Stricken

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Albert Anker: Strickendes Mädchen (1884). Auf dem Gemälde erkennt man das Arbeiten in Runden mit dem Nadelspiel beim Stricken von Strümpfen.

Stricken ist die Herstellung von Maschen mit Hilfe eines oder mehrerer Fäden oder Garne sowie zweier oder mehrerer Nadeln. Der Faden wird dazu auf der Nadel mit sich selbst verschlungen.

Gestricke sind im Vergleich mit Geweben dicker, schwerer, wärmeisolierender und durchsichtiger.

Geschichte[Bearbeiten]

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Plakataufruf des amerikanischen Roten Kreuzes im ersten Weltkrieg, mit der Bitte, Socken für Soldaten zu stricken.

Techniken[Bearbeiten]

Stricken von Hand[Bearbeiten]

Als Material verwendet man Handstrickgarn, das z. B. aus Schurwolle, Baumwolle, Viskose Seide, Kaschmir, Angora oder auch Kunstfasern bestehen kann. Die Stricknadeln werden aus beschichtetem Stahl, Holz, Kunststoff oder Carbonfasern angefertigt, sind 15 bis 50 cm lang, überall gleich stark (2–20 mm) und verjüngen sich zum Ende hin. Strickt man mit zwei Nadeln, sind diese an einem Ende mit einem Maschenstopper versehen, damit die Arbeit dort nicht von der Nadel gleitet. Auf die eine Nadel werden durch Knüpfen Maschen aufgelegt; diese Nadel nimmt man in die linke Hand und legt den an der letzten Maschen hängenden Faden über den Zeigefinger um die anderen Finger; mit der von der rechten Hand gehaltenen zweiten Nadel sticht man in die erste Masche, fasst mit der Nadel den straff angezogenen Faden, zieht ihn durch die Masche hindurch und lässt diese von der Nadel heruntergleiten. Da der Faden fortläuft, sind alle Maschen miteinander verbunden.

Die Haltung der Arbeit unterscheidet sich regional, das heißt sie ist in Deutschland anders als etwa in Italien. Bei der im angelsächsischen Raum, teilweise auch in den Niederlanden und Frankreich gebräuchlichen Strickweise wird der Faden mit der rechten Hand geführt. Bei „kontinentaler“ Strickweise, die auch im deutschsprachigen Raum gebräuchlich ist, wird der Faden mit der linken Hand geführt und mit der rechten Nadel durch die vorhandene Masche durchgeholt.

Die Ausführung von rechten und linken Maschen

Man unterscheidet rechts- und linksgestrickte Maschen. Beim Rechtsstricken sticht man von vorn in die Masche und zieht den Faden von hinten nach vorn durch, beim Linksstricken ist es umgekehrt. Ist die Strickarbeit lappen- oder streifenartig, so wendet man jedes Mal am Ende der Nadel das Strickzeug. Will man in Runden stricken, braucht man mehrere kurze Nadeln (ein sogenanntes Nadelspiel) oder aber eine Rundstricknadel, die aus zwei durch einen Perlondraht miteinander verbundenen Nadeln besteht. Verwendet man ein Nadelspiel, so werden die Maschen gewöhnlich auf vier Nadeln verteilt, eine weitere verwendet man zum Abstricken der Maschen.

Mit einer Rundstricknadel werden die Maschen fortlaufend rechts gestrickt, wodurch ein schlauchförmiges Gestrick entsteht. Es ist auch gut möglich, mit einer Rundstricknadel hin- und herzustricken. Dies hat den Vorteil, dass man nur eine Nadel braucht, die Arbeit nicht von der Nadel gleiten kann und das Gewicht der Arbeit im Schoß ruht und nicht auf den Armen lastet.

Durch die Variation von rechten und linken Maschen, Ab- und Zunahmen, Umschlägen, Verschränken der Maschen und anderen Arten von Maschenbildungen kann man verschiedene Muster stricken (Strickmuster).

Mit der sogenannten Doppelstrick-Methode, die vor allem in Ostpreußen gebräuchlich war, werden zwei verschiedenfarbige Fäden verstrickt. Dadurch können Mützen, Strümpfe oder Handschuhe so hergestellt werden, dass bei kompletter Wendung der Innenseite nach außen das gleiche Muster, aber in der anderen Farbe zu sehen ist.

Gestrickt werden können fast alle Arten von Kleidungsstücken wie z. B. Strümpfe, Pullover, Röcke, Jacken, Schals, Hauben und Mützen, aber auch Spitzendecken, Gardinen, Teppiche etc.

