Stratifikation (Botanik)

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In der Botanik und im Samenbau bezeichnet der Begriff Stratifikation (von lat. stratum, Schicht) die Kältebehandlung von Samen um deren Keimung in einer gepufferten Umgebung anzuregen.[1] Als Puffer dienen Substratschichten, die den Wassergehalt, die Temperatur und den Lichtabschluss physikalisch stabilisieren und den bei freier feuchter Lagerung unvermeidlichen Befall mit Mikroorganismen reduzieren.

Nahezu alle Samen durchlaufen während und unmittelbar nach ihrer Reife an der Mutterpflanze eine Samenruhe oder Dormanz, die überwunden werden muss, bevor die Keimung erfolgen kann. Dies dient zunächst dazu, die Keimung bereits an der Mutterpflanze zu verhindern. Zudem müssen häufig bestimmte Umgebungsbedingungen erfüllt sein, damit die Samen keimen können. Zahlreiche Samenarten benötigen eine Kälteperiode, bevor die Keimruhe überwunden wird. Dadurch wird die Keimung von Samen in der ungünstigen Zeit vor Winteranbruch verhindert. Werden Samen künstlich diesen Bedingungen ausgesetzt, spricht man von Stratifikation.

Der Begriff Vernalisation bezieht sich auf die Induktion des Blühvorgangs durch eine Kälteperiode. Diese kann ebenso wie die Stratifikation von Pflanzen schon in deren Samenstadium erfolgen.

Stratifikation in der Gehölzvermehrung[Bearbeiten]

Hartschaliges Saatgut von Gehölzen wird durch spezielle Lagerbedingungen über mehrere Wochen oder Monate vorbehandelt, damit es im Saatbeet einigermaßen gleichzeitig aufläuft, das heißt, sich zum Keimling entwickelt. Kerne zum Beispiel von Pfirsichen, Kirschen, Pflaumen usw. werden im Spätherbst abwechselnd mit feuchtem Kies schichtweise (etwa kernhoch) in einen Behälter (Fass, Holzbottich) gegeben. So lagern sie kühl aber frostfrei mehrere Monate bis zum Ende des Winters. Während dieser Zeit quillt die harte Schale und öffnet sich. Der Samen gerät gleichzeitig in Keimstimmung. Im März/April werden die durch Stratifizieren vorbehandelten Kerne in ein geeignet vorbereitetes Saatbeet ausgebracht.

Quellen[Bearbeiten]

Folgende Standardwerke behandeln das Thema Stratifikation umfassend für alle in Mitteleuropa vermehrten Gehölze:

  • Andreas Bärtels: Gehölzvermehrung, Ulmer: Stuttgart. ISBN 3800151863
  • Donnchadh MacCarthaigh (Hrsg.), Wolfgang Spethmann (Hrsg.): Krüssmanns Gehölzvermehrung, Ulmer: Stuttgart, 2003 (bis 2003 Paul Parey Buchverlag). ISBN 3800145472

Die Herkunft des Begriffs Stratifikation (Einschichtung von Saatgut) aus der forstlichen Praxis erklären ältere Werke besonders gut (Beispiel):

  • Hubert Rupf: Der Forstpflanzgarten, Bayerischer Landwirtschaftsverlag: München 1952 (ohne ISBN)

Ein Beispiel für heutiges Stratifikations-Verfahren:

Die (universitäre) Biologie demonstriert ihren Erstsemestern die Brechung der Dormanz am biotechnischen Verfahren Stratifikation. Eine Erforschung der zu Grunde liegenden Biochemie fehlt jedoch:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DuMont’s grosse Garten-Enzyklopädie, DuMont, Köln 1994, ISBN 3-7701-4605-0 (Übersetzung von Encyclopedia of Gardening, Dorling Kindersley, London 1992), S. 589