Strahlentelex

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Strahlentelex mit ElektrosmogReport ist ein unabhängiger Informationsdienst zu Radioaktivität, Strahlung und Gesundheit sowie zur Bedeutung elektromagnetischer Felder für Umwelt und Gesundheit und erscheint als Druckschrift in deutscher Sprache an jedem ersten Donnerstag im Monat.

Strahlentelex gibt es seit Januar 1987. Im Internet lassen sich heute zudem sämtliche veröffentlichten Beiträge seit 1987 recherchieren. Strahlentelex ist frei von kommerzieller Werbung, erhält keinerlei staatliche oder sonstige Zuwendungen und finanziert sich ausschließlich durch Abonnements.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Dezember 1986, dem Jahr der Katastrophe von Tschernobyl, begann die Unabhängige Strahlenmessstelle Berlin ihre Tätigkeit. Der Chemiker Peter Plieninger und der Kerntechniker Bernd Lehmann nahmen im Schaufenster eines Ladengeschäfts in Berlin-Moabit einen sogenannten Gamma-Messplatz in Betrieb. Das Radioaktivitätsmessgerät war aus den Überschüssen eines Benefizkonzertes erworben worden.

Das war auch die Geburtsstunde des Informationsdienstes Strahlentelex. Die erste Ausgabe erschien am 15. Januar 1987 unter der redaktionellen Verantwortung des Diplom-Ingenieurs und Wissenschaftsjournalisten Thomas Dersee, der es seitdem in ununterbrochener Folge publiziert. Ab 1994 arbeitete die Bremer Diplombiologin Bettina Dannheim und danach seit Mitte 2001 der Berliner Physiker Sebastian Pflugbeil in der Redaktion mit. Bis Mai 1989 erschien Strahlentelex vierzehntäglich, seitdem monatlich.

Die Spezialität des Strahlentelex in den ersten Jahren nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 war die Veröffentlichung von Radioaktivitätsmesswerten in Nahrungsmitteln bei offener Nennung der Produkt- und Firmennamen. Diese Namen zu nennen war den staatlichen Messstellen verboten - das ist bis heute so - und erforderte eine unabhängige Einrichtung, was den besonderen Wert und Erfolg des Strahlentelex ausmachte. In Form von vergleichenden Warentests, deren Methode die Stiftung Warentest vermittelt hatte, wurden die ersten systematischen Messreihen zu Milch und Babynahrung durchgeführt und veröffentlicht. Damit erhielten besorgte Eltern kleiner Kinder - immerhin neun Monate nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - erstmals konkrete und unverschlüsselte Daten, die es ihnen ermöglichten, die Strahlenbelastung ihrer Kinder so gering wie den Umständen entsprechend möglich zu halten. Daher war die Unterstützung durch Einzelpersonen, Elterninitiativen und Vereinen, wie Mütter und Väter gegen atomare Bedrohung e.V., groß. Bis zu 3000 Abonnenten hatte Strahlentelex in dieser Zeit. Das ermöglichte die kontinuierliche Finanzierung der Arbeit der Unabhängigen Strahlenmessstelle Berlin. Besonders hilfreich bis heute ist die Unterstützung durch die Mitglieder eines Wissenschaftlichen Beirates.

Strahlentelex entwickelte sich schon frühzeitig zu einem Spezialinformationsdienst, dem die Minimierung der Strahlenbelastungen zentrales Anliegen ist. Die Dokumentation der Auseinandersetzungen über die Wirkungen kleiner Strahlendosen erstreckt sich über die Bereiche der Umweltradioaktivität bis zu Strahlenanwendungen in der Medizin, etwa bei der Mammografie. Mit dem abnehmenden Interesse der Öffentlichkeit an reinen Radioaktivitätsmesswerten veränderte sich auch das Interesse am Strahlentelex. Wie sich am Beispiel des Streits um die Leukämiehäufung in der Umgebung des Atomkraftwerkes Krümmel und der GKSS in der Elbmarsch zeigt, ist dies das Feld, auf dem die Auseinandersetzung um eine strahlenarme Zukunft ausgefochten wird.

Im Dezember 1993 musste die unabhängige Strahlenmessstelle wegen des nachlassenden Interesses an konkreten Messergebnissen schließen und Strahlentelex kooperierte nun weiterhin mit den wenigen noch arbeitenden freien Messstellen und Initiativen besonders in München und Wien.

Seit April 1995 enthält Strahlentelex zusätzlich regelmäßig die Rubrik ElektrosmogReport, als unabhängigen Fachinformationsdienst zur Bedeutung elektrischer und magnetischer Felder für Umwelt und Gesundheit. Er wurde bis Ende 2005 von dem Diplom-Physiker Michael Karus, dem Arzt Dr. med. Franjo Grotenhermen, dem Diplom-Physiker Dr. Peter Nießen und der Diplom-Geographin Monika Bathow, redaktionell erstellt. Seit Januar 2006 besorgt die Diplombiologin Isabel Wilke vom Katalyse-Institut für angewandte Umweltforschung e.V., Köln, die Redaktion des ElektrosmogReports. Mit dem ElektrosmogReport wird der wissenschaftliche Meinungsstreit über die Wirkung nichtionisierender Strahlung kritisch begleitet und dokumentiert.

Im Gegensatz zu den ersten Jahren nach Tschernobyl, als die regelmäßige Veröffentlichung vergleichender Warentests im Strahlentelex für Eltern kleiner Kinder von besonderer Bedeutung war, sind Strahlentelex mit ElektrosmogReport bis heute zunehmend als Fachinformation in den Bereichen Strahlenschutz, Risikoabschätzung und -kommunikation gefordert, als Anlaufstelle für recherchierende Journalisten, Auskunftsuchende aus den Bereichen Medizin und Physik, und besonders auch für interessierte Laien, die sich in die Problematik von Strahlung und Strahlenschutz einarbeiten wollen.

Im April 2006 verlieh die Deutsche Umweltstiftung an Thomas Dersee ihren 19. Umweltpreis für Journalisten und würdigte eine 20-jährige unabhängige Informationsarbeit von Strahlentelex mit Elektrosmogreport.

Weblinks[Bearbeiten]