Streifenwagen

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Streifenwagen VW Passat B6 in blau-silberner Farbgebung

Ein Streifenwagen (oder Polizeiwagen) ist ein Einsatzfahrzeug der Polizei. Als noch nicht alle Streifenwagen Funk hatten, unterschied man Streifenwagen und Funk(streifen)wagen (StW oder FuStW, in Nordrhein-Westfalen Funkstreifenkraftwagen FuStKW). Der Begriff Peterwagen bezeichnete früher meist einen Funkstreifenwagen.[1]

Die Bezeichnung Streifenwagen wurde durch den Streifendienst der Polizeivollzugsbeamten geprägt. Mit der Ausstattung der Polizei durch Automobile wurde sie auf die Fahrzeuge übertragen und gebräuchlich. Neben den Streifenwagen gibt es noch weitere Polizeifahrzeuge für andere Aufgaben.

Deutschland[Bearbeiten]

Mercedes Benz E-Klasse der Polizei Hannover
Deutsche Streifenwagen der Marke Volkswagen in grün-weißer Farbgebung

Fahrzeugtypen und Marken[Bearbeiten]

Streifenwagen sind in Deutschland überwiegend Limousinen und Kombifahrzeuge der automobilen Mittel- oder oberen Mittelklasse sowie Kleinbusse (vor allem in Einsatzhundertschaften). In besonderen Aufgabenbereichen, z. B. für Revierpolizisten oder dem Objektschutz, werden aber auch Fahrzeuge der Kompaktklasse oder Kleinwagen eingesetzt.

Streifenwagen der Autobahnpolizei waren in seltenen Fällen auch Sportwagen oder Sportlimousinen, beispielsweise Porsche 911 und 924 sowie BMW M3. Das in Deutschland verbreitetste Fahrzeug bei der Polizei ist derzeit der Volkswagen Passat.

Ausstattung[Bearbeiten]

Streifenwagen sind in der Regel mit BOS-Funk (teilweise mit Funkmeldesystem), Anhaltesignalgebern, Sondersignalanlage in der Regel mit eingebautem Lautsprechern, Warnleuchten,Verkehrsleitkegeln, Winkerkelle, Fotoapparat, Feuerlöscher, Maßband, Fettkreide, Nothammer, Maschinenpistole (häufig Typ Heckler und Koch MP5) und verschiedenen anderen Führungs- und Einsatzmitteln ausgestattet.

Einige neuere Streifenwagen der Autobahnpolizei verfügen zusätzlich über eine Videokamera in der Frontscheibe, manchmal auch in der Heckscheibe, die sich einschaltet, sobald der Anhaltesignalgeber betätigt wird. Die Kamera kann auch manuell, beispielsweise bei einer Verfolgungsfahrt, eingeschaltet werden. In speziellen zivilen Messfahrzeugen sind Videokameras bereits seit Längerem Standard, insbesondere im Hinblick auf die Aufzeichnung von Verkehrsverstößen.

Farbgebung[Bearbeiten]

Alter Streifenwagen der Volkspolizei

Die Karosserie deutscher Streifenwagen war ab 1975 weiß lackiert, wobei die beweglichen Teile wie Türen, Motorhaube und Kofferraumdeckel minzgrün lackiert oder später foliert waren. In einigen Ländern (z. B. Bayern und mit Einführung der Folienbeklebung auch Hamburg) wurde eine komplett weiße Karosserie mit einem minzgrünen Streifen im Seitenbereich, genannt Bauchbinde, über die gesamte Fahrzeuglänge ausgestattet.

Nach der Wiedervereinigung 1990 bekamen die bis dahin hellelfenbein- und olivgrünfarbenen Fahrzeuge der Volkspolizei auch das weiß-grüne Aussehen.

Um einen höheren Wiederverkaufswert ausgedienter Streifenwagen (die derzeit häufig Leasingfahrzeuge sind) zu erreichen, wurden Streifenwagen ab 2002 auch in der Grundfarbe Silbermetallic, statt der damals auf dem Markt unbeliebten Farbe Weiß, lackiert.

Bei fast allen Polizeien werden heute neue Fahrzeuge in der Farbgebung Blau-Silber bzw. Blau-Weiß beschafft. Die blaue Farbgebung geht auf europäische Bestrebungen zurück, alle Polizeifahrzeuge europaweit einheitlich zu gestalten. Die aktuelle Fahrzeuglackierung ist Verkehrsblau (RAL 5017) in Verbindung mit Silber bzw. Weiß.

