Streetfighter
Als Streetfighter bezeichnet man ein besonders umgebautes Motorrad sowie auch dessen Fahrer. Beide haben heutzutage meist ein martialisches, aggressives Erscheinungsbild. Die Ursprünge liegen im Großbritannien der späten 1980er Jahre, wo gestürzte Supersportler-Fahrer dazu übergingen, ihre defekten Vollverkleidungen nicht zu reparieren, sondern stattdessen komplett vom Motorrad zu entfernen. Ebenso verhielt es sich auch mit kaputten Sitzbänken/Heckverkleidungen und/oder Stummellenkern, welche durch Gebrauchtteile (auch anderer Fabrikate) oder Zubehörteile kostengünstig ersetzt wurden.
Der Name Streetfighter (engl. wörtl.: „Straßenkämpfer“) wurde Anfang der Neunziger von einem Redakteur eines britischen Spezialinteressenverlags für Motorradtitel, der Myatt McFarlane plc, kreiert. Damit wurde nicht nur die erste Sonderausgabe der Zeitschrift Back Street Heroes, sondern gleichzeitig auch diese neue Motorradgattung getauft. Die Szene wuchs, und die Streetfighters entwickelte sich zum eigenständigen Titel mit regelmäßiger Erscheinungsweise. 1994 brachte der deutsche Journalist Marcus Broix die erste deutsche Ausgabe der Streetfighters für die Myatt McFarlane plc auf den Markt. Seitdem entwickelte sich auch in Deutschland eine Szene, die heute als die größte weltweit gilt. Infolge einer Trennung von den Briten veröffentlichte Broix 1999 die erste Ausgabe der Fighters, die Streetfighters verschwand kurze Zeit später vom Markt. Der Begriff Fighter gilt heute weltweit als Synonym für Streetfighter.
Kennzeichnend in Deutschland sind ein verkürztes, meist steil nach oben gerichtetes Heck („Höcker“) ohne Sozius-Sitzplatz (oft als „Teutonenstyle“ bezeichnet) sowie das Entfernen vorhandener Vollverkleidungen in Verbindung mit meist breiten Lenkstangen statt der bei Sportmotorrädern üblichen Stummellenker.
Als Basis werden in der Regel immer noch so genannte Sportler oder Supersportler genutzt. Oft verwendet man Fahrzeuge mit reparablen Unfallschäden, manchmal aber auch Neufahrzeuge, bei denen die intakte Verkleidung für den Umbau entfernt wird. Ziel der heutigen Streetfighter-Szene ist es, ein individuelles Motorrad aus verschiedensten Teilen zu bauen und zu fahren.
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[Bearbeiten] Umbaumaßnahmen
Modifikationen der Hinterradschwinge, verbreiterte Felgen, ungewöhnliche Scheinwerferverkleidungen, andere Blinker und Rücklichter sind ebenso typisch wie ausgefallene Lackierungen mit Airbrush-Elementen oder Bezüge mit Fellimitat, sowie farblich passend eloxierte Aluminiumteile unter anderem auch an Motor, Schrauben und Felgen. Der Austausch der serienmäßigen Teleskopgabel durch eine Upside-down-Gabel, verstärkte Bremsen und Motoren und das Verlegen von Teilen der Abgasanlage unter das Heck sind weitere häufig gesehene Änderungen bei Streetfightern. Auch für Details, wie zum Beispiel Ritzelabdeckungen oder Bremsflüssigkeitsbehälterdeckel, hält die Zubehörindustrie mittlerweile ein reichhaltiges Angebot bereit.
[Bearbeiten] Optik
Umbau mit dem Ziel, das Motorrad optisch zu individualisieren mit Hilfe von Lenkerverkleidungen, Verschalungsteilen, Lampen und Lackierungen. Hierbei gibt es zwischenzeitlich verschiedenste Trends in der Szene, die sich unter anderem „Old School“, „Racefighter“, „Fellfighter“, „Ratfighter“ oder „Horrorfighter“ bezeichnen.
[Bearbeiten] Motor
Modifikationen mit dem Ziel der Leistungssteigerung unter Verwendung von Turboladern, Kompressoren, N2O (Lachgas), vergrößertem Hubraum, Sportnockenwellen, strömungsoptimierten Zylinderköpfen, Modifikation der Motorsteuerung.
[Bearbeiten] Fahrwerk
Umbau mit dem Ziel des besseren Handlings unter Verwendung technisch besserer Fahrwerkskomponenten (z. B. komplett einstellbare Federbeine, leichtere Felgen und andere Reifen). Die mittlerweile häufig zu sehenden Umbauten auf teilweise extrem breite Bereifung dienen allerdings lediglich der optischen Veränderung, da sie das Fahrverhalten des Motorrades naturgemäß verschlechtern.
