Straßenbahn Zwickau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Straßenbahn
Straßenbahn Zwickau
Bild
Haltestelle Zentrum mit Straßenbahn und Eisenbahn
Basisinformationen
Staat Deutschland
Stadt Zwickau
Eröffnung 6. Mai 1894
Elektrifizierung seit Eröffnung
Betreiber Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau
Verkehrsverbund VMS
Infrastruktur
Streckenlänge 18,5 km
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem 600 Volt DC Oberleitung
Betriebsart Einrichtungsbetrieb
Haltestellen 40
Betriebshöfe Schlachthofstraße
Betrieb
Linien 4
Fahrzeuge 12 GT6M, 22 KT4D
1 Arbeitswagen
2 historische Züge (Trieb- und Beiwagen)
Netzplan
Netzplan 2013
Gotha-TW mit zwei Beiwagen, 1991
KT4D-Doppeltraktion im Jahr 1993 am Georgenplatz
KT4D 942+937 der SVZ Zwickau in der Straße "Am Bahnhof"
GT6M-NF 902 in der Bosestraße

Die Straßenbahn Zwickau bildet seit dem Jahr 1894 das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs in der sächsischen Stadt Zwickau. Auf dem Streckennetz von 18,5 Kilometern Länge verkehren vier Straßenbahnlinien. Dabei werden insgesamt 40 Haltestellen bedient. Hierfür stehen 22 hochflurige und 12 niederflurige Straßenbahnen zur Verfügung. Betrieben wird die Zwickauer Straßenbahn von der Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH, tariflich ist sie in den Verkehrsverbund Mittelsachsen integriert.

Seit 1999 verkehren Dieseltriebwagen der Eisenbahn auf einem 1,5 Kilometer langen Streckenabschnitt gemeinsam mit Straßenbahnbahnen (sogenanntes Zwickauer Modell). Im Dezember 2005 wurde eine rund vier Kilometer lange Straßenbahn-Neubaustrecke nach Neuplanitz eröffnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Aufbau des Netzes[Bearbeiten]

Die Geschichte der Zwickauer Straßenbahn geht auf eine Initiative des Konsortiums Schuckert & Co., Kommanditgesellschaft in Nürnberg und Leo Arnoldi, Mainz zurück. Im Februar 1892 traten sie an den Rat der Stadt Zwickau heran, um die Erlaubnis zum Bau einer elektrischen Straßenbahn zu erlangen. Am 1. Dezember 1892 wurde der Vertrag zum Bau der Straßenbahn und eines Elektrizitätswerkes geschlossen. Nachdem das Elektrizitätswerk bereits im Dezember 1893 seinen Betrieb aufnehmen konnte, begannen die Probefahrten der Straßenbahn am 12. April 1894. Am 6. Mai 1894 konnte der Straßenbahnbetrieb auf der ersten Strecke zwischen Bahnhof und Hauptmarkt aufgenommen werden. In den folgenden Jahren wuchs das Straßenbahnnetz beständig an:

  • 16. Oktober 1897: westliche Strecke nach Marienthal (Schröderscher Gasthof)
  • 3. April 1900: Eröffnung der südlichen Strecke Hauptmarkt – Cainsdorf, Muldenbrücke
  • 2. Juni 1900: Verlängerung der südlichen Strecke von Cainsdorf, Muldenbrücke bis Wilkau-Haßlau
  • 29. November 1900: nördliche Strecke nach Pölbitz (Gasthof Pölbitz)
  • 7. Oktober 1904: Verlängerung der westlichen Strecke bis zum Gasthof Marienthal
  • 6. November 1924: Verlängerung der westlichen Strecke bis zum Kreiskrankenstift (heute: Städtische Kliniken)

Von 1925 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

In der Zeit von 1926 bis 1928 wurde der Betriebshof Schlachthofstraße gebaut. Im Jahr 1926 wurde die Linienkennzeichnung von Farben auf Ziffern umgestellt. Es verkehrten folgende Linien:

Farbe Nummer Strecke
weiß 1 Bahnhof ↔ Schedewitz
rot 2 Pölbitz ↔ Marienthal
grün 3 Bahnhof ↔ Wilkau
blau 4 Pölbitz ↔ Krankenstift

