Strengit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strengit
Strengite-114917.jpg
Strengit aus Hagendorf/Waidhaus, Bayern (Bildbreite: 2 mm)
Chemische Formel

Fe3+[PO4]·2H2O[1]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.CD.10 (8. Auflage: VII/C.09) nach Strunz
40.04.01.02 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) Pcab (Raumgruppen-Nr. 61)
Farbe rosa bis violett, Pfirsichblüten- bis Karminrot, grünlichweiß, farblos
Strichfarbe weiß
Mohshärte 3,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,84 bis 2,87 ; berechnet: 2,84[3]
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit gut nach {010}, undeutlich nach {001}[3]
Bruch muschelig
Habitus pseudohexagonale und andere Kristallformen, radialstrahlige, traubige, kugelige, faserige Aggregate
Häufige Kristallflächen {010}, {001}, {111}, {201}, {110}[4]
Zwillingsbildung selten nach {201}[3]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,697 bis 1,708 ; nβ = 1,708 bis 1,719 ; nγ = 1,741 bis 1,745[5]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,044[5]; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = 72° bis 88°[5]

Strengit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Fe3+[PO4]·2H2O[1], ist also chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen(III)-phosphat.

Strengit bildet unterschiedliche Kristallformen aus, wobei allerdings oktaedrische und nach der c-Achse gestreckte, leistenartige Formen dominieren. Diese können mehrere Zentimeter lang werden und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz. Daneben finden sich auch faserige, traubige und kugelige Mineral-Aggregate.

In reiner Form ist Strengit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine rosa bis violette, pfirsichblüten- bis karminrote oder grünlichweiße Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.

Mit Variscit (Al[PO4]·2H2O) bildet Strengit eine lückenlose Mischkristall-Reihe.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Strengit in der Grube Eleonore bei Gießen im Biebertal (Hessen) und beschrieben 1877 durch August Nies, der das Mineral nach seinem Lehrer und Professor der Mineralogie Johann August Streng (1830-1897) benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Strengit zur Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Kolbeckit, Koninckit, Mahlmoodit, Mansfieldit, Metavariscit, Paraskorodit, Phosphosiderit, Skorodit, Variscit und Yanomamit die „Variscit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/C.09 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Strengit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate ohne weitere Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis von Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadat-Komplex (RO4) zum enthaltenen Kristallwasser, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen, RO4 : H2O = 1 : 2“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Mansfieldit, Redondit, Skorodit, Variscit und Yanomamit die „Variscit-Gruppe“ mit der System-Nr. 8.CD.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Strengit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltige Phosphate etc.“ ein. Hier ist er ebenfalls zusammen mit Variscit, Skorodit, Mansfieldit und Yanomamit in der „Variscit-Gruppe“ mit der System-Nr. 40.04.01 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc., mit A3+XO4 × x(H2O)“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Die Verbindung Fe3+[PO4]·2H2O ist dimorph und kommt neben der orthorhombischen Modifikation Strengit noch als monoklin kristallisierender Phosphosiderit vor.[3]

Als Vilateit wird eine manganhaltige Varietät von Strengit bezeichnet.[6]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Kugeliger Strengit (rosa) und Rockbridgeit (grün) aus der Grube „Leveäniemi“ bei Svappavaara, Lappland, Schweden (Größe: 3,5 x 2,8 x 2,6 cm)
Zartrosa leistenförmige Strengitkristalle auf "sonnenförmigen" Kakoxenkristallen vom Indian Mountain, Cherokee County (Alabama), USA (Sichtfeld 6,1 x 4,6 mm)

Strengit bildet sich in phosphathaltigen, granitischen Pegmatiten oder sekundär durch hydrothermale Substitution aus primären Phosphatmineralen. Als Begleitminerale treten unter anderem Apatit, Beraunit, Bermanit, Dufrénit, Hureaulith, Kakoxen, Leukophosphit, Phosphosiderit, Rockbridgeit, Stewartit und Vivianit auf.

Als eher seltene Mineralbildung kann Strengit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2013) rund 240 Fundorte.[5] Neben seiner Typlokalität Grube Eleonore und dem nahe gelegenen Dünsberg in der Umgebung von Gießen trat das Mineral in Deutschland noch in der Grube Clara in Baden-Württemberg; an mehreren Stellen um Hagendorf (Waidhaus) und anderen Orten im Oberpfälzer Wald und Auerbach in der Oberpfalz sowie am Hühnerkobel in Bayern; bei Görzklinge/Kirschhausen, der Grube Jakobssegen bei Bremthal, der Grube Rotläufchen bei Waldgirmes und bei Essershausen in Hessen; an mehreren Fundpunkten im Sauer- und Siegerland in Nordrhein-Westfalen; bei Rengersdorf und Hartmannsgrün/Oelsnitz/Vogtl. in Sachsen sowie bei Ullersreuth in Thüringen auf.

In Österreich konnte Strengit bisher nur im Ganztal in den Fischbacher Alpen und bei Herzogberg nahe Modriach in der Steiermark gefunden werden.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Strengitfunde ist unter anderem die „Bull Moose Mine“ bei Custer im US-Bundesstaat South Dakota, wo violette Kristalle von bis zu fünf Millimetern Größe zutage traten.[7]

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Finnland, Frankreich und Französisch-Guayana, Iran, Italien, Japan, Kamerun, Kanada, Liberia, Madagaskar, Malaysia, Mali, Marokko, Mexiko, Namibia, Portugal, Ruanda, Rumänien, Russland, Schweden, Senegal, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, Uruguay, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[8]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Strengit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pcab (Raumgruppen-Nr. 61) mit den Gitterparametern a = 10,12 Å; b = 9,89 Å und c = 8,72 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Augus Nies: Strengit, ein neues Mineral, in: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Palaontologie, 1877, S. 8-16 (PDF 602,1 kB)
  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 633.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Strengite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 478.
  2. Webmineral - Strengite
  3. a b c d Strengite, in: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 63,6 kB)
  4.  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 633.
  5. a b c d Mindat - Strengite
  6.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
  7.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 174-175 (Dörfler Natur).
  8. Mindat - Fundorte für Strengit