Strachocin (Stronie Śląskie)

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Strachocin
Strachocin führt kein Wappen
Strachocin (Polen)
Strachocin
Strachocin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Kłodzko
Gmina: Stronie Śląskie
Geographische Lage: 50° 18′ N, 16° 53′ O50.30805555555616.875555555556Koordinaten: 50° 18′ 29″ N, 16° 52′ 32″ O
Höhe: 480 m n.p.m
Einwohner:
Postleitzahl: 57-550
Telefonvorwahl: (+48) 74
Kfz-Kennzeichen: DKL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Lądek ZdrójStronie Śląskie
Nächster int. Flughafen: Breslau

Strachocin (deutsch Schreckendorf) ist ein Dorf im Powiat Kłodzki in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es gehört zur Stadt- und Landgemeinde Stronie Śląskie und liegt fünf Kilometer südlich von Lądek Zdrój.

Geographie und Klima[Bearbeiten]

Strachocin liegt an der Landecker Biele im Südosten des Glatzer Kessels. Nachbarorte sind Stójków im Norden, Goszów im Osten, Młynowiec im Südosten, Stronie Śląskie und Stara Morawa im Süden, Rogóżka und Czatków (Tschihak) im Südwesten, Konradów im Westen und Kąty Bystrzyckie im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Maternus

Schreckendorf ist das urkundlich älteste Dorf im Glatzer Land. Es wurde nach deutschem Recht angelegt und erstmals 1264 in einer Urkunde des böhmischen Königs Ottokar II. Přemysl als ecclesia Sreckeri erwähnt. Weitere Schreibweisen waren Sreckendorf und Sreckdorf (1285–1295) Shrekkendorph (1325) und Schrekersdorf (1346)[1]. In der genannten Urkunde werden „dem Priester Daniel und seinen Nachfolgern der Kirche Schreckers“ zwei Hufen Land übertragen. Daraus ergibt sich, dass die dem hl. Maternus geweihte Kirche gleichzeitig mit der Anlage des Dorfes erbaut wurde. Für das Jahr 1325 ist sie als Pfarrkirche belegt. Das Dorf gehörte 1346 zur Herrschaft Karpenstein und bildete zusammen mit den benachbarten Dörfern Seitenberg und Gompersdorf die sogenannten Grunddörfer. Nach der Zerstörung der Burg Karpenstein 1443 fiel es als königliches Kammerdorf an die Krone Böhmen. Für das Jahr 1520 werden für Schreckendorf ein Bergwerk und ein Hammer erwähnt. Während der böhmischen Rebellion wurde der katholische Pfarrer von Schreckendorf von der damals überwiegend lutherischen Bevölkerung vertrieben. Nach der Inbesitznahme der Grafschaft Glatz 1623 durch die kaiserlichen Truppen wurde wiederum ein katholischer Priester eingesetzt[2]. 1740 verkaufte die Böhmische Kammer Schreckendorf an den kaiserlichen Feldmarschall Georg Olivier von Wallis, der es mit seiner Herrschaft Seitenberg verband.

Nach den Schlesischen Kriegen fiel Schreckendorf zusammen mit der Grafschaft Glatz 1763 mit dem Hubertusburger Frieden an Preußen. Nach der Neugliederung Preußens gehörte es seit 1815 zur Provinz Schlesien und war zunächst dem Landkreis Glatz eingegliedert. 1818 erfolgte die Umgliederung in den Landkreis Habelschwerdt, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. 1939 wurden 1.454 Einwohner gezählt.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Schreckendorf an Polen und wurde in Strachocin umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren zum Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. 1960 wurde der größte Teil von Strachocin nach Stronie Śląskie eingemeindet, das durch die Bevölkerungszunahme sowie die industrielle Entwicklung 1967 zur Stadt erhoben wurde. In den Jahren 1975–1998 gehörte Strachocin zur Woiwodschaft Wałbrzych.

Glashütte[Bearbeiten]

1756 gründete der damalige Grundherr Stephan Olivier von Wallis in Schreckendorf eine Glashütte, die wegen ihrer billigeren Produkte in Konkurrenz zur Friedrichsgrunder Hütte der Gebrüder Rohrbach stand. Nachdem die Herrschaft Seitenberg 1783 vom Grafen Friedrich Wilhelm von Schlabrendorf erworben wurde, pachteten die Brüder Ignaz und Christoph Rohrbach diese Glashütte. 1795 wurde das Pachtverhältnis gelöst und die Hütte wegen angeblichem Holzmangel geschlossen.

1862 gründete Franz Losky, der bis dahin die Glashütte Waldstein bei Rückers gepachtet hatte, mit neun Glasmachern und zwölf Glasschleifern, die er aus seiner bisherigen Hütte geworben hatte, eine eigene Hütte in Schreckendorf. Zu Ehren der damaligen Grundherrin Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau, der die Herrschaft Seitenberg seit 1838 gehörte, erhielt die Glasfabrik die Firmenbezeichnung „Oranienhütte“. Sie wurde nach modernen Gesichtspunkten mit einer Dampfschleiferei eingerichtet und produzierte anspruchsvolle Kristallgläser, die in betriebseigenen und auch auswärtigen Veredelungsbetrieben bearbeitet wurden. Nach dem Tod Franz Loskys 1870 übernahm sein Sohn Wilhelm Losky († 1887) den Betrieb. Die Produkte des Unternehmens, das zu den führenden der Glasindustrie zählte, fanden weltweiten Absatz. 1924 wurden 500 Mitarbeiter beschäftigt und 1929 das Unternehmen zu einer Aktiengesellschaft umgewandelt. Anfang der 1930er Jahre wurde der Betrieb der Glashütte wegen der Wirtschaftskrise eingestellt. Die Veredelungsbetriebe arbeiteten bis 1945.

Nach dem Übergang an Polen wurde die noch vorhandene Glasschleiferei demontiert. 1950 wurde die Glasproduktion wieder aufgenommen und ab 1953 Glaswaren ins Ausland geliefert. Nach Erweiterung der Fabrikgebäude erhielt der Betrieb 1962 die Firmenbezeichnung „Violetta“. Ende der 1960er Jahre produzierte die Firma jährlich 1.000 Tonnen Kristallglas und beschäftigte 2.500 Mitarbeiter. In den 1990er Jahren beschäftigte sie zusammen mit der Kristallglasschleiferei etwa 1.300 Mitarbeiter.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die auf einer Anhöhe liegende Pfarrkirche St. Maternus (Kościół p.w. św. Maternusa) wurde erstmals 1264 erwähnt und 1732 als Stiftung des Kardinals Michael Friedrich von Althann im Barockstil neu erbaut. Der Turm wurde 1811–1816 errichtet. Das Deckengemälde schuf der Landecker Maler Wilhelm Reinsch, die Heiligenfiguren, den Schutzengel, die Pietà und den Kreuzweg der Landecker Bildhauer Franz Thamm um 1880. Der Kristall-Kronleuchter war ein Geschenk der Glasmacher und Glasschleifer der Oranienhütte. Seit 1960 gehört die Kirche zum Stadtgebiet von Stronie Śląskie.
  • Grabstein des Glasindustriellen Franz Losky (1811–1870) auf dem Friedhof.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Marek Šebela, Jiři Fišer: České Názvy hraničních Vrchů, Sídel a vodních toků v Kladsku. In: Kladský Sborník 5, 2003, S. 388
  2. Joseph Kögler: Die Chroniken der Grafschaft Glatz. Neu bearbeitet von Dieter Pohl. Bd. 4, ISBN 3-927830-18-6, S. 48 und 95