Ab 1925 verkehrten in Zwickau Omnibusse zur Ergänzung des Straßenbahnnetzes. Im Jahr 1929 ging der Betrieb der Straßenbahn auf die Energie- und Verkehrs-Aktiengesellschaft Westsachsen (Evawe) über, an der sich die Stadt zur Hälfte beteiligte. Am 1. Dezember 1938 wurde als weiteres Verkehrsmittel der Oberleitungsbus Zwickau in Betrieb genommen, der bis in das Jahr 1977 verkehrte. Infolge des Zweiten Weltkriegs wurde am 6. Juli 1943 der Verkehr auf den Straßenbahnlinien 1 und 2 eingestellt und stattdessen der Takt auf den Linien 3 und 4 verdichtet, die weiterhin das gesamte Netz bedienten. Gegen Kriegsende wurde am 13. April 1945 der Verkehr auf der Linie 4 eingestellt und zwei Tage später der gesamte Straßenbahnverkehr. Bereits am 5. Mai 1945 konnte der Straßenbahnverkehr wieder aufgenommen werden, allerdings musste die Linie 3 vorübergehend an der Zwickauer Mulde in Schedewitz enden, da dort bis zum 1. Juli die Grenze zwischen der amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone verlief.

DDR-Zeit[Bearbeiten]

Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik wurden die wirtschaftlichen Verhältnisse in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone umgestaltet, so dass die Betriebsführung der Zwickauer Straßenbahn nach einem Zwischenschritt im Jahr 1951 auf den VEB (K) Verkehrsbetrieb der Stadt Zwickau überging. In den Jahren 1958 und 1959 kam es zu kleinen Veränderungen in der Streckenführung: am 29. September 1959 wurde die neue Schedewitzer Brücke eröffnet, über die die Linie 3 nun statt über die Bockwaer Brücke geführt wurde. Am 27. Juli 1959 wurde das Gleis in der Antonstraße eröffnet, womit die Errichtung der Wendeschleife Paulusstraße verbunden war.

Die erste Streckenverlängerung nach dem Krieg geschah im Zusammenhang mit der Errichtung der Wendeschleife Pölbitz, wodurch die nördliche Strecke am 1. November 1962 von der bisherigen Endstelle Neue Welt um 1,1 Kilometer verlängert wurde. Am 2. September 1963 wurde die neue Linie 2 Pölbitz ↔ Paulusstraße eingerichtet. Ab dem 3. Mai 1965 wurde bei der Zwickauer Straßenbahn auf den Einsatz von Schaffnern verzichtet. Die westliche Strecke zum Krankenhaus in Marienthal wurde in den Jahren 1966 und 1967 zweigleisig ausgebaut.

Im Jahr 1975 kommt es zu einem deutlichen Einschnitt im Zwickauer Straßenbahnnetz: Am 14. Februar 1975 wurde die südliche Strecke zwischen Wildenfelser Straße und Wilkau-Haßlau stillgelegt und am 16. November folgte die gesamte Einstellung der Linie 3.

Im Jahr 1982 wechselt die Betriebsführung noch einmal auf den VEB Städtischer Nahverkehr Zwickau. Am 29. Juni 1987 beginnt der Probebetrieb der Gelenktriebwagen des Typs Tatra KT4D. Zwickau übernahm einen 1983 gebauten Wagen von der Straßenbahn Plauen. Bis 1989 bekam Zwickau 27 Neufahrzeuge aus der Tschechoslowakei von denen jedoch zehn nach Plauen abgegeben wurde. Am 2. Januar 1989 wurde die neue Linie 1 Pölbitz ↔ Hauptbahnhof eingerichtet. Auf ihr wurden ausschließlich KT4-Doppeltraktionen eingesetzt.

Nach 1990[Bearbeiten]

Neubau der Straßenbahnstrecke am Gewandhaus (1999)
Rasengleis am Schumannplatz

Im Jahr 1991 ging der Betrieb der Straßenbahn auf die neu gegründeten Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH (SVZ) über. Am 19. August 1992 wurde zum ersten Mal seit 1962 eine Neubaustrecke eröffnet: die östliche Strecke nach Eckersbach. Damit änderte die Linie 1 ihren Linienweg auf Eckersbach ↔ Hauptbahnhof. Am 28. Mai 1993 begann der barrierefreie Zugang zur Straßenbahn: der erste Niederflurtriebwagen von MAN/AEG aus Nürnberg traf in Zwickau ein. Insgesamt zwölf Wagen des Typs GT6M-NF wurden bis 1994 beschafft. Deshalb konnte ab dem 28. Oktober 1995 auf den weiteren Einsatz der 35 Jahre alten Gothawagen verzichtet werden.

