Straßenbahn Nordhausen
Straßenbahn Nordhausen |
|
|---|---|
| Combino zwischen Theaterplatz und Rathaus/Kornmarkt | |
| Basisinformationen | |
| Staat | Deutschland |
| Stadt | Nordhausen |
| Eröffnung | 25. August 1900 |
| Betreiber | Stadtwerke Nordhausen |
| Infrastruktur | |
| Streckenlänge | 18,0 km |
| Spurweite | 1000 mm (Meterspur) |
| Stromsystem | 600 V DC Oberleitung / Dieselmotor |
| Haltestellen | 32 |
| Betrieb | |
| Linien | 3 |
| Takt in der HVZ | 10 min (1,2), 60 min (10) |
| Fahrzeuge | 3 GT4, 9 Combino, 3 Combino Duo |
| Höchstgeschwindigkeit | 50 km/h |
Die Straßenbahn Nordhausen ist eine von den Stadtwerken Nordhausen betriebene Straßenbahn, die auf drei Linien innerhalb der Stadt Nordhausen sowie im Umland bis nach Ilfeld verkehrt. Die Spurweite beträgt 1000 mm.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Die ersten 90 Jahre
Im Jahre 1898 vereinbarte die Stadt Nordhausen, die damals etwa 35.000 Einwohner hatte, mit der Elektrizitäts-AG (vormals Schuckert & Co. in Nürnberg), dass diese ein Elektrizitätswerk und eine Straßenbahn bauen und selbst betreiben solle. Erst zum 1. April 1920 wurde die Stadt Eigentümerin des Unternehmens.
Der Straßenbahnbetrieb wurde am 25. August 1900 auf einem meterspurigen Netz von 5,04 Kilometern Länge eröffnet. Eine Linie mit weißem Signal führte vom Bahnhof in die Altstadt zum Kornmarkt und weiter über den Neumarkt zum Gehege am Geiersberg (2,6 Kilometer). Die andere war eine Ringlinie (2,3 Kilometer), die vom Bahnhof – mit rotem Signal – ebenfalls zum Kornmarkt fuhr, dann durch enge Gassen zum Altentor gelangte und von dort über die Grimmel-Allee, wo sich Depot und E-Werk befanden, zum Bahnhof zurückkam. Die Wagen der Gegenrichtung trugen ein grünes Signal.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu ersten Einschränkungen. Ab 29. Januar 1922 entfiel die Fahrt durch die Altstadt zwischen Kornmarkt und Altentor; ebenso endete ab 1927 die Linie zum Gehege bereits an der Riemannstraße. Als man ab 8. Juli 1934 auch das kurze Stück von der Stolberger Straße zur Riemannstraße aufgab, verlängerte man das Gleis zum Pfingstweg/Friedrich-Naumann-Straße. Bis 1945 wurde das 4,25 Kilometer lange Netz von einer roten Linie vom Bahnhof zum Pfingstweg und einer grünen Linie vom Bahnhof zum Altentor befahren. Die im Jahre 1900 beschafften 13 Triebwagen wurden 1934 durch acht neue ersetzt.
Nach der Besetzung Nordhausens durch die Rote Armee im Sommer 1945 ging der Straßenbahnbetrieb von den „Städtischen Elektrischen Werken Nordhausen“ im Jahr 1949 auf das „Kommunale Wirtschafts-Unternehmen (KWU) der Stadt Nordhausen“ über und wurde 1951 zum „VEB (K) Verkehrsbetriebe Nordhausen“. Trotz der starken Zerstörung der Stadt wurde die Straßenbahn wieder im früheren Umfang von etwa vier Kilometern Länge in Betrieb genommen. Kleinere Erweiterungen gab es erst in den achtziger Jahren; ab dem 7. Oktober 1981 fuhr die Linie 1 von der Stolberger Straße 800 Meter weiter bis zum Kreiskrankenhaus und seit dem 21. Dezember 1983 endet die Linie 2 an der Parkallee 700 Meter vom Altentor entfernt.
