Strafstoß

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Birgit Prinz in der 73. Minute beim Strafstoß zum 4:0-Endstand im Bundesligaspiel FrankfurtPotsdam, 12. Mai 2008[1]
Lothar Matthäus verwandelt in der 47. Minute des WM-Viertelfinales 1994 gegen Bulgarien einen Strafstoß zur 1:0-Führung.

Der Strafstoß (engl., schweiz., auch österr. Penalty, auch als Elfmeter oder Elfer bezeichnet) beim Fußball ist eine vom Schiedsrichter verhängte Spielstrafe, die eine von einer Regelwidrigkeit benachteiligte Mannschaft in eine aussichtsreiche Position zum Torerfolg bringt.

Der Strafstoß wird als Spielstrafe verhängt, wenn ein Regelverstoß, der einen direkten Freistoß nach sich zöge (meist ein Foul oder ein Handspiel), durch einen verteidigenden Spieler innerhalb des eigenen Strafraums stattfindet. Anders als im Sportjournalismus gelegentlich zu hören, ist es nicht Voraussetzung, dass das Foul „elfmeterwürdig“ im Sinne einer besonderen Schwere sein muss. Wird mit dem Regelverstoß auch ein aussichtsreicher Angriff verhindert, so spricht der Schiedsrichter zusätzlich eine Verwarnung aus, bei Unterbindung einer klaren Torchance wird der regelübertretende Spieler vom Schiedsrichter (mittels der Roten Karte) auf Dauer des Feldes verwiesen.

Zudem führt ein Strafstoß häufig zu einem Tor und kann daher eine spielentscheidende Situation sein. Deshalb versuchen einige Spieler ein Foul vorzutäuschen, indem sie sich im gegnerischen Strafraum fallen lassen (so genannte „Schwalbe“). Ein solcher Versuch ist vom Schiedsrichter zwingend mit einer Verwarnung des Spielers und einem indirekten Freistoß gegen die Mannschaft dieses Spielers zu ahnden.

Vom im Spiel wegen eines Regelverstoßes verhängten Strafstoß ist das Elfmeterschießen im Rahmen des Verfahrens zur Ermittlung eines Siegers zu unterscheiden.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Strafstoß wurde 1891 in Irland erfunden. Als Erfinder des Strafstoßes gilt der Leinenfabrikant und Sportsmann William McCrum, der als Torhüter von 1890 bis 1891 beim Milford Everton FC in der Irish Football League zwischen den Pfosten stand. Der Strafstoß war als Ausgleich gedacht, wenn der Gegner absichtlich ein Bein stellt oder tritt. Noch im gleichen Jahr schlug die irische FA vor, den Strafstoß allgemein einzuführen, was nach einigen Debatten auch geschehen sollte.

In Deutschland wurde der Strafstoß 1893 eingeführt. Zunächst gab es sowohl in England als auch in Deutschland keine Strafstoßmarke in Form eines Punktes, sondern eine Linie, die parallel zur Torlinie in einer Entfernung von 12 Yards (also fast genau 11 Meter, woher auch die übliche Bezeichnung stammt) zum Tor quer über das ganze Spielfeld verlief, diese hieß auch „Sühnelinie". Von überall auf der Linie aus durfte beim Strafstoß geschossen werden. Der Torhüter durfte sich bis zu fünfeinhalb Meter von der Torlinie entfernen. Im Jahre 1902 wurde der Strafraum (oft als 16-Meter-Raum bezeichnet) eingeführt und die Sühnelinie durch den heutigen Elfmeterpunkt, der in 12 Yard Entfernung vor der Mitte des Tores liegt, ersetzt.

Seit 1906 darf der Torhüter die Torlinie beim Strafstoß nicht mehr verlassen. Er durfte sich jedoch bis zum Schuss auf der Torlinie bewegen,[2] was 1929 abgeschafft wurde, jedoch seit 1997 wieder erlaubt ist.