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gab es zwei bedeutende Ausbauprojekte der Zwickauer Straßenbahn: Zum einen den Wiederaufbau der seit 1975 stillgelegten Straßenbahnstrecke durch das Stadtzentrum und zum zweiten die Führung von Eisenbahntriebwagen über das Straßenbahnnetz bis ans Stadtzentrum. Dazu wurden beim Bau der neuen Strecke direkt Dreischienengleise verbaut. Am 28. Mai 1998 verkehrte zum ersten Mal ein Dieseltriebwagen der Strecke Klingenthal – Zwickau ab der Stadthalle für 1,5 Kilometer auf der Straßenbahntrasse bis zur Haltestelle Zwickau Zentrum. Das Besondere am sogenannten Zwickauer Modell ist, dass hier keine Straßenbahnen auf Eisenbahnstrecken übergehen (wie beim Karlsruher Modell), sondern Eisenbahnen auf Straßenbahnstrecken verkehren. Am 1. Oktober 1999 konnte dann auch der Straßenbahnverkehr in der Innenstadt vom Neumarkt zur Stadthalle wieder aufgenommen werden. Am 11. Dezember 2005 wurde als bisher letzte Erweiterung die Strecke von der Stadthalle nach Neuplanitz eröffnet. Diese Strecke folgt nicht der historischen Strecke nach Wilkau-Haßlau, sondern verläuft weiter westlich.

Ehemalige Straßenbahnlinien[Bearbeiten]

  • Linie 1: Hauptbahnhof – Georgenplatz – Neumarkt (Bosestraße) – Hauptmarkt – Schedewitz (bis 1943)
  • Linie 1: Eckersbach – Neumarkt (Bosestraße) – Georgenplatz – Zentralhaltestelle – Hauptbahnhof (bis Anfang 1990er und von Dezember 2005 bis Dezember 2009)
  • Linie 2: Pölbitz – Neumarkt (Bosestraße) – Georgenplatz – Marienthal/Paulusstraße (bis 1969; in den 1990ern waren die Einrückefahrten mit „2 Schlachthofstraße“ beschildert)
  • Linie 3: Hauptbahnhof – Georgenplatz – Neumarkt (Bosestraße) – Hauptmarkt – Wilkau-Haßlau (bis 1975)
  • Linie 6: Eckersbach – Neumarkt (Bosestraße) – Georgenplatz – Marienthal/Paulusstraße – Städtisches Klinikum (bis Dezember 2005)
  • Linie 61: Eckersbach – Neumarkt (Bosestraße) – Georgenplatz – Marienthal/Paulusstraße (Mitte 1990er)
  • Linie 8: Pölbitz – Neumarkt (Leipziger Straße) – Hauptmarkt – Zentrum – Stadthalle (bis Dezember 2005 und während Bauarbeiten im Sommer 2011 und 2012)
  • Linie 47: Pölbitz – Georgenplatz – Zentralhaltestelle – Hauptbahnhof - Zentralhaltestelle – Georgenplatz - Marienthal/Paulusstraße – Städtisches Klinikum (während einer Baustelle am Georgenplatz vom 20. Juni 2011 bis 10. Juli 2011)

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Auf dem Netz der Zwickauer Straßenbahn werden 22[1] Gelenktriebwagen der tschechischen Bauart Tatra KT4D eingesetzt. Ebenfalls kommen auf allen Straßenbahnlinien die Niederflurwagen GT6M-NF zum Einsatz. Hiervon befinden sich zwölf Fahrzeuge in Zwickau.

Liniennetz[Bearbeiten]

Das aktuelle Liniennetz umfasst vier Linien.