[Bearbeiten] Die Entwicklung nach der Wiedervereinigung
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 stand die Existenz der Straßenbahn zur Diskussion; es wurde jedoch entschieden, die Straßenbahn zu erhalten. In den folgenden Jahren wurde das Schienennetz von Grund auf saniert und neue (zunächst alte brauchbare) Fahrzeuge gekauft. Am 3. Oktober 1993 kam noch eine Neubaustrecke hinzu, die vom Theaterplatz 1,8 Kilometer in den Ostteil der Stadt führt. 2004 wurde schließlich der lange geplante Lückenschluss zur Harzquerbahn vollendet (siehe unten). Seither gibt es in Nordhausen die folgenden drei Straßenbahnlinien:
| Linie | Verlauf | Länge | Takt |
|---|---|---|---|
| 1 | Krankenhaus – Rathaus/Kornmarkt – Bahnhofsplatz | 3,2 km | Mo.-Fr.: 10 min/Sa.-So., Feiertag: 20 min |
| 2 | Parkallee – Landratsamt – Rathaus/Kornmarkt – Nordhausen Ost | 4,6 km | Mo.-Fr.: 10 min/Sa.-So., Feiertag: 20 min |
| 10 | Krankenhaus – Rathaus/Kornmarkt – Bahnhofsplatz – Niedersachswerfen Ost – Ilfeld Neanderklinik | 14,6 km | Mo.-Fr.: 60 min/Sa.-So., Feiertag: 120 min |
[Bearbeiten] Linie 10 nach Ilfeld
Pläne, die Nordhäuser Straßenbahn mit dem Netz der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) zu verbinden, waren wegen der Gleichheit der Spurweiten möglich. Nach der Wiedervereinigung kamen Bestrebungen auf, die beiden Gleisnetze zu verbinden. Beim 100-jährigen Jubiläum der HSB im September 1999 unterzeichneten HSB und Stadtwerke Nordhausen eine Absichtserklärung, bis zur Landesgartenschau im Jahr 2004 diese Verbindung herzustellen.[1] 2002 wurde der Lückenschluss in Angriff genommen: Es wurde ein Gleis von der Straßenbahnhaltestelle Bahnhofsvorplatz durch eine angrenzende Straße zu den Abstellgleisen der Harzquerbahn am Bahnhof Nordhausen Nord gebaut und dort an die bestehenden Gleisanlagen angeschlossen. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Straßenbahn Nordhausen wurde am 3. Juni 2000 die erste Hybridbahn Twino präsentiert. Es handelte sich dabei um eine mit einem 5-Zylinder-PKW-Dieselmoter erweiterte GT4-Bahn, die der praktischen Erprobung des Hybridantriebs diente. Bis zum 1. Mai 2004 beschafften die Stadtwerke drei Bahnen vom Typ Combino Duo, die seitdem durchgängig vom Krankenhaus Nordhausen über das Gleis der Harzquerbahn bis zum Haltepunkt Ilfeld-Neanderklinik fahren; außerdem fahren die meisten Triebwagen der Harzer Schmalspurbahnen seitdem bis auf den Bahnhofsvorplatz.
Da die Strecke nach Ilfeld jedoch keine Fahrleitung besaß und man sich gegen eine Elektrifizierung entschieden hatte, mussten für die als Linie 10 bezeichnete Linie neue Fahrzeuge mit Hybridantrieb beschafft werden. Innerhalb der Stadt Nordhausen beziehen diese ihren Antriebsstrom direkt aus der Fahrleitung; auf den Gleisen der Harzquerbahn erfolgt der Antrieb auf einer Strecke von 11,4 Kilometern diesel-elektrisch. Für den Dieselantrieb ist ein ursprünglich für PKWs vorgesehener Motor der Marke BMW eingebaut.
Die Kombination von Meterspur und Dieselantrieb ist eine in ihrer Form weltweit einzigartige Umsetzung des sogenannten Karlsruher Modells.
[Bearbeiten] Fahrzeuge
Im Linienverkehr werden fast ausschließlich Neubau-Fahrzeuge des Typs Combino von Siemens eingesetzt, von denen seit dem Jahr 2000 insgesamt zwölf Stück beschafft wurden. Sechs dieser Wagen sind Einrichtungsfahrzeuge (101–104,108-109), drei Zweirichtungsfahrzeuge (105–107) und weitere drei sogenannte Combino Duo mit Hybridantrieb für die Strecke nach Ilfeld (201–203). Außerdem existieren noch drei von insgesamt vier in den 1990er Jahren aus Stuttgart und Freiburg übernommene GT4-Gelenkwagen, die jedoch überwiegend als Reserve dienen und teilweise schon abgestellt sind. Hinzu kommen noch zwei historische Triebwagen und ein Partywagen.
[Bearbeiten] Weblinks
- Website der Stadtwerke Nordhausen, Betreiber der Straßenbahn
- Private Fotogalerie über die Nordhäuser Straßenbahn
[Bearbeiten] Einzelnachweise
Erfurt | Gera | Gotha • Thüringerwaldbahn | Jena | Nordhausen • Harzquerbahn
Ehemalige: Altenburg | Eisenach | Mühlhausen | Weimar
Stadtbahnen mit Tunnelstrecken: Bielefeld | Frankfurt am Main | Hannover | Rhein-Ruhr (Bochum • Dortmund • Düsseldorf • Duisburg • Essen) | Rhein-Sieg (Bonn • Köln) | Stuttgart
Regionalstadtbahnen: Chemnitz | Heilbronn | Karlsruhe | Kassel | Nordhausen | Saarbrücken