Ausführung[Bearbeiten]

Der Strafstoß wird von einem Punkt fast genau 11 Meter (oder in der englischsprachigen Norm auch 12 yards = 10,9728 m) von der Torlinie in Richtung Mittelpunkt durchgeführt. Im Gegensatz zum Freistoß, bei dem nur die Verteidiger den Abstand einzuhalten haben, müssen beim Strafstoß alle Spieler außer dem Schützen der angreifenden Mannschaft und dem Torwart der verteidigenden Mannschaft mindestens 9,15 m oder 10 yards (9,144 m) vom Ball entfernt, außerhalb des Strafraumes sowie hinter der Strafstoßmarke (näher an der Mittellinie) auf dem Spielfeld sein. Der Raum, der weniger als 9,15 m von der Strafstoßmarke entfernt ist, aber nicht im Strafraum liegt, wird vom Teilkreis am Strafraum markiert.

Torhüterin Bianca Henninger bewegte sich wie beim ersten auch bei diesem zweiten Strafstoß-Versuch Esther Sundays im Entscheidungsschießen des U-20-WM-Spiels USA – Nigeria, gemäß Beurteilung der Schiedsrichterin regelwidrig vor die Torlinie, sodass Sunday nach zwei vergebenen Chancen den dritten Strafstoß verwandeln konnte.

Ein Strafstoß darf nur ausgeführt werden, wenn bei der verteidigenden Mannschaft der Torwart im Tor steht und sein Gesicht und seinen Körper in Richtung Spielfeld gedreht hat. Der Torwart muss sich auf der Torlinie befinden, darf sich dort aber bewegen.[2] Weigert sich der Torwart, in sein Tor zu gehen, sich auf die Torlinie zu stellen, oder stellt er sich mit dem Rücken oder der Seite zum Spielfeld, so ist er zu verwarnen. Bringt auch das keine Abhilfe, so ist der Spielführer einzuschalten und aufzufordern, für Abhilfe zu sorgen. Dies kann durch Beeinflussung des Torwartes zu regelkonformen Verhalten oder durch den Wechsel des Torwartes (alternativ gegen einen Mitspieler oder, soweit das Wechselkontingent nicht ausgeschöpft ist, durch einen Auswechselspieler) erfolgen. Ist der Spielführer hierzu nicht gewillt oder bleibt er in einer vom Schiedsrichter gesetzten Frist erfolglos, so hat der Schiedsrichter das Spiel abzubrechen.

Ein Strafstoß muss vom Schiedsrichter mit einem Pfiff freigegeben werden. Erst nachdem der Ball mit dem Fuß – und dabei nicht mit der Ferse – gestoßen wurde und sich nach vorne bewegt hat, ist der Ball im Spiel. Nun darf der Torwart die Torlinie verlassen und alle Spieler in den vorher gesperrten Bereich eindringen. Sie können, falls der Ball nicht ins Tor oder Aus geht, in der Folge direkt ins Spiel eingreifen. So darf der Strafstoßschütze beispielsweise einem Mannschaftskameraden den Ball auflegen (indirekte Ausführung), muss ihn jedoch nach vorn spielen. Der Schütze selbst darf den Ball erst dann wieder spielen, wenn nach seinem Schuss mindestens ein anderer Spieler den Ball berührt hat. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Strafstoßschütze den Nachschuss ausführen kann, wenn der Strafstoß vom Torwart abgewehrt wurde. Springt der Ball jedoch vom Pfosten oder der Latte zu ihm zurück, darf er das nicht. Berührt der Strafstoßschütze trotzdem zweimal hintereinander den Ball, gibt es an der Stelle, an der er den Ball ein zweites Mal berührt hat, indirekten Freistoß für die verteidigende Mannschaft.