Einzige Ausnahmen sind zurzeit die Streifenwagen und Einsatzfahrzeuge der Polizeien der Länder Bayern und Saarland, die weiterhin bei der Farbgebung Grün-Silber bleiben.

Da die Fahrzeuge oft geleast sind, werden die grünen bzw. blauen Flächen nicht mehr lackiert, sondern mit spezieller Folie geklebt. Ober- und unterhalb der Folie wird meist eine retroreflektierende Konturmarkierung in Form von einzelnen Rechtecken, genannt GAPS, angebracht. Die genaue Ausführung variiert teilweise von Fahrzeug zu Fahrzeug. In Hamburg wird zudem traditionell nur seitlich eine farbliche Absetzung vorgenommen.

Das Fahrzeugleasing steht gegenwärtig zur Debatte, da es Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Modells gibt. Infolgedessen gibt es Überlegungen, Fahrzeuge wieder selbst anzuschaffen.

Zeitleiste der typischen Lackierung von Polizeifahrzeugen der Deutschen Länder 1945 bis heute
Landespolizei 1940er 1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er
5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Berlin graublau
grün/weiß grün/silber
Schleswig-Holstein graublau tannengrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Hamburg graublau tannengrün
grün/weiß blau/silber
Niedersachsen graublau tannengrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Nordrhein-Westfalen graublau tannengrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Rheinland-Pfalz tannengrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Saarland tannengrün
grün/weiß      grün/silber
Baden-Württemberg tannengrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Bremen tannengrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Hessen tannengrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Bayern tannengrün
grün/weiß (Bauchbinde) grün/silber
Mecklenburg-Vorpommern olivgrün hellelfenbein/ weiß/olivgrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Brandenburg olivgrün hellelfenbein/ weiß/olivgrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Sachsen-Anhalt olivgrün hellelfenbein/ weiß/olivgrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Sachsen olivgrün hellelfenbein/ weiß/olivgrün
grün/weiß grün/silber blau/silber
Thüringen olivgrün hellelfenbein/ weiß/olivgrün
grün/weiß grün/silber blau/silber


Kennzeichen[Bearbeiten]

Bis zur Abschaffung der Behördenkennzeichen im Jahr 2007 begannen die Kfz-Kennzeichen der Streifenwagen normalerweise mit dem Kürzel des Sitzes des jeweiligen Polizeipräsidiums, teilweise dem der Landeshauptstadt und zeigten neben dem Zulassungsbezirk keine weiteren Buchstaben. Meist begann die Ziffernkombination mit 3 oder 7.

Nach dem 1. März 2007 handhaben die Länder die Vergabe der Kennzeichen für Polizeifahrzeuge unterschiedlich:

Polizei Kennzeichen
Polizei Baden-Württemberg BWL 4 - XXXX BWL steht für Baden-Württemberg, Landesregierung, Landtag und Polizei
Polizei Bayern XX - PP XXXX normale Kennzeichen aus dem Zulassungsbezirk des jeweiligen Präsidiums
Der Polizeipräsident in Berlin B - XXXXX B steht für Berlin
Polizei Brandenburg BBL 4 - XXXX BBL steht für Brandenburg, Landesregierung, Landtag und Polizei
Polizei Bremen HB - XXXX HB steht für Hansestadt Bremen
Polizei Hamburg HH - XXXX HH steht für Hansestadt Hamburg
Hessische Polizei WI - HP XXXX HP steht für Hessische Polizei
Polizei Mecklenburg-Vorpommern MVL - 3XXXX MVL steht für Mecklenburg-Vorpommern, Landesregierung und Landtag
Polizei Niedersachsen normale Kennzeichen
Polizei Nordrhein-Westfalen NRW - 4 XXXX NRW steht für Nordrhein-Westfalen, Landesregierung und Landtag
Polizei Rheinland-Pfalz RPL 4 - XXXX RPL steht für Rheinland-Pfalz, Landesregierung, Landtag und Polizei
Polizei Saarland SAL - 4 XXXX SAL steht für Saarland, Landesregierung, Landtag und Polizei
Polizei Sachsen DD - Q XXXX landesweit Kennzeichen von Dresden
Polizei Sachsen-Anhalt LSA - XXXXX LSA steht für Sachsen-Anhalt, Landesregierung, Landtag und Polizei
Polizei Schleswig-Holstein SH - XXXXX SH steht für Schleswig-Holstein, Landesregierung, Landtag und Polizei
Thüringer Polizei EF - LP XXXX 2007 bis 2011: EF - TP XXXX