Maschinelles Stricken[Bearbeiten]

Mit industriellen Rundstrickmaschinen lassen sich besonders feine Gestricke herstellen, Flachstrickmaschinen erzeugen mit Baumwoll-, Woll-, oder Synthetik-Garnen Kleidungsstücke wie z. B. Pullover. Wie dick das Gestrick wird und welche tragetechnischen Eigenschaften es hat, hängt dabei unter anderem von der Strickmaschine, dem verwendeten Garntyp, dem eingesetzten Fasermaterial und der Strickbindung ab.

Industrielle Strick- und Wirkmaschinen sind nicht gleichzusetzen mit Handstrickapparaten, oder Heimstrickmaschinen, wie sie vor allem in den 1960er und 1970er Jahren im häuslichen bzw. Hobbybereich eingesetzt wurden. Die Erzeugung eines Kleidungsstücks in einem Arbeitsgang ist mit solchen Apparaten nicht möglich. Die Funktionsweise ähnelt zwar der einer industriellen Maschine, die Maschen hängen in einer Reihe auf Zungennadeln und werden mittels eines beweglichen Schlittens abgestrickt, anschließend wird das Gestrick in derselben Weise weiterverarbeitet wie beim Handstricken.

Strickmuster[Bearbeiten]

rechte Seite eines Gestricks
linke Seite eines Gestricks

Es gibt beim Stricken nur zwei verschiedene Arten von Maschen:

  • die rechte Masche, bei der die neue Schlaufe von hinten kommend nach vorn durch die alte Schlaufe gezogen wird (das heißt, der querlaufende Teil des Fadens liegt hinten)
  • die linke Masche, bei der der Faden von vorn nach hinten durchgezogen wird, wobei der querlaufende Teil vorn zu liegen kommt.

Jede der beiden Maschenarten bildet die Rückseite der jeweils anderen, das heißt, rechte Maschen erscheinen, dreht man die Arbeit um, als linke Maschen und umgekehrt. Erwähnenswert sind außer rechten und linken Maschen:

  • verschränkt gestrickte Maschen (die Masche wird auf der Nadel um 180° gedreht)
  • der Umschlag
  • Zusammenstricken meherer Maschen
  • Verkreuzen mehrerer Maschen, etwa für Zopfmuster
  • Anschlagen oder zusätzliches Aufnehmen von Maschen zu Beginn des Gestricks oder um die Maschenzahl zu erhöhen
  • Maschen aus der vorhergehenden Reihe aufnehmen, um die Maschenzahl zu erhöhen
  • Zusammenstricken von Maschen, um die Maschenzahl zu verringern
  • Maschen abheben, um in die Höhe verlängerte, über zwei oder mehr Reihen gehende Maschen zu erzielen, die dann oft auch noch verkreuzt werden
  • Maschen abketten am Ende der Strickarbeit

Maschinelles Stricken[Bearbeiten]

Während beim Wirken die Maschenreihe mit sämtlichen Einzelmaschen auf einmal entsteht, werden beim Stricken die Maschen nacheinander gebildet. 1856 ließ der Engländer Mathew Townsend aus Leicester eine mit Gelenk versehene Nadel (Zungennadel) patentieren. Mit Hilfe dieser Nadel wurde der Maschenbildungsprozess einfacher als mit Spitzennadeln. 1881 wurde die Doppelzungennadel von Durand erfunden. Dadurch konnten jetzt von Links-Links-Strickmaschinen gebaut werden. In Bezug auf die Ausgestaltung unterscheidet man Flach- und Rundstrickmaschinen, die sowohl für den Hand- als auch für den Motorbetrieb infrage kommen.

Siehe auch → Strickmaschine.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Geschichte des Strickens

  • Sylvia Greiner: Kulturphänomen Stricken. Das Handstricken im sozialgeschichtlichen Kontext, Verlag Bernd A. Greiner, Weinstadt 2002, ISBN 978-3-935383-06-6
  • Anne Macdonald: No Idle Hands: The Social History of American Knitting, Ballantine Books, 1990
  • Richard Rutt: A History of Hand Knitting, 1987
  • Susan M. Strawn; Melanie Falick: 'Knitting America: A Glorious Heritage from Warm Socks to High Art, Voyageur Press, 2007
  • Irena Turnau: History of knitting before mass production, Oficyna Wydawnicza „Akcent“, Warszawa 1991, ISBN 83-900213-2-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stricken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien