straßenbahn Sankt Petersburg
Bild
Straßenbahn des Typs LM-2008 auf dem Moskowskiy-Prospekt
Basisinformationen
Staat Russland
Stadt Sankt Petersburg
Eröffnung 27. August 1863
Elektrifizierung 29. September 1907
Betreiber Gorelektrotrans
Infrastruktur
Streckenlänge 228 km
Spurweite 1524 mm
Stromsystem 550 Volt DC Oberleitung
Betriebshöfe 6
Betrieb
Linien 41
Netzplan
Netzplan, Stand: 2014 Herbst

Die Straßenbahn Sankt Petersburg (russisch Санкт-Петербургский трамвай/ Sankt-Peterburgskij Tramwaj) ist ein Straßenbahnbetrieb in der russischen Stadt Sankt Petersburg. Noch 2002 hatte die Stadt mit einer Streckenlänge von 285 Kilometern und einer Linienlänge von rund 600 Kilometern das längste Straßenbahnnetz der Welt. Mittlerweile ist das Netz durch Streckenstilllegungen weltweit nur noch das viertlängste.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Straßenbahn beginnt am 27. August 1863 mit der Eröffnung der ersten Pferdebahn durch die französische Gesellschaft Première Compagnie des tramways à Petersbourg. Die erste Strecke verlief vom Admiralitejskaja-Platz über den Newski-Prospekt zum heutigen Moskauer Bahnhof. Sie wurde in der bis heute für Russland typischen 1.524 mm Breitspur gebaut und war 4,3 Kilometer lang. Bereits im nächsten Jahr folgten zwei weitere Strecken mit einer Länge von je 3,5 Kilometern. Mit der Gründung der Zweiten Aktiengesellschaft der Pferdebahnen in Sankt Petersburg im Jahr 1874 begann der erste Boomphase der Bahnen in der Stadt. 1877 verkehrten bereits 27 Linien auf insgesamt 90,7 Kilometern Strecke. 1899 betrug die Streckenlänge 131,3 Kilometer.

Früher wurden Linien auch über die gefrorene Newa geführt

Im Jahr 1878 kam ein drittes Unternehmen hinzu. Die Newskaja Vorortpferdebahn nahm ihren Betrieb vom Moskauer Bahnhof in den heutigen Stadtteil Rybazkoje auf. Sie wurde 1902 von der Stadtverwaltung übernommen. Im September 1880 betrieb der Erfinder Fjodor Pirozki mit einem umgebauten Pferdebahnwagen auf einer präparierten Teilstrecke einer Petersburger Pferdebahn knapp einen Monat lang den ersten elektrischen Straßenbahndienst der Welt. Dann musste der Artillerieoffizier den Betrieb, der sein Hobby war, aus Geldmangel wieder einstellen. Die nächste elektrische Tram wurde in den Jahren 1895 und 1896 von der Finnischen Gesellschaft für Schifffahrt eingeführt, allerdings nicht auf dem Land. Die Gesellschaft verlegte in den Wintermonaten die Gleise auf der zugefrorenen Newa. Sie umging mit ihren drei Linien das Monopol der Zweiten Aktiengesellschaft der Pferdebahnen in Sankt Petersburg. Mit dem Neubau einer Brücke endete 1910 dieser Betrieb. Erst am 29. September 1907 nahm die erste dauerhafte elektrische Bahn in Petersburg ihren Dienst auf, betrieben durch die Stadt. Und ab 1915 begann man, die Pferdebahnen auf Strom umzustellen. Der Erste Weltkrieg und die damit verbundenen Engpässe in der Futterversorgung beendeten schließlich die Ära der Pferdebahnen in Sankt Petersburg. Auch die beiden Dampfstraßenbahnen aus dem Jahr 1881 und 1887 wurden ab 1918 auf Strom umgestellt. Diese Umstellung fand am 26. August 1922 ihren Abschluss.

Ab 1923 verkehrten die Bahnen mit einem festen Fahrplan. Bis 1941 wuchs das Netz weiter und erreichte eine Länge von rund 700 Kilometern. Mit dem Beginn der Blockade durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg begann für die Bahngesellschaft eine schwere Zeit. Bis zum Ende hatte die Bahn 500 Kilometer Oberleitung und 150 Fahrzeuge verloren. Weitere 1065 Wagen waren teilweise stark beschädigt.

Nach dem Krieg begannen die Reparaturen am Netz und an den Fahrzeugen. Bis 1947 war das Netz wieder vollständig hergestellt. In den folgenden Jahren wuchs das Netz weiter. Bis 1986 hatte das Netz mit einer Linienlänge von 1022 Kilometern seine größte Ausdehnung erreicht. Zu diesem Zeitpunkt verkehrten fast 2200 Fahrzeuge. Mit der Perestrojka begann auch der Niedergang der Straßenbahn. Bis 1997 schrumpfte das Netz um fast 400 Kilometer. In diesem Jahr wurde auch die erste Linie aus dem Jahr 1863 nach mehr als 130 Jahren Betrieb eingestellt.

Eine LWS-2005-Straßenbahn im heutigen Alltagseinsatz

Heutiger Zustand[Bearbeiten]

Die Gleise und das Gleisbett sind vielerorts marode und ausgefahren. Es kommen beispielsweise bis zu mehrere Zentimeter große Schienenstöße vor. Dementsprechend ist die Geschwindigkeit gering. Ende 2012 gelangten die ersten zwei Fahrzeuge des Typs 71-631 nach Sankt Petersburg. Die Gelenkwagen wurden zuvor mehrere Monate in Slatoust erprobt. Nicht auszuschließen ist, dass durch den seit 2011 regierenden Gouverneur ein Umdenken begonnen hat und doch noch eine Rettung des einst größten Straßenbahnnetzes der Welt möglich ist. Immerhin wurden nun (Dezember 2012) die ersten Straßenbahnen mit zwei Führerständen in Empfang genommen, so dass das Umfahren ganzer Viertel mit diesem neuen Typ nicht mehr erforderlich ist, um an den Endhaltepunkten in die Gegenrichtung starten zu können[1]

Tarif[Bearbeiten]

Der Fahrpreis beträgt 25 Rubel, umgerechnet ca. 63 Cent (Stand Februar 2013). Weiterhin ist zu bemerken, dass in jedem Straßenbahnzug ein Fahrkartenverkäufer mitfährt.

Pläne[Bearbeiten]

Heute steht es um die Zukunft der St. Petersburger Straßenbahn sehr schlecht. Hinter dem Vorwand, dass die Straßenbahn wegen des schlechten Zustandes der Gleise gezwungen ist, manchmal sehr langsam zu fahren – was (angeblich) große Staus auf den Straßen verursacht – wurde die Straßenbahn offiziell zum Feind des Straßenverkehrs erklärt. Anstatt die Gleise und den Fuhrpark in Schuss zu halten und zu renovieren, beschloss die Stadtverwaltung, die Gleise zu demontieren und die in der Nähe vom Stadtzentrum (auf sehr teuer gewordenen Grundstücken) liegenden Depots abzureißen, um an deren Stelle neue Bürohäuser zu bauen.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. aktuell.ru v. 22. November 2012