Strategiespiel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für das gleichnamige Computerspielgenre, siehe Computer-Strategiespiel

Ein Strategiespiel ist ein Spiel, in dem eine langfristige Planung des Vorgehens im Spiel entscheidend ist. Häufig enthalten Strategiespiele dabei keine oder nur sehr geringe Glücks- oder Zufallselemente.

Das Strategiespiel wird manchmal auch als Taktikspiel bezeichnet. Allerdings ist ein Taktikspiel ein Spiel mit Elementen, in dem der Spieler situativ Entscheidungen treffen muss, um sich im Spiel einen wesentlichen Vorteil zu verschaffen. Dies ist häufiger bei Spielen mit einem höheren Zufallsanteil der Fall, bei denen das weitere Vorgehen aufgrund von Zufallsereignissen teilweise komplett hinterfragt werden muss.

Strategiespiele sind u.a. Forschungsgegenstand der Spieltheorie; diese wird in Mathematik und Ökonomie angewendet.

Im Unterschied zur klassischen Entscheidungstheorie beschreibt die Spieltheorie Entscheidungssituationen, in denen der Erfolg des Einzelnen nicht nur vom eigenen Handeln, sondern auch von den Aktionen anderer abhängt (interdependente Entscheidungssituation).

Beschreibung[Bearbeiten]

Bei reinen Strategiespielen (Spiele ohne Zufallselemente) kann man prinzipiell in jeder Spielsituation das Ergebnis bei perfektem Spiel aller Spieler ausrechnen. Praktisch sind die Spiele dagegen häufig zu komplex, um sie zu berechnen. Strategiespiele erfordern von den Spielern, ein möglichst den gesamten Spielverlauf umfassendes Vorgehen zu entwickeln. Anders als bei purer Taktik (der Entscheidung von Fall zu Fall) geht es nicht nur darum, den vorangegangenen Spielzug beziehungsweise den anschließend folgenden in seine Überlegungen einzubeziehen, sondern mehrere Spielzüge im Voraus zu denken, Strukturen der Spielsituation zu erfassen und deren langfristige Auswirkungen vorher zu planen.

Das bei uns traditionell bekannteste Strategiespiel ist das Brettspiel Schach. Andere traditionelle Spiele sind Dame, Mancala und Go. In der Spieltheorie zählen zufallslose Strategiespiele ohne verdeckte Elemente, wie etwa gleichzeitige Züge, zu den Spielen mit vollständiger Information.

Neben den klassischen Strategiespielen haben sich in den letzten Jahren verschiedene Tabletop-, Karten- und Brettspiele entwickelt, die ebenfalls der Kategorie Strategiespiele zugeordnet werden. Beispiele dafür sind Euphrat & Tigris von Reiner Knizia und Puerto Rico von Andreas Seyfarth, die beide mit dem Deutschen Spiele Preis ausgezeichnet wurden, sowie viele abstrakte Zwei-Personen-Spiele, wie zum Beispiel die der Reihe Gipf von Kris Burm.

Der logische Hintergrund und die Beschreibung der Möglichkeiten und des Verhaltens der Spieler wird mit Hilfe der Spieltheorie beschrieben. Des Weiteren existiert für den Computer ein ganzes Genre an Strategiespielen.

Das bisher einzige reine Strategiespiel, das den Spielepreis Spiel des Jahres gewinnen konnte, war 1981, das von Sid Sackson entwickelte Brettspiel Focus. Vergleicht man die beiden Spielepreise „Spiel des Jahres“ und „Deutscher Spiele Preis“, so schneiden Strategiespiele bei letzterem meistens besser ab, da hier die Vorschläge von Spielern, die sich intensiv mit Spielen beschäftigen, eingehen, während beim „Spiel des Jahres“ die Jury besonders die Spielbarkeit für Familien und einen niedrigschwelligen schnellen Einstieg berücksichtigt.

Abgrenzung zum Taktik-Spiel[Bearbeiten]

Eine Strategie ist ein längerfristig ausgerichtetes planvolles Anstreben einer vorteilhaften Lage oder eines Ziels. Taktik bezeichnet im Allgemeinen konkrete Aspekte und Berechnungen, beispielsweise wird darunter beim Schach eine situative, wenig Züge umfassende Kombination mit schachtaktischen Elementen wie beispielsweise Abzug, Doppelangriff oder Fesselung verstanden. Eine solche Kombination stellt konkrete Drohungen auf und zielt auf konkrete Vorteile wie Figurenverlust oder Stellungsnachteil. Derartige Pläne können im Normalfall nicht langfristig entworfen werden, sondern müssen von den Spielern während des Spiels gesucht werden.

Eine Strategie ist dagegen auf die Beeinflussung des ganzen Spielverlaufs angelegt und entscheidet, welche Eröffnung ein Spieler wählt. Denn je nach Eröffnung ändert das Spiel grundsätzlich seine Richtung und der Spieler kann so einen Spieltyp anstreben (beispielsweise offener Schlagabtausch oder vorsichtiges Manövrieren), in der er sich stärker fühlt, oft ohne dass dies eigentlich messbar wäre.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Mehlmann: Strategische Spiele für Einsteiger - Eine verspielt-formale Einführung in Methoden, Modelle und Anwendungen der Spieltheorie. (Reihe: Mathematik für Einsteiger). Vieweg + Teubner, 2007, ISBN 978-3-8348-0174-6.