Der Strafstoß ist die einzige Spielfortsetzung, für die die Spielzeit zwangsläufig verlängert werden muss, wenn diese nach dem ursächlichen Regelverstoß und vor der Ausführung bereits abgelaufen ist. In diesem Fall muss das Spiel verlängert werden, bis die Wirkung eingetreten ist. Die Wirkung des Schusses ist eingetreten, wenn der Ball im Tor ist, das Spielfeld verlassen hat oder sicher ist, dass er ohne Aktion des Schützen oder eines anderen am Strafstoß unbeteiligten Spielers nicht mehr in das Tor gelangen wird. Eine Ballberührung ohne sichere Ballkontrolle des Torwarts sowie des Pfostens oder der Latte beendet die Wirkung dementsprechend noch nicht. Ist die Wirkung des Schusses eingetreten, hat der Schiedsrichter das Spiel bzw. die Halbzeit sofort zu beenden, wenn die Spielzeit zur Strafstoßausführung verlängert wurde. Der Schiedsrichter soll die Beteiligten in diesem Fall auf den Umstand hinweisen, dass ein Nachschuss nicht mehr möglich sein wird.

Das Regelwerk gestattet ausdrücklich Finten bei der Ausführung des Strafstoßes, was auch ein Abstoppen des Anlaufes beinhaltet. Ab dem Moment, in welchem der Schütze schussbereit ist (ein Fuß befindet sich neben dem Ball), ist eine (erneute) Unterbrechung der Ausführung aber nicht mehr erlaubt und stellt eine unsportliche Täuschung dar. Dennoch hat der Schiedsrichter die Ausführung des Strafstoßes zuzulassen. Wird aus einem solchen Strafstoß ein Tor erzielt, hat der Schiedsrichter auf Wiederholung des Strafstoßes zu entscheiden, im anderen Fall wird das Spiel mit einem indirekten Freistoß dort fortgesetzt, wo sich der Regelverstoß ereignet hat. In beiden Fällen ist der Schütze wegen seines Verhaltens aber zu verwarnen.

Wenn ein Spieler der angreifenden Mannschaft vor dem Schuss den Strafraum oder den Teilkreis davor betritt, ergeben sich die gleichen Folgen (analog dem obigen Abschnitt), wie wenn der Schütze unsportlich täuscht.

Sollte ein Spieler der verteidigenden Mannschaft auf gleiche Weise zu früh den Strafraum oder den Teilkreis betreten, so ist der Strafstoß, wenn er nicht zum Tor führte, zu wiederholen. Bei einem Treffer ist das Tor anzuerkennen und mit Anstoß fortzufahren. Sollte ein Vergehen beider Mannschaften bestehen, so ist immer auf Wiederholung zu entscheiden.

Beim Hallenfußball gibt es an Stelle des Strafstoßes den Neunmeter oder Siebenmeter, der nach ähnlichen Regeln ausgeführt wird.

Elfmeterschießen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Elfmeterschießen

In Spielen, die zwingend einen Sieger benötigen, ist das Elfmeterschießen eine der möglichen Varianten zur Ermittlung eines Siegers. Die Ausführung der Schüsse erfolgt dabei wie im vorherigen Absatz beschrieben, allerdings ist ein Nachschuss nicht möglich. Die Schützen – zunächst fünf je Mannschaft – sind im Vorfeld festzulegen. Das Elfmeterschießen ist beendet, wenn eine Mannschaft (bezogen auf fünf je Mannschaft auszuführende Schüsse) uneinholbar in Führung liegt. Ist nach den ersten fünf Schüssen je Mannschaft noch keine Entscheidung gefallen, so wird je Mannschaft ein weiterer Schuss ausgeführt, bis eine Entscheidung gefallen ist. Dabei darf ein Spieler erst dann wieder zum Schuss antreten, wenn alle anderen Spieler seiner Mannschaft, einschließlich des Torwartes, die zum Endzeitpunkt des Spieles am Spiel beteiligt waren, ebenfalls geschossen haben.

