Streetfighter

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Dieser Artikel beschreibt die Motorradbauform, zu weiteren Bedeutungen siehe Street Fighter.
Streetfighter auf der CUSTOMBIKE 2005
Honda CBR900RR Stalker auf der CUSTOMBIKE 2005
Buell XB Hellbender
Suzuki Bandit auf der Fighterama 2005
„Klassischer“ Streetfighter auf Basis einer Suzuki GSX-R 1100
Aufwändiger Streetfighter auf Basis einer Kawasaki Z1300

Streetfighter[1] ist eine Bezeichnung[2] für einen Typus der Motorräder ohne Verkleidung, sogenannte Naked Bikes. Streetfighter unterscheiden sich von serienmäßigen verkleidungslosen Motorrädern dadurch, dass sie stark motorisiert sind und ihr Aussehen besonders aggressiv sein soll.[3][4]

Kennzeichen[Bearbeiten]

Neben den von einigen Herstellern angebotenen Motorrädern, die sich stilistisch an Streetfighter anlehnen, gibt es eine Vielzahl von Custom-Fahrzeugen.

Als Basis für die Umbauten werden in der Regel so genannte Sportler oder Supersportler genutzt. Oft verwendet man Fahrzeuge mit reparablen Unfallschäden, manchmal aber auch Neufahrzeuge, bei denen die intakte Verkleidung für den Umbau entfernt wird. Ziel der Streetfighter-Szene ist es, ein individuelles Motorrad aus verschiedensten Teilen zu bauen und zu fahren. Kennzeichnend sind ein verkürztes, meist steil nach oben gerichtetes Heck („Höcker“) ohne Sozius-Sitzplatz sowie das Entfernen vorhandener Vollverkleidungen in Verbindung mit meist breiten Lenkstangen statt der bei Sportmotorrädern üblichen Stummellenker.

Daneben sind die üblichen Umbauten wie Modifikationen der Hinterradschwinge, verbreiterte Felgen, ungewöhnliche Scheinwerferverkleidungen, andere Blinker und Rücklichter sind ebenso typisch wie ausgefallene Lackierungen mit Airbrush-Elementen oder Bezüge mit Fellimitat, sowie farblich passend eloxierte Aluminiumteile unter anderem auch an Motor, Schrauben und Felgen auch bei Streetfighter genutzt. Der Austausch der serienmäßigen Teleskopgabel durch eine Upside-down-Gabel, verstärkte Bremsen und Motoren und das Verlegen von Teilen der Abgasanlage unter das Heck sind weitere Änderungen bei Streetfightern.

Wie im Custom-Bereich üblich, werden auch Motorräder auf in Kleinserie gefertigte Rahmen ausgebaut. Der Rest der notwendigen Technik stammt dann allerdings wieder aus Serienmotorrädern bzw. von Zubehör-Anbietern. Beim Motor sind Änderungen mit dem Ziel der Leistungssteigerung unter Verwendung von Turboladern, Kompressoren, N2O (Lachgas), vergrößertem Hubraum, Sportnockenwellen möglich.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge liegen im Großbritannien der späten 1980er Jahre, wo gestürzte Supersportler-Fahrer dazu übergingen, ihre defekten Vollverkleidungen nicht zu reparieren, sondern stattdessen komplett vom Motorrad zu entfernen. Ebenso verhielt es sich auch mit kaputten Sitzbänken/Heckverkleidungen und/oder Stummellenkern, welche durch Gebrauchtteile (auch anderer Fabrikate) oder Zubehörteile kostengünstig ersetzt wurden.

Der Name Streetfighter (engl. wörtl.: „Straßenkämpfer“) wurde Anfang der Neunziger von dem Herausgeber und Redakteur Steven Myatt[5] des britischen Spezialinteressenverlags für Motorradtitel „Myatt McFarlane plc“[6] kreiert. Damit wurde nicht nur 1991 die erste Sonderausgabe "Streetfighters"[6] der 1983 erschienenen Zeitschrift „Back Street Heroes“,[6][7] sondern gleichzeitig auch diese neue Motorradgattung getauft. Die Szene wuchs, und die Streetfighters entwickelte sich zum eigenständigen Titel mit regelmäßiger Erscheinungsweise.