Die 4 (in Nordrhein-Westfalen auch 5) steht jeweils für das Innenministerium. In den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und in Berlin wurden die bisherigen Kennzeichen beibehalten, da diese Kennzeichen zugleich auch die beibehaltenen Kennzeichen der obersten Landesbehörden darstellen. In Bayern und Niedersachsen werden neue Streifenwagen und Einsatzfahrzeuge seit dem 1. März 2007 mit normalen KFZ-Kennzeichen zugelassen.

Fahrzeuge der Bundespolizei tragen das Kürzel „BP“, ältere Fahrzeuge auch „BG“ für Bundesgrenzschutz.

Luftkennung[Bearbeiten]

Die großen Zahlen und Buchstaben auf den Fahrzeugen sind die sogenannte Luftkennungen, damit ein im Einsatz befindlicher Polizeihubschrauber die Standorte einzelner Streifen lokalisieren und die Fahrzeuge am Boden direkt ansprechen kann.

Regionale Bezeichnungen[Bearbeiten]

Eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen Streifenwagen der Hamburger Polizei ist Peterwagen.

Der Name Peterwagen entstand dem Volksmund nach im Hamburger Raum 1946 durch ein Missverständnis bei der Einholung der Genehmigung zum Betrieb der damals so genannten „Radiowagen“ bei den damaligen britischen Besatzungstruppen, als der britische Offizier das Wort „Patrolcar“ in der Hamburger Aussprache nicht recht verstand und um Buchstabierung bat: „P like Peter…“, was den Briten zu der Äußerung „Oh, I know, Peterwagen“ brachte, die er so notierte und auf dem Dienstweg weitergab.

Einer anderen Erklärung nach entstand der Name aus dem in Hamburg für die Polizei ausgewählten Funkrufnamen „Peter“, welcher sich aus der in der Seefahrt verwendeten Signalflagge für „P“ (ein weißes Feld mit blauem Rand) ableiten soll, die in Deutschland als Blauer Peter bekannt war und anzeigte, dass alle Seeleute an Bord gehen mussten, da das Schiff auslaufen will.[2]

In Ostberlin hießen die Funkstreifenwagen „Toniwagen“.[3]

Österreich[Bearbeiten]

Österreichische Bundespolizei

In Österreich sind Streifenwagen des Typs Škoda Octavia, VW Golf Variant, VW Touran, VW Sharan und VW T5 sehr verbreitet. Die Kennzeichen der Bundesgendarmerie („BG“) wurden nach Zusammenlegung mit der Bundespolizei auf „BP“ umgestellt.

Mit der Zusammenlegung von Bundespolizei und Bundesgendarmerie im Juli 2005 wurde ein neues Fahrzeugdesign eingeführt: Die Grundfarbe der Fahrzeuge ist silber, auf den Längsseiten, der Motorhaube und der Heckklappe werden blaue und rote Folien angebracht, wobei der rote Streifen reflektierend ausgeführt ist. Darauf steht in weißer Schrift „Polizei“ sowie die Notrufnummer 133. An den Türen ist neben dem Polizeischriftzug ein stilisierter Bundesadler.

Ältere, in den bisherigen Farben weiß und rot gehaltene „noch neuwertige Streifenfahrzeuge“ werden allerdings aus wirtschaftlichen Gründen noch weiterverwendet.

Polen[Bearbeiten]

In Polen findet eine Vielzahl verschiedener Hersteller Verwendung, bevorzugt Fahrzeuge von KIA, Fiat, Škoda, und Ford aber auch der Firmen Opel, Volkswagen und anderer. Die Auswahl der Fahrzeugtypen ähnelt dabei mit Limousinen, Kombifahrzeugen und Mannschaftswagen denen der europäischen Nachbarländer.

Seit 2007 wird in Polen nach und nach das neue europäische Farbschema eingeführt. Während Streifenwagen in neuer blau-silberner Farbgebung beschafft werden, bleiben größere Fahrzeuge teilweise weiterhin blau-weiß, seit neustem auch im deutschen Farbdesign mit GAPS und Bauchbinde.