Linie Linienweg Länge Halte Bemerkungen
3 Eckersbach – Neumarkt (Leipziger Straße) – Hauptmarkt – Stadthalle – Neuplanitz 10,6 km 20 1999–2005 Eckersbach-Stadthalle, seit Dezember 2005 bis Neuplanitz
4 Pölbitz – Neumarkt (Bosestraße) – Georgenplatz – Marienthal/Paulusstraße – Städtisches Klinikum 8,2 km 17 zeitweise Zwickaus einzige Straßenbahnlinie, seit Dezember 2005 wieder in Betrieb
5 Städtisches Klinikum – Marienthal/Paulusstraße – Georgenplatz – Zentralhaltestelle – Hauptbahnhof 12 seit Dezember 2009
7 Pölbitz – Neumarkt (Bosestraße) – Georgenplatz – Zentralhaltestelle – Hauptbahnhof 4,8 km 12 bis Dezember 2005 sowie seit Dezember 2009

Umgesetzt wurde dieses Liniennetz zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009, womit der Stadtteil Eckersbach aufgrund des Bevölkerungs- und Fahrgastrückganges seltener angefahren wird, aber die Anbindung des Hauptbahnhofes verbessert wurde.[2][3]

Wendeschleifen[Bearbeiten]

  • Pölbitz
  • Eckersbach
  • Hauptbahnhof
  • Paulusstraße
  • Städtisches Klinikum
  • Schedewitz (Stadthalle)
  • Neuplanitz (Findeisenweg)
  • Betriebshof Schlachthofstraße
  • Neumarkt (Gleisdreieck)
  • Georgenplatz (Gleisdreieck)

Mögliche Projekte[Bearbeiten]

  • Aus den Anfangsjahren der Zwickauer Straßenbahn stammen nie umgesetzte Pläne einer Anbindung von Werdau und Reinsdorf, einer Ringlinie vom Bahnhof über Georgenplatz, Plauensche Straße, Hauptmarkt, Neumarkt und Bosestraße zurück zum Bahnhof, einer Linie über den Kornmarkt durch die Marienstraße sowie einer Schnellbahn nach Crimmitschau. Nach der Wiedervereinigung verschwanden Pläne einer Straßenbahn zum VW-Werk in Zwickau-Mosel und für den Wiederaufbau der Trasse nach Wilkau-Haßlau wieder in der Schublade. Zuletzt war eine Straßenbahnanbindung von Meerane im Gespräch.
  • Für den Neumarkt wurde auch ein Gleisbogen Richtung Süden diskutiert. Wäre er gebaut worden, hätten Fahrgäste ohne umzusteigen vom Westen der Stadt in Richtung Zentrum und Stadthalle fahren und bei Betriebsstörungen die Bahnen flexibler umgeleitet werden können.
  • Umgestaltungspläne gibt es für den Bahnhofsvorplatz, wo die Straßenbahn wieder direkt vor der Eingangshalle halten soll. Gemeinsam mit der zunächst nur in Fachkreisen diskutierten Idee, die Stichstrecke zum Hauptbahnhof an die wichtige Marienthaler Linie anzubinden und dafür die Trasse durch die untere Werdauer Straße aufzugeben, wurde dies im Dezember 2012 per Stadtratsbeschluss zum Bestandteil des neuen ÖPNV-Konzeptes. [4]
  • Bereits 1898 wurde die Idee eines Straßenbahnanschlusses von Oberplanitz geboren. Die Option einer Verlängerung von Neu- nach Oberplanitz war zuletzt im Zwickauer Nahverkehrsplan 2006–2010 als „langfristig“ vorgesehen. Die letzten Planungen aus den 1990er Jahren sahen die neuen Haltestellen „Strandbad“, „Ober-Planitzer Markt“, „Damaschkestraße“, „Lengenfelder Straße“ und „Wende Ober-Planitz“ (Höhe Sonnenleite/Friedrich-Naumann-Straße) vor.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Straßenbahn Zwickau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage der Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau am 13. August 2014
  2. Straßenbahn-Linien: eine geht, zwei kommen in: Freie Presse, Lokalausgabe Zwickau vom 2. Oktober 2009
  3. Verkehrsbetrieb knüpft neues Liniennetz in: Freie Presse, Lokalausgabe Zwickau vom 6. Oktober 2009
  4. ÖPNV-Konzept auf Zwickau.de