1993 brachte der deutsche Journalist Marcus Broix[8] die erste deutsche Ausgabe der Streetfighters für die Myatt McFarlane plc auf den Markt. Seitdem entwickelte sich auch in Deutschland eine Szene, die heute als die größte weltweit gilt. Infolge einer Trennung von den Briten veröffentlichte Broix mit seinem Verlag "cockroach Media GmbH" 1999 die erste Ausgabe der Fighters,[9] die Streetfighter verschwand kurze Zeit später vom deutschen Markt und das englische Muttermagazin wurde 2013 wieder zu einer Beilage der Back Street Heroes [10] reduziert. 2011 musste Broix` "cockroach media GmbH" [11] Insolvenz anmelden und wurde im Zuge der Insolvenz-Abwicklung aufgelöst. Der Begriff Fighter gilt heute weltweit als Synonym für Streetfighter.

Streetfighter-Bewegung[Bearbeiten]

Optische Elemente, die ursprünglich aus der Streetfighter-Szene stammen, sind mittlerweile auch in verschiedenen Serienmotorrädern wiederzufinden[12][13] (diverse Buell-Lightning-Modelle wie z.B. die XB12S und die XB9S, Triumph Speed Triple, Kawasaki Z1000,[14][15] Yamaha FZ1, KTM Super Duke, Aprilia Tuono, KTM 990 Super Duke, BMW K 1300 R, Ducati Monster, Suzuki B-King, Ducati Streetfighter, MZ 1000 SF (Street Fighter)).

Die Szene selbst definiert sich sowohl über Streetfighter-Treffen als auch über Clubs. Die Treffen stehen oft in Verbindung mit Fahrzeugausstellungen und Stunt-Shows. Ein typisches Merkmal ist die so genannte Brennplatte in der Mitte des Platzes, auf der häufig Burn-outs durchgeführt werden, bei denen der hintere Reifen des stehenden Motorrads so lange durchdreht, bis er platzt.

Die deutsche Streetfighter-Szene avancierte bereits vor Jahren zur quantitativ größten weltweit. Streetfighter bzw. Fighter hat sich als feste Motorradgattung etabliert, die Begrifflichkeit wurde im Sprachgebrauch der Mainstream-Presse übernommen, und Motorradhersteller missbrauchen den Begriff als Marketing-Tool.

Seit 1996 gab es eigene Streetfighter-Treffen, frühe Veranstaltungen waren die Hesa Parties, die Showfighter Treffen oder die Streetfighters (später Fighters) Custom & Trade Shows. Ab 2000 wuchs Anzahl und Teilnehmerzahl der Treffen, heute ist die Zahl der Veranstaltungen derart sprunghaft angestiegen, dass sie einen regionaleren Charakter besitzen und sich die Besucherzahlen dementsprechend herunterreguliert haben.

2001 veranstaltete das Fighters Magazin die erste reine Streetfighter-Messe in Rheinberg, die Fighterama. Diese entwickelte sich über die Jahre zur internationalen Leitmesse für die Szene als auch für den Umbau von Streetfightern und Sportmotorrädern und bot auch Kulturelles, wie beispielsweise Stunt und Dragster-Shows oder eine riesige Party mit Live Gigs und Miss Wahlen. Auch andere Messeveranstalter – unter anderem fast alle großen Regionalmessen oder Customizing-Messen wie die Custom Bike & Streetfighter Messe in Nürnberg oder die Custom Bike in Bad Salzuflen – machten sich das Fahrwasser der Fighterama gerne zu Nutze und werteten ihre Veranstaltungen mit dem Streetfighter-Thema auf.

Namensproblematik in Deutschland[Bearbeiten]

Nachdem die deutsche Handelskette Detlev Louis sich die Bezeichnung „Streetfighter“ als Marke[16] für Motorräder und -teile hat schützen lassen, sowie gegen die in der Szene tätigen Firmen wegen Markenvergehen rechtlich vorgeht, darf der Begriff in gewerblichem Zusammenhang nur noch für die so bezeichneten Bekleidungs- und Zubehörprodukte (Helme, Handschuhe, T-Shirts, Jacken, Hosen, Endschalldämpfer etc.) des Markeninhabers verwendet werden.