[Bearbeiten] Individuell gefertigte Rahmen
Ein kleiner Teil der Streetfighter basiert nicht auf einem Motorrad aus der Großserienfertigung, sondern auf einem handgefertigten Rahmen, wie er von einigen Herstellern angeboten wird. Der Rest der notwendigen Technik stammt dann allerdings wieder aus Serienmotorrädern bzw. von Zubehör-Anbietern.
- Bakker (NL)
- Harris (GB)
- Martek (GB), Manufaktur für Aluminiumrahmen
- EGLI (CH), Zentralrohrrahmen
- Moko (D), Zentralrohrrahmen
- PSS (PS-Schuppen, D), später PSS-Rau, Zentralrohrrahmen mit seitlichen Unterzügen
- PSS-Rau (D), Zentralrohrrahmen
- Spondon (GB), Manufaktur für Aluminiumrahmen
[Bearbeiten] Streetfighter-Bewegung
Optische Elemente, die ursprünglich aus der Streetfighter-Szene stammen, sind mittlerweile auch in verschiedenen Serienmotorrädern wiederzufinden (diverse Buell-Lightning-Modelle, Triumph Speed Triple, Kawasaki Z1000, Yamaha FZ1, KTM Super Duke, Aprilia Tuono, BMW K 1200 R, Ducati Streetfighter).
Die Szene selbst definiert sich sowohl über Streetfighter-Treffen als auch über Clubs. Die Treffen stehen oft in Verbindung mit Fahrzeugausstellungen und Stunt-Shows. Ein typisches Merkmal ist die so genannte Brennplatte in der Mitte des Platzes, auf der häufig Burn-outs durchgeführt werden, bei denen der hintere Reifen des stehenden Motorrads so lange durchdreht, bis er platzt.
Die deutsche Streetfighter-Szene avancierte bereits vor Jahren zur quantitativ größten, als auch richtungsweisensten weltweit. Streetfighter bzw. Fighter hat sich als feste Motorradgattung etabliert, die Begrifflichkeit wurde im Sprachgebrauch der Mainstream-Presse übernommen, und Motorradhersteller mißbrauchen den Begriff als Marketing Tool.
Seit 1996 gab es eigene Streetfighter-Treffen, frühe Veranstaltungen waren die Hesa Parties, die Showfighter Treffen oder die Streetfighters (später Fighters) Custom & Trade Shows. Ab 2000 wuchs Anzahl und Teilnehmerzahl der Treffen, heute ist die Zahl der Veranstaltungen derart sprunghaft angestiegen, daß sie einen regionaleren Charakter besitzen und sich die Besucherzahlen dementsprechend herunterreguliert haben.
2001 veranstaltete das Fighters Magazin die erste reine Streetfighter-Messe in Rheinberg, die Fighterama. Diese entwickelte sich über die Jahre zur internationalen Leitmesse für die Szene als auch für den Umbau von Streetfightern und Sportmotorrädern und bot auch Kulturelles, wie beispielsweise Stunt und Dragster-Shows oder eine riesige Party mit Live Gigs und Miss Wahlen. Auch andere Messeveranstalter – unter anderem fast alle großen Regionalmessen oder Customizing-Messen wie die Custom Bike & Streetfighter Messe in Nürnberg oder die Custom Bike in Bad Salzuflen – machten sich das Fahrwasser der Fighterama gerne zu Nutze und werteten ihre Veranstaltungen mit dem Streetfighter-Thema auf.
[Bearbeiten] Namensproblematik in Deutschland
Nachdem eine deutsche Handelskette sich die Bezeichnung „Streetfighter“ für Motorräder und -teile hat schützen lassen, sowie die in der Szene tätigen Firmen verklagte, darf der Begriff kommerziell nur noch für Bekleidungs- und Zubehörprodukte (Helme, Handschuhe, T-Shirts, Jacken, Hosen, Endschalldämpfer etc.) dieses Unternehmens verwendet werden.
Die Szene nennt sich trotzdem weiterhin Streetfighter-Szene bzw. Fighter-Szene, diesbezüglich werden deren Motorräder auch immer noch als „Streetfighter“, bzw. „Streetfighter-Umbau / Fighter-Umbau“ bezeichnet.
[Bearbeiten] Bildergalerie
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Aufwändiger Streetfighter auf Basis einer Kawasaki Z1300