Schweden[Bearbeiten]

Volvo V70 der schwedischen Polizei in Malmö

Schwedische Polizeibehörden nutzen bevorzugt Kombimodelle nationaler Hersteller wie Volvo oder Saab. In den letzten Jahren wurden vermehrt auch ausländische Fahrzeuge angeschafft, beispielsweise von Mercedes-Benz und Volkswagen. In vereinzelten Fällen wurden auch Fahrzeuge amerikanischer Hersteller wie Chevrolet eingesetzt, beispielsweise für Mannschaftswagen.

Während schwedische Polizeifahrzeuge früher eine schwarz-weiße, weiße und später dann eine weiß-blaue Lackierung erhielten, kommt seit 2005 ein auffälliges Schachbrettmuster, die sogenannten Battenburg-Markings zum Einsatz. Die Idee stammt aus Großbritannien und erhält ihren Namen von dem gleichnamigen Kuchen. Bei der schwedischen Polizei wechselt sich dabei ein neongelber mit einem blauen Farbton ab. Das Ziel ist eine möglichst hohe Auffälligkeit und sofortige Identifizierbarkeit auch bei schlechten Sichtverhältnissen sowie eine Beruhigung des Fahrzeugverkehrs. Eine Studie der schwedischen Verkehrsbehörde Vägverket hatte 2008 in Tests signifikante Effekte der Verkehrsberuhigung bei einem mit Battenburg-Markierungen versehenen Fahrzeug zur Straßenunterhaltung festgestellt.[4]

Schweiz[Bearbeiten]

Streifenwagen der Tessiner Kantonspolizei

Typische Streifenwagen in der Schweiz sind unter anderem BMW-Kombis und Limousinen. Des Weiteren werden ebenfalls oft Fahrzeuge von Opel oder Volvo eingesetzt. Kleinbusse sind in der deutschsprachigen Schweiz meist VW T4 oder T5. In den französischsprachigen Kantonen werden auch vermehrt Fahrzeuge der Hersteller Peugeot und Renault eingesetzt.

Mit Ausnahme vom Kanton Genf, in dem die normalen Polizeifahrzeuge weiss-blau bzw. silber-blau, seit neustem auch nach dem deutschen Design, sind (jedoch nun an die restliche Schweizer Farbgebung angepasst werden) respektive weiss-grün bei der Flughafenpolizei Genf und schwarz-neongelb bei der Grenzwache, sind Polizeifahrzeuge weiss oder silber mit tagesleuchtroten Flächen. Das Design unterscheidet sich je nach Polizeikorps leicht. Neben Genf gibt es jedoch auch weitere kleine Ausnahmen bei Gemeindepolizeien.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den USA werden bevorzugt große Limousinen nationaler Hersteller wie Ford , Chevrolet oder Dodge verwendet, in ländlichen oder bergigen Gebieten auch Geländewagen. Nennenswert ist vor allem die gegenüber europäischen Ländern geringe Anzahl an Kombifahrzeugen. US-amerikanische Autohersteller bieten meist von Serienmodellen abgeleitete, speziell auf den Aufgabenbereich der Polizei zugeschnittene Fahrzeuge ab Werk an, sogenannte „Police-Packages“. So finden sich neben stärkeren Motorisierungen auch meist auffälligere Sondersignalanlagen, häufig auch Trenngitter zwischen den Vordersitzen und dem Fond, verstärkte Fahrwerke und Batterien sowie außen angebrachte, schwenkbare Scheinwerfer zum Ausleuchten von dunklen Gassen oder Fahrzeugen bei einer Kontrolle.

Die Farbgebung von Streifenwagen in den USA ist regional unterschiedlich, es lässt sich daher keine einheitliche Markierung feststellen. In der Regel findet sich der Schriftzug Police oder Sheriff auf den Fahrzeugen. Oft findet man jedoch die Farbkombinationen schwarz/weiß (z. B. in Los Angeles), hellblau/weiß (z. B. in New York City) oder beige/braun.

Andere Länder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Polizeifahrzeuge – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Historie der Polizei in Hamm
  2. Peterwagen. Polizeihistorische Sammlung-Paul
  3. letzter Abschnitt
  4. Verbesserte Sichtbarkeit von Straßenunterhaltungsfahrzeugen bei Benutzung von Battenburg-Markings (Schwedisch) (PDF; 1,9 MB) Abgerufen am 31. Mai 2012.