Die Szene nennt sich trotzdem weiterhin Streetfighter-Szene bzw. Fighter-Szene, diesbezüglich werden deren Motorräder auch immer noch als „Streetfighter“, bzw. „Streetfighter-Umbau / Fighter-Umbau“ bezeichnet. Das ist auch unkritisch, solange der Begriff nicht in geschäftlichen Zusammenhängen benutzt wird, z.B. bei einer (privaten) Gebrauchtfahrzeuganzeige für ein Motorrad, das sein Besitzer als Streetfighter bezeichnet, oder in einer öffentlichen Einladung (Plakate, Internetseite eines Motorradclubs usw.: „An alle Streetfighter”) zu einem Biker-Weekend mit Teilnahmegebühr oder kostenpflichtigem Getränkeausschank.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frank Allmann: Streetfighters: Extreme Motorräder. Moby Dick Verlag, 2001 (2.Auflage, 135 Seiten), ISBN 3-89595-170-6.. Abgerufen am 29. April 2012.
  2. Peter A. Schmitt: Fachwörterbuch Technik und angewandte Wissenschaften, Deutsch - Englisch, Band 1. Langenscheidt Fachverlag, 2004 (2258 Seiten), ISBN 386117233X. Begriffserklärung auf Seite 1758: "Streetfighter m <kfz> (Motorrad mit besonders aggressivem Styling) * streetfighter". Abgerufen am 29. April 2012.
  3. Michael Wallis: Hogs on 66: Best Feed and Hangouts for Road Trips on Route 66. Council Oak Books, 2004, ISBN 9781571781406. Begriffserklärung auf Seite 175: Streetfighter -- Also known as a 'hooligan' cycle, this is a sports-bike stripped of all superfluous bodywork. Abgerufen am 29. April 2012.
  4. Matt Doeden: Choppers. Lerner Publications, 2007, ISBN 9780822572886. Begriffserklärung auf Seite 46: Streetfighter: a type of superbike customized for maximum speed and performance. Abgerufen am 29. April 2012.
  5. http://www.stevenmyatt.com/about.html Biografie Steven Myatt. Abgerufen am 29. April 2012.
  6. a b c stevenmyatt.com, Verlagsgeschichte Myatt McFarlane plc. Abgerufen am 29. April 2012.
  7. http://www.backstreetheroes.com/ Back Street Hereos Website. Abgerufen am 29. April 2012.
  8. http://www.fighters-magazin.de/webarchiv/html/impressum.html Impressum Fighters: Marcus Broix. Abgerufen am 29. April 2012.
  9. http://www.fighters-magazin.de/fm/ Webseite des Fighters Magazin. Abgerufen am 29. April 2012.
  10. http://streetfightersmag.blogspot.de/?zx=5181517ac0e78df7 Streetfighters UK Abgerufen am 24. Oktober2013.
  11. http://peoplecheck.de/handelsregister/NW-HRB_39095-682790 Cockroach media GmbH Abgerufen am 24. Oktober2013.
  12. Axel Koenigsbeck: Yamaha: alle Modelle 1955 bis heute: Motorräder, Roller, 125er, 50er ; Special: racing, Moto-Cross. Delius Klasing, 01.01.2004 (416 Seiten), ISBN 3768857042. Eintrag auf Seite 134: "BT 1100 Bulldog als Alternative zur Cruiser- und Streetfighter-Mode"
  13. www.motorradonline.de, Vergleichstest Power-Roadster: Streetfighter von KTM, Aprilia, MV Augusta und Triumph. Abgerufen am 29. April 2012.
  14. www.auto.de, Fahrbericht Kawasaki Z 1000SX - "Streetfighter im Tourendress". Abgerufen am 29. April 2012.
  15. www.motorvision.de, Fahrbericht Kawasaki Z 1000SX - "Streetfighter im Tourendress". Abgerufen am 29. April 2012.
  16. Erste, noch aktive Markenanmeldung beim Deutschen Patent- und Markenamt vom 10. Januar 1990, Registernummer RN = 1166298 (Markenregisterauskunft beim DPMA); Louis hat das Verzeichnis der als Streetfighter geschützten Waren- und Dienstleistung mit Folgeanmeldungen noch erheblich erweitert.