Mathematik und Statistik[Bearbeiten]

Geometrische Berechnung der Strafstoßmarke[Bearbeiten]

Geometrische Bestimmung des Strafstoßpunktes

Wenn der Torraum parallel zur Seitenlinie verlängert wird, schneidet diese Linie die Strafraumgrenze. Von diesem Schnittpunkt aus zieht man diagonal eine Linie zur anderen Ecke des Torraumes. Wenn diese Konstruktion von beiden Seiten her ausgeführt wird, erhält man als Schnittpunkt dieser beiden Diagonallinien genau die Strafstoßmarke. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Abstand der Begrenzungslinien zur Torlinie beim Torraum 5,5 Meter und beim Strafraum 16,5 Meter beträgt (siehe Spielfeld-Maße).

Diese Technik wird zur Kontrolle der Strafstoßmarke von Schiedsrichtern angewendet.

Auf diese Weise hat der Schweizer Schiedsrichter Martin Salm im August 2006 im Stade de Suisse festgestellt, dass der Penalty-Punkt auf dem Kunstrasen bei 10 statt 11 Meter aufgemalt war. Dies war zuvor von mehreren Super-League-Schiedsrichtern nicht bemerkt worden.

Statistik[Bearbeiten]

In 75 bis 80 Prozent der Fälle trifft der Schütze. Bei den Weltmeisterschaften liegt die Quote bei über 80 Prozent. 90 Prozent der Spieler schießen in eine der Ecken.[3]

Bei einer Torgröße von 7,32 × 2,44 m müsste der Torhüter 18 m² abdecken. Nach Messungen ist der Ball 90–100 km/h schnell. Für die 11 m (Tormitte) braucht er nur 0,4 Sekunden, für die 11,59 m (Torenden) entsprechend 0,42 Sekunden. Mathematiker der Universität Erlangen-Nürnberg haben ausgerechnet, dass der Torhüter mit der Geschwindigkeit eines 100-Meter-Läufers in die Ecke fliegen müsste, um den Ball noch zu erreichen.[4][3]

Einigen Torwarten gelingt es, deutlich mehr Strafstöße zu halten als der Durchschnitt der Torwarte. Diese Torhüter verfügen über die Fähigkeit, zumindest bei einigen Spielern zu erkennen, in welche Ecke sie schießen werden, werfen sich also in die richtige Ecke und haben so die Chance, einen nicht ganz in die Ecke platzierten Ball zu halten. Einige Torhüter analysieren außerdem das Verhalten der Schützen in vorangegangenen Spielen und kennen dadurch mit erhöhter Wahrscheinlichkeit die Ecke und die Schusstechnik, die der jeweilige Schütze verwenden wird, und können sich darauf einstellen. Große Medienaufmerksamkeit erhielt ein Zettel, der Jens Lehmann im Elfmeterschießen gegen Argentinien bei der Weltmeisterschaft 2006 zugesteckt wurde, und auf dem das wahrscheinliche Schussverhalten der argentinischen Spieler notiert war.[5] Lehmann hielt zwei der vier Schüsse.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Auf den Färöern darf bei einem Elfmeter ein dritter Spieler zu Hilfe kommen, um den Ball festzuhalten, damit dieser bei den dort häufig vorkommenden hohen Windstärken auf dem Elfmeterpunkt liegen bleibt.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Strafstoß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1. FFC Frankfurt – FFC Turbine Potsdam 4:0 (2:0). In: DFB.de, 12. Mai 2008.
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTobias Rabe: Warum darf Tim Wiese beim Elfmeter zappeln? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. April 2009, abgerufen am 16. November 2013.
  3. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUlrike von Leszczynski: Trefferwahrscheinlichkeit: Physikprofessor berechnet erfolgreichen Elfmeter. Die Welt, 26. März 2012, abgerufen am 16. November 2013.
  4. Spiegel Online, 1. August 2005, Jens Radü Kalkulierter Ball - Mathematiker berechnen den perfekten Strafstoß'
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFußball-WM: Lehmanns Geheimnis gelüftet. Spiegel Online, 25. September 2006, abgerufen am 16. November 2013.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPhillip Köster: Fußballregeln – "Gewissenlose, üble Kerle". Spiegel Online, 6. August 2007, abgerufen am 16. November 2013.